Radicchio

Aus Hortipendium
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Radicchio
Cichorium intybus var. foliosum
Radicchio.jpg
Radicchio
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung Asternartige
Asterales
Familie Korbblütler
Asteraceae
Gattung Wegwarten
Cichorium

Radicchio (Cichorium intybus var. foliosum) ist eine Salatart aus der Familie der Korblütler. Er wird vor allem im Mittelmeerbereich und dort besonders in Italien angebaut. Bei uns ist Radicchisalat beliebt wegen seiner rötlich eingefärbten Blätter und dem leicht bitteren Geschmack. Verwendung findet er vorallem als Beimischung zu küchen- und eßfertigen Salaten. Der Anbau erfolgt satzweise im Freiland als Pflanzkultur.

Botanik

Radicchio ist sehr eng mit Chicoree, Endivien und Zuckerhut verwandt. Alle vier Cichorium-Arten haben den wissenschaftlichen Namen Cichorium intytus. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrem Äußeren deutlich. Eine Besonderheit aller vier Arten ist der als sehr gesund geltende und in allen Pflanzenteilen vorhandene Bitterstoff Inulin. Die Heimat der drei Arten ist wohl der Mittelmeerraum.
Ursprünglich waren die Radicchio Pflanzen wohl zweijährig. Der heutige Radicchio kann jedoch, bei früher Pflanzung, schon den nötigen Kältereiz bekommen und dann sogar schon vor der Ernte, in Blüte gehen.
Die Blüten aller Cichorium intybus - Arten haben die typische Korblütler Gestalt und sind bläulich.
Verzehrt werden die Radicchio Blätter, meist in roher Form als Salat.


Pflanzenanzucht

Der Anbau von Radicchio erfolgt als Pflanzkultur. Die meisten Pflanzen bezieht man heute aus spezialisierten Jungpflanzenbetrieben.

Saatgutdaten
TKG Korngröße 1 Gramm Keimfähigkeit Keimtemperatur Keimdauer Saatgutangebot
1,1 - 1,5 g Länge 2,3 - 3,2 mm
Breite: 1,0 - 1,6 mm
660 - 900 Korn Präzisionssaatgut: > 85%
Topfpillen:> 85 %
20 - 25°C bei 5°C: -- Tage
bei 9°C: -- Tage
bei 20°C: 8 Tage
Normalsaatgut
Präzisionssaatgut
Topfpille

Warme Anzucht wichtig
Zur Verminderung des Schosserrisikos beim Frühanbau im Freiland muß eine weniger schoßempfindliche Sorte gewählt und eine warme Anzucht sichergestellt werden. Empfehlenswert ist eine Temperatur im Beeich von 20°C.


Nährstoffversorgung und Düngung

Fotos Radichio


Ernteverfrühung

Hauptartikel: Ernteverfrühung im Freilandgemüsebau

Risiko der Schosserbildung beachten:
Temperaturen von bis zu 17°C fördern die Schosserbildung. Kritisch sind insbesondere Werte um die 4°C. Gefördert wird die Schosserbildung auch durch den Langtag. Somit sind niedrige Temperaturen z.B. Ende April kritischer als Anfang März. Den besten Schosserschutz erhält man durch eine warme Anzucht (>17°C) und Wahl einer schosstoleranten Sorte. Über den Antivernalisationseffekt können später auftretende Kühlperioden besser verkraftet werden. Bei Radicchio gibt es keine Devernalisation. Einmal induzierte Schosserbildung kann auch durch hohe Temperaturen nicht mehr rückgängig gemacht werden. In kritischen Perioden auf jeden Fall die jungen Bestände mit Vlies bedecken.
Doppelbedeckung mit Vlies/Folie:
Für die frühesten Pflanzungen, z.B. Anfang März, ist in der Pfalz eine Doppelbedeckung sinnvoll. Normalerweise sollte sie bis zum 7. April drauf bleiben. Danach ist die Doppeldeckung nur noch bei ungewöhnlich kühler Witterung (Bsp.: 2008) vorteilhaft.
Einfachbedeckung mit Vlies:
Bei den frühesten Pflanzungen kann das Vlies (untere Bedeckung) normalerweise bis 3 Tage vor Erntebeginn aufliegen. Bei Tageshöchsttemperaturen von 22°C und höher ist eine frühere Abnahme zu überlegen. Bei Tageshöchsttemperaturen unter 12°C, kann Vlies auch bis zur Ernte drauf bleiben. Die Dauer der einfachen Vliesbedeckung bei den Folgesätzen hängt von der aktuellen Temperatur ab. Bei Werten von über 22°C bringt die Bedeckung nach dem 1. Mai kaum noch Vorteile. Liegen die Temperaturen jedoch unter 16°C, so erscheint eine verlängerte Vliesbedeckung, insbesondere bei jungen Pflanzungen, vorteilhaft. Das durch den zunehmenden Langtag und die niedrigen Temperaturen bestehende Schosserrisiko kann man so weitgehend minimieren.
Erfahrungsberichte:
2007 begann die Ernte recht früh um den 3. Juni bei rund 500 g. Es gab viele Sonnenstunden mit 190 im März und 342 im April. 2008 kam es auf der Reichenau zu 100%-iger Schosserbildung. Auch in der Pfalz machten die ersten beiden Sätze Probleme. Vom 22.2. bis zum 22.4.2008 lagen die Temperaturen unter Vlies immer unter 15°C und haben somit einen starken Schossreiz ausgeübt. Wegen der wenigen Sonnenstunden ergaben sich nur wenig Stunden an Devernalisation.

Die Hinweise beruhen auf mehrjährigen Durchschnittswerten.
Anbaumethode Art der Bedeckung Bedeckungsdatum Abnahmetermin (spätestens) Erntebeginn ab ...
obere Bedeckung untere Bedeckung
nach Datum nach Datum
5 cm ET Vlies/Folie 07. März 4 Wochen 07. April 8 Wochen 7. Mai 25. Mai
4 cm ET Vlies 20. März - - 7 Wochen 10. Mai 10. Juni

ET = Erdtopfgröße in cm


Pflanzenschutz

Radicchio kann von ernsthaften Karankheiten und einigen Schädlingen befallen werden. Ohne entsprechende Vorbeuge- und Bekämpfungsmaßnahmen kann es zu Totalausfällen kommen.
Nichtparasitär

  • Blattrandnekrosen (Innenbrand)

Krankheiten

  • Grauschimmel (Botrytis cinerea)
  • Schwarzfäule (Rhizoctonia solani)
  • Sclerotinia (Sclerotinia sclerotiorum und minor)

Schädlinge

  • Blattläuse
  • Erdraupen (Agrotis-Arten)
  • Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius)


Unkrautbekämpfung

Beispiel Restunkräuter

Die Unkrautbekämpfung beim Anbau von Radicchio erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden. Im Einzelfall kann auch der Anbau in Mulchfolie hilfreich sein.

Feldhygiene

Falsches Saatbeet

Hierbei geht es um vorbeugende Maßnahmen. Dauerunkräuter möglichst schon beim ersten Auftreten ausschalten und nicht warten bis sich schon große Bestände gebildet haben. Zur Eindämmung des Samenunkräuter Drucks, diese nie Samen bilden lassen. Wird das konsequent durchgeführt, verringert sich der Unkrautdruck von Jahr zu Jahr. Nähere Infos zur Feldhygiene gibt es unter den folgenden Links.

Falsches-Saatbeet

Beispiel Hackgerät

Eine sofortige, große Erleichterung bei der Unkrautbekämpfung bringt das "Falsche-Saatbeet", das natürlich auch bei dem üblicherweise gepflanzten Radicchi von Nutzen ist. Nähere Infos zur Anwendung gibt es unter dem folgenden Link.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Bei dem üblicherweise gepflanzten Radicchio kann eine mechanische Unkrautbekämpfung hilfreich und sinnvoll sein.

  • Hilfreich ist es, den Reihenabstand der vorhandenen Hacktechnik anzupassen
  • Lieber in den Reihen enger säen bzw. pflanzen und dafür weitere Reihenabstände wählen
  • Je jünger die Unkräuter, desto leichter die mechanische Bekämpfung
  • In niederschlagsarmen Regionen und auf leichteren Böden ist die mechanische Unkrautbekämpfung am ehesten erfolgreich

Herbizideinsatz

Herbizid Effekt Unkraut

In konventionell arbeitenden Betrieben ist der Einsatz bzw. die Nutzung von Herbiziden üblich. Um damit langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sind die Zulassungsbedingungen zu beachten und ein ist sachgerechte Anwendung nötig. Dazu gehört auch eine Begrenzung der Anwendungen innerhalb einer Fruchtfolge, um so die Selektion von nicht erfassten Unkrautarten zu verhindern. Nähere Infos zu Herbiziden und deren Einsatz gibt es unter den folgenden Links.

Link zur Indikationssuche im Gemüsebau 

Mulchfolie

Salatanbau in Mulchfolie

Zur Unkrautbekämpfung im Radicchio-Anbau ist die Pflanzung in Kunststoff-Mulch Materialien gut möglich. Bei sachgerechter Anwendung erhält man weitgehend unkrautfreie Bestände. Als Materialien ist z.B. schwarze Mulchfolie oder Vliesmaterial geeignet. Damit das Unkraut nicht durch die Pflanzlöcher wächst, müssen diese so klein wie möglich gehalten werden. Da die Radspuren weiterhin verunkrauten ist dort auf anderem Wege das Unkraut zu bekämpfen.
Im Praxisalltag hat sich jedoch gezeigt, dass das Mulch Verfahren den meisten Betrieben wohl zu teuer ist.


Radicchio Anbau in Deutschland

Wie sich der Radicchio Anbau in Deutschland entwickelt hat, zeigt die folgende Tabelle. Die Anbaufläche stieg von 90 ha im Jahre 1992 auf den Höchstwert 295 ha im Jahre 2012.

Radicchio Anbauflächenentwicklung in Deutschland in ha
Jahr ha
1992
  
90
1996
  
146
2000
  
241
2004
  
204
2008
  
269
2012
  
295
2016
  
236
2017
  
245
2018
  
305
Quelle: Statistisches Bundesamt


Wert als Nahrungsmittel

Der Verzehr von Radicchio kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt.


Radicchio Saisonkalender

Gemüse aus der Region kaufen und saisonal verzehren ist meist für den Verbraucher preislich vorteilhaft und bringt ökologische Vorteile. Die Transporte bleiben kurz und die Ware ist im Normalfall nach der Ernte schnell beim Verbraucher. In einem speziellen Saisonkalen der Gemüsearten sieht man an Hand einer großen Grafik, wann einheimischer Radicchio, auch im Vergleich zu anderen Gemüsearten, am Markt angeboten wird.


Internationale Bezeichnun g

Flag of Germany.svg Deutsch Radicchio
Flag of the United Kingdom (1801).png Englisch Radicchio
Flag of France.png Französisch chicorée radicchio
Flag of Italy (1946–2003).png Italienisch radicchio tondo
Flag of the Netherlands.svg Niederländisch radicchio
Flag of Portugal.svg Portugisisch radicchio
Flag of Russia.svg Russisch Радиччио, красный цикорий
Flag of Spain.svg Spanisch Radicchio
Flag of Hungary.svg Ungarisch radikkió


Siehe auch in Hortipendium


Quellen

  • Georg Vogel (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaus. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1
  • Royal Sluis (2003): Gemüse Saatgutkatalog. Royal Sluis. Neustadt am Rübenberge. 
  • Schlaghecken Josef, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Joachim Ziegler und Josef Schlaghecken, DLR Rheinpfalz Ernteverfrühung mit Folie und Vlies im Freilandgemüsebau. unveröffentlicht. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Josef Schlaghecken (2007): 145 Gemüsearten und Küchenkräuter mit Bilder und Namen in 9 Sprachen. DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Josef Schlaghecken (2017): Rund um das Saatgut: Radicchio. In: Zeitschrift "Gemüse". 53. Nr. 2. Seite 47-48. 



Weblinks