Schlepper

Aus Hortipendium
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Moderner Traktor vom Typ Deutz-Fahr Agrotron 130

Der Schlepper, auch Traktor bzw. Bulldog genannt, ist eine Zugmaschine für Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft und auch andere Zwecke (Kommunalbetriebe, Bauwesen, Landschaftsbau). Schlepper bilden heute die Grundlage der Mechanisierung im Gartenbau. Sie werden vor allem im Freilandgemüsebau eingesetzt, aber auch in der Baumschul- und Freilandstaudenproduktion sind sie nicht wegzudenken. Unter Glas werden sie für Transportzwecke eingesetzt, bei Erdkultur auch zur Bodenbearbeitung. Durch vermehrte Substrat- bzw. Containerkultur verlieren sie aber zunehmend an Bedeutung, weil für den Transport häufig Spezialmaschinen gebaut werden.

Aufgaben des Schleppers:

  • Zugarbeit auf dem Acker (Bodenbearbeitung mit dem Pflug)
  • Transportarbeit (mit Anhänger)
  • Antrieb fahrbarer (Kreiselegge, Fräse, Sämaschine, Pflanzmaschine) und stationärer Geräte
  • Arbeitsmaschine mit angebauten Geräten (Düngerstreuer, Pflanzenschutzspritze)

Ziele die durch den Einsatz eines Schleppers erreicht werden:

  • Steigerung der Arbeitsproduktivität
  • Senkung der Produktionskosten
  • Verbesserung der Arbeitsqualität
  • Erleichterung der Arbeit für den Menschen[1]

Einteilung nach Schlepperbauart

Schlepper werden nach ihrer Bauart unterschieden in:

  • Radschlepper
    • Einachsschlepper
    • Zweiachsschlepper
      • Standardschlepper
      • Systemschlepper
      • Spezialschlepper
  • Kettenschlepper[1]

Im Gartenbau eingesetzte Schlepper

Agria-2600

Einachsschlepper

  • Einachsschlepper werden mit einem Benzin- oder Diesel-Viertakt-Motor mit einer Leistung von 3-12 kW angetrieben.
  • Im Intensivgartenbau, im Gewächshaus und für kleiner Flächen (größere Hausgärten)
  • Wendig, aber geringe Flächenleistung
  • Handgeführt, anstrengende Arbeit
  • Anwendung:
    • Bodenbearbeitung kleiner Flächen
    • Hacken zur Bodenlockerung und Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen (z.B. bei ausdauernden Kräutern, Stauden)
    • Mäharbeiten
    • Transportfahrzeug mit Anhänger
  • Anbaugeräte: Heckanbau: z.B. Fräse, Umkehrfräse, Pflug. Frontanbau: z.B. Balkenmäher, Kehrmaschine. Einige Geräte werden mit einer Zapfwelle angetrieben. Durch einen um 180° drehbaren Lenkholm können sowohl Front- als auch Heckanbaugeräte betrieben werden.
  • Sonderform: trieblose Motorhacke – das rotierende Werkzeug sorgt für den Vortrieb
  • Hersteller: Agria, Honda, Husqvarna, Reform

Zweiachsschlepper

Standardschlepper

Sie werden nur mit Diesel-Viertakt-Motoren ausgerüstet. Nach dem Leistungsbereich teilt man ein in:
Kleine Standardschlepper: 25-50 kW, vorwiegend Hinterradantrieb
Mittlere Standardschlepper: 50-100 kW, meist mit Allradantrieb
Große Standardschlepper: mehr als 100 kW, Allradantrieb (im Gartenbau seltener eingesetzt)
Vorteile:

  • Universelle Einsatzmöglichkeiten
  • Große Hinterräder für hohe Zugleistung beim Pflügen
  • Hauptanbauraum Heck, auch Frontanbau

Angebaut wird über eine genormte Dreipunkthydraulik, die in die Kategorien 0-3, je nach Leistung des Schleppers, eingeteilt wird (verschiedene Maße; bei Schlepper- und Anbaugerätkauf beachten). Häufig werden Schnellkuppeldreiecke verwendet, die das Ankuppeln ohne Absteigen ermöglichen. Am Schlepper wird das Dreieck angebaut und an den Geräten das Gegenstück. Dadurch kann durch einfaches Anheben angekuppelt werden.
Anbaugeräte

  • Gezogene Anbaugeräte: Anhänger, Pflug
  • Angetriebene Anbaugeräte (gezogen oder getragen): Sämaschine, Düngerstreuer, Bodenfräsen, Zapfwelleneggen
  • Angetriebene Anbaugeräte (Schlepper stationär): Pumpen, Häcksler

Fendt Geräteträger mit Cambridgewalze und Bodenfräse

Geräteträger

Er ist eine spezielle Bauform des Standardschleppers mit vier Anbauräume: Heck, Mitte, Front, Aufbauraum über der Vorderachse (z.B. für eine Ladepritsche)
Vorteile des Anbauraums zwischen den Achsen:

  • Gute Sicht auf die Anbaugeräte
  • Zapfwelle auch im Zwischenanbauraum
  • Mehrere Arbeitsgänge gleichzeitig (z.B. Bodenbearbeitung und Aussaat)
  • Hebelwirkung: Lenkausschlag bewirkt nur eine kleine Spuränderung des Anbaugerätes (z.B. Hackstriegel zum Hacken zwischen den Reihen)

Hochradschlepper
Kubota Schmalspurschlepper

Spezialschlepper

Im Gartenbau gibt es eine Vielfalt an Spezialschleppern:

  • Schmalspurschlepper, Plantagenschlepper: Gesamtbreite 1000mm (minimal), zum Fahren zwischen Obst-, Reben- oder Baumschulreihen, runde Bauform gegen das Einhaken von Zweigen. Einsatz zwischen den Reihen: Mäharbeiten, Pflanzenschutz, Unkrautbekämpfung, Transport der Ernte. Bauformen mit und ohne Kabine.

Hersteller: Krieger Fahrzeugbau, Sauerburger Traktoren, Kubota (Deutschland)

  • Stelzenschlepper (Portalschlepper): hohe Bodenfreiheit (bis zu 2m) zum Fahren über den Reihen – dadurch aber die Gefahr des Umkippens. Einsatz im Obstbau, Weinbau, Gemüsebau und der Baumschule zu Unkrautbekämpfung, Pflanzenschutz, Schnitt/Pflege oder Ernte.

Hersteller: Die meisten Stelzenschlepper kommen aus dem Weinbau oder der Landwirtschaft, können aber mit geringen Veränderungen im Gartenbau eingesetzt werden.

Quellen

Heinz Dieter Kutzbach (1989): Lehrbuch der Agrartechnik, Bd. 1. Allgemeine Grundlagen, Ackertechnik, Fördertechnik. Parey. Hamburg/Berlin. ISBN 3490198158

Vorlesung: Technische Grundlagen von Prof. Dr. Sebastian Peisl an der HSWT

Einzelnachweise

  1. a b Heinz Dieter Kutzbach (1989): Lehrbuch der Agrartechnik, Bd. 1. Allgemeine Grundlagen, Ackertechnik, Fördertechnik. Parey. Hamburg/Berlin. ISBN 3490198158

Weblinks