Schwarze Kirschenlaus

Aus Hortipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwarze Kirschenlaus
Myzus pruniavium, Myzus cerasi
Schwarze Kirschenlaus.jpg
Schwarze Kirschenlaus an Blüte
Systematik
Klasse Insekten
Insecta
Unterklasse höhere Insekten
Pterygota
Überordnung Schnabelkerfe
Hemiptera
Ordnung Pflanzenläuse
Sternorrhyncha
Unterordnung Blattläuse
Aphidina
Familie Röhrenläuse
Aphididae

Die Schwarze Kirschenlaus ist ein Sammelbegriff für die beiden Blattlausarten Schwarze Süßkirschenblattlaus (Mycus pruniavium) und Schwarze Sauerkirschenblattlaus (Mycus cerasi). Beide Arten treten sowohl an Süß- als auch an Sauerkirschen auf. Daher werden sie unter dem Begriff Kirschblattlaus zusammen gefasst. Beide Arten sind vom Aussehen sehr ähnlich und unterscheiden sich im Wesentlichen nur durch ihr Schadbild. Bei beiden Arten sind die adulte Läuse glänzend dunkelbraun bis schwarz gefärbt und von 2 mm Länge. Sie besitzen dunkle lange Siphonen und Stirnhöcker. Die Larven haben fein bedornte Hinterschienen.

Schadbild

Die Schwarze Süßkirschenblattlaus ist weit verbreitet und tritt regelmäßig als Schädling auf. In der Regel ist eine Bekämpfung dieser Art erforderlich. Bei Befall rollen sich die befallenen Blätter an den Triebspitzen sehr stark ein (Bildung von Blattnestern), die Triebspitzen können verkümmern und absterben. Die Honigtaubildung kann die Ware unverkäuflich machen. Die Kolonien finden sich blattunterseits, eher basal an der Mittelrippe, oft ist die Blattlaus auch an den Fruchtstielen zu finden.

Die Schwarze Sauerkirschenblattlaus verursacht hauptsächlich Wachstumshemmung durch Triebstauche. Verkräuselungen und Blattrollung entstehen kaum, die Blätter werden nur leicht gewölbt.

Lebensweise

Schematische Darstellung des Entwicklungszykluses der Schwarzen Süßkirschenblattlaus (Myzus pruniavium)
Die Entwicklungen der beiden Arten sind identisch. Die Überwinterung findet im Eistadium auf Kirsche statt. Die Fundatrices erscheinen kurz nach dem Knospenaufbruch und besaugen die Blätter. Ab Mitte Mai wandert die Schwarze Süßkirschenblattlaus aus den Blattnestern aus und geht auf Wildkräuter wie Labkraut, Ehrenpreis und Augentrost. Die Schwarze Sauerkirschblattlaus befällt bis Ende Mai, Anfang Juni die Sauerkirsche und wandert frühestens ab Ende Mai auf obengenannte Wildkräuter ab. Hier entwickelt sich die etwas hellere Sommerform. Im Spätsommer und Herbst kehren geflügelte Tiere (Männchen und Gynopare) zur Kirsche zurück. Die Larven der Gynoparen wachsen zu Weibchen heran, nach der Begattung legen diese 4 bis 8 Eier in Rindenritzen ab.

Die Entwicklung der Schwarzen Sauerkirschenblattlaus ist identisch, sie

Bekämpfung im Erwerbsgartenbau

Regulierung in der integrierten Produktion

Ab Beginn der Kolonienbildung ist bei Überschreiten der Schadschwelle eine Bekämpfung erforderlich. In Süß-und Sauerkirschen ist die Schadschwelle bei 2 bis 5 Kolonien je 100 Triebe erreicht. In Frage kommen Wirkstoffe wie Pirimicarb, Thiacloprid und Acetamiprid. Bei sehr starkem Nützlingsbesatz können z.B. Marienkäfer und seine Larven sowie Schwebfliegen-Larven vorhandene Kolonien etwas reduzieren.

Aktuelle Zulassungssituation im integrierten Steinobstanbau aus PS Info

Regulierung im biologischen Anbau

Zur direkten Bekämpfung der Schwarzen Kirschenlaus (Myzus cerasi, Myzus pruniavium) können verschiedene Präparate eingesetzt werden. Effektiv sind Behandlungen nur vor dem Einrollen der Blätter. Um die Populationsentwicklung zu verlangsamen, sollte daher beim ersten Auftreten der geschlüpften Läuse im Frühjahr ein regelmäßiger Einsatz mit der Kaliseife Neudosan Neu erfolgen.

In der Nachblüte kann anschließend zur Populationsreduzierung NeemAzal-T/S eingesetzt werden. Spruzit Neu besitzt ebenfalls eine Indikation für die Schwarze Kirschenlaus. Beim Einsatz von Spruzit Neu im geschützten Anbau ist zu beachten, dass es beim zweimaligen Einsatz durch die Ölformulierung zum Verlust des Fruchtglanzes kommen kann und die Früchte matt aussehen können. Des Weiteren ist der Einsatz des natürlichen Pyrethrumpräparates nicht selektiv und sollte aus diesem Grund nur als letztmögliche Maßnahme in Betracht gezogen werden.

Aktuelle Zulassungssituation im biologischen Steinobstanbau aus PS Info


Quelle

  • Werner Dahlbender und Günter Hensel (2010): Pflanzenschutz in Süßkirschen. DLR Rheinpfalz, Kompetenzzentrum Gartenbau. Oppenheim. 
  • W. Jacobs, M. Renner und K. Honomichl (1998): Biologie und Ökologie der Insekten. Gustav Fischer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8274-0799-0
  • Jürgen Zimmer (2011): Ökologische Steinobstproduktion. DLR Rheinpfalz, Kompetenzzentrum Gartenbau. Oppenheim. 


Weblinks