Wilde Sumpfkresse

Aus Hortipendium
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Wilde Sumpfkresse
Rorippa sylvestris
Besser, 1821
Rorippa palustris eF.jpg
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung Kreuzblütlerartige
Brassicales
Familie Kreuzblütler
Brassicaceae

Die Wilde Sumpfkresse (Rorippa sylvestris) ist ein in Mitteleuropa meist verbreitet vorkommender Angehöriger der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie blüht vorwiegend von Juni bis Oktober. Die Wilde Sumpfkresse ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon lange bekannt, wir aber stellenweisein den letzten Jahren zu einem argen Problem. Anders als bei den bekannten Kohlpflanzen aus der Familie der Kreuzblütler sind die Blätter gefiedert. Besonders schwer zu bekämpfen wird die Sumpfkresse, weil sie sich über Wurzelausläufer vermehrt. Da im Gemüsebau oft vorkommenden Fräsarbeit zerschlägt man diese in viele Teile, die sich dann weiter entwickeln und damit zur Verbreitung beitragen. Im Rahmen der Bekämpfung unbedingt schon den Anfängen wehren. Möglichst keine Samenbildung erlauben und die oberirdischen Teile mulchen bevor sich Samen bilden. Wenn möglich, zugelassene Herbizide nutzen. Ohne Herbizideinsatz sind leichte Grubber und ähnliche Geräte hilfreich. Damit bei möglichst höheren Temperaturen in einer regenfreien Zeit mehrfach die Pflanzen im Boden stören, ohne die Wurzel zu zerteilen.


Erscheinungsbild

Die mehrjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von etwa 20 bis 60 cm. Es handelt sich um eine mit Blattrosetten überwinternde Art, die unterirdische, verzweigte, dünne Ausläufer treibt. Der Stängel wächst aufrecht bis aufsteigend, ist verzweigt, kahl oder schwach mit sehr kurzen Haaren besetzt. Die Laubblätter sind gestielt und nicht stängelumfassend. Die unteren sind gefiedert bis fiederteilig und besitzen 4 bis 7 Paar gezähnte bis fiederteilige Abschnitte auf jeder Seite. Die oberen sind auch sitzend und haben oft schmälere und ungeteilte Abschnitte. Die Kelchblätter sind etwa 2 bis 3 mm lang und elliptisch bis länglich geformt. Die Kronblätter sind 4 bis 5 mm lang, goldgelb und verkehrt-eiförmig gestaltet. Die Blütentrauben sind selten über 10 cm lang. Die Schoten sind lineal, gerade oder leicht gekrümmt, etwa 8 bis 18 mm lang, etwa 1 mm breit und sitzen auf waagerechten oder leicht nach oben abstehenden, bis 12 mm langen Stielen.

Vorkommen

Standortansprüche

Die Wilde Sumpfkresse wächst auf Flutrasen- und in Schuttunkraut-Gesellschaften. Sie bevorzugt meist feuchte, nährstoffreiche, stickstoffhaltige, humose Böden. Man findet sie vor allem an Ufern, in Gräben, auf Äckern und in Forstbaumschulen.

Nach Ellenberg ist sie eine Verbandscharakterart der Flussufer-Röhrichte (Phalaridion arundinaceae).

Allgemeine Verbreitung

Rorippa sylvestris kommt in Europa bis Nordafrika, Klein- und Westasien vor. Sie ist ein eurasisch-subozeanisch-submediterranes Florenelement. In Österreich ist sie häufig zu finden, während sie in der Schweiz nur stellenweise vorkommt.

Verbreitung in Deutschland

Die Wilde Sumpfkresse ist in Deutschland meist verbreitet vorkommend. Nur in West- und Nordostdeutschland ist sie selten zu finden.

Ökologie

Die Wilde Sumpfkresse ist ein Hemikryptophyt: Eine ausdauernde, durch grundständige Blätter überwinternde, aufrechte oder niederlegende Schaftpflanze, die ca. 20(-40) cm hoch wird. Ihre Wurzeln bringen Laubsprosse hervor. Die Blätter sind gefiedert bis fiederteilig.

Die Blüten sind „Kleine Trichterblumen“, deren goldgelbe Blütenkronblätter den Kelch überragen. Im Kronengrund sind zwischen je 2 Staubfäden je 2 Nektarien inseriert, Die Narben und die Staubbeutel der 4 längeren Staubblätter stehen in gleicher Höhe, so dass Besucher mit dem Kopf beides berühren, wobei Selbst- und Fremdbestäubung erfolgt. Bei Regenwetter öffnet sich die Blütenkrone nur halb, und es findet durch die längeren Staubblätter spontane Selbstbestäubung statt.

Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, wie Hummeln, Bienen und Schwebfliegen.

Die Früchte sind Schötchen oder Schoten, 7-8mm lang und spitz. Es erfolgt Wasserausbreitung der Samen und Früchte, sowie Menschenausbreitung durch Gärtnereien.

Daneben vegetative Vermehrung als Rasen bildender Kriechpionier und durch Wurzelsprosse bzw. durch Blattknospen. Ganze Pflanzen können durch Hochwasser ausgebreitet werden.

Sonstiges

Mit den bis zu 0,75 m tiefen Wurzeln und als Kriechpionier kann die Pflanze zur Uferbefestigung genutzt werden. Die Wurzeln enthalten das Senföl Hirsutin.

Literatur

  • Haeupler/Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, Ulmer Verlag, Stuttgart, 2000, ISBN 3-8001-3364-4
  • Adler, Oswald, Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Ulmer Verlag, Stuttgart und Wien, 1994, ISBN 3-8001-3461-6
  • Binz, Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz, Schwabe & Co. AG, Basel, 1986, ISBN 3-7965-0832-4
  • Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Ulmer Verlag, Stuttgart, 1990, ISBN 3-8001-3454-3
  • Garcke: Illustrierte Flora, 1972, Verlag Paul Parey, ISBN 3-489-68034-0

Weblinks

Bilder: [1] [2] [3]