Grünkohl und Palmkohl Erwerbsanbau

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Grünkohl
Brassica oleracea convar. sabellica
Linné
Grünkohl-Pflanze-groß-erntereif (NXP).jpg
Grünkohlpflanze
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Rosiden
Ordnung Kreuzblütlerartige
Brassicales
Familie Kreuzblütler
Brassicaceae
Gattung Kohl
Brassica

Der Grünkohl (Brassica oleracea convar. sabellica) ist eine Art in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Er hat regional unterschiedliche Bezeichnungen wie Braunkohl, Federkohl, Friesische Palme, Hochkohl, Krauskohl, Lippische Palme, Oldenburger Palme, Winterkohl. In der Englischen Sprache heißt Grünkohl "Kale" in der niederländischen Sprache "Boerenkool". In Norden und Nordwesten von Deutschland ist der Grünkohl besonders beliebt. Der Grünkohl sieht dem Wildkohl noch recht ähnlich. Die Pflanzen entwickeln je nach Sorte, schon vor der Blütenbildung, einen hohen Spross bzw. Strunk, an dem sich übereinander viele, gekrauste Blätter bilden. Inzwischen gibt es auch zwei- oder mehrfarbige Grünkohlsorten, die vorwiegend als Zierpflanzen genutzt werden.
Der ähnliche Palmkohl (Brassica oleracea var. palmifolia) ist eigenlich eine eigene Gemüseart. Wegen seiner engen Verwandschaft zum Grünkohl und der gleichen Verwendung wird er jedoch meist unter dem Oberbegriff Grünkohl geführt. Anbautechnisch gesehen sind beide Kulturen weitghend gleich. Weiter unten mehr Details.
Die Frosthärte des Grünkohls, einschließliche Palmkohl ist hervorragend. Allgemein gilt, das die Pflanzen minus 10°C problemlos aushalten. Ein idealer Frostschutz ist die Schneeauflage, dann werden auch noch kältere Perioden gut überstanden.


Botanik

Grünkohl ist vermutlich eine der ältesten Kohlarten. Seine Wuchsform ähnelt noch sehr dem Wildkohl. Die Heimat des Grünkohls ist vermutlich der östliche Mittelmeerraum.
Als Nutzpflanze genutzt wird der Grünkohl schon seit dem griechischen und römischen Altertum. Mit den Römern kam er dann nach Mitteleuropa und somit zu uns.
Botanische gesehen gehört der Grünkohl, wie die verschiedenen verwandten Kohlarten, zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Bezüglich Fruchtwechsel und Pflanzenschutz ist das von großer Bedeutung.
Grünkohl ist eine zweijährige Pflanze. Durch einen Kältereiz im Bereich von 0-13 °C sowie einer drei- bis fünfwöchigen Einwirkung (bei uns im Winter gegen) bildet die Pflanze im zeiten Kulturjahr einen Blütenstand in Form einer lockeren Traube. Typisch für die Pflanzenfamilie hat auch der Grünkohl die gelben Blüten mit den vier Kelch- und Kronblättern. Die Bestäubung erfolgt vor allem durch Bienen und Hummeln. Aus den Blüten bilden sich 6-9 cm langen Schoten mit den kugeligen Samen.


Bilder zur Grünkohlpflanze

Wuchstypen und Sortenvielfalt

Grünkohl und Palmkohl

Grünkohl ist vielseitiger als so mancher meint. Bezüglich der Blattgestallt und Blattkräuselung unterscheidet man Grünkohl und den eng verwandten Palmkohl. Neben der Hauptfabe "Grün" des Grünkohls gibt es auch Sorten mit einer Rotfärbung. Beachtliche Unterschiede gibt es auch in der Pflanzenhöhe der Sorten.

Grünkohl Vielfalt

  • Farbe: Grün (Standard) und rot (eher selten)
  • Wuchs- und Blattform: Grünkohl (Standard) und Palmkohl (seltener)
  • Pflanzenhöhe: Niedrige Sorten für die "Mähernte", hohe Sorten für den hohen Flächenertrag
  • Verwendung: Zum Verzehr und Zierformen


Historische Wuchstypen
In früheren Zeiten hatte der Anbau von Grünkohl eine größere Bedeutung als Heute. Auf Grund seiner relativ einfachen Kulturführung und hervorragenden Winterhärte stand er in den meisten Bauerngärten. Die Sammlung historischer Zeichnungen von Jahre 1883 sowie 1904 geben einen guten Überblick über die damals in Frankreich vorhandenen Sorten bzw. wuchstypen.

Grünkohl Zuchtbetriebe und Saatgutlieferanten

Für den Anbau von Grünkohl unter den unterschiedlichsten Bedingungen gibt es verschiedene Saatgutanbieter. Vor Beginn des Anbaus ist es hilfreich, alle bedeutenden Zuchtbetriebe und wichtige Saatgutanbieter kennen zu kennen. Hier eine Auswahl wichtiger Betriebe mit ihrem Saatgutangebot. (Stand Febr. 2020).

Bejo in Sonsbeck Homepage und Sorten

  • Oldendorf F1, 80 cm
  • Redbor F1, 70 cm
  • Reflex F1, 70 cm
  • Winterbor F1, 80 cm, rote Sorte

Bingenheimer Biosaatgut in Echzell Homepage und Sorten

  • Halbhoher grüner Krauser, 80 cm
  • Lerchenzungen, 90 cm
  • Nero di toscana (Palmkohl), 120 cm
  • Red Russian Kale (violette Stiel, gezackte Blätter, auch als Babyleaf)

Uniseeds in Bleiswijk / NL Homepage Interessanten Blattkohl Sorten

  • Starmaker, breite, offene Rosette mit roten Herzblättern
  • Emerald, weiß-grüne Blätter
  • Midnight Sun, rot-grünes Blatt, gut bündelbar
  • Palmkohl: Black Magic
  • Palmkohl: Raven F1

Syngenta in Maintal Homepage und Sorten

  • Askon
  • Kobolt, 40 cm (geeignet als Mähkohl)
  • Westlandse Winter / Vedura, 65 cm
  • Winnetou, 70 cm

Weitere englische Sorten von Tozer Seeds Homepage
Erhältlich über Uniseeds


Saatgut und Keimung

Grünkohl und der sehr eng verwandte Palmkohl bilden ihre Blüten und Samen an etwa 1,5 - 2,0 m hohen Pflanzen in ca. 7 cm lange Schoten. Die Vernalisation (Blütenbildung) der zweijährigen Pflanzen erfolgt im Winterhalbjahr und insbesondere bei Temperturen von 6-13°C. Die Samen sind weitgehend kugelig rund und somit gut für eine Kalibrierung sowie Präzisionssaat geignet.

Grünkohl Saatgutdaten
TKM
Gramm
Korngröße
in mm
Ein
Gramm
Keimfähigkeit
in %
Keimtemp.
in °C
Keimdauer
in Tage
Saatgutangebot
im Handel
Saattiefe
in mm
3,5 - 5,0 g übliche Kalibrierung
1,50 - 1,75 mm
1,75 - 2,00 mm
2,00 - 2,25 mm
2,25 - 2,50 mm
meist
200 - 285 Korn
Normalsaagut
> 75%
Präzisionssaatgut
> 90%
5 - 30°C
optimal
15 - 20°C
bei 05°C: 30
bei 12°C: 10
bei 20°C: 05
Normalsaatgut
Präzisionssaatgut
5 - 10 mm

Saatgutangebote

  • Grünkohl Präzisionssaatgt wird stückweise u.a. in folgenden Einheiten angeboten: 5.000, 10.000, 25.000 oder 50.000 Korn.
  • Normalsaatgut gibt es u.a in Einheiten von 100g oder 250g.

Saatgut übertragbare Krankheiten
Grünkohlsaatgut kann bedeutende Pflanzenkrankheiten übertragen. Aus diesem Grunde versuchen die Saatgutvermehrer mit viel Aufwand krankheitsfreies Saatgut zu produzieren und in den Handel zu bringen. Sollte es trotzdem einmal beim Anbau von Grünkohl zu einem ungewöhnlichen und vielleicht auch besonders frühzeitigen Befall mit einer der folgenden Krankheiten kommen, so sollte man auch eine Saatgutübertragung in Betracht ziehen.

Saatgutlagerung
Muß Grünkohl Saatgut einmal gelagert werden, so am besten in der geschlossenen Keimschutzpackung. Für eine Kurzlagerung genügt die übliche Raumtemperatur. Bei einer längeren Lagerung niedrige Temperaturen, am besten 10°C oder weniger wählen. Temperaturschwankungen vermeiden.

Weiter Infos


Sortenwahl Grünkohl

Es gibt eine große Anzahl an Sorten, deren Eignung für die betriebseigenen Gegebenheiten zu prüfen ist. Hilfreich bei der Sortenwahl sind die verschiedenen Sorten-Versuchsergebnisse, die man online in Hortigate.de lesen oder runterladen kann.

Sorten Versuchsergebnisse
Hortigate: Grünkohl Sorten
Eine große Hilfe können auch die jährlich aktualisierten Empfehlungen der Pfälzer Gemüsebauberatung in Neustadt/Wstr. sein. Sie werden in Hortigate.de zum Online-Abruf angeboten. Für Abonnenten sind sie kostenlos, ansonsten gegen eine Gebühr, abrufbar.

Anbau- und Sortenhinweise für den Anbau in der Pfalz
Hortigate: Grünkohl: Anbau- und Sortenhinweise für Rheinland-Pfalz

Mögliche Resistenzen bei Kohlarten

Schaderrreger Code Wissenschaftlicher Name Deutscher Name
Bakterium XCC Xanthomonas campestris pv. campestris Adernschwärze
Pilze Foc Fusarium oxysporum f. sp. conglutinans Fusarium Welke
Pilze Pb Plasmodiophora brassicae Kohlhernie




Bodenpflege und Düngung

Nähere Details siehe extra Artikel. Grünkohl Boden und Düngung


Grünkohl Anbau als Pflanzkultur

Junger Kohlbestand als Pflanzkultur

Der Grünkohlanbau mit Hilfe vorgezogenen Jungpflanzen, z.B. in Erdpresstöpfen, ist vor allem in kleineren Betrieben und zur Versorgung des Vorort-Frischmarktes üblich. Die benötigten Pflanzen kauft man meistens von spezialisierten Jungpflanzenbetrieben.

Bestandsdichte und Pflanzenbedarf
Je nach Sorte, Anbautechnik, Art der verwendeten Maschinen usw. benötigt man pro ha etwa 30.000 bis 35.000 Pflanzen.
Bestandsdichten-Beispiele

  • 75 x 50 cm = 26.666 Pflanzen je ha
  • 60 x 50 cm = 33.333 Pflanzen je ha
  • 60 x 55 cm = 28.968 Pflanzen je ha


Anbauplanung laut RLP-Daten, Quelle: Mahler und Schlaghecken

Grünkohl Anzucht-, Pflanz- und Erntedatum
Pflanzen-Anzucht Pflanzung ins Feld Ernte-Beginn
Gewächshaus Saat-Datum Erdtöpfe Tage Standort Datum Tage Datum
temperiert 01.05. 5er ET/Sp 30 Freiland 01.06. 100 10.09.
temperiert 15.05. 4er ET/Sp 30 Freiland 15.06. 100 25.09.
unbeheizt 01.06. 4er ET/Sp 30 Freiland 01.07. 100 10.10.
unbeheizt 15.06. 4er ET/Sp 30 Freiland 15.07. 100 25.10.

Zeichenerklärung: 4er = 4 cm Topf, ET = Erdpresstopf, Sp = Speedy.


Videos Pflanzkultur


Pflanzmaschinen Anbieter



Grünkohl Anbau Direktsaatkultur

Lochscheibe für die pneumatische Präzisionssaat

Der Anbau von Grünkohl mit Hilfe einer Präzisions-Direktsaat ist gut möglich. Voraussetzung für den Erfolg ist eine weite Fruchtfolge, einen geringen Unkrautdruck sowie nicht zur Verschlämmung neigende Böden. Wir unterscheiden bei der Direktsaatkultur die Systeme: Dichtsaat mit Mähernte sowie Normalkultur für eine spätere Blatt- oder Strunkernte.


Direktsaat Normalkultur für Blatt- oder Kopfernte
Für die angestrebte Bestandsdichte von rund 30.000 Pflanzen sät man mit einer Päzisionssäschine entweder auf Endabstand oder eine Blocksaat mit je zwei Samen pro gewünschte Pflanze.


Anbauplanung laut RLP-Daten, Quelle: Mahler und Schlaghecken

Grünkohl Direktsaat Normalkultur
Freilandkultur Saat -Datum Kulturdauer Erntebeginn
Direktsaat 01.05. 130 Tage 09.09.
Direktsaat 15.05. 130 Tage 23.09.
Direktsaat 01.06. 130 Tage 09.10.
Direktsaat 15.06 130 Tage 23.10.
Direktsaat 05.07. 130 Tage 12.11.


Direktsaat mit dichtem Bestand für die Mähernte
Für diese Mähkultur sät man 200.000 bis 250.000 Samen pro ha. Ein bewährter Reihenabstand ist dabei 25 cm.

Grünkohl Direktsaat Mähkultur
Freilandkultur Saat -Datum Kulturdauer Erntebeginn
Direktsaat 01.04. 95 Tage 05.07.
Direktsaat 01.05. 90 Tage 30.07.
Direktsaat 15.06. 85 Tage 30.07.
Direktsaat 15.07. 90 Tage 01.07.
Direktsaat 15.08. 95 Tage 15.07.

Sätechnik für Grünkohl Direktsaat
Hier eignet sich vor allem die pneumatische arbeitende Technik mit Einsatz einer angepaßten Säscheibe.
Sämaschinen Hersteller


Pflanzenschutz

Hauptproblem: Weiße Fliegen

Grünkohl gehört zur Gruppe der Kohlgewächse und kann damit auch von verschiedenen Krankheiten und Schädlingen, die z.B. beim Blumenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Kopfkohl usw. vorkommen, befallen werden. Grundsätzlich ist Grünkohl jedoch noch ein realiv robust und urspünglich wachsende Kohlart. Das schützt jedoch z.B. nicht vor einem schlimmen Befall durch "Weiße Fliegen" oder der Kohlhernie!
Zur Verringerung des Ausfallsrisikos durch Krankheiten und Schädlinge eine aureichenden Fruchtwechsel und eine intensive Feldhygiene betreiben.
Ein guter Fruchtwechsel vermeidet den Nachbau von Vertretern der gleichen Pflanzenfamilie. Also kein Anbau von Kohlarten nach bzw. vor Grünkohl. Anbaupausen von 4-5 Jahren erscheint vorteilhaft.
Im Rahmen einer wirksamen Feldhygiene wird man nach Ernteende, so bald möglich, die Bestandreste schlägeln und so einer baldigen Verrottung zuführen.

Umfangreiche Details


Grünkohl Beikrautregulierung

Unerwünschter Grünkohl Durchwuchs

Die Unkrautbekämpfung beim Grünkohlanbau erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden. Im Einzelfall kann auch der Anbau in Mulchfolie hilfreich sein.

Feldhygiene

Falsches Saatbeet

Hierbei geht es um vorbeugende Maßnahmen. Dauerunkräuter möglichst schon beim ersten Auftreten ausschalten und nicht warten bis sich schon große Bestände gebildet haben. Zur Eindämmung des Samenunkräuter Drucks, diese nie Samen bilden lassen. Wird das konsequent durchgeführt, verringert sich der Unkrautdruck von Jahr zu Jahr. Nähere Infos zur Feldhygiene gibt es unter den folgenden Links.

Falsches-Saatbeet

Beispiel Hackgerät

Eine sofortige, große Erleichterung bei der Unkrautbekämpfung bringt das "Falsche-Saatbeet", das natürlich auch bei Pflanzkulturen von Nutzen ist. Nähere Infos zur Anwendung gibt es unter dem folgenden Link.

Mechanische Unkrautbekämpfung
Sowohl bei gepflanztem als auch bei direkt ins Feld gesätem Grünkohl kann eine mechanische Unkrautbekämpfung hilfreich und sinnvoll sein.

  • Hilfreich ist es, den Reihenabstand der vorhandenen Hacktechnik anzupassen
  • Lieber in den Reihen enger säen bzw. pflanzen und dafür weitere Reihenabstände wählen
  • Je jünger die Unkräuter, desto leichter die mechanische Bekämpfung
  • In niederschlagsarmen Regionen und auf leichteren Böden ist die mechanische Unkrautbekämpfung am ehesten erfolgreich

Herbizideinsatz

Herbizid Effekt Unkraut

In konventionell arbeitenden Betrieben ist der Einsatz bzw. die Nutzung von Herbiziden üblich. Um damit langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sind die Zulassungsbedingungen zu beachten und ein ist sachgerechte Anwendung nötig. Dazu gehört auch eine Begrenzung der Anwendungen innerhalb einer Fruchtfolge, um so die Selektion von nicht erfassten Unkrautarten zu verhindern. Nähere Infos zu Herbiziden und deren Einsatz gibt es unter den folgenden Links.

Link zur Indikationssuche im Gemüsebau 


Weitere Infos


Ernte

Erntereife Pflanze

Grünkohl wird im Kleinbetrieb von Hand geerntet. Dazu bricht man von Hand gut entwickelte Blätter vom Strunk ab oder entnimmt durch abhacken, ganze Kopfteile der einzelnen Pflanzen.
Beim Großanbau hat sich die dichte Direktsaat bewährt. Bei solchen Beständen kann die Ernte je nach Art des Anbaus mit Erntebändern oder Vollernter durchführen werden.

Videos zur Ernte

Benötigt der Grünkohl Frost bevor er eßbar wird?

Grünkohl im Winter. (J.Schlaghecken)

Viele Verbraucher meinen, dass Grünkohl erst richtig schmeckt, wenn er einen Frost erlebt hat. Tatsächlich spielt der Frost jedoch keine Rolle, sondern es kommt darauf an, dass die Pflanzen eine Periode mit bestimmten, niedrigen Temperaturen erlebt haben. Dabei ist zu beachten, das die bekannten Sorten unterschiedliche reagieren. Bei den niedrigen Temperaturen im Spätherbst und Winter, wird weiterhin, solange die Temperaturen über Null °C liegen, im Rahmen der Photosynthese, Zucker gebildet. Die Umwandlung in Stärke, mit Hilfe des Enzyms Phosphofructokinase, ist jedoch verlangsamt, so dass der Zuckergehalt ansteigt.
Die Zuckeranreicherung bzw. Geschmacksverbesserung kann nur bei aktiven Pflanzen stattfinden, demnach ist durch eine Tiefgefrierung keine Geschmacksverbesserung zu erwarten. Im modernen Günkohlanbau verwendet man inzwischen auch Sorten, die von Natur aus einen höheren Zuckeranteil haben und somit auch schon vor der Einwirkung von niedrigen Temperaturen eine guten Geschmack haben.

Quelle

Lagerung

Da Grünkohl frosthart ist, kann gut auf dem Feld überwintern und jeweils kurz vor der Vermarktung geertnet werden. Will man jedoch wetterunhabhängig sein, wird man sich im Winter jeweils eine bestimmte Menge Grünkohl auf Vorrat ernten und ins Kühllager stellen und so für die Marktaufbereitung bereit halten. Gute Lagerbedingungen liegen bei 0-2°C und 95% rel. Luftfeuchte.

Lagerschäden durch Ethylen
Grünkohl ist sehr empfindlich bezüglich Ethylen in der Lagerraumluft. Deshalb auf ethylenfreie Lagerräume achten. Auf keinen Fall zusammen mit ethylenproduzierenden Produkten wie z.B. Äpfel zusammen lagern.

Weitere Lager-Informationen


Marktangebot

Grünkohl Bündel am Markt

Vermarktet wird der Grünkohl auf dem Frischmarkt als ganze Pflanze, ganzen Blättern oder auch zunehmend als küchenfertig geschnittene Ware in Beuteln. Als haltbares Gemüse gibt es Grünkohl tiefgefroren oder auch als Naßkonserve in Dosen.

Grünkohl Produkte am Markt

  • Frische Grünkohl Blätter
  • Frische Grünkohl Pflanzenköpfe
  • Geschnittene Grünkohlblätter in Beutel
  • Grünkohlblätter, gehackt, tiefgefroren
  • Grünkohl in Gläser als Naßkonserve
  • Grünkohl Smoothy
  • Grünkohl Pflanzen Pulver



Grünkohl Saisonkalender

Gemüse aus der Region kaufen und saisonal verzehren ist meist für den Verbraucher preislich vorteilhaft und bringt ökologische Vorteile. Die Transporte bleiben kurz und die Ware ist im Normalfall nach der Ernte schnell beim Verbraucher. In einem speziellen Saisonkalen der Gemüsearten sieht man an Hand einer großen Grafik, wann einheimischer Grünkohl, auch im Vergleich zu anderen Gemüsearten am Markt angeboten wird.


Grünkohlanbau in verschiedenen Ländern

Grünkohl Anbau in Deutschland
Wie sich der heutige Grünkohl-Anbau in Deutschland entwickelt hat, zeigt die folgende Tabelle. Die Anbaufläche lag meist im Bereich von 800 bis 1.150 ha. Im Jahre 2022 lag sie bei 866 ha. Laut Bundesstatistik bauten im Jahre 2022 1.293 Betriebe Grünkohl an.
Bedeutende Anbauregionen sind NRW mit rund 530 ha und Niedersachsen mit 400 ha im Jahre 2022.
In früheren Zeiten spielte der Anbau von Kohl und damit auch von Grünkohl eine wesentlich größere Rolle. Im Jahre 1939 soll laut Becker-Dillingen die Grünkohl Anbaufläche 2.622 ha betragen haben. Die größten Anbauzentren waren damals NRW und Niedersachsen.

Grünkohl Anbauflächenentwicklung
in Deutschland in ha
Jahr ha
1992
  
1141
1996
  
1151
2000
  
1193
2004
  
1127
2008
  
1149
2012
  
1074
2016
  
959
2017
  
1178
2018
  
1090
2019
  
1009
2020
  
1089
2021
  
882
2022
  
866
Quelle: Statistisches Bundesamt


Grünkohlanbau in den Niederlanden
In den Niederlanden hat der Anbau und Verzehr von Grünkohl eine relativ große Bedeutung. Aber auch hier geht der Anbau sowie der Verzehr zurück. In den letzten Jahren reduzierte sich der Anbau von 750 ha im Jahre 2001 auf 399 ha im Jahre 2022.

Grünkohl Anbauflächenentwicklung
in den Niederlanden ha
Jahr ha
1998
  
449
2001
  
750
2004
  
725
2006
  
700
2008
  
700
2010
  
700
2012
  
700
2013
  
418
2015
  
358
2016
  
361
2017
  
361
2018
  
360
2022
  
399
Quelle: StatLine Niederlande


Klimawandel beim Anbau von Grünkohl beachten

  • Beim Anbau gibt es neue Herausforderungen.
  • Es gibt aber auch neue Chance.


Wert als Nahrungsmittel

Grünkohl Wertgebende Inhaltsstoffe
Nährwertinformationen pro 100g
Kilokalorien 60 kcal
Kilojoule 251 kJ
Wassergehalt 85 g
Eiweiß 4 g
Fett 4 g
Kohlenhydrat 3 g
Mineralien
Calcium (Ca) 130 mg (13%)
Kalium (K) 175 mg (4%)
Natrium (Na) 115 mg (5%)
Eisen (Fe) 0.9 mg (7%)
Phosphor (P) 60 mg (9%)
Zink (Zn) 0.3 mg (3%)
Vitamine
Vitamin A (Retinol) 10 μg (1%)
Vitamin B1 (Thiamin) 0.06 mg (5%)
Vitamin B2 (Riboflavin) 0.03 mg (2%)
Vitamin B6 (Pyridoxin) 0.12 mg (9%)
Vitamin B12 (Cobalamine) 0.1 μg (4%)
Vitamin C (Ascorbinsäure) 25 mg (42%)
Vitamin E (Tocopherol) 1.0 mg (7%)
Lipide (Fette)
Prozentangaben entsprechen den US Empfehlungen für Erwachsene.

Quelle: USDA Nutrient database
Weitere Quelle: DGE Nährwertabelle 2013/2014


Der Verzehr von Grünkohl kann einen wertvollen Beitrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt.

Weitere Informationen

Videos

Der verwandte Palmkohl

Der Palmkohl (Brassica oleracea var. palmifolia) ist ein enger Verwandter des Grünkohls auch bekannt unter den Namen "Italienischer Kohl", "Toskanischer Kohl" oder "Schwarzkohl". Anbau und Zubereitung entsprechen weitgehend dem eigentlichen Grünkohl. Im Folgenden einige Fotos vom Palmkohl.

Weiter Informationen

Palmkohl Videos


Kalettes (Neue Gemüseart: Rosenkohl x Grünkohl

Fertig für die Zubereitung

Englischer Züchter der Fima Tozer haben durch gezielte Kreuzungen die neue Gemüseart "Kalettes" geschaffen. Die Mutterpflanze ist der Rosenkohl, die Vaterpflanze der Grünkohl.
Die Pflanzen der neuen Kohlart haben einen Aufbau wie eine Rosenkohlpflanze, sie bilden aber keine festen Mini-Kohlköpfchen sondern in jeder Blattachsel ein kleines, lockeres Kohlröschen (siehe Foto). Kalettes zeichnet sich aus, durch seinen angenehmen Geschmack und den hohen Gesundheitswert. Ein bedeutenderes Marktangebot gibt es seite 2004.

Weiter Details zum Anbau und der Verwendung von Kalettes siehe in Hortipendium unter
Kalettes Kohlröschen

Grünkohl Samenproduktion

Grünkohl Schoten

Für die Produktion von Grünkohlsamen wählt man die allerbesten, gesunden Pflanzen, mit der gewünschten Pflanzeneigenschaften aus und läßt sie nach dem notwendigen Kältereiz (bei uns im Winter gegeben) blühen und Samen bilden. Die Pflanzen werden dann (im zweiten Jahr) ca. 100-150 cm hoch, blühen gelb und bilden ihre Samen in langen Schoten. Damit die Samen frei von samenbürtigen Krankheiten bleiben, sollte der Anbau auf möglichst krankheitsfreien Parzellen und höchster sorgfalt erfolgen.
Erfolgreiche Grünkohlanbauer verzichten heutzutage auf die eigene Saatgutvermehrung. Sie überlassen das lieber den professionell arbeitendne Saatgutbetrieben.

Videos Samenproduktion



Grünkohl Videos


Die Grünkohlakademie

Grünkohlakademie Homepage

Wer sich sehr für den Grünkohl interessiert, sollte auch das Internetangebot der Oldenburger Grünkohlakademie kennen. Hier bemühen sich Fachleute und Liebhaber aus der sogenannten "Grünkohl Hauptstadt", Wissenswertes und Nettes über das Wintergemüse immer wieder aktuell zu berichten. Ein besonderes Angebot steht unter der Überschrift "Kohloquium". Es gibt aber auch ein E-Learning-Grünkohl Kurs. In der Wissengalerie findet man viele interessante Daten und Fakten.
Das Grünkohl auch manchmal auch was mit der Politik zu tun hat, zeigt das jedes Jahr im Februar stattfindende "Defftig Ollnborger Gröönkohl Äten". Seit 1956 findet das nun in Berlin, in der niedersächsischen Landesvertretung unter dem Motto "Braunen Kohl-Essens" statt. Zu dem "Festakt" werden rund 200 hochrangige Gäste aus Kultur, Politik und Wirtschaft eingeladen. Als Höhepunkt gilt dabei die Wahl einer "Grünkohlkönigin" oder eines "Grünkohlkönigs". Im Jahre 2012 wurde z.B. EU-Kommissar Günther Oettinger zum Kohlkönig gewählt, 2012 wurde es Bundesumweltminister Peter Altmaier.


Literaturrecherche Grünkohl


Internationale Bezeichnung

20px Deutsch Grünkohl, Braunkohl, Krausblättriger Winterkohl, Federkohl
Flag of the United Kingdom (3-5).svg Englisch kale, scotch kale, curlies
Flag of China.png Chinesisch (Mandarin) chuan-yeh-ts´ai
Flag of Denmark (WFB 2004).gif Dänisch gronkal
Flag of Finland.png Finnisch lehtikaali
Flag of France.png Französisch chou frisé, chou frange, chou lacinié
Flag of Italy (1946–2003).png Italienisch cavolo verzetto, verza
Flag of the Netherlands.svg Niederländisch boerenkool
Flag of Norway.svg Norwegisch pyntekal
Flag of Poland.svg Polnisch jarmuz
Flag of Portugal.svg Portugisisch couve galega frisada
Flag of Romania.svg Rumänisch varza de frunze
Flag of Russia.svg Russisch kapusta listovaja kurcavaja
Flag of Sweden.svg Schwedisch gronkal
Flag of Spain.svg Spanisch berca col, col crespa
Flag of Hungary.svg Ungarisch leveles káposzta


Siehe auch in Hortipendium


Quellen

  • Schlaghecken Josef, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Josef Schlaghecken (2017): Rund um das Saatgut: Grünkohl. In: Zeitschrift "Gemüse". 53. Nr. 1. Seite 43-44. 


Weblinks