Schnecken

Aus Hortipendium
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Wegschnecke, besonders gefürchtet.

Schnecken gehört zu den Weichtieren (Kasse der Gastropoda). In Landwirtschaft, Erwerbsgartenbau und Gärten richten sie all zu oft große Schäden an. Da Schnecken Feuchtigkeit lieben können sie insbesondere in niederschlagsreichen Regionen sowie in nassen Jahren bei (vor allem im Frühjahrs- und Herbstanbau) gefährlich werden. Bedeutend für den Gartenbau sind vor allen die Nacktschneckenarten. Wichtig sind dabei besonders die größeren Wegschnecken sowie die kleineren Ackerschnecken.

Weil natürliche Feinde fehlen, hat sich vor allem die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) in den vergangenen Jahren in Deutschland besonders stark ausgebreitet. Sie wurde vermutlich in den 70er Jahren mit Gemüse- und Pflanzenimporten nach Deutschland eingeschleppt. Sie gehört mittlerweile zu den am häufigsten schädigenden Schneckenarten Deutschlands.


Biologie

Schnecken sind zwittrig in zeitlicher Abfolge, d.h. es begatten sich Männchen, die dann zu Weibchen werden und befruchtete Eier ablegen. Normalerweise werden im Boden von Frühjahr bis Herbst Eipakete mit 50-70 weißlich-durchscheinenden Eiern abgelegt. Je nach Art können insgesamt bis zu 400 Eier je Schnecke abgelegt werden. Ein Tier kann pro Jahr bis zu 10.000 Nachkommen haben.


Bedeutung der Bodenart
Für die Entwicklung der Schnecken hat die Bodenart eine große Bedeutung. Grobschollige, feuchte Böden mit vielen Hohlräumen, die während des Jahres auch nicht gestört werden, sind führ Schnecken sehr vorteilhaft. So gelangen kleine Schneckenarten auch besser zu keimenden Saaten im Boden.

Bewegeglichkeit der Schnecken
Schnecken sind beglicher als so manch einer glaubt. Der Bewegungsradius hängt stark von der Schneckenart, der Schneckengröße und den Bedingungen ab. Eine Wegschnecke kann in einer Nacht 150 cm eventuell auch mehr zurücklegen, Ackerschnecken bis zu 90 cm.
Optimal aktiv sind die meisten Schneckenarten in der Nacht bei Temperaturen um die 20°C und einer relativen Luftfeuchte von 100%. Nahe Null Grad bewegen sich die meisten Schneckenarten nicht mehr oder nur noch eingeschränkt.

Entwicklung der Jungtiere
Jungschnecken entwickeln sich am besten bei einer relativen Luftfeuchte im Bereich von 60-80%. Bei Trockenheit oder stauender Nässe sterben sie relativ schnell.

Feuchtigkeitsbedarf
Das Feuchtigkeitsbedürfnis der Schnecken ist sehr hoch. Sie müssen ständig über die Nahrung oder über die Haut Wasser aufnehmen. Sie bestehen ja auch zu über 80 % aus Wasser und sind kaum vor einer Austrocknung geschützt. Aus diesem Grunde sind sie auch hauptsächlich nachtaktiv. Wie die oft vorkommende Taubildung in Bodennähe zeigt, liegt die Luftfeuchte dann bei den für die Schnecken idealen Wert von 100%.

Fraßaktivitäten

Schnecke frisst Möhre.jpg

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Schnecken fressen vor allem nachts. Die Nahrungssuche erfolgt gezielt mit Hilfe von feinen Geruchsorganen. Die Fraßmenge pro Nacht: berägt bis zu 40 % des eigenen Körpergewichts. Tagsüber halten sie sich im Boden, unter Erdschollen, Pflanzen oder Pflanzenresten oder in Grünstreifen am Feldrand auf.

Futtervorlieben
Schnecken bevorzugen Pflanzen, die bei einem hohen Stickstoffangebot schnell gewachsen sind. Salatpflanzen, im Frühjahr vom Gewächshaus, unabgehärtet aufs Feld gebracht ist wohl eine Delikatesse, zumindest für die weitverbreiteten Wegschnecken.

Geruchsvermögen
Schnecken haben ein beachtliches Geruchsvermögen. So finden sie die die von ihnen bevorzugt verzehrten Pflanzenarten. Das Geruchsvermögen wird bestimmt durch die Schneckenart. Wegschnecken finden ihre Futterpflanzen, z.B. junge Kohlpflanzen, sogar über eine Schutznetz in 50 cmm Entfernung. Bei Weinbergschnecken ist der Geruchssinn weniger ausgeprägt. Einfluß auf die Wahrnehmungsentfernung hat auch die Luftströmung. Unter günstigen Bedingungen können die Schnecken ihre Futterpflanzen auch noch über eine größere Entfernung, als angegeben, riechen.

Lebensdauer
Die meisten Nachtschneckenarten sind ein- oder zweijährig. Bei schlechter Ernährung, ungünstiger Witterung oder Überbevölkerung kann sie auch erheblich kürzer sein

Schnecken in Gruppen
Haben Schnecken keine andere Möglichkeit sich vor Trockenheit zu schützen, so kauern sie sich in Gruppen zusammen. So können sie ihren Feuchtehaushalt besser regulieren. Das obige Foto zeigt das am Beispiel von Wegschnecken.

Überwinterung
Wenn irgend möglich, versuchen Schnecken an einem frostfreien <Ort zu überwintern. Dazu verstecken sie sich in Erdhöhlen, unter Blättern, unter Stauden usw.. Während des Winterschlafes reduzieren sich die Körpervorgänge. Die Energieversorgung erfolgt aus den Reserven.
Gibt es keine frostfreien Überwinterungsmöglichkeiten, dann überwintern Schnecken als Eier, diese sind nämlich frostresistent. Die Eiablage zur Überwinterung erfolgt meist im September/Oktober.

Verbreitung
Durch die zunehmende Globalisierung mit ihrem Personen- und insbesondere Warenverkehr haben sich inzwischen viele, früher regional vorkommende Schneckenarten weltweit verbreitet. Laut Dora Godan hat sich z.B. in den letzten Jahren die Schneckenart Limax valentiana, von der Iberischen Halbinsel (Spanien/Portugal)kommen, über ganz Europa verbreitet.

Verbreitung von Krankheiten durch Schnecken
Schnecken können Pflanzenkrankheiten in Form von Sporen z.B. wie Alternaria, Falschen Mehltau, Fusarium oder Pphytophthoraübertragen.

Schnecken Eiablage

Die meisten unserer Schneckenarten lieben zur Zeit der Eiablage Temperaturen im Bereich von 17-20°C und eine Luftfeuchte von möglichst 100%. Schnecken können bis zu 400 Eier ablegen. Unter günstigen Bedingungen schlüpfen aus den Eiern innerhalb von 2 Wochen die Jungtiere. Bei ungünstigen Bedingungen kann es bis zu 8 Wochen dauern.
Schneckeneier haben einen noch höheren Wassergehalt als die Schnecken selber. Sie sind damit noch austrocknungsgefährdet. Aus diesem Grunde werden sie auch meist in geschützten Erdhöhlen abgelegt. Niedrigere Temperaturen und trockenere Luft hemmen die Eiablage. Unter 4°C stoppt die Eiablage weitgehend.

Dokumentation Wegschnecken Eiablage

In der folgenden Bilderserie wird die Eiablage einer Wegschnecke mit 12 Fotos dokumentiert. Innerhalb von 3:53 Stunden legte die abgebildete Wegschnecke 14 Eier.

Schneckenarten

Die wichtigsten Schneckenarten im Gartenbau und insbesondere auch im Gemüsebau sind:

  • Wegschnecken (Arion-Arten): bis zu 18 cm lang, schwarz, braun oder rötlich
  • Ackerschnecken (Deroceras-Arten): rund 3-5 cm lang, mit netzartiger Rückenzeichnung.


Wegschnecken

Wegschnecken(Familie Arionidae)sind wohl jedem Gärtner und Gartenliebhaber als bedeutende Schädlinge bekannt. Sie fressen unter anderem gerne folgende Gemüsearten: Blumenkohl, Bohnen, Erbsen, Gurken, Kohl, Möhren.

Die gefährlichsten bzw. bedeutendsten Arten für den Pflanzenbauer sind:

1) Arion vulgaris: Spanische Wegschnecke auch Große Wegschnecke oder Kapuzinerschnecke genannt

  • Farbe: sehr variabel, meist schmutzig-bräunlich, rötlich bis orangegelb.
  • Länge: 80-120 mm

2) Arion ater: Schwarze Wegschnecke

  • Farbe: schwärzlich
  • Länge: 100-130 mm

3) Arion hortensis: Garten Wegschnecke

  • Farbe: Oberseite schwärzlich, Unterseite elfenbeinfarbig br>
  • Länge: 25-30 mm, bis zu 50 mm, meist jedoch kleiner

Die Garten Wegschnecke wird maximal bis zu 50 mm lang,meist ist sie jedoch kleiner. An der Oberseite ist dunkel, mit brüunlicher Tönung gefärbt. An der Unterseite ist sie bräunlichgelb, dunkelgelb bis tief orange gefärbt. Der Schleim hat eine gelbliche Farbe. Die jungen Tieren haben einen blaugrauen bis dunkleren Rücken. Die erste Reihe Runzeln oberhalb der Fußsohle sind dicht gesprenkelt mit schneeweißen Pigmentpunkten. Auf dem Rücken und dem Mantel sind zwei dunklere Längsstreifen (Binden) vorhanden, die nach oben eher scharf begrenzt sind, unten eher verwischt sind. Die rechte Binde verläuft oberhalb des Atemloches.

4) Arion rufus: Große Wegschnecke
Farbe: rot, braun
Länge: 120-150 mm
In Ruhestellung: fast kugelig, nur noch halbe Länge.


Ackerschnecken

Die Ackerschnecken, auch Kleinschnegel genannt, stellen die größte Familie im Bereich der Nacktschnecken dar. Die meisten Arten sind klein, die Gattung der Mesolimax und Krynickillus können jedoch bis zu 60 mm lang werden. Von den Wegschnecken kann man sie relativ gut und leicht unterscheiden.

Wichtige Futterpflanzen:
Blumenkohl, Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Gurken, Kohl, Kopfsalat, Kürbis, Mais, Möhren, Spinat, Tagetes.

Die wichtigsten Merkmale der Ackerschnecken:

  • Der Mantel ist länger als bei den Wegschnecken. Immer 1/3 oder mehr der Körperlänge.
  • Der Hinterteil der Ackerschnecken ist besonders spitz auslaufend.
  • Das Atemloch befinded sich ziemlich zentral im Mandelbereich.
  • Der Mantel direkt um das Atemloch ist etwas erhaben.
  • Die Außenhaut der Ackerschnecken hat beweglichen Falten.


Die gefährlichsten bzw. bedeutendsten Arten für den Pflanzenbauer sind:
1) Deroceras reticulatum = Genetzte Ackerschnecke
Farbe:
Länge:
Futterpflanzen:

2) Deroceras laeve (Tricha hispida)
Farbe: Länge: klein bis mittelgroß, größte Art bis zu 60 mm


3) Deroceras praecox: Ackerschnecke oder Kleinschnegel
Farbe:
Länge: klein bis mittelgroß


Schneckenfraß Schadbilder

Schnecken verursachen immer wieder riesige Schäden an Nutzpflanzen, sowohl im Erwerbsanbau als auch in Gärten. Um entsprechende Vorsichstmaßnahmen treffen zu können oder auch um angemessene Bekämpfungsmaßnahmen einzuleiten ist es wichtig, einen Schneckenbefall und auch eventuelle Fraßschäden frühzeitig zu erkennen.
Eine große Bilderserie, geordnet nach Pflanzenarten von A-Z, zeigt in dem Hortipendium Artikel Schnecken_Fraßschäden welche Pflanzenarten oft durch Schnecken geschädigt werden und wie die Schadbilder aussehen.

Schnecken Befallskontrolle

Pflanzenbestände erfolgreich auf einen möglichen Schneckenbefall zu kontrollieren will gelernt sein. Hierzu einige Tipps bzw. Hinweise.

Umfangreiche Details dazu im Hortipendium Artikel Schnecken_Bekämpfung

Schnecken Bekämpfung

Die Bekämpfung von Schnecken erfolgt oft durch Ausbringen von Schneckenkorn. Vergessen sollte man aber auch nicht die verschiedenen anderen Möglichkeiten. Hilfreich ist es zunächst einmal zu wissen, welche Schneckenart die Probleme macht. Des weitern sollten wir auch soviel wie möglich über die Lebensbedingungen der Schnecken lernen. Vielfach können auch schon vorbeugende Maßnahmen helfen mögliche Schäden zu verhindern.

Umfangreiche Details dazu im Hortipendium Artikel [[1]]


Schneckenvideos

Inzwischen gibt es im Internet eine ganze Reihe von sehenswerten online Videos zur Biologie und Bekämpfung von Schnecken.


Allgemeines


Filme zur Biologie

Schnexagon


Siehe auch Hortipendium

Quellen

  • J. Schlaghecken und J. Kreiselmaier (2002): Blumenkohl CD-ROM, Bild- und Textdokumentation. DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Gerd Crüger, Georg Friedrich Backhaus, Martin Hommes, Silvia Smolka, Heinrich-Josef Vetten (2002): Pflanzenschutz im Gemüsebau. Ulmer Verlag. Stuttgart. 
  • Dora Godan (1979): Schadschencken. Ulmer Verlag. Stuttgart. 


Weblinks