Was fehlt der Pflanze?

Aus Hortipendium
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Freizeitgärtner zeigen sich oft sehr beunruhigt, wenn sie Veränderungen an ihren Pflanzen feststellen. Meist entsteht spontan der Wunsch, seinen Pflanzen zu "helfen", entweder mit Düngern oder Pflanzenschutzmitteln. Falsch angewandt schaden diese Mittel mehr, als dass sie helfen. Daher ist es wichtig, zunächst festzustellen, ob es sich tatsächlich um Schadsymptome handelt und wenn ja um welche. Pflanzen ändern im Laufe des Jahres ihre Blattfarbe, manche Pflanzen auch im Laufe der Jahre die Blattform. Freizeitgärtner mit wenig Erfahrung sind manchmal irritiert über eine witterungsbedingte frühe Herbstfärbung oder das veränderte Aussehen der Thujahecke, wenn sie nach Jahren Zapfen bildet. Dies sind jedoch ganz natürliche Veränderungen und keine Schäden.
Liegt jedoch tatsächlich ein Schaden vor, dann gilt grundsätzlich:

  • Jeder Schaden hat eine (oder mehrere) Ursache(n).
  • Nicht jede Ursache ist eindeutig feststellbar.
  • In 99% der Fälle ist nicht der "böse Nachbar" schuld.

Mögliche Schadursachen

Sie lassen sich in zwei große Komplexe einteilen: parasitäre (biotische) und nicht parasitäre (abiotische) Schadursachen. Geläufig ist aber auch die Zusammenfassung verschiedener, meist abiotischer Schadursachen unter dem Begriff Standortprobleme sowie die Diagnose Wurzelschäden, die lediglich etwas über den Ort der Primärschädigung sagt. Der Schädigung im Wurzelbereich können sowohl biotische als auch abiotische Ursachen zu Grunde liegen.

biotische Schadursachen

biotische Schadursache: Oleanderkrebs
abiotische Schadursache: aufgeplatzte Tomaten

Zu den biotischen Schadursachen zählen:

(-> alle verursachen Krankheiten )

  • tierische Schaderreger (-> verursachen Schäden)
  • Konkurrenzpflanzen (sind Wasser- oder Nährstoffkonkurenten)

abiotische Schadursachen

Zu den abiotischen Schadursachen zählen:

  • Klima und Witterung ( z.B. Hagel, Kälte)
  • Einflüsse des Bodens (z.B. Nährstoffgehalt, ph-Wert)
  • Schäden durch Bearbeitungs- und Pflegemaßnahmen
  • Luftverunreinigungen

Standortprobleme

Darüber hinaus gibt es einen Ursachenkomplex, der unter dem Begriff Standortprobleme zusammengefaßt werden kann, d.h. die Schadursache steht direkt mit dem jeweiligen Standort der Pflanze in Zusammenhang. In erster Linie ist hier der Boden zu betrachten: Bei leichten Böden kommt es eher zu Problemen bei Trockenheit, schwere Böden neigen zu Verdichtungen, was wieder Wurzelschäden zur Folge haben kann, hohe pH-Werte begünstigen Chlorosen.
Befindet sich der Standort in der Nähe von Gehwegen, Terrassen usw. ist der Wurzelraum beengt und es kommt im Winter unter Umständen noch zu Belastungen durch Streusalz.
Außer durch den Boden selbst wird der Standort auch durch andere Faktoren beeinflußt. So kann es sich z.B. um einen stark sonnigen bzw. schattigen Standort handeln oder um eine windgeschützte bzw. "zugige" Ecke. Je nach Gegebenheiten kann so das Kleinklima im eigenen Garten von dem des Nachbargartens abweichen und sich diese Standortfaktoren positiv aber auch negativ, je nach Anspruch der Gehölze auswirken.
Dabei ist der Standort immer in Verbindung mit der jeweiligen Pflanze und ihren Ansprüchen zu sehen, denn wo eine Pflanze Schadsymptome zeigt oder gänzlich versagt, gedeiht eine andere unter Umständen bestens.

Ursachen von Schäden an Wurzelteilen

Werden Blätter, Astpartien, Triebspitzen oder ähnliche Organe gelb oder verdorren, ohne dass sich dies auf Krankheiten oder Schädlinge zurückführen lässt, hat man es meist mit Problemen im Wurzelbereich zu tun. Obwohl der Schaden sich oben zeigt, liegt er aber unter der Erde. Hier sind besonders die sich am äußersten Rand der Wurzeln befindlichen Teile wichtig. Kommt es im Boden zu einer Zerstörung dieser Wurzelspitzen, gibt es Schäden infolge der ausfallenden Wasser- und Nährstoffversorgung. Besonders häufig kommt dies nach Umpflanzaktionen vor. An den Folgen des Wurzelverlustes durch Umpflanzen leiden zum Beispiel Koniferen über Jahre. Die beschriebenen Schadsymptome können auftreten bei:

  • Verlust der Wurzeln bei Ein- oder Umpflanzaktionen
  • Fraßschäden durch Wühlmäuse, Insektenlarven, Tausendfüßer und Asseln
  • Abriss der Wurzeln durch starke oberirdische Bewegung der Pflanze (z.B. durch Stürme bzw. sonstigen Gewalteinwirkungen) oder unterirdisch bei der Anlage von Gängen (z.B. durch Maulwürfe)
  • Vertrocknen von Wurzelteilen (entweder Mangel an Feuchtigkeit oder ”Einbacken” in Lehm nach vorausgegangenem Wasserüberschuss)
  • Abfaulen von Wurzelteilen durch:
    • Fäulnis-Bakterien, die Wunden an Wurzeln besiedeln,
    • Staunässe (Sauerstoffmangel),
    • Veränderung des Mikroorganismenlebens im Boden. Wenn z.B. Bodenhohlräume entstehen, werden anaerobe (nicht luftliebende) durch aerobe Bakterien ersetzt. Folge: Verschiebung des Gleichgewichts der Bodenlebewesen und damit Fäulnis der Wurzeln,
    • Zerstörung der Mykorrhiza ( symbiotisches Zusammenleben von speziellen Pilzen mit den Wurzeln).

Diagnose durch Ausschlussverfahren:

Sternrußtau ist eine Pilzerkrankung, wird jedoch durch einen falschen Standort begünstigt!

Am schnellsten kommt man zur Diagnose, indem man einen Schadverursacher nach dem andern ausschließt. Dabei sollte man offen und ohne vorgefaßte Meinung alles abprüfen.

  • Liegen parasitäre Ursachen vor? Wenn ja, welche?

Wenn nein:

  • Liegen nicht-parasitäre Ursachen vor? Wenn ja, welche?

Wenn nein:

  • Liegen spezielle Standortprobleme vor? Wenn ja, welche?

Insbesondere wenn an einer Pflanze immer wieder Krankheiten auftreten wie z.B. Sternrußtau an Rosen sollte der Standort überprüft werden. Ein halbschattiger Standort, womöglich noch in Kombination mit einer Empfindlichkeit der Sorte würde in diesem Beispiel die Erkrankung fördern.

Maßnahmen

Nur nach der richtigen Diagnose kann beurteilt werden, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden können bzw. sinnvoll sind. Bei der Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer Maßnahme ist zu bedenken, dass einmal eingetretene Schädigungen nicht im Sinne einer "Heilung" rückgängig gemacht werden können: Ein vertrockneter Zweig bleibt vertrocknet, eine Verfärbung auf Grund eines Saugschadens bleibt bestehen. Außerdem ist vor jeder Bekämpfungsmaßnahme zu klären, ob dieser Schädling oder diese Krankheit überhaupt bekämpfungswürdig ist, da der Schaden evtl. nur kurzfristig und in geringem Maße auftritt und die Pflanze kaum beeinträchtigt. Gerade bei witterungsbedingten Schäden sind oftmals nur kosmetische Maßnahmen wie das Abschneiden der erfrorenen Spitzen möglich. Liegt ein Standortproblem vor, kann man durch allgemein pflanzenstärkende Mittel wie z. b. dem Einbringen von Mykorrhiza versuchen, die Bedingungen für die Pflanze zu verbessern. Ist das Grundproblem ein schwerer, verdichteter Boden mit Staunäße, gilt es hier anzusetzen (Tiefenlockerung, Drainage, Einbringen von Splitt, Sand usw.). Bei Standortproblemen ist jedoch oftmals der Austausch der Pflanze gegen eine andere, standortgerechtere Art die einfachere Lösung. Sind Schädlinge ursächlich, können teils biotechnische Methoden, Nützlinge oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Bei vielen Pilzerkrankungen können vorbeugend bzw. bei den ersten Anzeichen Pflanzenstärkungs- aber auch Pflanzenschutzmittel angewandt werden. Oft macht es jedoch Sinn, lediglich die betroffenen Pflanzenteile zu entfernen. Bei durch Bakterien verursachte Erkrankungen hilft nur der Rückschnitt ins gesunde Holz und gegen Viren gibt es keine Mittel, hier ist die Pflanze zu entfernen.

Weblinks

http://www.arbofux.de
http://bfw.ac.at/400/1270.html
http://www.wsl.ch/forest/wus/diag/index.php?MOD=4 Eva Morgenstern, Gartenakademie Rheinland-Pfalz