Schnitt von Ziergehölzen

Aus Hortipendium
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Blühende Ziergehölze  erfreuen sich einer großen Beliebtheit in jedem Garten, denn die Vielfalt dieser großen Pflanzengruppe sorgt für einen langen Blühzeitraum. In den ersten Jahren nach der Pflanzung ist die Freude noch groß. Doch mit der Zeit werden diese Pflanzen höher und breiter, und plötzlich reicht der Platz nicht mehr aus, sie stehen zu nahe an oder ragen über die Grundstücksgrenze oder sie versperren die Sicht. Wachstumsbedingt ändern die Sträucher auch ihr Erscheinungsbild (Habitus), denn die Zone des Blühens und Fruchtens wandert mit den Jahren immer weiter nach oben und nach außen. Im Inneren vergreisen und verkahlen solche Sträucher. Demgegenüber findet man an der Basis immer mehr dicke Triebe und Stämme, die das optische Escheinungsbild stören. Kurzum, der Schnitt von Ziersträuchern lässt sich nicht umgehen.

Benötigte Arbeitsgeräte

Um ein zufriedenstellendes Schnittergebnis zu erzielen, ist es notwendig, mit vernünftigem Werkzeug zu arbeiten. Im einzelnen sind dies je nach Umfang der Arbeit folgende Arbeitsgeräte:

  • Messer (Hippe)
  • Schere (Reb-/Rosenschere)
  • Astsäge (evtl. mit Verlängerung)
  • Bügelsäge (mit verstellbarem Blatt)
  • Heckenschere (Elektro-, Benzinmotor)
  • Motorsäge (Elektro-, Benzinmotor)

Genauso wichtig, jedoch oft vernachlässigt, ist die Pflege dieser Geräte. Dazu gehört z.B. schleifen, ölen, Teile ersetzen.

Gründe für den Schnitt

Vor dem Schnitt sollte man sich überlegen, warum überhaupt geschnitten werden soll. Gründe für den Schnitt können sein:

  • Obstbaumschnitt, um optimalen Fruchtbehang zu erzielen, entfernen von Wildtrieben
  • Schnitt wegen Platzmangel (Lichtprofil an Straßen...)
  • Heckenschnitt, um die Form zu bewahren
  • Ausschneiden von Astbruch (Schnee, Sturm...)
  • Ausschneiden von krankem Material (Krebs, Spitzendürre, Pilzbefall...)
  • Ausschneiden von abgestorbenem Material (Frost, Krankheit)
  • Schnitt um Blütenpracht zu erhalten (Rosen...)
  • Schnitt abgeblühter Teil, um Pflanze nicht unnütz zu schwächen (-> Samenbildung...)
  • Schnitt um bestimmte Wuchsform zu erzielen (-> Stamm...)
  • Schnitt aus rechtlichen Gründen ( Nachbarrecht -> Schnitt von überragenden Ästen)
  • Entfernen von Wildtrieben
  • Schnitt von sich reibenden Ästen

Allgemeines zum Schnitt

Jeder Schnitt an der Pflanze bedeutet auch eine Verletzung. Es gilt folgendes:

  • kleine Wunden verheilen besser als große Wunden
  • glatter Schnitt verheilt besser als ausgefranster Schnitt
  • Schnitt auf Astring ist besser als Stumpf stehen lassen

Bei Laubgehölzen ist ein Zustreichen mit künstlicher Rinde bei größeren Wunden ratsam. Koniferen schließen teilweise die Wunden mit austretendem Harz. Beim Auftragen unbedingt darauf achten, dass die komplette Fläche gut und schnell zugestrichen wird (-> Eindringen von Pilzen wie z.B. Rotpusteln verhindern). Spätere Kontrolle durchführen.
Schnitt auf Astring: Astring stehen lassen und Verletzungen verhindern, da von hier aus die Überwallung (Wundheilung) ausgeht. Folgende Punkte dabei beachten:
Bei dickeren (schweren) Ästen in drei Schritten vorgehen:

  • Ast von unten ansägen
  • Ast von oben sägen bis er bricht
  • Stumpf absägen

Dabei ist der Schnitt von oben nach unten leicht schräg durch zu führen. Die durch falsches absägen entstandenen Aststümpfe (Huthaken) faulen meist langsam ab und führen zu Faulstellen innerhalb des Stammes. Bei dicht beieinander liegenden Ästen sollte jeder einzeln ( -> zwei kleine Wunden heilen besser als eine große) abgeschnitten werden. Beim Einkürzen stärkerer Äste auf einen Seitenast (ableiten) ist kein Astring vorhanden. Hier sollte man darauf achten, den Schnitt so durchzuführen, dass die Wundfläche nicht zu groß und das absterbende Holz nicht zu viel wird.
Entfernen von Wildtrieben: Manche Pflanzen sind veredelt, d.h. auf einer Unterlage (meist Wildform) wächst die Edelsorte (z.B. bei Obstbäumen, Laub- und Nadelgehölzen, Edelrosen, Edelkastanien, Korkenzieherhasel). Die kann man zum einen beim Betrachten junger Pflanzen an der Veredelungsstelle (meist Verdickung) erkennen, zum anderen an unterschiedlichen Trieben, die unterhalb des Bodens oder darüber wachsen können. Wildtriebe, also Triebe aus der Unterlage, müssen entfernt werden, damit die Edelform nicht geschwächt wird. Dabei muss der Wildtrieb komplett entfernt werden, um ein neues Austreiben zu verhindern. Ein Abreißen ist oft besser als ein Abschneiden.
Astgabeln: Manche Pflanzen neigen dazu, fast parallele Äste auszubilden. Es entstehen Astgabeln, die im Alter bei Stürmen oft ausbrechen. Um dieser Bruchgefahr vorzubeugen gilt: je früher man schneidet, desto besser.
Kopfwunden: Beim Absägen dickerer Stämme/Äste entstehen teilweise auch nach oben abgeschnittene Schnittstellen (Kopfwunden). Den Winkel der Schnittstelle und Wundversorgung beachten. Austriebe in der Nähe können wundheilend wirken (schnelles Überwachsen).

Grundsätzliche Tipps

  • stärkere Triebe wenig, dünnere Triebe mehr zurückschneiden. -> Starke Triebe drängen immer wieder an die Spitze
  • Schneiden von Trieben nur oberhalb einer Knospe. Der Schnitt erfolgt schräg vom Auge weg zur Längsachse des Sprosses.
  • Flachliegende Äste bilden an der Oberseite die meisten Triebe
  • überhängende, bogige Äste bilden an der höchsten Stelle einen langen Trieb, wobei nachstehendes Teil verkümmert.
  • Baumfällung im Sommer vornehmen, da dann die Gefahr eines Neuaustriebes geringer ist.
  • leichter Zug beim Abschneiden der Äste spart Kraft.
  • höher stehende Äste treiben am stärksten, flache oder seitliche weniger aus.
  • Einkürzen gleichberechtigter Äste in gleicher Höhe bringt gleichstarkes Wachstum (Saftwaage)
  • starker Rückschnitt -> starkes Wachstum

Sträucherarten

Bei den Gehölzen ist eine große Vielfalt an unterschiedlichen Wuchsformen bekannt, das gleiche gilt auch für die Sträucher. Diese lassen sich aber in 2 Gruppen einteilen.

Basitone Sträucher (Förderung des Basisbereichs)
Bei diesen Sträuchern findet der stärkste Neutrieb an der Basis statt. Das bedeutet, alle neuen, jungen Triebe treiben aus dem Boden aus und wachsen dann neben den älteren Trieben. Auch für den ungeübten Gartenfreund lassen sich junge und alte Triebe sehr gut unterscheiden: neben der Triebstärke sind die jungen Triebe meist heller, die älteren Triebe dunkler gefärbt. Basisbetonte Sträucher sind von ihrer Wuchsform eher schlanker, nach oben wachsend und weniger ausladend. Diese Art des Wachstums und der Triebneubildung ist für den Schnitt von großer Bedeutung. Typische Vertreter: Haselnuß, Zierjohannisbeere etc.

Mesotone Sträucher (Förderung des mittleren Bereichs)

Die besondere Wuchsform bei den mesotonen Sträuchern ergibt sich durch eine bevorzugte Neutriebbildung im mittleren Bereich des Strauches. Die Verzweigung wird dort gefördert bei gleichzeitiger Hemmung der darüber- und darunterliegenden Seitenachsen. Deshalb sind mesotone Sträucher im Habitus breiter ausladend als die vorher genannten basitonen Sträucher, denn die Knospen an der Bogenoberseite treiben bevorzugt aus und nicht die an dem Triebspitzen. Dies sollte bei der Neupflanzung über ein entsprechendes Platzangebot berücksichtigt werden. Ein typischer Vertreter ist der Sommerflieder.

Fliessende Übergänge zwischen diesen beiden Gruppen sind bei vielen Sträuchern möglich. Zu erwähnen wäre hier noch eine Gruppe von Sträuchern (z. B. strauchförmig wachsende Ahornarten wie Acer palmatum, Blutpflaume, Felsenbirne u. a.), die in der Regel nicht geschnitten werden. Das gleiche gilt für immer- und wintergrüne Sträucher wie Rhododendron und insbesondere Moorbeetpflanzen, Kirschlorbeer etc.. Schnittmaßnahmen beschränken sich hier auf die Entfernung kranker und abgestorbener Triebe (Ausnahme: regelmäßiger Schnitt notwendig bei Hecken und Formen). Demgegenüber vertragen Immergrüne Koniferen wie Blaufichte, Eibe, Wacholder, Thuja oder Zypresse auch einen jährlichen Schnitt.

Sommer- und Frühjahrsblüher

altes Holz (dunkel) und neue Triebe (hell) am Flieder
Die Blütengehölze erfreuen uns über einen langen Zeitraum mit ihrer Blütenpracht. Aus diesem Grunde teilt man sie ein in die Frühjahrsblüher und die Sommerblüher. Eine alte Gärtnerregel besagt: „schneide die Frühjahrsblüher nach der Blüte und die Sommerblüher in der Vegetationsruhe“! Diese Regel hat auch heute noch ihre Gültigkeit.
Sommerblüher
(Schnitt in vegetationsloser Zeit)
Frühjahrsblüher
(Schnitt nach der Blüte)
Zeit der Blütenanlage Blütenanlagen werden während der Vegetation gebildet. Sie bilden sich am wachsenden Trieb und entwickeln sich gleich zur Blüte. schon im Herbst, zum Abschluss der Vegetation werden Blütenanlagen gebildet
Ort der Blütenanlage Blüten oder Blütenstände entwickeln sich
  • nach Wachstumsabschluss am Ende oder an Seitentrieben (Sommerflieder)
  • aus den Blattachseln während der Vegetation (Bartblume)
  • aus alljährlich langen Bodentrieben (Perovskie, Indigostrauch)
auf gesamter Länge des letzjährigen Triebes (Forsythie)
  • Blütenspross am Ende des letztjährigen Triebes (Flieder)
  • Blütenknospen an besonderen Kurztrieben des zwei- und mehrjärigen Holzes (Magnolie, Zierapfel)
Beispiele Schmetterlingssträucher (Buddleia davidii)
Sommerblühende Spiersträucher (Spiraea latifolia etc.)
Färber-Ginster
Mönchspfeffer
Kolkwitzia
falscher Jasmin
Deutzie
Weigelie,
Schneeball
Ball-Hortensie
Heckenkirsche
Feuerdorn
Kornelkirsche
Forsythie
Flieder
Wüchsige Rhododendron
Mandelbäumchen
Kätzchenweide
Ginster u. a.

Aufbau von Holzgewächsen

Der Aufbau, also die Verzweigung, von Holzgewächsen unterliegt je nach Gewächs arttypischen Gesetzmäßigkeiten. Hierbei wird der vorhandene Platz möglichst optimal durch Äste und Zweige ausgenutzt.
Beim Aufbau der Gehölze gibt es drei verschiedene Arten der Verzweigung: an den Spitzentrieben (Akrotonie), im mittleren Bereich (Mesotonie), aus der Basis (Basitonie).
Die Akrotonie findet man bei fast allen Gehölzen im Jugendstadium, im Alter jedoch vorwiegend bei Laub- (Eiche, Ahorn, Esche) und Nadelbäumen (Fichte, Tanne). An der obersten Knospe wird die Verlängerung gebildet.
Bei Nadelgehölzen bilden die dicht unter der obersten Knospe kreuzförmig angesiedelten Knospen einen Astquirl (spätere Etage). Die darunter liegenden bilden kurze oder schwache Äste aus, die teilweise absterben.
Bei Laubgehölzen liegen die Knospen gleichmäßig am Trieb verteilt unter der stammbildenden Knospe und bilden längere, nach unten kürzere Äste aus. Die Wuchsform ist maßgebend für die Stammbildung. Entsteht die Stammverlängerung aus der Endknospe spricht man von einer echten Spitzentriebförderung (primäre Akrotonie). Der daraus entstehende Stamm bildet ein Monopodium. Es gibt aber auch Arten, bei denen die Spitzenknospe austrocknet. Hier übernimmt die nächste intakte Seitenknospe (Pseudo-Terminal-Knospe) die Funktion der Stammbildung. Manche Gehölze beenden schon im zeitigen Sommer das Triebwachstum, die Spitze trocknet ein und mitsamt der unvollständig entwickelten Endknospe ab. Die Triebverlängerung bildet sich aus der letzten intakten Seitenknospe (Ulme, Hainbuche, Linde...). dies bezeichnet man als sekundäre Akrotonie, weil der Stammaufbau im Prinzip aus lauter Seitenknospen entsteht. Man spricht deshalb von einem Sympodium. Diese Besonderheit findet man bei Gehölzen mit gegenständigen Knospen (Z.B. Flieder, Schneeball). Akrotonie ist somit die Vorraussetzung für Stammbildung. Der strauchförmige Wuchs ist auf die basitone Verzweigung zurückzuführen. Schösslinge treiben aus und werden von nachfolgenden, meist stärkeren, verdrängt. Dieser Vorgang findet ständig statt. Dabei ist die Anzahl und Stärke der Triebe bei jeder Art anders. Man unterscheidet deshalb zwischen Sträuchern, bei denen sich Triebe akroton und solchen, die sich mesoton verzweigen. Es gibt aber auch Sträucher, die weder zur akrotonen noch zur mesotonen Verzweigung neigen.


Aufbau Beschreibung Schnitt
akroton verzweigend
z.B.: Haselnuss
(Corylus avellana)
Es verzweigen sich die aus der Basis meist aufrecht wachsenden Triebe im oberen Bereich. Es entstehen jährlich neue Triebe aus basalen Knospen. Es müssen ältere, nicht mehr blühfähige Triebe entfernt werden, um nachwachsenden Trieben Platz zu

schaffen, damit sie sich artgerecht entwickeln können. Aber auch ein Auslichten junger Triebe, falls erforderlich (-> nicht zu dicht stehen lassen), ist sinnvoll. Erhaltung/ Verjüngung: bis zum Boden abschneiden

mesoton verzweigend
z.B.: Forsythie
Es neigen sich die älteren Triebe nach unten u. bilden einen Bogen, an dessen Oberseite neue Schösslinge austreiben. Auch diese können sich wiederum neigen. Beim Erhaltungs- und Verjüngungsschnitt kann man hier auf im Bogen austreibende Schösslinge schneiden.
weder akroton noch mesoton
z.B.: Zaubernuss, Goldregen, Perückenstrauch
Hier wird die Spitzentriebförderung früh gehemmt und es entstehen Triebe 2. und 3. Ordnung. Schnitt nicht ganz einfach, da altes Holz nur sehr schwer und schlafende Augen kaum austreiben. Deshalb nur auslichten (zu dicht stehende Äste) und krankes Holz entfernen.

Schnittarten

zu starke Äste an der Forsythie
Bei der Kultur von Gehölzen unterscheidet man verschiedene Schnittarten, z. B. Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt, Erhaltungsschnitt und Verjüngungsschnitt. Zum Thema Pflanzschnitt empfiehlt es sich, diesen direkt in der Baumschule vom Fachmann durchführen zu lassen. Diese Leistung ist im Kaufpreis mit eingeschlossen und garantiert Ihnen die besten Startbedingungen im Garten. Erziehungsschnitt und Erhaltungsschnitt werden in der Regel nur von versierten Gartenfreunden regelmäßig fachgerecht durchgeführt. Hierbei sollte auf folgende Punkte geachtet werden:

Die Sträucher (besonders basitone) bilden an der Basis ständig neue Triebe. Diese Jungtriebe sind heller als die älteren Triebe und spielen für den Aufbau eine entscheidende Rolle. Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis von altem und jungem Holz für einen lockeren Aufbau des Strauches zu bekommen. Entfernen Sie deshalb rechtzeitig einen Teil der Altäste direkt über dem Boden (Abb. 2). Nicht benötigte Neutriebe sollten ebenfalls über dem Boden abgeschnitten werden. Bei Sträuchern der mesotonen Gruppe können auch ältere Triebe in Kniehöhe angeschnitten werden. Am meisten nachgefragt ist sicherlich der Verjüngungsschnitt immer dann, wenn die Gehölze zu groß werden, von unten verkahlen, zu viel altes Holz vorhanden ist und der Blütenschmuck nachlässt. Alte Äste neigen mit zunehmendem Alter zum Absterben bzw. Vermorschen. Bei solchen Sträuchern schneidet man die ältesten, dicken Äste komplett bis zum Boden heraus. Nur dann bekommt man genügend Licht und Platz für die Verjüngung (Regeneration) aus den neuen Basistrieben.

Aufbauschnitt: Der Aufbauschnitt ist eine Schnittmaßnahme, die durchzuführen ist, um Jungpflanzen (Sämlinge, Stecklinge, Steckholz, Veredlung) zu artgerechten Pflanzen zu erziehen.

Pflanzschnitt: Der Pflanzenschnitt ist eine Schnittmaßnahme, die kurz vor oder nach der Pflanzung am oberirdischen Teil (Trieb) und/oder unterirdischen Teil (Wurzel) durchgeführt wird und dadurch ein ausgewogenes Verhältnis schafft, um ein Anwachsen zu erleichtern. Der Pflanzschnitt bezieht sich im Wesentlichen auf wurzelnackte Bäume und Sträucher. Durch Reduzierung des oberirdischen Triebes (=> Rückschnitt oder Auslichten von Trieben) wird der noch verbleibende Rest besser versorgt. Die Wurzeln werden dabei nur an den Spitzen angeschnitten, um eine bessere Verzweigung und somit bessere Wasser- und Nährstoffaufnahme zu gewährleisten. Beschädigte Wurzeln sind zu entfernen. Bei jüngeren, wenig verzweigten Pflanzen sollten stärkere Langtriebe stehengelassen und um 1/3 eingekürzt werden. Bei älteren, gut verzweigten Pflanzen ist ein Auslichten der Triebe und Einkürzen der Langtriebe sinnvoll.

Erhaltungsschnitt: Dies ist eine Schnittmaßnahme an gewachsenen Gehölzen, um charakteristische Wuchsformen (Habitus) zu erhalten.
Eigentliche Schnittmaßnahmen im Garten:

  • Erhalten der Blühfähigkeit
  • Erhalten der arttypischen Wuchsform
  • Anregung zur Triebneubildung
  • Entfernen störender Äste (nach innen stehende, überkreuzend)
  • Entfernen der Unterlagentriebe bei Veredelungen (Obst, Rosen)
  • Entfernen untypischer Triebe (Verbänderung)


Verjüngungsschnitt: Er ist eine Schnittmaßnahme an älteren verwachsenen Gehölzen, um eigentümliche Wuchsform und Blühfreudigkeit wieder zu erhalten unter Einhaltung bestimmter Regeln / Wuchsgesetze. Der Verjüngungsschnitt wird meist durchgeführt an vernachlässigten Pflanzen, die ihren Habitus verloren haben.

  • Sommergrüne Pflanzen: Pflanzen, die aus der Basis oder im mittleren Bereich austreiben, können

radikal zurückgeschnitten werden; solche, die sich an der Spitze stark verzweigen, verkraften einen solchen Rückschnitt nicht, hier muss man etappenweise Rückschnitte vornehmen; die Länge des Rückschnittes richtet sich dabei nach dem Austriebsverhalten; die Pflanze auf ca. 40 cm zurück schneiden, dann Neutrieb abwarten, zu dichte Triebe entfernen und Strauch wieder neu aufbauen.

  • lmmergrüne Pflanzen: Betroffen sind in erster Linie Nadelgehölze, die unterschiedlich auf

Rückschnitt reagieren; bei Eiben geht dies gut, was jedoch andere buschartig wachsende Nadelgehölze nur schrittweise vertragen; baumförmige Arten vertragen keinen Rückschnitt. Laubgehölze vertragen in der Regel einen Rückschnitt recht gut (Kirschlorbeer, llex, etc.), aber auch Rhododendron kann man vorsichtig verjüngen (nicht zu tief ins alte Holz gehen und im Übergangsbereich schneiden).

Schnittzeitpunkt

Basitone Gehölze Mesotone Gehölze
Regelmäßiger Schnitt alle 1-2 Jahre nötig.
Bester Schnittzeitpunkt: da es sich um Frühblüher handelt, nach der Blüte Einkürzen der verblühten Triebe. Bei älteren, verkahlten Sträuchern können einzelne Äste über dem Boden abgeschnitten werden (Verjüngungsschnitt)
Hier ist ein jährlicher, starker Rückschnitt der einjährigen Triebe sinnvoll.
Bester Schnittzeitpunkt: In der vegetationslosen Zeit. Bei Bedarf ist auch hier Verjüngungsschnitt bis ins ältere Holz möglich.

Winterschnitt

Schnitt in der Vegetationsruhe der Gehölze:

  • besserer Überblick, da kein Laub vorhanden
  • Saftstrom geringer, somit kein "Bluten"
  • nicht unter -6° C schneiden (Splittergefahr)
  • Ausgang des Winters schneiden -> Erfrierung der Knospen und Schäden markhaltiger Pflanzen geringer
  • Stark blutende Gehölze im frühen Winter oder dann im Sommer schneiden schnellere Wundheilung und geringerer Flüssigkeitsverlust

Sommerschnitt

Schnitt während der Wachstumsperiode:

  • Formschnitt
  • Förderung der Verzweigung (-> Pinzieren)
  • Entfernen abgestorbener Äste

Blühorte

Ebenfalls von Bedeutung für das Verständnis sowie einen angepassten Schnitt ist die Kenntnis der bevorzugten Blühorte der einzelnen Gehölze. Wer dies nicht weiß, läuft unter Umständen Gefahr, zu viele Blüten mit dem Schnitt zu entfernen. Auch hier hilft wieder eine Einteilung in 2 Gruppen weiter:

Blühort Pflanze Schnitt
diesjähriges Holz Schmetterlingsstrauch (Buddleia davidii)
Bartblume (Caryopteris)
Säckelblume
Hibiscus
Hortensie (Hydrangea paniculata)
Fünffingerstrauch
Mandelbaum
Rosen
Johanniskraut
sommerblühende Spiersträucher.
Regelmäßiger, starker Schnitt zur Erzielung vieler diesjähriger Triebe und einer guten Verzweigung
Schnittzeitpunkt: Ausgangs Winter
ein- und mehrjährigen Holz Forsythie *
Blutjohannisbeere *
Pfeifenstrauch
Flieder *
Kolkwitzia
Schneeball in Arten
Weigelia
Regelmässiger Schnitt unter Schonung des mehrjährigen (älteren) Holzes
Schnittzeitpunkt: vegetationslose Zeit,
* Frühjahrsblüher nach der Blüte
*Frühblüher

Bei Sträuchern, die am diesjährigen Holz blühen, erfolgt also Blühen und Fruchten an den Trieben, die in diesem Jahr gewachsen sind. Der Schnitt muss also darauf abzielen, jedes Jahr möglichst viele kräftige Triebe und eine gute Verzweigung zu erhalten, die dann eine reiche Blüte garantieren. Das bedingt also einen regelmäßigern, stärkeren Schnitt, wie wir ihn auch von den Sauerkirschen und Pfirsichen her kennen. Werden solche Gehölze nur alle Jubeljahre geschnitten, werden die diesjährigen Triebe immer kürzer und schwächer und damit auch der Blütenflor. Die Sträucher können auch stärker zurückgenommen werden. Um ein Zurückfrieren der geschnittenen Triebe zu verhindern, ist der beste Schnittzeitpunkt Ausgangs des Winters. Die Mehrzahl der Sträucher blüht am mehrjährigen Holz. Hier ist es sinnvoll, deutlich weniger und vor allen Dingen schwächer zu schneiden. Das ältere, mehrjährige (Blüten-) Holz sollte dabei weitestgehend geschont werden. Solche Gehölze können durchaus in einem mehrjährigen Intervall geschnitten werden, wobei dann im Rahmen eines Verjüngungsschnittes durchaus auch ältere, abgetragene Partien bis zum Boden herausgenommen werden können.


Tipps

  • Lassen Sie den Pflanzschnitt vom Fachmann beim Kauf erledigen.
  • Beginnen Sie frühzeitig mit dem Schnitt (Erhaltungs- bzw. Instandhaltungsschnitt), bevor der Strauch Strauch zu groß und überaltert ist.
  • Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie ein Strauch zu schneiden ist: beobachten Sie das Blüh- und Wuchsverhalten genau und richten Sie sich beim Schnitt danach (Siehe Tabellen)
  • Wenn Ihr Strauch zu dicht wird, nehmen Sie ganze Äste komplett bis zum Boden heraus!
  • Achten Sie auf ausreichende Pflanzabstände, andernfalls kommt es zu einem untypischen, starken Wachstum nach oben
  • Sträucher benötigen viel Licht und sollten nicht unter beschattenden Bäumen stehen
  • Beim Schnitt gilt: Besser wenige, große Schnitte als viele kleine
  • Sauber arbeiten mit gutem Werkzeug!
  • Triebe, die komplett entfernt werden sollen, immer bis zum Boden abschneiden – keine „Stutzen“ stehen lassen!
  • Beim Zurückschneiden immer auf Astring schneiden, keine Zapfen stehen lassen (Bessere Wundverheilung, weniger Eintrittspforten).
  • Bei Bedarf auf größere Schnittstellen (größer als das altbekannte 5-Mark-Stück) Wundverschluss oder künstliche Rinde auftragen.

Quellen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz
Harald Hofer, DLR Rheinpfalz