Rasen

Aus Hortipendium
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Strapazierrasen

Rasenflächen sind Pflanzengesellschaften mit wechselnden Anteilen an Gräsern und Kräutern. Sie sind meist ein fester Bestandteil der mittlerweile fast 17 Millionen Haus- und Kleingärten Deutschlands. Sie sollen den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden und möglichst auf den verschiedensten Standorten problemlos gedeihen. In ästhetisch ansprechender Form sollen sie das Gesamtbild des Gartens abrunden. Die Rasenfläche erfüllt im eigenen Garten noch weitere Funktionen. Sie ist, ähnlich wie ein Baum, eine produktive Sauerstoff-Fabrik. Rasen schützt den Boden vor Auswaschung von Nährstoffen, insbesondere Stickstoff. Das Wurzelsystem hält den Boden fest, bewahrt ihn vor Erosion. Zudem reguliert Rasen durch die Verdunstung von Bodenwasser und Tau die Temperaturen und spendet im Sommer Kühle und Luftfeuchte.

Die erforderlichen Pflegemaßnahmen sind abhängig von der Beanspruchung dieser Flächen. Grundsätzlich gilt: je weniger diese Grünflächen strapaziert werden, desto extensiver oder weniger aufwendig gestaltet sich deren Pflege. Die Blumenwiese lässt sich mit vergleichsweise wenig Arbeitsaufwand erhalten (1-2 maliges Mähen im Jahr, wobei das Schnittgut abzutragen ist). Allerdings ist sie nicht strapazierbar und in ihrer Zusammensetzung weitgehend standortabhängig. Das andere Extrem ist der sogenannte "Vielschnittrasen" (in perfekter Form auch als Englischer Rasen bekannt). Er ist zwar vergleichsweise arbeitsintensiv (Mähen, Düngen usw.), dafür aber auch gut belastbar.

Der Kompromiss liegt wie immer zwischen den beiden Extremen. Jeder Gartenbesitzer muss sich darüber im Klaren sein, welchen Anforderungen die Grünfläche gewachsen sein soll. Häufig wird eine strapazierfähige Rasenfläche gewünscht, die zu jeder Jahreszeit begehbar ist und auch eine tobende Kinderschar ohne bleibende Spuren verkraftet. Im Gegensatz zur Blumenwiese gelingt dies nur, wenn durch geeignete Pflegemaßnahmen der Anteil der Gräser gezielt gefordert wird. Sie sind besonders wuchsfreudig und können innerhalb kurzer Zeit eine geschlossene tragfähige Pflanzendecke bilden.

Rasentypen

Nach der DIN 18917 werden vier Rasentypen unterschieden:

  • Zierrasen
  • Gebrauchsrasen
  • Strapazierrasen
  • Landschaftsrasen (Extensivrasen)


Schnitt bzw. Mähen

Regelmäßiger Schnitt fördert die Narbendichte, weil die Gräser, je nach Art, dazu angeregt werden vermehrt Seitentriebe oder Ausläufer zu bilden. Für keimende, wenig trittfeste Wildkräuter bleibt wegen der hohen Wachstumsgeschwindigkeit der Gräser kaum noch Raum. Dabei kommt der Schnitthöhe eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Das Optimum liegt zwischen 4 und 6 cm Schnitthöhe. Je tiefer der Schnitt erfolgt, desto weniger Nährstoffe verbleiben dem Gras für den Wiederaufwuchs. Die Grasnarbe neigt zum Kümmerwuchs und es muss ein erhöhter Düngungsaufwand betrieben werden. Wer in Trockengebieten (ca. 500 mm NS/Jahr) seinen Rasen mit möglichst wenig Bewässerung über die Runden bringen will, sollte die obere Schnittgrenze wählen. Ein höherer Nährstoffvorrat ist hier gleichbedeutend mit höherer Widerstandskraft. Gleichzeitig wird der Boden besser beschattet und damit die Wasservorräte ökonomischer genutzt. Lediglich im Herbst ist darauf zu achten, dass der Rasen nicht zu hoch in den Winter geht, um Pilzkrankheiten vorzubeugen. Normalerweise wird das Schnittgut abgeräumt und kann sehr gut zur Kompostierung oder zum Mulchen zwischen Stauden oder Sträuchern verwendet werden. Es kann allerdings auch auf der Rasenfläche verbleiben und dort wie ein organischer Stickstoffdünger wirken. Voraussetzung ist allerdings, dass häufiger gemäht wird, damit der Rasen nicht vom dem abwelkenden Material erstickt wird.

Die Schnitthöhe wirkt sich auf die Narbendichte und das Wurzelwerk aus. Kurz gemähter Rasen zeigt höhere Narbendichte, jedoch geringere Wurzelentwicklung. Eine Schnitthöhe zwischen 3,5 und 5 cm ist optimal, im Schatten jedoch nicht unter 4,5 cm. Häufiger Fehler bei der Rasenpflege ist ein zu kurzer Schnitt. Werden die Gräser zu tief abgeschnitten, trocknet der Boden schneller aus, und freigelegte Wurzeln sterben ab. Dadurch verzögert sich der Wiederaustrieb, und der Breitwuchs ist gestört. Die Kahlstellen werden mit Unkraut besiedelt. Wenn die Gräser nach einer längeren Mähpause einmal höher gewachsen sind, sollten sie in mehreren Etappen auf die normale Länge zurückgeschnitten werden, d. h. niemals mehr als die Hälfte der Aufwuchshöhe auf einmal abschneiden.

In unseren Breiten wachsen die Gräser im Frühsommer am stärksten, im Hochsommer dagegen wenig, denn die Trockenheit verlangsamt das Wachstum. Ein erneuter Wachstumsanstieg erfolgt im September, danach verlangsamt sich das Wachstum erneut im späteren Herbst und Winter. Für einen Hausrasen können 20 bis 40 Schnitte pro Jahr angegeben werden.

Mulchen

Hierbei verbleibt das Schnittgut auf der Rasenfläche. Das Schnittgut soll durch Bodenorganismen mineralisiert werden, und die enthaltenen Nährstoffe sollen dann den Gräsern wieder als Nahrung zur Verfügung stehen. Zudem erspart das Mulchen auch die oft teure Entsorgung des Schnittgutes. Für ein erfolgreiches Mulchen wird ein geeigneter Mulchmäher (z.B. Spindelmäher) benötigt. Ist das Mulchen nicht möglich, dann sollte das Schnittgut auf den Kompost gebracht werden. Weiterhin sind folgende Bedingungen notwendig:

  • der Rasen sollte möglichst trocken sein,
  • das Schnittgut darf nicht zu lang sein, d.h. es muss häufiger als üblich gemäht werden (2 mal pro Woche in der Hauptwachstumszeit),
  • das Schnittgut darf nicht verklumpen und muss gleichmäßig auf der Fläche verteilt sein,
  • das Schnittgut muss mineralisiert werden und darf sich nicht an der Bodenoberfläche als undurchlässige, schmierige Schicht (Filz) anreichern.



Düngung

Um eine funktionsfähige Rasenfläche zu bekommen, benötigen Gräser wie andere Kulturpflanzen zum Aufbau organischer Substanz neben dem Kohlendioxyd der Luft und dem über den Boden zugeführten Wasser mineralische Nährstoffe. Durch den wiederholten Rasenschnitt werden Nährstoffe verbraucht und über das Schnittgut von der Fläche transportiert. Rasengräser haben zwar ein sehr dichtes Wurzelnetz, aber die Hauptwurzelmasse befindet sich in den oberen 10 cm des Bodens. Eine ausreichende Nachlieferung an Nährstoffen aus dem Unterboden ist daher nicht zu erwarten. Der notwendige Ausgleich muss dementsprechend mit der Düngung erfolgen.

Die Nährstoffansprüche von Rasenflächen unterscheiden sich je nach Bodenart, Häufigkeit des Mähens, Verwendung des Schnittgutes und Intensität der Nutzung. Die aufgezeigten Gesichtspunkte lassen die Schwierigkeiten einer optimalen Nährstoffversorgung erkennen, die darin bestehen, dass entweder bei einer Unterversorgung die angestrebte Nutzwirkung nicht voll erbracht werden kann oder bei einer Überversorgung ein Teil der Nährstoffe ungenutzt unter nachfolgender Gefährdung des Grundwassers in den Untergrund ausgewaschen wird. Ton- und schluffreiche sowie humushaltige Böden sind nährstoffreich, humusarme Sandböden dagegen nährstoffarm. Dementsprechend unterschiedlich ist das Nachlieferungsvermögen für Nährstoffe. Sandreiche Bodenaufbauten für Spezialrasenflächen erfordern daher ein häufigeres Nachdüngen.

Eine ausreichend hohe und ausgeglichene Niederschlagsverteilung begünstigt die Nährstoffnachlieferung des Rasenbodens innerhalb der Vegetationsperiode. Trockenlagen und extreme Trockenperioden hemmen die Nährstoff-Freisetzung durch Mineralisierung.

Ebenso weist der Rasen bei starker Beanspruchung durch Begehen oder Bespielen einen erhöhten Düngebedarf auf, der durch die damit einher gehende Bodenverdichtung verstärkt wird. Wenn Rasenschnittgut von ausreichend mit Stickstoff versorgten Gräsern auf der Fläche verbleibt, ist pro Jahr eine Nährstoffrückführung von 5-8 g Reinstickstoff/m² in Anrechnung zu bringen.

Das Belassen von Schnittgut auf dem Rasen ist dann sinnvoll, wenn durch häufiges Mähen nicht allzu große Mengen anfallen, trockenes Wetter herrscht und keine Verfilzung des Rasens zu befürchten ist. Intensivrasen im Sportplatz- und Golfbereich mit hoher Dichte scheiden daher in der Regel für dieses Verfahren aus. Richtwerte für die Nährstoffversorgung des Rasens

Mit einer Rasenanlage ist eine Grunddüngung zu empfehlen, die sich nach folgenden Sollwerten richtet. Sollwert der Nährstoffgehalte für Rasenflächen in mg/100 g Boden Phosphat 8-15 Optimalwert überschreitet, gefährdet jedoch das Grundwasser, weil Nitrat als pflanzenverfügbare Stickstoff-Form leicht ausgewaschen wird. Außerdem sind Gräser, die mit Stickstoff überdüngt wurden, weicher im Gewebe und anfälliger für den Befall mit Pilzkrankheiten. Die Risiken einer überhöhten Stickstoffdüngung bestehen auch, wenn außer der Hauptwachstumszeit Frühjahr bis Frühsommer Mineraldünger ausgebracht wird. Da Stickstoffdünger in der Form des Nitrats im Boden leicht in tiefere Bodenschichten verlagert werden und Gräserwurzeln bei überhöhten Nährstoffkonzentrationen leicht verbrennen, muss die überwiegende Menge der anstehenden Stickstoffdüngung ab Beginn der intensiven Wachstumsphase ausgebracht werden, die sich von April bis Juni hinzieht. Es werden die Dünger entweder in mehreren kleinen Gaben eines schnell wirkenden Kurzzeitdüngers oder in einer oder wenigen Gaben eines Langzeitdüngers gegeben, der die Nährstoffe nur allmählich freisetzt. Einzelgaben von Kurzzeitdüngern sollten 20 g/m² und vom Langzeitdünger 30 g/m² nicht übersteigen. Nur bei Rasenflächen, die durch häufiges Mähen mit Abtransport des Schnittgutes oder durch häufigeres Begehen oder Bespielen intensiv genutzt werden, ist es sinnvoll, ein Drittel der alljährlich erforderlichen Düngermenge getrennt von Juli bis August auszubringen.

Ein Volldünger (NPK) mit 30 g/m2 ist höchstens einmal im Jahr (Frühjahr o. Herbst) angezeigt, denn eine zu hohe Phosphor- und Kalizufuhr fördert das Kräuterwachstum. Eine reine Stickstoffdüngung in etwa gleicher Höhe (20-30 g/m²) wirkt dagegen als "Motor" für das Gräserwachstum. Anhand der Menge und der Häufigkeit des Stickstoff-Einsatzes lassen sich Narbendichte und Schnitthäufigkeit recht gut steuern. Für einen normal strapazierten Rasen genügen im Allgemeinen 2-3 Teilgaben/Jahr (umgerechnet 10 g N/m²+Jahr). Aus dem reichhaltigen Düngemittelangebot sollten vorzugsweise physiologisch sauer wirkende (Ammonium-haltig) Stickstoffdünger zum Einsatz kommen, da die meisten Rasengräser ein schwach saueres Bodenmilieu bevorzugen (pH-Werte 5-6). Falls das Schnittgut auf der Fläche verbleibt, so ist es als organischer Dünger zu betrachten und mit etwa 1 0 g N/m²+Jahr anzurechnen. Das bedeutet, dass in diesem Falle für wenig beanspruchte Grasflächen kein zusätzlicher Düngungsbedarf mehr besteht.

  • Bei Verwendung von Langzeitdünger (Wirkungsdaquer 3 Monate): Ende März 1 Gabe mit 30 g/qm und bei Bedarf im Juni eine 2. Gabe mit 30 g/qm
  • Bei Verwendung eines mineralischen Düngers mit Sofortwirkung: 2-3 Gaben mit 20 g/qm wegen der erhöhten Auswaschungsgefahr
  • Verwendung von organischen Düngern: Anfang/Mitte März 3 l Kompost/qm + 30 g Hornmehl/qm geben, ca. 6 Wochen später kann dann noch eine Hornmehlgabe in der selben Größenordnung gegeben werden.

Düngertermine

In unseren Breiten wachsen die Gräser im Frühsommer am stärksten, im Hochsommer dagegen wenig, denn die Trockenheit verlangsamt das Wachstum. Ein erneuter Wachstumsanstieg ist im September zu verzeichnen, dann verlangsamt sich das Wachstum erneut im späteren Herbst und Winter. Durch gezielte Düngergaben lassen sich erwünschte Abläufe unterstützen oder unerwünschte Abläufe beeinflussen. Der Dünger sollte vor oder zwischen den Wuchsmaxima im Frühjahr oder Sommer ausgebracht werden. Reine Zierrasenflächen ohne Belastung werden zweimal pro Jahr gedüngt. Auch Langzeitdünger sollten zweimal statt einmal im Jahr verwandt werden. Der Abbau ist abhängig von der Witterung, wobei die angegebene Abbauzeit bei einer Temperatur von 20°C berechnet wird. Oft liegen aber bereits im Mai schon die Temperaturen über 20°C. Die erste Düngung mit einem Langzeitdünger erfolgt zum Wachstumsbeginn im Frühjahr (ca. Mitte April), die zweite Düngung im Juli. Belasteter Rasen wird in aller Regel drei mal im Jahr mit Langzeitdünger gedüngt. Mögliche Zeiträume sind März/April, Juni und August. Je stärker die Nutzung und je höher der Verschleiß der Gräser ist, desto mehr Nährstoffe werden zum Auswachsen der Schäden benötigt. Eine vierte Düngung im Herbst (Oktober ) mit einem speziellen Dünger mit viel Kalium hilft dem Rasen besser über den Winter. Im Schatten von Bäumen wachsende Gräser benötigen mindestens eine dreimalige Düngung im Jahr, da die Bäume dem Boden ebenfalls Nährstoffe entziehen.


Bewässerung

Intensiv wachsende Rasenflächen verbrauchen in den Sommermonaten etwa 5l Wasser / m2+Tag (zum Vergleich: durchschnittliche Niederschläge betragen etwa 50 mm/ Sommermonat). Trockenschäden sind daher zumindest in Rheinhessen und der Pfalz regelmäßig zu erwarten. Der Grasbestand erholt sich allerdings recht schnell nach den ersten ausgiebigeren Niederschlägen. Trockenschäden können durch Beregnung verhindert werden, was allerdings mit einem erheblichen Wasserverbrauch (Kosten) verbunden ist. Dabei sind kleine Wassergaben zu vermeiden. Wassermengen von mindestens 20 l/m² sollten in einer Gabe in den Morgenstunden im Abstand von 4 Tagen gegeben werden.

Rasengräser bestehen zu fast 90% aus Wasser. Ohne Wasser wird der Rasen gelb und die Gräser sterben ab. Der Wasserbedarf eines Rasens hängt wesentlich von den Temperatur- und Bodenverhältnissen (Durchlässigkeit) sowie von dem jeweiligen Rasentyp und vom Relief ab. Vor Welkebeginn sollte der Rasen im Abstand von 7 bis 14 Tagen am besten frühmorgens wurzeltief durchfeuchtet werden, d. h. das Wasser sollte 10 bis 15 cm in den Wurzelbereich eindringen. Daraus ergibt sich je nach Bodenart etc. eine Beregnungsmenge von 15 bis 25 l / m². So bleiben die Wurzeln in den tieferen Bodenschichten. Zu häufiges Beregnen mit geringen Wassergaben sollte ebenso vermieden werden wie Bewässern mit zu hohen Wassermengen, beides verursacht ein flaches Wurzelwachstum. Die beste Zeit zum Beregnen ist frühmorgens, damit der Bestand schnell wieder abtrocknet im Laufe des Tages. Gräser unter Bäumen benötigen häufiger Wasser.


Vertikutieren

The media player is loading... Beim Vertikutieren wird der Rasen von Moos, Rasenfilz und Unkräutern befreit und bekommt so mehr Licht, Wasser, Sauerstoff und Platz zum Wachsen. Dadurch wird der Rasen wieder dichter und kräftiger und kann Belastungen besser standhalten. Die Wirkung kann durch anschließendes Aufbringen von Sand noch verstärkt werden. Der Rasenfilz bleibt so länger wasserdurchlässig und der bodenlüftende Effekt wird verlängert. Im Laufe der Zeit können damit auch flache Senken aufgefüllt werden. Der Vertikutierer besitzt auf einer Achse gelagerte rotierende Messer, die einige Millimeter in die Grasnarbe einritzen und Rasenfilz und Moos herausschlagen. Normalerweise sollte man daher immer nur gleichmäßig in eine Richtung vertikutieren. Es gibt verschiedene Arten von Vertikutierern, darunter Handgeräte, Elektro- und Benzinmodelle. Vertikutiert wird maximal zweimal pro Jahr. Für den ersten Einsatz sollte der Rasen trocken sein und der letzte Bodenfrost vorbei sein. Dies ist meist zwischen Ende März und Mitte April der Fall. Zum Start der Gartensaison im März wird der Rasen gedüngt und einmal, möglichst tief, gemäht. Als einfache Faustregel gilt, wenn das zweite Mähen ansteht sollte vorher vertikutiert werden. Der optimale zweite Zeitpunkt zum Vertikutieren ist zum Ende der Gartensaison im Herbst. Nach dem Vertikutieren braucht der Rasen ein paar Wochen Zeit zur Regeneration, in dieser Zeit sollte man nicht mähen. Man sollte sich jedoch nach dem Wetter und nicht nur nach dem Kalender richten. Zu große Hitze oder zu starke Trockenheit wirkt sich negativ aus[1].


Ver(un)krautung

Eine strapazierfähige Rasenfläche muss nicht ausschließlich aus Gräsern zu bestehen.Im Gegenteil, ein gewisser Anteil blühende Kräuter (weiße Gänseblümchen, blauer Ehrenpreis, gelber Löwenzahn) bilden Farbtupfer, welche die einheitliche grüne Grundfarbe auflockern, ohne die Belastbarkeit des Rasens zu verringern. Unter Beachtung der obengenannten Maßnahmen haben die Gräser meist einen ausreichenden Konkurrenzvorsprung, um ein unangemessenes Wachstum der Kräuter zu unterdrücken. Sollten sich einzelne Arten (z. B. Moose, Algen, Klee, Ehrenpreis, Gundermann, Homkraut u. ä.) jedoch flächenhaft ausbreiten, liegt das häufig an Fehlern bei der Rasenpflege und es müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um die Rasenfläche zu erhalten. Ein Rasen ist wie eingangs erwähnt eine Pflanzengesellschaft. Je nach den Standortbedingungen werden die einzelnen Arten mehr oder weniger stark gefördert. Handelt es sich dabei um unerwünschte Arten (z. B. Moose) kann ein Herbizid nur kurzfristig Abhilfe schaffen. Es entstehen dadurch Lücken, die am besten nachgesät werden sollten, damit sich darin wieder Gras etablieren kann.

Für einen längerfristigen Erfolg gilt es jedoch die Ursachen der Verkrautung zu beseitigen, die im Einzelfall erst einmal erkannt werden müssen. Zu häufiger und tiefer Schnitt plus mangelhafte N- Düngung fördern beispielsweise den fadenblättrigen Ehrenpreis und Kleearten. Ampfer und Wegericharten bevorzugen verdichteten Boden. Moose breiten sich insbesondere auf schlecht abtrocknenden, schattigen Flächen verstärkt aus. Ein zu niedriger pH-Wert und widrige Wachstumsbedingungen für die Gräser (z. B. Stickstoffmangel, Bodenverdichtung) tun ein übriges. Im Schattenbereich unter Bäumen und Sträuchern herrschen für Gräser ungünstige Bedingungen. Hier kann man durch Mulchen oder die Verwendung von Bodendeckern eine Verkrautung weitgehend verhindern und zudem Wasser sparen.

Bereits mit der Raseneinsaat gilt es unerwünschter Verkrautung vorzubeugen, indem standortangepasste Grasarten (z. B. schattentolerant) ausgesät und Wurzelunkräuter dauerhaft beseitigt werden.


Erneuerung alter Rasenflächen

Der alte Rasen sieht unschön aus, hat viele Lücken und Flecken, ist vermoost, verunkrautet, hat kaum noch Gräser oder die falschen Gräser. Kurzum: Er muss erneuert werden. Aber wie? Viele Rasenbesitzer zögern leider immer noch bei der Erneuerung der oben genannten "Rasen"-flächen, da sie den hohen Aufwand des Umgrabens/ Umfräsens fürchten. Dabei ist die Rasenerneuerung ohne Umgraben bereits seit langem bekannt. Entscheidend für den Erfolg einer umbruchlosen Rasenerneuerung sind das genaue Einhalten der Arbeitsschritte, die Verwendung besten Rasensaatguts und die gute Nährstoffversorgung der jungen Gräser. Am günstigsten erfolgt die Erneuerung des Rasens in dem Zeitraum zwischen Mai und September. Die Vorgehensweise erfolgt wie in den nächsten Arbeitsschritten beschrieben.


Tiefschnitt
Der alte Rasen wird in der niedrigsten Schnitteinstellung des Rasenmähers so tief wie möglich herunter gemäht. Dies schwächt den Altbestand und gibt den neuen Rasengräsern bessere Startchancen. Das Mähgut wird restlos entfernt.
Vertikutieren
Der kurze Rasen wird nun gründlich vertikutiert, und zwar mehrmals in Längs- und in Querrichtung. Je gründlicher das geschieht, umso besser, denn nur so bekommt der neue Rasensamen überall Bodenkontakt und findet gute Keim- und Entwicklungsbedingungen. Falls die Fläche stark verunkrautet oder mit Ungräsern durchsetzt ist, empfiehlt sich der vorherige Einsatz eines flüssigen Totalherbizids (Unkrautvernichters). Hiermit werden alle lebenden Gräser und Unkräuter, auch die sogenannten Problemunkräuter wie z.B. Ehrenpreis-Arten, wirksam bekämpft. Dabei sind bei der Auswahl des Mittels die behördlichen Auflagen und Anwendungshinweise sehr genau zu beachten. Vor allem muss eine rasche Nachsaat nach Einsatz des Mittels möglich sein. Nach der Bearbeitung der Fläche können, falls notwendig, auch noch kleinere Korrekturen der Bodenoberfläche durch Auf- oder Abtrag von Oberboden vorgenommen werden. Bei größeren Erdbewegen, z.B. bei der Neugestaltung eines Gartens oder Bodenauf- oder Abtrag von 20 und mehr cm, sollten die Empfehlungen zur Neuanlage eines Rasens beachtet werden.
Starter-Dünger und Übersaat
Nun erfolgt eine phosphorbetonte Starter-Düngung und das spezielle Rasensaatgut wird nacheinander gleichmäßig auf der vorbereiteten Fläche verteilt. Dafür wird am besten ein Streuwagen verwendet, denn je gleichmäßiger beides ausgestreut wird, umso besser ist das Ergebnis. Fehlstreuungen werden vermieden, indem der Dünger z.B. in Längs- und der Samen in Querrichtung ausgebracht wird.
Abdecken
Für einen guten Bodenschluss des Saatgutes wird nun Torf oder ein anderes ungedüngtes Substrat gleichmäßig maximal 0,5 cm dick auf die eingesäte Fläche mit dem Rechen verteilt. So wird das Saatgut geschützt. Außerdem zeigt Torf, wenn er hell wird, an, dass die neue Rasenfläche wieder beregnet werden muss.
Beregnen
In den ersten 3 bis 4 Wochen nach der Aussaat ist eine geregelte Wasserversorgung entscheidend für den Erfolg.
Weitere Pflege
Damit der so erneuerte Rasen weiterhin prächtig gedeiht und dauerhaft schön bleibt, muss er weiterhin fachgerecht gepflegt werden. Etwa 6 Wochen nach der Rasenerneuerung erfolgt eine Düngung mit einem speziellen Rasenlangzeitdünger. Diese Nährstoffzufuhr ist sehr wichtig für die jungen Rasengräser, damit sie sich weiter bestocken, Blattmasse bilden und den Rasen dicht machen.

Algen im Rasen

In feuchten Jahren bilden sich im Sommer und Herbst grün-schwarze, schmierig erscheinende Flecken im Rasen. Bei genauer Betrachtung kann man auf der Bodenoberfläche einen Filz schwarzer Fäden erkennen oder aber eine glänzend grüne, gallertartige Masse. Häufig findet man diese Stellen in schattigen Bereichen und auf stark verdichteten Rasenflächen, deren Grasnarbe schon geschädigt ist. Die Rasengräser werden zwar nicht direkt geschädigt, ihr Wachstum ist jedoch spärlich. Die genannten Flecken werden durch Algen (meist Grün- oder Blaualgen) verursacht, die sich nur unter feuchten Bedingungen im Rasen ausbreiten können. Eine Bekämpfung ist meist nicht erforderlich, da es sich nur um eine Begleiterscheinung von feuchter Witterung/feuchten Standorten handelt. Bei sommerlichen, trockenem Wetter erledigt sich das Problem von selbst. Vorbeugend können alle Maßnahmen getroffen werden, welche die Bildung einer dichten Grasnarbe fördern, da sie dazu beitragen, dass Algen in feuchten Jahren nur geringe Chancen haben, sich auszubreiten. Gefährdete Rasenflächen sollten möglichst gelockert werden. Zusätzlich kann grober Sand auf die Grasnarbe aufgebracht werden, um so ein schnelleres Abtrocknen zu erreichen. Am Besten entfernt man die Algen mit dem Rechen. Kommt es nach einer feuchten Phase zu sommerlichem, trockenen Wetter, verschwinden die Algen und trocknen ein. Einige Präparate gegen Moos im Rasen haben eine Nebenwirkung gegen Algen.

Im Gegensatz zu der regelmäßig wiederkehrenden Vermoosung ist eine Massenvermehrung von Algen auf Rasenflächen eher eine Ausnahme und auf außergewöhnlich nasse Sommer beschränkt. Grundsätzlich eignen sich die gegen Moose bewährten Gegenmaßnahmen auch gegen Algen. Dabei sollte versucht werden mit vorbeugenden Maßnahmen das Problem zu lösen. Zielsetzung ist, daß die Bodenoberfläche in regenfreien Perioden rasch trocknet:

  • in feuchten Jahren wird durch wiederholtes Vertikutieren Bodenoberfläche und Wurzelfilz gelockert und belüftet. Dies gilt besonders für Rasenflächen die durch Hauswände oder Bäume stärker beschattet werden.
  • Mit einer dünnen Sandschicht, im Frühjahr oder Herbst aufgebracht, werden Unebenheiten in der Rasenfläche ausgeglichen und die Oberfläche trocknet besser ab.
  • Alle Möglichkeiten für ein optimales Graswachstum müssen genutzt werden, damit die Fläche einen möglichst dichten Grasteppich erhält (Stickstoff-betonte Düngung, häufiger Schnitt, angepaßte Schnitthöhe). Rasch wachsendes Gras verbraucht viel Wasser und beschattet den Boden. Den Algen werden so die Lebensgrundlagen entzogen.

Sollten die vorbeugenden Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann auch gezielt gegen Algen und Moose vorgegangen werden. Ähnliches gilt für die bekannten Moosmittel (Eisensulfate), die bekanntlich nur eine reine Konzentratwirkung besitzen. Lediglich das Präparat “Mogeton” (Wirkstoff: Quinoclamin) entfaltet eine gewisse Dauerwirkung. Der Wirkstoff hemmt die Photosynthese und wirkt daher auch sicher gegen Algen.

Moos im Rasen

Im Rasen entwickelt sich feinfiedriges Moos, so dass es vor allem in schattigen und feuchten Bereichen zu regelrechten Moospolstern kommt. In Extremfällen sind vor lauter Moos kaum noch Rasengräser zu finden.

Für die Vermoosung ist in der Regel das Zusammenwirken mehrerer Faktoren verantwortlich. Moos wird in erster Linie dort auftreten, wo das Wachstum der Rasengräser behindert ist, und sich außerdem Feuchtigkeit lange hält. Zu nennen sind:

  • Schatten durch Bäume, Sträucher und Gebäude
  • Bodenverdichtung
  • zu tiefer Rasenschnitt
  • Rasenverfilzung durch absterbendes Mähgut
  • Nährstoffmangel

Ab März/April sollte vorhandenes Moos mit einem Eisenrechen oder einem Vertikutiergerät vorsichtig aus dem Rasen entfernt werden. Bei stärkerer Vermoosung ist es ratsam, dies in zwei Arbeitsgängen zu erledigen. Um Auskunft über die Nährstoffversorgung und den pH-Wert des Bodens zu bekommen, sollte eine Bodenprobe zur Untersuchung gegeben werden. Es werden reine Moosvernichter mit den Wirkstoffen Eisen-II-Sulfat und Essigsäure angeboten.

Der Fachhandel bietet zunehmend den Stoff Eisen-II-Sulfat als sog. Eisendünger an. Diese "Dünger", sie enthalten i.d.R. keine weiteren Düngerbestandteile wie Stickstoff, Phosphor oder Kali, sind wesentlich preisgünstiger als die genannten Pflanzenschutzmittel. Die Wirkung ist jedoch gleich. In der Beschreibung wird eindeutig auf die moosabtötende Wirkung hingewiesen. Rasendünger mit Moosvernichter gibt es unter verschiedenen Bezeichnungen. Meist sind diese Produkte recht teuer. Die Aufwandmengen für die einzelnen Moosvernichter sind der jeweiligen Gebrauchsanleitung zu entnehmen. Das Moos stirbt kurz nach der Behandlung ab. Allerdings ist bei ungünstigen Wachstumsbedingungen für den Rasen bald mit einer Neuvermoosung zu rechnen, so dass keine langanhaltende Wirkung zu erzielen ist.

Krankheiten

Viele pilzliche Erkrankungen können den Rasen befallen, nur wenige von diesen Krankheiten verursachen allerdings einen so großen Schaden, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden müssen. Die Ausbreitung der Pilze ist in der Regel nicht zu verhindern, da sich die Sporen durch die Luft, durch Regen und den unmittelbaren Kontakt mit Mensch und Tier auf der Rasenfläche ausbreiten kann. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Pilzkrankheiten vorzubeugen. Zunächst sollte versucht werden, die Standortbedingungen der Rasenpflanzen zu verbessern. Verdichtungen des Bodens oder eine dicke Rasenfilzschicht können Pilzerkrankungen hervorrufen. Daher sollte eine bessere Durchlässigkeit und eine oberflächennahe Durchlüftung erreicht werden. Dies wird durch das Vertikutieren erreicht oder durch ein sogenanntes „Aerifizieren“. Dies ist eine maschinelle Maßnahme um Verdichtungen im Wurzelbereich bis in 10 cm Tiefe zu beheben. Dabei werden Löcher und Schlitze in die Rasenschicht geschnitten und anschließend mi Sand verschlossen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite Pilzkrankheiten im Rasen.

Schädlinge im Rasen

Immer wieder kommt es im Rasen zu mehr oder weniger großen braunen Stellen. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass die Graswurzeln abgefressen sind. Gräbt man nach, stößt man meist schnell auf den Verursacher: Engerlinge oder Larven im Boden.

  • Dickmaulrüsslerlarven: weißliche gekrümmte Larven mit hellbraunem Kopf, 0,5 cm lang
  • Engerlinge: Larven von Maikäfer, Gartenlaubkäfer, Dungkäfer, Junikäfer u.a.
  • Tipula-Larven: Larven der Wiesen- bzw. Sumpfschnake und Kohlschnake, 4 cm lang, graubraun, mit stumpfen Kopf, ohne Kopfkapsel und Füße.
  • Wühlmaus: Wühlmäuse sind Bodenbewohner, die zum Teil Maulwurfsgänge nutzen. Allerdings ernähren sie sich rein vegetarisch von verschiedenen Wurzeln, unter anderem auch Gräserwurzeln, so dass sie den Rasen direkt schädigen können.

Lästlinge im Rasen

  • Maulwurf: Der Maulwurf ist ein nützlicher Bodenbewohner, da er für Durchmischung im Boden sorgt und gleichzeitig als Fleischfresser schädliche Larven und Engerlinge sowie Regenwürmer vertilgt. Die Maulwurfshaufen stören allerdings ganz erheblich im Rasen.
  • Ameisen: Ameisen können den Rasen in seltenen Fällen direkt schädigen. Ansonsten beeinträchtigen sie eventuell durch den Bau von Hügelnestern die Ebenflächigkeit und Nutzbarkeit des Rasens.
  • Regenwurm:Regenwürmer sind sehr nützliche Tiere, die für die Durchmischung, Lockerung und Lüftung des Bodens verantwortlich sind. Im Rasen kann ihre Grabetätigkeit aber auch nachteilig sein, da sie ihre Gänge mit Kothäufchen an der Oberfläche verschließen.

Einzelnachweise

  1. Wann vertikutieren? – Der beste Zeitpunkt zum Vertikutieren. Haus-XXL.de. Abgerufen am 7. März 2014.

Quelle

Weblinks