Rapsglanzkäfer

Aus Hortipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche
Rapsglanzkäfer
Rapsglanzkäfer Meligethes aeneus 6666.jpg
Meligetehs aeneus
Systematik
Klasse Insecta
Unterklasse höhere Insekten
Pterygota
Ordnung Käfer
Coleoptera
Unterordnung Polyphaga
Familie Glanzkäfer
Nitidulidae
Unterfamilie Meligethinae
Gattung Brassicogethes


Die bedeutenste Rapsglanzkäferart ist Brassicogethes aeneus (Synonym Meligethes aeneus). Sie ist in Europa, Nordafrika, Nordamerika und Asien weit verbreitet. Die Arten Brassicogethes viridescens, B. coracinus und B. picipes haben höhere Temperaturansprüche und befallen Winterölfrüchte wie Winterraps und Winterrübsen erst nach Beginn der Blüte, so dass kaum Knospenschäden durch diese Arten auftreten. Brassicogethes aeneus befällt neben Winter- und Sommerraps und Rübsen andere Kreuzblütler wie Ölrettich, Schwarzen und Weißen Senf, Samenträger von Kohl, Wasserrüben, Kohlrüben, Rettich, Radies und Wildkräuter. Daneben werden auch Blüten anderer Pflanzenarten zur Nahrungsaufnahme von Pollen angeflogen. Seit ein paar Jahren bereitet der Rapsglanzkäfer im Freilandrosenanbau zum Teil erhebliche Probleme.

Biologie: Lebenszyklus und Erscheinungsbild

Ei – Larve – Puppe – Käfer

Die Eier des Rapsglanzkäfers Brassicogethes aeneus sind länglich und milchig-weiß. Die aus den Eiern schlüpfende Larve ist 1,5 bis später 3,5 bis 4 mm lang, gelblich-weiß, Kopf und Beine sind schwarz-braun. Der Körper ist spärlich beborstet, auf den Segmenten sind auf der Rückenseite jeweils zwei bis drei dunkle Flecken zu sehen. Der aus der Puppe schlüpfenden Käfer sind 1,5 bis 2,5 mm lang, oval geformt und schwarz. Die Flügeldecken weisen einen grünlichen bis bläulichen Schimmer auf, und sind wie Halsschild und Kopf eine feine Behaarung auf. Beine und die am Ende keulenförmig verdickten Fühler sind braun gefärbt.

Ab 8°C aktiv, verlassen die Käfer ihre Winterquartiere ab 10-11°C Bodentemperatur und 13 bis 15°C Lufttemperatur und befallen Frühlingsblumen und Raps- und Rübsenfelder. Dabei orientieren sie sich am Geruch der Nahrungspflanzen. Sie ernähren sich von Pollen und fressen auch Knospen an, um an den Pollen zu gelangen. Nektar und junges Pflanzengewebe kann auch als Nahrung dienen. Rapsglanzkäfer können ein bis drei Kilometer pro Tag zurücklegen, bei Temperaturen über 18°C ist ein Massenanflug möglich.

Nach dem Reifungsfraß legen die Weibchen ihre Eier an den Antheren und Stempeln von 2 bis 3 mm lange Knospen ab. Für diesen Zweck wird am Knospenboden ein Loch in die Knospe gebissen und es werden 1 bis 6 Eier abgelegt. Die Knospen werden dabei kaum geschädigt. Ein Weibchen kann 250 bis 400 Eier ablegen.

Die nach vier bis sieben Tage ausschlüpfenden Larven ernähren sich von Pollen und Nektar, verursachen dabei deutlich weniger Schäden als die Käfer. Nach 27 bis 30 Tagen lässt sich die Larve zu Boden fallen und verpuppt sich in kleinen Höhlen in 2 bis 3 cm Bodentiefe.

14 bis 18 Tage später schlüpft aus der Puppe der Jungkäfer. Das ist meist im Juni kurz vor der Ernte des Rapses der Fall. Die Käfer führen dann einen Reifungsfraß an verschiedenen Wild- und Kulturpflanzen durch, in dieser Zeit sind sie auch in Rosenbeständen zu finden. Im August fliegen sie in die Winterquartiere, die häufig in einer Laubschicht oder Grasnarbe am Waldrand oder in Hecken in 2 bis 5 cm Bodentiefe liegen.

Schäden und wirtschaftliche Bedeutung

Es werden die Knospen von Kruziferen befallen, um an den Pollen zu gelangen. Es sind verschieden große Fraßlöcher im Rapsbestand unterschiedlich verteilt zu sehen. Teilweise wird auch der Fruchtknoten geschädigt. Bei Befall vergilben und vertrocknen die Knospen und fallen später ab. Werden die Knospen nicht abgeworfen, weisen die weniger befallenen Pflanzenteile Verdrehungen und Verkrüppelungen auf. Nach starkem Befall sind später viele leere Blütenstiele und missgestaltete Schoten im Bestand zu finden.

Der Rapsglanzkäfer ist einer der häufigsten Rapsschädlinge. Oft wird Sommerraps durch die spätere Blütenentwicklung stärker geschädigt als Winterraps. Auch im Kruziferen-Samenbau und bei Ölrettich, Schwarzer und Weißer Senf, Wasserrüben, Kohlrüben, Rettich und Radies ist mit Schäden zu rechnen.
An Blumenkohl Köpfen kann ein Käferfraß zu Verbräunungen führen.

Nach Abblühen der Rapsfelder können Rapsglanzkäfer auch Rosenfelder befallen. Dort sind sie in gelben und weißen Blüten zu finden. Schäden sind bei geringem Befall braune Flecken auf den Blütenblättern, bei stärkerem Auftreten auch Fraßlöcher.

Natürliche Feinde

Marienkäferarten wie Coccinella septempunctata und Malachius-Arten und Larven von Netzflüglern (Hemerobius sp.) fressen Larven der Rapsglanzkäfer. In Europa parasitieren neun verschiedene Schlupfwespenarten die Larven der Käfer. Die Arten Phradis interstidialis, P. morionellus und Tersilochus heterocerus treten in Deutschland am häufigsten auf.

Wirtspflanzen

Rapsglanzkäfer auf blühendem Raps.
  • Barbarea, Brassica oleracea, Brassica napus, Sinapsis alba

Vorbeugung

  • Anbau von empfindlichen Kohlarten möglichst nicht in einer Gewanne mit einem Winterraps Anbau.
  • Den Zuflug genau beobachten und die Schadschwelle bedenken.
  • Mit einem Zuflug ist wohl erst bei 15°C oder wärmer zu rechnen.
  • Die Flugaktivitären mit Hilfe von Gelbschalen kontrollieren.
  • Aktuelle Warndiensthinweise nutzen.

Bekämpfung

Es gibt ausgeprägte Resistenzen gegenüber Pyrethroiden, stärker betroffen sind Pyrethroide der Klasse 2. Ansonsten werden Neonicotinoide und die Wirkstoffe Indoxacarb und Pymetrozin (Wirkstoffgruppe Pyridin-Azomethine) eingesetzt. Präparate aus der Gruppe der Phosphorsäureester haben in der Vergangenheit gut gewirkt, die Zulassungssituation ist schwierig. Beim Einsatz von Insektiziden ist die Zulassungssituation zu beachten. Im Bio-Anbau können Käfersammelmaschinen, reflektierende Stoffe wie Stroh oder Kalkmilch und Pflanzenöle eingesetzt werden, die Nützlingsansiedlung sollte gefördert werden. PS Info: Aktuelle Zulassungssituation für den Erwerbsgartenbau
PS Info: Aktuelle Zulassungssituation für den Hobbybereich

Video

Quellen

Fibl (2014): Merkblatt Rapsglanzkäfer. Bestellnummer 1483, Ausgabe Schweiz, www.fibl.org. 

K. Heinze (1983): Schädlinge und Krankheiten im Ackerbau, Band 4, S. 686-688. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Stuttgart. 

G. M. Hoffmann, H. Schmutterer (1983): Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturen, S. 340-342. Ulmer Verlag. Stuttgart. 

Weblinks