Süßkirschen im Garten

Aus Hortipendium
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Über Jahrzehnte war ein Süßkirschenbaum im Hausgarten ein absolutes Muss. Meist auf Sämling veredelt, hatte er einen zentralen Standort. Unter seiner ausladenden Krone ließ es sich gut aushalten in heißen Sommern. Daneben versorgte er ganze Familien mit den süßen Früchten, die damals ja auch noch klassisch eingeweckt wurden. Vieles hat sich seit dem geändert: Heute werden die Früchte meist direkt verzehrt, weil das einmachen aus der Mode gekommen ist. Von unschätzbarem Vorteil ist, dass die Bäume durch die neuen, schwachwachsenden Unterlagen deutlich kleiner und anwenderfreundlich geworden sind. Somit wäre die Süßkirsche die ideale und leckere Naschfrucht! Aber so wie es aussieht, wird die Süßkirsche wohl über kurz oder lang komplett aus den Gärten verschwinden. Der Grund liegt in der zunehmenden Vermadung durch die Kirschfruchtfliege, besonders in den wärmeren Anbaugebieten und in einer fehlenden Bekämpfungsmöglichkeit. Was fehlt, ist eine intelligente und anwenderfreundliche Bekämpfungsstrategie für den Garten, am Besten außerhalb einer Spritzanwendung. Ansonsten steht zu befürchten, dass diese wundervolle Kultur aus den Gärten verschwinden wird.

Sorten

Sorte Reifezeit Eigenschaften
'Meckenheimer Frühe' Anfang Juni Früchte mittelgroß, mittlere Platzanfälligkeit, langer Stiel, robust, bleibt aber aufgrund der frühen Erntezeit madenfrei.
'Burlat' Anfang/Mitte Juni etwas platzanfällig, bleibt aber aufgrund der frühen Erntezeit madenfrei.
'Celeste' Anfang/Mitte Juni selbstfruchtbar, bleibt aber aufgrund der frühen Erntezeit madenfrei.
'Merchant' Mitte Juni dunkelrot, mittlere Festigkeit, wenig platzempfindlich, guter Geschmack
'Sunburst' Ende Juni rot, mittlere Festigkeit, etwas platzempfindlich, süßes Aroma
'Lapins' Anfang Juli dunkelrot, mittlere Festigkeit, platz-, Fäulnisempfindlich, süßes Aroma
'Sweetheart' Mitte Juli Rot, feste Früchte, wenig platzempfindlich, guter Geschmack

Vogelabwehr

In Süßkirschen sind Schäden durch Vogelfraß an Früchten nicht selten. Als Schadvögel treten besonders Stare, Wacholderdrossel und Krähen auf. Eine wirksame Vogelabwehr im Hausgarten ist nicht zu erreichen, da reine Ultraschallgeräte und Vogelscheuchen allgemein als wenig wirksam gelten.


Problemfall Kirschfruchtfliege

Derzeit ist kein Pflanzenschutzmittel gegen die Kirschfruchtfliege für den Garten zugelassen, und jeder weiß, dass die Befallsreduzierung mittels Gelbtafeln besonders bei großkronigen Bäumen nur wenig effizient ist. Und viele Gartenfreunde und Kirschenliebhaber essen keine einzige Kirsche mehr, wenn sie einmal eine vermadete erwischt haben! Was kann man derzeit überhaupt noch empfehlen? Eigentlich bleibt nur der Rat, Sauerkirschen oder Süßkirschen bis zur 2. Kirschwoche (z. B. `Burlat`, `Frühe Rote Meckenheimer`etc.) zu pflanzen, denn die werden (bisher) deutlich weniger befallen. Durch Abdeckung mit engmaschigen Netzen bleiben jedoch 100% befallsfrei[1].

Pflanzenschutz

Eine Übersicht sortiet nach Schäden an Blatt, Blüte, Frucht und Holz von möglichen pilzlichen Erkrankungen, Schädlingen und Virosen finden Sie über folgenden Link: Pflanzenschutz in Süßkirschen

Quellen

  • Martin Balmer, Jürgen Lorenz (2010): Intensivierung im Tafelkirschenanbau. DLR Rheinpfalz, Kompetenzzentrum Gartenbau. Rheinbach. 
  1. Merkblatt Kirschfruchtfliege, FiBL, 2008