Schadbilder an Pelargonium

Aus Hortipendium
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Bei Pelargonien gibt es eine Reihe – teilweise artspezifischer – Schädlinge und Krankheiten. Diese sind vor allem - aber nicht nur – in der Anzucht in Gewächshäusern relevant. (Siehe dazu auch Pelargonium peltatum Schadbilder und Pelargonium zonale Schadbilder).

Pilzkrankheiten

Pilzkrankheiten sind bei der Produktion – besonders in den Wintermonaten – typisch. Sie hängen meist mit dem Wasserhaushalt der Pflanzen zusammen.

Drei Faktoren sind dafür maßgeblich verantwortlich:

  • stark reduziertes Licht – dadurch findet kaum Assimilation statt. Die Pflanzen wachsen langsamer und verbrauchen nur verhältnismäßig wenig Wasser
  • langsames Abtrocknen der Pflanzenteile - durch einen angepasste Temperaturführung verdunstet Gießwasser und Spritzbrühe nur minimal und verbleibt so relativ lang auf den Pflanzenteilen.
  • hohe Luftfeuchtigkeit - Durch niedrige Außentemperaturen besteht nur selten die Möglichkeit und die Notwendigkeit zum Lüften, somit kann hohe Luftfeuchtigkeit kaum entweichen. Das ideale Klima für Pilzkrankheiten.

Allgemein kann durch die Beachtung einiger Kulturmaßnahmen, trockene Kulturführung und Betriebshygiene (kein Unkräuter unter den Tischen, kranke Pflanzen schnellstmöglich aussortieren, keine Wassernester auf der Kulturfläche etc.) besonders in den Wintermonaten die Gefahr durch Krankheiten und Schädlinge relativ gut eindämmen.

Zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten ist der Einsatz von sog. Fungiziden möglich, sie können vorbeugend (präventiv) oder heilend (kurativ) eingesetzt werden.


Botrytis (Grauschimmel)

Bei zu nasser Kulturführung, z.B. zu hohe Wassergaben oder das zu spätes Gießen an dunklen Wintertagen kann der Bestand nicht bis zur Nacht abtrocknen. Bei einer Verweildauer des Wassers von mehreren Stunden auf der Pflanze ist der Infektionsdruck immens hoch, Pilze wie Botrytis können leichter in die Pflanze eindringen und sie infizieren.

Botrytis an Pelargonium
Botrytis (Botrytis cinerea)

Nach einem Befall mit Botrytis cinerea können braune Faulstellen an Wurzelhals, Stängel oder Blättern entstehen. Anschließend bildet sich ein grauer Sporenbelag auf den Faulstellen. Wird der Stängel von Jungpflanzen befallen, kann die gesamte Pflanze absterben. Ursache für den Befall des Stängels ist meist ein Befall am Blattstiel, der sich dann auf den Stängel überträgt. Außerdem kann ein Eintrocknen von Blütenknospen beobachtet werden. Gegenmaßnahmen: Luftfeuchtigkeit nach Möglichkeit senken, Ventilation und auf eine ausreichende Standweite ist zu achten.

Rost (Pelargonienrost)

Eine weitere Pilzart ist der Pelargonienrost, der aber meist erst im Sommer (bzw. bei sommerlichen Temperaturen) auftritt. Er benötigt neben der Wärme – wie viele Pilze – auch eine hohe Luftfeuchtigkeit. Vereinzelte Blätter an den Pflanzen sollten schnellstmöglich entfernt werden und für eine gute Durchlüftung des Bestandes gesorgt werden. So lässt sich in der Regel dieser Pilz relativ gut in Schach halten.

Rost an Pelargonium zonale
Rost (Puccinia pelargonii-zonalis)

Die Symptome des Pelargonienrost (Puccinia pelargonii-zonalis) zeigen sich blattoberseits durch gelbliche Flecken mit nekrotischem Punkt in der Mitte. Auf der Unterseite der Blätter entstehen Flecken, die sich teilweise mit Ringen aus rotbraunem pulvrigen Sporen zeigen. Gegenmaßnahmen: Blattfeuchte vermeiden, Luftfeuchte senken.

Alternaria

Der zu den Schimmelpilze gehörende Alternaria alternata ist ein Schwärzepilz, der sich bei hoher Luftfeuchte und hohen Temperaturen wohl fühlt. Zu nass gehaltene Pflanzen bekommen an den Blättern erst bräunliche, später schwarze runde Flecken. Der Pilz kann unter ungünstigen Umständen auch bei Menschen zu Gesundheitsproblemen führen.

Pythium

In der Bewurzelungsphase ist die Gefahr von bodenbürtigen Pilzen relativ groß. Bei schweren, dichten Substraten kommt es schnell zu Staunässe, weil das Wasser von den Jungpflanzen kaum verbraucht wird und die Struktur schwerer Erden ein Abtrocknen kaum zulässt. Bodenbürtige Pilze wie Pythium, Rhizoctonia sind aber nicht nur auf die Bewurzelungsphase beschränkt, sondern können auch später noch (bei gleichen Indikationen) vorkommen. Ein durchlässiges Substrat und eine „trockene“ Kulturführung sind gute Voraussetzungen um diese Krankheiten zu unterdrücken.

Pythium an Pelargonium zonale
Pythium spec.

Die Stecklinge verfärben sich an der Basis schwarz und sterben ab. Im unteren Bereich des Ballens entstehen weichfaule Wurzeln. Oberiridsch kann ein Vergilben der Blätter und ein stockendes Wachstum der Pflanze beobachtet werden. Gegenmaßnahmen: Zuerst müssen die kulturtechnischen Ursachen behoben werden. Wozu auch eine Optimierung der Bewässerung und Düngung gehört. Das vorbeugende Zumischen von Antagonisten (Trichoderma- Arten, Bacillus subtilis) zum Substrat kann Wurzelpilzen entgegenwirken.

Thielaviopsis

Thielaviopsis an Jungpflanzenwurzeln
Thielaviopsis (Thielaviopsis basicola)

Die Thielaviopsis-Wurzelbräune ist an den schwarz-braun gefärbten und trockenfaulen Wurzeln zu erkennen. Bei Befall wachsen die Pflanzen schlechter, ältere Blätter können gelb werden. Bei starkem Befall können die Pflanzen absterben. Gefördert wird ein Befall durch hohe Salzgehalte, Staunässe oder ungünstige pH-Werte.

Bakteriosen

Bakterien- und Viruserkrankungen können nicht durch den Einsatz von Fungiziden bekämpft werden. Um eine Infektion zu verhindern, ist bei der Anzucht die Betriebshygiene – vor allem das Verarbeiten von ausschließlich gesundem Pflanzenmaterial - das oberste Gebot. Erkrankte Pflanzen dürfen nicht weiter vermehrt werden und sollten schnellstmöglich aus dem Bestand entfernt und vernichtet werden.

Xanthomonas (Schirmchenkrankheit)

Ein großes Gefahrenpotential bei Pelargonien hat das Bakterium Xanthomonas, das z.B. durch Stecklingsschnitt von einer auf die nächste Pflanze übertragen werden kann. Aber auch die Ausbreitung über Gieß- & Spritzwasser ist möglich. Besondere Tragweite hat dieses Bakterium, weil die Inkubationszeit verhältnismäßig lang (u.U. Monate) sein kann. Bis dahin kann eine Pflanze den ganzen Bestand angesteckt haben. Das typische Erscheinungsbild von Xanthomonas tritt erst bei intensiver Sonneneinstrahlung auf. Das erste sichtbare Zeichen sind Blattverfärbungen, bei denen das Laub relativ fahl wirkt. Außerdem kommt es zur „Schirmchenbildung“, d.h. Das Blatt an sich steht unverändert, lediglich die Blattränder hängend runter.

Xanthomonas an Pelargonium
Xanthomonas (Xanthomonas hortorum pv. pelargonii)

Durch die Verstopfung der Leitungsbahnen entstehen schlappe Blätter. An den Blattunterseiten älterer Blätter werden wässrig-ölige Flecken sichtbar. An den Blattstielen und Stängelteilen treten braunschwarze Faulstellen auf. Eine direkte Bekämpfung ist nicht möglich. Die Verbreitung kann mechanisch erfolgen. Es ist vorbeugend auf Betriebshygiene zu achten.

Ralstonia (Schleimkrankheit)

Ralstonia an Pelargonium
Ralstonia (Ralstonia solanacearum)

Ralstonia solanacearum wird auch als Schleimkrankheit bezeichnet. Die Symptome sind denen von Xanthomonas sehr ähnlich. Deshalb muss die Unterscheidung dieser Krankheiten im Labor erfolgen.

Virosen

Pelargonium Flower Break Virus

Pelargonium Flower Break Virus an Pelargonienblüte
Pelargonium Flower Break Virus

Pelargonium Flower Break Virus (PFBV) kann andersfarbige Streifen an den Blüten und Zeichnungen auf den Blättern verursachen. Die Blattzeichnungen können im Laufe der Kultur verschwinden und führen nicht automatisch zu Symptomen an den Blüten. Der Virus wird mechanisch durch Pflanzensaft, bei der Bewässerung in rezirkulierenden Systemen und durch infizierten Pollen in Verbindung mit Thripsbefall übertragen. Der Virus kann auch latent in Pflanzen vorhanden sein, ohne Symptome zu zeigen. Es werden ausschließlich Pelargonien von diesem Virus befallen.

Schädlinge

Die Vielfalt an tierischen Schädlingen in der Pelargonien-Kultur ist genauso groß, wie die der Krankheiten.

Kalifornischer Blütenthrips

Besonders problematisch ist ein Schädling, der seit dem Ende der 1980-Jahre aus den USA nach Europa eingeschleppt wurde. Der Kalifornische Blütenthrips (Franklinella occidentalis) hat ein vergleichsweise großes Wirtspflanzenspektrum, er wurde bereits auf über 200 Pflanzengattungen und -arten gefunden. Generell ist er also nicht wählerisch, aber Vorlieben hat er dann doch: Blau blühende Pflanzen werden von ihm besonders gerne besucht. Daher können diese Pflanzen sehr gut zum Monotoring eingesetzt werden, wenn keine blauen Leimtafeln zur Hand sind. Diese helfen bei der Befallskontrolle besonders, denn anders als bei der Weißen Fliege versteckt sich der Blütenthrips in den Treibspitzen und Blütenknospen. Um ihn nachzuweisen, müssen daher also zum Monotoring eben Blautafeln eingesetzt werden, alternativ kann man mit Klopfproben (Blüten bzw. Triebspitzen über einer Schale oder einem Bogen Papier abklopfen) oder der genauen Untersuchung der Pflanzenteile die Tiere finden. Durch ihre Lebensweise ist auch die Bekämpfung mit Insektiziden relativ schwer.

Saugschäden an Pelargonium durch Thripse
Thrips (Frankliniella occidentalis)

Der Blütenthrips – Frankliniella occidentalis verursacht helle, kleine Vertiefungen in den jüngsten Blättern. Außerdem können kleine Verkorkungen an den Blättern entstehen.

Weiße Fliege

Ein weiterer Schädling, der vor allem im Gewächshaus zu großen Problemen führen kann, sich aber auch im Sommer im Freiland sehr gut angepasst hat, ist die Mottenschildlaus, auch Weiße Fliege genannt. Dabei gibt es auch nicht die Weiße Fliege, sondern zwei relativ unterschiedliche Arten:

  • Bemisia tabaci
  • Trialeurodes vaporarirorum

Die Unterscheidung ist vor allem im Bezug auf die biolog. Bekämpfung von Bedeutung.

Trauermücken

Ein typischer Schädling für viele Gewächshaus-Kulturen – besonders im Jungpflanzen-Stadium – sind Trauermücken. Diese kleinen Fliegen fühlen sich im feucht-warmen Klima sehr wohl, schwere und nasse Substrate kommen ihnen sehr entgegen. Dabei ist das Hauptproblem nicht die Mücke sondern ihre Larven. Die Adulte legen ihre Eier in das feuchte und warme Substrat – egal ob im Topf oder aufgeschwemmter Erde auf der Kulturfläche. Die geschlüpften Larven ernähren sich von Pflanzenteilen wie Wurzeln und auch dem Stängel. Als vorbeugende Maßnahme ist eine trockene Kulturführung empfehlenswert. Eine Bekämpfung ist besonders mit dem Einsatz von Nematoden der Art Steinernema ratsam, die auf das feuchte Substrat gegossen werden.

Blattläuse

Auch diverse Blattlaus-Arten sind typische Schädlinge für die Anzucht im Gewächshaus als auch später im Freien. Sie können sich – je nach klimatischen Bedingungen – explosionsartig vermehren, sind aber verhältnismäßig leicht zu bekämpfen. Während man im Freiland mit der natürlichen Hilfe von Nützlingen rechnen kann, sollte man im Gewächshaus unbedingt schnell reagieren um eine schnelle Ausbreitung zu verhindern.

Spinnmilben

Spinnmilben („Rote Spinne“) sind durch ihre Größe schwer zu erkennen, sie selbst sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Meist sieht man nur die Auswirkung ihrer Saugtätigkeit, wenn sie bereits große Schäden angerichtet haben. Das Laub (vorzugsweise von P. pelatum) wird von der Unterseite angesaugt, wo bei die Spinnmilben nicht sondern an den Leitungsbahnen saugen, sondern nur in der obersten Blattschicht. Die Blätter haben tausender kleiner Einstiche, die später einen silbrigen Glanz bekommen, später kommt es dann zu Deformationen. Spinnmilben lieben trocken-heißes Klima, was besondere Vorsicht und Bestandskontrolle im Sommer – vor allem im Gewächshaus bei übrig gebliebener Ware – erfordert. Irreversibele geschädigte Pflanzen sollten entweder stark zurück geschnitten oder sogar entsorgt werden, den die geschädigten und deformierten Blätter und Triebspitzen sind kaum noch zur Assimilation fähig.


Weichhautmilben

Bei hoher Luftfeuchtigkeit können Pelargonien auch von Weichhautmilben befallen werden. Dieser eher seltene Schädling ist ebenfalls nur sehr schwer identifizierbar. Auffallend sind die Verkorkungen der Blätter, die zuerst andere Ursachen vermuten lassen, aber auch Deformationen von Blätter und Blüten sind möglich. Sie spielen aber auch lediglich in der Kultur im Gewächshaus eine Rolle, das sie neben der Wärme auch eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen.

Andere

Zu plötzlichen – im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht auftretendem - Fenster- & Lochfraß kann der Befall mit Raupen von Schmetterlingen oder Blattwespen führen. Das sie zumeist nachtaktiv sind, sind die Schädlinge auf Anhieb nicht sehen – außer bei Kontrollen in der Abenddämmerung mit Taschenlampen.

Auch der Befall mit Käfern wir dem Gefurchtem Dickmaulrüssler ist zwar selten, aber nicht auszuschließen.

Abiotische Ursachen

Pflanzenschutzmittelunverträglichkeiten

Cycocel

Chlorosen durch Cycocel an Pelargonie
Cycocelflecken

Sind Pelargonien nach einer Behandlung direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt oder betragen die Temperaturen über 25°C und die Luftfeuchtigkeit unter 70% können chlorotische Flecken auf den Blättern entstehen. Am Tag der Behandlung empfiehlt es sich, bei sonnigem Wetter den ganzen Tag zu schattieren. Bei extremen Situationen kann es auch zu Nekrosen kommen. Die Chlorosen können nach einer Weile wieder verschwinden.

Glyphosat

Gelbe Blätter durch Roundup an Hängegeranie
Schäden durch Roundup

Kommen Pelargonien mit dem Totalherbizid Roundup (Wirkstoff Glyphosat) in Verbindung, werden die Blätter gelb und die Pflanze wächst nicht mehr weiter. Je nach aufgenommener Menge bliebt sie in diesem Zustand oder stirbt ab. Es kann auch zu Blütenaufhellungen kommen.

Kältechlorosen

Kältechlorose an Peleargonium
Kältechlorosen

Bei Temperaturen unter 8°C entwickeln einige Sorten an den Triebspitzen Chlorosen. Bei höheren Temperaturen können sie nach einer Weile wieder verschwinden. Auch bei anhaltend hohen Temperaturen über 28°C können ähnliche Chlorosen entstehen.

Salzschaden

Nekrosen an Blättern durch Überdüngung an Pelargonie
Salzschaden

Bei Überdüngung oder Bewässerung mit salzbelastetem Gießwasser werden die Blätter zunächst welk, dann braun und sterben ab. Bei anhaltend hohem Salzgehalt werden auch die Wurzeln geschädigt und die Pflanzen sterben ab.

Chlorosen durch Temperaturschwankungen

Chlorose an Pelargonium durch Tag-Nacht-Temperaturschwankungen
Chlorosen durch Temperaturschwankungen

Hauptsächlich an Zonale-Sorten können sich bei starken Temperaturschwankungen mit kalten Nächten und einstrahlungsreichen warmen Tagen ältere Blätter gelb färben, manchmal mit rötlichem Rand oder rötlich gefärbt. Um dies zu verhindern, sollte nachts mit mindestens 12°C, besser 14°C geheizt und tagsüber gelüftet werden. In der Regel werden diese Blätter nicht wieder grün.

Lichtmangel

abgestorbene Knospen durch Lichtmangel
Lichtmangel

Pelargonien sind empfindlich auf Lichtmangel und reagieren relativ schnell mit einem Absterben der Blütenknospen. Das kann bei zu langen Transporten oder bei Lagerung in dunklen Räumen passieren.

Quelle

  • Matthias Alter (2013): Pflanzenschutz in Pelargonien. unveröffentlicht. 
  • Frank Korting (2012): Schadbilder an Pelargonien - Ein Erfahrungsbericht. DLR Rheinpfalz, Power-Point-Präsentation. 
  • Elsner, W., H. Loeser und W. Biermann (1995): Gärtner-Handbuch Pelargonien. Haymarket Verlag (Thalacker-Verlag). Frankfurt. ISBN 3-87815-067-9
  • Annette Altmann Produktion von Beet- und Balkonpflanzen. Eugen Ulmer. ISBN 3-8001-4887-5