Tomaten im Hausgarten

Aus Hortipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tomatenvielfalt

Tomaten im eigenen Gemüsegarten können erst ins Freiland gepflanzt werden, wenn kein Frostrisiko mehr besteht. Dies ist oft erst ab Mitte Mai der Fall. Stehen im Spätsommer die Tomaten vor Feuchtigkeit ungeschützt im Freiland, so sind die Früchte und in extremen Fällen auch die gesamte Pflanze durch das Auftreten der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) gefährdet. Damit ist die zeitliche Begrenzung für den Tomatenanbau im Garten vorgegeben.


Sorten

Bunte Sortenvielfalt
Sortenvielfalt mit Namen

Während früher nur die mittelgroßen Tomaten bekannt waren, ist seit einigen Jahren eine größere Sortenvielfalt im Anbau festzustellen.

Kirschtomaten Hierunter werden die kleinen rundlichen Tomaten mit einem Durchmesser bis lediglich 2,5 cm verstanden, die einen ausgezeichneten Geschmack aufweisen. Wegen ihrer geringen Größe werden sie in der Regel als Ganzes verzehrt. Sie wachsen in Trauben heran und können auch als Trauben mit mehreren Früchten geerntet werden

Mittelgroße Tomaten Dies sind die wenig gerippten Tomaten mittlerer Größe, die sich schon lange im Anbau befinden. Der Geschmack ist durchweg als gut zu bezeichnen. Im Grad der Rotfärbung gibt es Sortenunterschiede. Innerhalb der mittelgroßen Tomaten sind auch Sorten bekannt, die nicht eintriebig, sondern auch als Buschtomaten gezogen werden können.

Eiertomaten Diese Tomaten weisen eine länglich-ovale Fruchtform auf. Eiertomaten sind besonders in den Mittelmeerländern verbreitet. Dort werden verschiedene Verarbeitungsprodukte wie Saft und Saucen aus den Eiertomaten hergestellt. Die Früchte sind dickschalig und besitzen nur wenige Samen.

Fleischtomaten Diese großen, gerippten Früchte sind besonders saftig und haben ein sehr gutes Aroma. Allerdings ist auch die Reifezeit etwas länger als bei den kleinfrüchtigen Sorten. Die Pflanzen zeigen einen kräftigen und gesunden Wuchs.

Alte Tomatensorten und Liebhabersorten findet man meist nur selten im Handel. Mit ein Grund dafür ist das Saatgutverkehrsgesetz. Danach ist der Handel mit nicht zugelassenen Sorten verboten. Erlaubt ist jedoch der Tausch, sowie der private, hobbymäßige Anbau solcher Sorten. Sucht man also alte, lokale bzw. Liebhabersorten, ist man daher meist auf die Weitergabe von Samen bzw. Pflanzen im Tausch oder gegen Erstattung der Selbstkosten von Privatpersonen bzw. Vereinen, wie z.b. des „Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt“ (VEN) angewiesen.
Daneben gibt es auch grünreifende Tomaten, die so langsam auch in die Gärten Einzug halten wie beispielsweise die Sorten `Grünes Zebra` (grün-gelb-gestreift), `Evergreen`und `Grüne Traube`. Sie bieten in Tomatensalaten eine bunte – und leckere – Abwechslung, deshalb sollte man sie nicht außer Acht lassen.
Es scheint, dass viele dieser Rezepte Übersetzungen sind, bei denen für „Tomato verde“ wortwörtlich „Grüne Tomate“ eingesetzt wurde. Als „Tomato verde“ bezeichnet man jedoch im südamerikanischen Raum die Grüne Tomatillo (Physalis ixocarpa), auch gelbe Tomatillo oder Mexikanische Tomatillo genannt. Man merkt den Unterschied, wenn man ein Rezept mal mit Tomatillo anstelle unreifer Tomaten ausprobiert hat!
Ob grün, gelb oder rot - Tomatenvielfalt ganz nach Geschmack


Selbstanzucht

Bei der Selbstanzucht von Jungpflanzen ist ein Zeitraum von zwei Monaten, von Mitte März bis Mitte Mai, einzukalkulieren. Die Pflanzen sollten in 10 cm-Töpfe pikiert werden. Allerdings ist eine Selbstanzucht nur sinnvoll, wenn man einen hellen, nicht allzu warmen Kulturraum besitzt. Andernfalls ist es nicht möglich, bis zur Pflanzung kräftige und vor allen Dingen gedrungene Pflanzen heranzuziehen. Durch Anzucht auf der Fensterbank bei hohen Temperaturen und nur begrenztem Lichtgenuss werden lange, schwache, hellgrüne Pflanzen erzielt, die den Kulturerfolg der gesamten Vegetationsperiode gefährden.

Kultur

Pflanzung

"Ein Dach über dem Kopf" als Schutz vor Kraut- und Braunfäule

Die Pflanzung in das Freiland an eine sonnige Stelle sollte erst ab Mitte Mai erfolgen. Bei früherer Pflanzung muss gegen das Frostrisiko mit Vlies oder Folie abgedeckt werden. Gepflanzt wird im Abstand von 50 cm in der Reihe. Nachbau auf derselben Fläche, auf der schon Tomaten gestanden haben, ist möglich.

Pflege

Buschtomaten ausgenommen, werden alle Tomaten eintriebig an einen Stab gezogen. Alle Seitentriebe werden entfernt (ausgebeizt). Da im Freiland gewöhnlich nicht mehr als 5 Fruchtstände reifen, sollte die Pflanze oberhalb des 5. Blütenstandes gekappt werden.

Tomaten erfordern eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit. Der Wechsel von Austrocknung und Bewässerung führt zu einem Platzen der Früchte. Dieses Schadbild tritt in heißen Sommern verstärkt auf, ist aber immer auch sortenabhängig, so dass von zwei nebeneinander stehende Tomatenpflanzen unterschiedlicher Sorten u.U. nur eine betroffen ist. Manchmal liegt dem Aufplatzen nur eine Ursache zu Grunde, oft ist es jedoch ein Ursachenkomplex.

Eine gleichmäßige Feuchtigkeit wird erreicht, wenn man das Gießwasser in Tontöpfe gießt, die in der Nähe der Tomatenpflanzen in den Boden eingelassen sind. Außerdem werden dadurch die unteren Blätter nicht benetzt, was einem Auftreten der Kraut- und Braunfäule entgegenwirkt.

Verschiedene Ursachen für das Aufplatzen von Tomaten
Schadbild Ursache Vorbeugung
ringförmiges Aufplatzen, mehrere flache oder ein tiefer Ring Triebspitzen wurden entfernt oder auf heiße folgen trübe, kühlere Tage
der Wurzeldruck ist noch auf hohen Verbrauch eingestellt, wodurch in den Tomaten ein Überdruck entsteht
weniger gießen
Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht vermeiden (z.B. abdecken mit Vließ oder Folie)
sternförmige, streifige, korkige Risse zusammentreffen verschiedener Ursachen (Ursachenkomplex) gleichmäßiges Nährstoffangebot
Luftfeuchtigkeit und Temperatur dürfen nicht zu hoch liegen (ggf. beschatten)
viele kleine, verkorkte Risse auf der Oberfläche Tomaten waren nass und trockneten anschließend sehr schnell ab (hohe Temperaturen) nass werden der Früchte vermeiden (z.B. Überdachung, Tomatenhauben)
kreisförmige, flache verkorkte Risse zu starke Sonneneinstrahlung nicht zu viele Blätter entfernen, ggf. beschatten

Düngung

Tomaten gehören zu den starkzehrenden Gemüsearten und sind besonders dankbar für einen humusreichen Boden. Mit 3-4 l Kompost pro m2 wird der Nährstoffbedarf voll abgedeckt. Nachdüngung mit Mineraldüngern ist weder notwendig noch sinnvoll: durch eine Überdüngung leidet die Qualität, die Anfälligkeit gegen Krankheiten wid erhöht und Boden und Wasser werden durch überschüssige Nährstoffe belastet. Möglich ist jedoch ein abmulchen mit Rasenschnitt oder ein Abdecken mit Stroh, was vorbeugend gegen die Krautfäule wirkt. Eine Überversorgung mit Stickstoff erkennt man an der dunkelgrünen Blattfarbe, eine Unterversorgung ist erkennbar an der hellgrünen Blattfarbe. Sie fördert die Blütenbildung und verfrüht die Ernte.

Mangelsymptome
Stickstoffmangel gelbgrüne Blätter
Phosphormangel schmale, blaugrüne Blätter
Kaliummangel Absterbeerscheinungen an den Blatträndern
Magnesiummangel Aufhellung zwischen den Blattadern


Schädlinge und Krankheiten

Im Tomatenanbau spielen tierische Schädlinge keine besondere Rolle. Von den Pilzkrankheiten gefährdet insbesondere die Kraut- und Braunfäule den erfolgreichen Anbau der Tomaten. Ab Mitte August tritt die Krankheit deutlich sichtbar auf. Die Infektionen erfolgen aber bereits Ende Juni. Besonders bei hohen Niederschlägen kann der überwiegende Teil der jungen Früchte vernichtet werden. Die Pilzinfektion zeigt sich durch graugrüne und tiefbraune Flecken an den Früchten. Blätter und später auch der Stängel sterben ab. Zur Infektion benötigt der Pilz Feuchtigkeit auf den Blättern. Eine Abdeckung der Freilandtomaten mit Folie ist deshalb eine gute vorbeugende Maßnahme. Lesen Sie auf der Seite Pflanzenschutz in Tomaten weiter.

Sind grüne Tomaten giftig?

Grüne Tomaten im Angebot.

Bei uns sind meist rotfrüchtige Tomatensorten im Handel. Sie haben im Jugendstadium grüne Früchte, die aber bei zunehmender Reife rot werden. Geerntet wird meist erst, wenn die Früchte nichtig rot sind. Nur bei langen Transportwegen wählt man schon mal das halbreife, gelbrote Stadium. Mit der Entwicklung der sogenannten Longlife-Sorten erntet man heute nur noch reife Früchte.

Immer wieder hört man aber, dass in südlicheren Ländern auch grüne Tomaten verzehrt werden. Diese sollen aber giftig sein. Wie verhält es sich damit?
Die "Stiftung Warentest" berichtet dazu in Nummer 8/2003: "Keine Angst vor Grün". Gesünder geht's kaum: Auf eine mittelgroße rote Tomate kommen mal gerade 15 Kilokalorien, dafür jede Menge gesunde Inhaltsstoffe. Beispielsweise Kalium, vor allem aber Lykopin, besonders wichtig für die Immunabwehr. Je roter die Tomaten, desto mehr Lykopin steckt drin. Und um so besser schmecken sie, wenn sie reif gepflückt wurden. Aber auch noch etwas grüne Tomaten haben ihre Anhänger, und zwar wegen der säuerlichen Note. Grüne Stellen bedeuten bei Tomaten und auch bei Kartoffeln: Sie enthalten das giftige und hitzestabile Solanin. Doch keine Angst, für eine Vergiftung sind die Mengen in leicht grünen Tomaten zu gering. Selbst die Konfitüre aus ganz grünen Tomaten ist kein Problem, wenn man nicht zu kräftig hinlangt. In 100 Gramm halbreifen, orangeroten Frücbten wurden bis zu 2 Milligramm Solanin gemessen. Giftig wird es ab 25 Milligramm, tödlich können 400 Milligramm sein. Bei ganz grünen Tomaten liegt der Solaningehalt zwischen 9 und 32 mg pro 100 Gramm. Verarbeitet mindert sich das Risiko. Bei milchsaurer Vergärung verringert sich der Solaningehalt um 35%. Ähnlich bei Konfitüren, denn da bewirkt der Zuckerzusatz die Verdünnung.
( siehe auch Tomaten als Nahrungsmittel).

Unreife Tomaten nachreifen lassen

Oft hängen im Herbst, wenn die Nachttemperaturen unter 10-12°C fallen, noch ganze Trauben von an den Stöcken. Diese reifen im Freien nicht mehr aus. Sie zeigen häufig dunkelgrüne Streifen und manchmal glasige Stellen. Dieser Schaden wird durch den kalten Tau verursacht, der sich auf den Früchten niederschlägt.

Um trotzdem noch die letzten Tomaten zu genießen, muss man die grünen Früchte rechtzeitig ernten und nachreifen lassen. Bei Temperaturen zwischen 16 -25° (optimal 18-20°C) und bei hoher Luftfeuchtigkeit (über 80 % relative Luftfeuchte) ist dies möglich. Licht wird für den Reifungsprozess nicht benötigt.

Dazu gibt es verschiedene Methoden:

  1. Die Pflanze auf dem Beet umknicken und auf ein Brett legen, so dass die Tomaten keinen Erdkontakt haben. Dann einen Frühbeetkasten darüber stellen und bei tiefen Temperaturen mit isolierendem Material abdecken.
  2. Die gesamte Pflanze kopfüber an einem sonnigen, warmen Platz, z. B. an Südmauern unter vorspringenden Dächern, in einem Gewächshaus oder einer luftigen Scheune, aufhängen. Die Blätter werden vorher entfernt.
  3. Tomaten grün pflücken und in Zeitungspapier wickeln oder in eine Papiertüte legen. Bei größeren Mengen Körbe oder Horten mit Papier auslegen, Tomaten in die Körbe legen und mit Papier abdecken. Verwendet man zum Abdecken Folie, muss regelmäßig gelüftet werden!

Tipp: Tomaten reifen schneller, wenn sie zusammen mit Äpfeln (Ethylenspender) gelagert werden!

Die Entscheidung für die jeweilige Methode richtet sich nach der Menge der unreifen Früchte und den im Einzelfall gegebenen Möglichkeiten.
Wichtig ist, dass die unreifen Tomaten abgeschnitten und nicht gerissen werden. Am besten lässt man sogar noch ein Stück des Stängels an der Tomate. So geht man sicher, dass die Tomatenhaut beim Ernten nicht verletzt wird und zu faulen beginnt.
Auch unreife Tomaten können - allerdings nur in kleinen Mengen, z.B. als Marmelade - gegessen werden.


Siehe auch in Hortipendium


Weblinks

http://www.lilatomate.de
http://www.bio-saatgut.de
http://www.tomaten-atlas.de/
http://www.gartenakademie.rlp.de