Sellerie

Aus Hortipendium
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Sellerie
Apium graveolens
Linné
138 Apium graveolens L.jpg
Illustration der Wildform Apium graveolens
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung Doldenblütlerartige
Apiales
Familie Doldenblütler
Apiaceae
Gattung Sellerie
Apium


In Deutschland gibt es drei Kulturformen des Selleries, die aus der Wildform Apium graveolens var. graveolens entstanden sind: Bleichsellerie (Apium graveolens var. dulce), Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum) und Schnittsellerie (Apium graveolens var. secalinum). Die Wildform des Selleries hat sich als Kosmopolit weltweit verbreitet und seine Nutzung kann bis in das griechische Altertum nachgewiesen werden. Bereits die Römer nutzten den Sellerie unter seinem lateinischen Namen Apium. Bis zum 16. Jahrhundert wurde Sellerie als Heilpflanze genutzt, erst später bildeten sich die heutigen Kulturformen heraus.

Biologie

Es lassen sich wenig generelle Merkmale von Sellerie nennen. Die Biologie der verschiedenen Kulturformen unterscheidet sich. Der wichtigste Unterschied liegt in der Ausprägung der Pflanzenteile. Charakteristisch für die Biologie des Knollenselleries ist die Ausprägung einer Sprossrübe, der Stangensellerie zeichnet sich durch seine verdickten Blattstiele aus. Die Biologie des Schnittselleries ähnelt der des Stangenselleries, jedoch sind die Blätter stärker ausgeprägt, die Stängel dahingegen weniger. Diese Unterschiede sind auch der Grund dafür, dass von jeder Kulturform ein anderer Teil zum Verzehr genutzt wird.

Ernährungsphysiologische Bedeutung

Die für die Ernährungsphysiologie wichtigen Bestandteile von Sellerie sind die ätherischen Öle, Mineralstoffe und Vitamine, die in ihm enthalten sind. Ebenfalls von Bedeutung sind seine Fruchtsäuren. Im Vitamin- und Mineralstoffgehalt unterscheiden sich die Selleriesorten nicht sonderlich, im Fruchtsäuregehalt jedoch schon.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Hauptanbaugebiete von Knollensellerie liegen in Ost- und Mitteleuropa, die von Stangensellerie in Süd- und Westeuropa. Wirtschaftlich am bedeutendsten ist Stangensellerie jedoch in den Vereinigten Staaten von Amerika, dort wird er ganzjährig angebaut. In Europa ist Italien Hauptproduzent. In Deutschland wird hauptsächlich Knollensellerie angebaut.

Anbau im Freiland

Der Sellerieanbau für den Frischmarkt kann sowohl im Gewächshaus, als auch im Freiland geschehen. Eine frühere Ernte im Freiland kann durch ein zeitweiliges Bedecken der Felder mit Flachfolie ermöglicht werden. Auch Mulchpapiere und -folien sind förderlich, da sie eine alternative Unkrautbekämpfung darstellen und die Erträge sichern und steigern.

Standortansprüche

Der Boden sollte mittelschwer, tiefgründig und humos sein. Die Bodenfeuchtigkeit muss relativ hoch sein. Infolgedessen eignen sich vor allem Lösslehmstandorte. Sellerie gedeiht zwar gut auf feuchten Böden, verträgt jedoch keine Staunässe. Gut geeignet sind grundwassernahe Standorte. Für den Ertragsanbau mit maschineller Ernte sollte darauf geachtet werden, dass sich der Boden gut durchsieben lässt und einen geringen Steinbesatz hat. Der Boden sollte einen pH-Wert zwischen 6 und 7,5 aufweisen.
Sellerie ist klimatisch anpassungsfähig. Ideal für den Anbau ist ein mäßig warmes und feuchtes Klima. Versuche haben ergeben, dass die Pflanzen bei 20° C am besten gedeihen. Im Jungpflanzen-Anzuchtstadium sollte beim Anbau von Knollensellerie auf gutes Klima Wert gelegt werden. Spätfröste steigern das Schosserrisiko nach dem Pflanzen.
Des weiteren sollten windoffene Lagen bevorzugt werden um dem Möhrenfliegenbefall vorzubeugen.
Bei mehrjährigem aufeinanderfolgendem Sellerieanbau muss mit Ertragsverlusten gerechnet werden. In einer Fruchtfolge wird Sellerie bestenfalls nach Getreide, Leguminosen oder Gründüngung angebaut.

Aussaat

Sellerie lässt sich generativ und vegetativ vermehren. Für den Erwerbsanbau wird Sellerie generativ durch Aussaat vermehrt. Für Knollen- und Stangensellerie ist eine Jungpflanzenvorkultur im Gewächshaus üblich. Werden für den Knollensellerie frühe Pflanztermine angestrebt, sollte die Aussaat bereits im Januar bis Anfang Februar getätigt werden. Bei Folienflachbedeckung ist für Stangensellerie eine Pflanzung frühstens ab Anfang April möglich. Sellerie muss nicht unbedingt pikiert werden um eine gute Knollenqualität zu erreichen.
Ein Gramm Selleriesamen führen zu etwa 1200 guten Sämlingen. Die Samen sollten bei der Aussaat nur flach oder bei genügend Bodenfeuchtigkeit am besten garnicht bedeckt werden, da Sellerie zu den Lichtkeimern gehört. Eine Zusatzbelichtung im Winter wirkt wachstumsfördernd. Eine warme Anzucht ist wichtig und sollte sichergestellt werden. Vor allem ab dem Zeitpunkt, wenn die Pflanzen bereits zwei Blätter über 2 cm Größe entwickelt haben, sollte darauf geachtet werden, dass die Temperatur nie unter 16° C liegt. Bei Lufttemperaturen über 22° C sollte regelmäßig gelüftet werden.
Gesunde Selleriejungpflanzen sollten 6 bis 10 Gramm wiegen und durchschnittlich sechs bis 8 Laubblätter aufweisen.

Pflanzung

In Südwestdeutschland kann mit zeitweiliger Folienbedeckung schon ab Mitte März gepflanzt werden, in Norddeutschland sollte mit der Pflanzung bis Anfang/Mitte April gewartet werden. Generell sollte nicht in Perioden mit Frostgefahr gepflanzt werden. Wird beim Anbau von Knollensellerie Bundware angestrebt, sollte die Bestandsdichte 14 bis 16 Pflanzen pro m2 betragen. Soll der Sellerie als Knollenware vermarktet werden, sind 5 bis 6 Pflanzen pro m2 ideal. Bei Stangensellerie sollte die Bestandsdichte circa 10 Pflanzen pro m2 betragen. Die Reihen sollten in einem Abstand von 40 bis 50 cm angelegt werden. Erhöht man den Reihenabstand, werden zwar größere Knollen erreicht, der Gesamtertrag sinkt aber und es entsteht eine erhöhte Napfbildungsgefahr. Die Pflanztiefe im Freiland sollte möglichst nicht von der in den Töpfen zuvor abweichen. Zu flaches Pflanzen kann das Wachstum von Nebenwurzeln fördern.

Kulturmaßnahmen

Die Selleriepflanzen sind erst nach Reihenschluss in der Lage Unkraut zu unterdrücken. Im Jugendstadium sind somit unkrautbekämpfende Maßnahmen erforderlich, da das Unkraut die Selleriepflanzen ansonsten im Wachstum hemmt und dem Boden Wasser und Nährstoffe entzieht.
Bei Knollensellerie empfiehlt sich das zeitige Striegeln nach dem Pflanzen, da so der Boden aufgelockert und Unkraut bekämpft wird. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Jungpflanzen schon fest genug im Boden verankert sein müssen. Es ist sinnvoll, vor einer ganzflächigen Bearbeitung zuerst einen Striegel-Probestrich zu machen.
Einfachbedeckungen sollten Mitte Mai entfernt werden. Wartet man damit zu lange, wirken sich die zu hohen Temperaturen negativ auf die Laublänge aus. Hat man Mitte März mit einer Doppelbedeckung gepflanzt, so sollte man diese bereits Anfang April entfernen.
Bei Knollensellerie muss beachtet werden, dass die Pflanzen von Mitte Juli bis Anfang September am meisten Wasser brauchen, es muss somit unbedingt zusätzlich bewässert werden. Ein Wasserdefizit beeinflusst die Entwicklung und die Größe der Knolle negativ, die Erträge werden vermindert.


Pflanzenschutz

Nicht-parasitäre Krankheiten

  • Schosserbildung: Das Schossen wird durch tiefe Temperaturen, Kälteperioden oder einen falschen Wasserhaushalt ausgelöst. Sowohl Trockenheit, als auch Nässe können zur Schossbildung führen.
  • Hohle Knollen und Napfbildung : Diese Schadbilder treten vor allem bei großen Knollen oder übermäßigem Wachstum auf. Der Auslöser ist ein übermäßiges Wasser- und Stickstoffangebot. Napfbildung bezeichnet das offene Aushöhlen einer Knolle, es entstehen apikale Hohlräume. Die Sorten unterscheiden sich in ihrer Neigung zu Napfbildung. Tritt dieser Schaden auf, sollte man das Wasserangebot vorsichtiger dosieren und kontrollieren.


Viruskrankheiten

  • Selleriemosaikvirus: Der Wuchs wird gestaucht und die Blattadern verfärben sich, ein hellgrünes bis gelbgrünes Mosaik entsteht. Stark befallene Bestände müssen frühzeitig geerntet werden.


Pilzkrankheiten

  • Blattfleckenkrankheit: Die Blattfleckenkrankheit wird von dem Pilz Septoria apiicola verursacht und kommt vor allem in feuchten Jahren vor. Auf den Blättern bilden sich braune bis braungraue Flecken unterschiedlicher Größe. Die Selleriesorten unterscheiden sich in ihrer Anfälligkeit für Septoria apiicola.
  • Sellerieschorf: Sellerieschorf wird von dem Pilz Phoma apiicola verursacht. Bei Befall bildet sich eine bis zu 2 mm dicke braune, borkenartige Kruste auf der Knolle. Wächst die Knolle weiter, reißt die Rinde auf. Der Pilz führt oftmals zu einer Sekundärbesiedlung von Schädlingen. Der Befall wird durch Nässe und häufiges Beregnen bei niedrigen Temperaturen gefördert.

Die folgenden Pilzkrankheiten können ebenfalls auftreten, der Befall ist jedoch seltener:


Schädlinge

Nematoden

Bei einem Nematoden-Befall kommt es zu Kümmerwuchs, Schlaffen der Pflanzen und einer schlechten Knollenentwicklung. Die Erträge werden somit vermindert. Nähere Details siehe unter Nematodenschäden an Sellerie

Saugende und beißende Insekten

Des weiteren wird Sellerie ab und zu von Schädlingen befallen, die hauptsächlich an Möhren auftreten:

Spinnmilben

Unkräuter

Einkeimblättrige Unkräuter

Zweikeimblättrige Unkräuter


Ernte

Die Ernte sollte ab Mitte Oktober stattfinden. Sie muss vor stärkeren Frösten unbedingt beendet sein. Eine frostfreie Zwischenlagerung sollte bis Januar/Februar möglich sein. Auf eine sorgfältige Behandlung bei Haufenschüttung des Knollenselleries sollte geachtet werden, da ansonsten die Gefahr einer Erwärmung besteht. Vor der Anlieferung ist maschinelles Putzen notwendig.


Wert als Nahrungsmittel

Der Verzehr von Sellerie kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen, dargelegt.


Siehe auch in Hortipendium


Quellen

Georg Vogel (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1

F. Feldmann Phytomed-Wiki. Apium L. (Apiaceae). [1] am 15.06.2016