Substratanalyse Topfpflanze

Aus Hortipendium
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Hauptartikel: Grundlagen der Bodenanalyse im Zierpflanzenbau


Bodenanalyse und Nachdüngung bei Topfpflanzen
Es gilt das Prinzip, dass der Richtwert (auch Mindestvorrat) aufgefüllt und der Pflanzenentzug zusätzlich gedüngt wird. Bei geringer Anzahl Nachdüngungen in hoher Konzentration erfolgt eine starke Schwankung des Salzgehalts. Die Verträglichkeitsgrenze wird bei Intervalldüngung in weiten Zeitabständen zeitweise überschritten bzw. der Mangelbereich erreicht. Mit zunehmenden Düngungsintervallen, z.B. bei Bewässerungsdüngung in geringer Konzentration werden die Schwankungen geringer. Das Pflanzenwachstum ist bei geringen Schwankungen des Salzgehalts verbessert, da kein Salzstress und keine Mangelsituation auftreten.


Bei gärtnerischen Substraten wird durch Bodenanalyse die verfügbare Nährstoffmenge exakt erfasst, da die verwendeten Torfsubstrate eine geringe biologische Aktivität besitzen und die Nährstoffe kaum nachgeliefert und festgelegt werden.

Im Idealfall dienen Kontrolluntersuchungen während der Kulturzeit der Bestätigung, ein optimales Düngungsprogramm erarbeitet zu haben, das den Bedürfnissen der jeweiligen Kultur angepasst ist. Die Kontrolle der Nachdüngung muss gegen Ende des ersten Drittels der Kulturzeit durchgeführt werden, um eventuell noch korrigierend eingreifen zu können. Sind bereits Ernährungsstörungen aufgetreten, sind diese gewöhnlich zwar reparabel, aber Folgen wie Qualitätsverschlechterung und Verlängerung der Kulturzeit sind bereits eingetreten.
Die Substratanalyse während der Kulturzeit ist immer dann ein Muss, wenn ein neues Substrat oder ein komposthaltiges Gemisch benutzt wurde sowie bekannt ist, dass das Gießwasser nährstoffhaltig ist bzw. einen hohen Salzgehalt aufweist.


Nährstoffdefizit einzelner Nährstoffe

Hat eine Kontrolluntersuchung während der Kultur Unterversorgung an einem Nährstoff ergeben, ist der Mangel auszugleichen.

Ergebnis einer Substratanalyse bei Cyclamen
pH
CaCl2
mg/l Substrat
Salz N P2O5 K2O
6,1 1650 35 190 230


Mit Hilfe der Richtwerttabelle wird der Versorgungsgrad des Substrats ermittelt.

Salz N P2O5 K2O
Richtwert
Messwert
1500
1650
150
35
150
190
200
230
Fehlbedarf 115 - -


Es ist eine Stickstoffunterversorgung eingetreten, während alle anderen Nährstoffe, der [8Salzgehalt]] und der pH-Wert im Optimalbereich liegen.
Die Bedingungen für die Auswahl des Stickstoffdüngers sind kein Absinken des pH-Werts und rasche Düngerwirkung. Sie werden von Kalksalpeter erfüllt. Der Fehlbedarf soll über flüssige Nachdüngungen aufgefüllt werden. Damit keine schädliche Salzwirkung eintreten kann, soll eine Konzentration von 2 g/l nicht überschritten werden. Die Anzahl der Nachdüngungen ist abhängig von der Wassermenge pro Düngungsvorgang, diese wiederum von der Topfgröße.


Wasseraufnahme von Topfgrößen in Abhängigkeit vom Bewässerungsverfahren; Dauer der Kapillarbewässerung 30 Min.
Topfgröße [cm] Wasseraufnahme [ml]
Gießen von Hand kapillare Verfahren
8
9
10
11
12
13
14
35
40
50
75
100
125
150
40
55
80
90
120
150
180


Beispiel: Ein 12 cm Topf nimmt pro Gießvorgang mit der Hand 100 ml Wasser auf (Topfinhalt 0,8 l). Wie oft muss ein 12 cm Topf mit 2 g/l Kalksalpeter nachgedüngt werden, um einen Stickstoff-Fehlbedarf von 105 mg/l aufzufüllen?


A. Berechnung des Sickstoff-Fehlbedarfs pro 12 cm Topf


in 1,0 l fehlen 115 mg N
in 0,8 l fehlen x mg N

x = 0,8 * 105 = 92 mg N/12 cm Topf

B. Berechnung der Stickstoffmenge in 2 g/l Kalksalpeter


100 g Kalksalpeter enthalten 16 g N
2 g Kalksalpeter enthalten x g N

x = \frac{2*16} {100} = 0,32 g N/l = 320 mg N/l


C. Berechnung der zugeführten Stickstoffmenge pro Düngungsvorgang


1000 ml Wasser enthalten 320 mg N
100 ml Wasser enthalten x mg N

x = \frac{100*320} {1000} = 32 mg N pro Düngungsvorgang


D. Berechnung der Düngungshäufigkeit


32 mg N durch 1 Düngung geliefert
92 mg N durch x Düngungen geliefert

x = \frac{92} {32} = 2,9 Düngungen


Das Defizit von 92 mg N pro 12 cm Topf wird durch drei Düngungen mit 2 g/l Kalksalpeter aufgefüllt.


Nährstoffdefizit mehrerer Nährstoffe

Allgemeiner Nährstoffmangel kann analog zur bisherigen Vorgehensweise entweder mit Einzeldüngern oder einem Mehrnährstoffdünger behoben werden.


Ergebnis einer Substratanalyse bei Poinsettien
pH
CaCl2
mg/l Substrat
Salz N P2O5 K2O
6,3 1730 70 120 80


Mit Hilfe der Richtwerttabelle wird der Versorgungsgrad ermittelt.


Salz N P2O5 K2O
Richtwert
Messwert
1500
1730
150
70
150
120
200
80
Fehlbedarf 80 30 120


Beispiel:
Die Substratanalyse hat ergeben, dass bei Stickstoff und Kalium ein Fehlbedarf besteht. Der geringe Phosphat-Fehlbedarf wird pauschal über den ausgewählten Dünger verabreicht. Die Ergänzung des Fehlbedarfs soll über einen Mehrnährstoffdünger erfolgen. Die Topfgröße beträgt 12 cm, die Wasseraufnahme pro Düngung 80 ml (Anstaubewässerung). Zur Vermeidung der Salzanreicherung im Substrat wird die Nährlösungskonzentration auf 1,5 g/l begrenzt.
Wie viel Nachdüngungen mit 1,5 g/l eines Mehrnährstoffdüngers (MND) sind notwendig, um die Fehlbedarfe zu ergänzen? (Berechnung über den Stickstoff, der Phosphat- und Kaliumbedarf sind damit ebenfalls gedeckt).

A. Berechnung des Stickstoff-Kalium-Verhältnisses (N = 1)


N : K2O = 1 : x
80 : 120 = 1 : x

x = \frac{120} {80} = 1,5


Geeignet ist ein Mehrnährstoffdünger mit dem Nährstoffverhältnis 15•5•25.


B. Berechnung der Düngermenge zur Deckung des Stickstoffbedarfs


15 mg N in 100 mg MND
80 mg N in x mg MND

x = \frac{80*100} {15} = 533 mg MND


C. Berechnung des Fehlbedarfs pro 12 cm Topf

in 1,0 l fehlen 533 mg MND
in 0,8 l fehlen x mg MND

x = 0,8 x 533 = 426 mg MND/12 cm Topf


D. Berechnung der Stickstoffmenge in 1,5 mg/l MND


100,0 g MND enthalten 15 g N
1,5 g MND enthalten x g N

x = \frac{1,5*15} {100} = 0,225 g MND/l = 225 mg MND/l


E. Berechnung der zugeführten MND-Menge pro Düngungsvorgang


1000 ml Wasser enthalten 225 mg N
80 ml Wasser enthalten x mg N

x = \frac{80*225} {1000} = 18 mg N/Düngungsvorgang


F. Berechnung der Düngungshäufigkeit

18 mg N durch 1 Düngung geliefert
80 mg N durch x Düngungen geliefert

x = \frac{80} {18} = 4,4

Das Nährstoffdefizit wird durch ca. 4 Düngungen mit 1,5 g/l aufgefüllt.


Korrektur bei Nährstoffüberangebot

Großblätter und gehemmte Blütenentwicklung bei Cyclamen, insgesamt verlängerte Kulturzeit und übermäßige vegetative Entwicklung allgemein sind keine Einzelfälle. Ursachen sind Nährstoffüberangeboten einzelner Nährelemente (häufig Stickstoff) und zu hohe Gesamtsalzkonzentration im Substrat. Diese sind in der Regel das Resultat einer falschen Nachdüngung, unvorhergesehener Nährstoffnachlieferung des Substrats durch Mineralisierung organischer Substanz (Kompost, Zuschlagstoffe) und organischer Dünger bzw. Freisetzung aus Depotdüngern sowie eines überhöhten Salzgehalts im Gießwasser.
Wird die Nachdüngung regelmäßig durch Substratanalyse kontrolliert, ist in vielen Fällen die Regulation durch eine Düngungspause möglich. Wird erst bei sichtbaren Symptomen eine Substratanalyse durchgeführt, bleibt oft nur das arbeitswirtschaftlich nicht zu rechtfertigende Durchspülen des Substrats die einzige Möglichkeit, den Pflanzenbestand zu retten.


Ergebnis einer Substratanalyse bei Elatiorbegonien
pH
CaCl2
mg/l Substrat
Salz N P2O5 K2O
6,4 2100 410 380 400


Der Vergleich mit den Richtwerttabelle macht eine Aussage über den Grad der Überversorgung (mg/l Substrat).


Salz N P2O5 K2O
Richtwert
Messwert
1500
2100
150
410
150
380
200
400
Überversorgung 600 260 230 200


Als besonders kritisch ist die überhöhte Stickstoffversorgung zu beurteilen, daher wird die Berechnung der Düngungspause an den Stickstoff angebunden.


Beispiel:
Wie viel Wochen muss die Düngung ausgesetzt werden, bis die Nährstoffgehalte wieder auf den Richtwert gesunken sind?


A. Berechnung des wöchentlichen Stickstoffbedarfs: N-Bedarf während der Kulturzeit 600 mg/ Pflanze, Kulturdauer 12 Wochen


wöchentlicher Bedarf = \frac{Gesamtbedarf} {Kulturdauer} = \frac{600} {12}
= 50 mg N/Woche und Pflanze


B. Berechnung des Stickstoffüberschusses pro Topf (12 cm Topf, 0,8 l Inhalt)


1,0 l hat 260 mg N-Überschuss
0,8 l haben x mg N-Überschuss
x = 0,8 x 260 = 208 mg N-Überschuss


C. Berechnung der Düngungspause


50 mg N in 1 Woche aufgenommen
208 mg N in x Wochen aufgenommen

x = \frac{208} {50} = 4 Wochen


Die Düngungspause muss 4 Wochen andauern, um das Nährstoffniveau wieder den Richtwerten anzupassen.
In dem Beispiel sind alle Nährstoffe in etwa gleichen Verhältnissen im Überschuss. Ist nur ein Nährstoff betroffen, gilt die Berechnung nur für diesen, alle anderen müssen dem Entzug entsprechend weiter nachgedüngt werden.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der wöchentliche Entzug lediglich pauschal berechnet wurde. In das Beispiel ist nicht die Wachstumsphase der Pflanzen eingegangen, wodurch Abweichungen vom errechneten Wert entstehen. Sicherheit über die tatsächliche Dauer der Düngungspause gibt letztlich nur eine erneute Substratuntersuchung.
Eine weitere Möglichkeit ist die Berechnung des Fehlbedarfs bis zum Kulturende. Aus dem Ergebnis wird geschlossen, zu welchem Zeitpunkt des Kulturablaufs die Düngung wieder aufgenommen werden kann.


A. Berechnung der fehlenden Stickstoffmenge bis Kulturende


Stickstoffgehalt der Jungpflanze
+im Endtopf bisher aufgenommen
(5 Wochen à 50 mg N)
100 mg N
250 mg N
= bisher aufgenommene N-Menge
+ Überschuss/Topf
350 mg N
208 mg N
= zur Verfügung stehende N-Menge
Gesamtentzug
558 mg N
600 mg N
Fehlbedarf bis Kulturende 42 mg N


Der Fehlbedarf entspricht etwa dem Stickstoffentzug einer Woche. Das bedeutet, dass allenfalls gegen Kulturende mit der Düngung wieder begonnen werden kann.


Einzelnachweise


Quellen

Ulrich Harm (2007): Neustadter Heft: Bodenanalyse und Düngung im Zierpflanzenbau. Herausgeber DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße.