Pflanzenanalyse

Aus Hortipendium
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Allgemein

Pflanzenanalyse und Blattanalyse dienen als Zusatzinformation. Sie erfassen den Ernährungszustand von Kulturpflanzen und bringen Aufschluss über mögliche Wachstumsstörungen durch ergänzende Methoden. Im Ergebnis wird die Konzentration der Mineralstoffe in der Pflanze/Blatt angezeigt (Momentaufnahme).

Aufgaben der Pflanzenanalyse

Schaddiagnosen dienen dem Auswerten von Mangel-oder Überschusssymtomen an einer Pflanze oder im Boden mit dem Ziel einer präzisen Korrekturdüngung.

Durch das Überprüfen der Düngepraxis kontrolliert man, ob der Pflanze alle Nährstoffe zur maximalen Ertragserzielung zu Verfügung stehen. Diese Analyse macht vor allem Sinn bei ungünstigen Bedienungen für die Nährtstoffauafnahme, Flächen mit hohem Nährtsoffgehalten(schon vor der Düngung) und ungedüngten Flächen.

Mikronährstoffe werden in der Verfügbarkeit stark durch Wetter und Standort beeinflusst. Das Erkennen der Mikronährstoffberdürftigkeit der Pflanze macht besonders Sinn bei Kulturen mit hohen Bedarf an spezifischen Mikronährstoffen.

Die Steuerung der Düngung durch Pflanzenanalysen wird im Obstbau standardmäßig angewendet, und auch zunehmend im Gemüsebau (vor allem bei länger stehen Kulturen).

Blattanalyse im Obstbau

Probennahme

  • Bei der frühen Blattanalyse erfolgt Blattentnahme aus der Mitte der kurzen Triebe
  • Im Juli und August Blätter aus dem mittleren Bereich einjähriger Langtriebe
  • Je 2 Blätter pro Trieb mit insgesamt 100 Blättern von 25 Bäumen
  • Blätter müssen gut belichtet sein und sich im mittleren Bereich der Baumkrone befinden
  • Durch vorliegende Daten vorläufige Optimalwerte der Blattinhaltsstoffe für jeden Zeitpunkt innerhalb der Vegetation festgelegt → frühzeitige Gegenmaßnahmen

Interpretation der Analyseergebnisse

  • Verschiedene computergestützte Interpretationssysteme → Bewerten die Nährstoffe einzeln und setzen sie in ein Verhältnis zueinander
  • Systeme berücksichtigen Faktoren wie Witterung, Fruchtbehang, Bodenmerkmale etc.
  • Aussage der Analyse ist bei mehrjährigen Ergebnissen genauer
  • Bodenuntersuchung mit Blattanalyse kombiniert am sinnvollsten
Nährstoffe Optimaler Nährstoffbereich
Stickstoff (N) % 2,30 – 2,60
Phosphor (P) % 0,18 – 0,26
Kalium (K) % 1,20 – 1,70
Kalzium (Ca) % 1,20 – 2,00
Magnesium (Mg) % 0,18 – 0,36
Bor (B) ppm 30 – 50
Eisen (Fe) ppm 40 – 100
Mangan (Mn) ppm 40 – 100
Kupfer (Cu) ppm 5 – 12
Zink (Zn) ppm 20 – 50

Einflussfaktoren und Erfahrungswerte

  • Witterung: Bei ungünstiger Witterung (kalter, zu trockener Boden, staunasser Boden) + Blattwerte niedrig → zunächst Blattdünung angebracht.
  • Fruchtbehang: Früchte nehmen viel Nährstoffe auf, besonders Kali → Behangstärke wirkt sich auf Kaligehalt des Blattes aus.
  • Triebwachstum: Bei starkem Schnitt und Wachstum sind niedrigere Stickstoff- und Kaliwerte anzustreben → Ebenso umgekehrt wenig Wachstum → hohe Werte!
  • Sorten: Es gibt Sorten, die mehr/weniger Blattstickstoff einlagern:
    • mehr: Laimburg Red Delicious, Fuji, Braeburn, Winesap
    • weniger: Gala, Golden Delicious
  • Baumalter: Optimalbereiche auf Bäume im Ertragsalter angepasst!

Vorteil der frühen Blattanalyse

  • Zeitpunkt des höchsten Nährstoffbedarfs

(Nachblüte = Phase der Zellbildung und das Wachsen von Kurztrieben, Induktion der Blütenknospen) --> bessere, frühzeitige Hinweise über Unter- bzw. Überversorgung

  • Ungleichgewicht wirkt sich stärker auf Fruchtansatz aus
  • Im Frühjahr oft ungünstige Bedingungen (z.B. vernässt, kalte Böden)
  • Eingriff noch möglich mit schnell löslichen Düngern/Blattdüngern

Schlussfolgerung

  • Frühe Blattanalyse in Kombination mit Bodenanalyse optimal
  • Optimale umweltschonende Düngung der Pflanzen möglich
  • Optimale Ernährung in Intensivanlagen
  • Ermöglicht rechtzeitiges Eingreifen

Grenzen der Pflanzenanalyse

Die Bedeutung des Ernährungsstatus beschränkt sich auf Entwicklungsstadien von Kulturarten. Der Hauptspielraum für Pflanzenprobennahmen ist auf weniger als zwei Wochen beschränkt. Die Treffsicherheit aus der Pflanzenanalyse abgeleiteten Düngeempfehlungen kann nicht von der oft vorhersehbaren Nährstoffaufnahme nach der Analyse beeinflusst werden.

Analysemethoden

Obst und Gemüsebau

  • Visuelle Diagnose: Erkennen von Nährstoffmangel und –Überschuss
  • Fraktionierende Extraktion von anorganischen Verbindungen: Ermittlungen und Berücksichtigung von Nährstofffraktionen
  • Extraktion Organischer Inhaltsstoffe: Überprüfung von Latentem Nährstoffmangel
  • Biochemische und Physiologische Untersuchung: Untersuchung des Mikronährstoffversorgungsstatus durch Enzymaktivität
  • Zerstörungsfreie Methoden: Abschätzung des N-Versorgungstatus durch Grünintensität, Schleppergestützte Systeme oder Handgeräte, Blatt- Reflektionsmessungen

Zierpflanzenbau

  • Chlorophyllfluoreszenzmessungen:
    • Wird auf Blattfläche gehalten
    • Messung unter Umgebungslicht und bei Lichtsättigung durch eine Halogenlampe
    • Errechnet Photosyntheseertrag und -rate
    • Werte geben Rückschluss auf Chlorophyllgehalt und Ernährungszustand der Pflanzen
  • Nah-Infrarot-Reflexionsspektroskopie


Quellen

https://www.obstbau.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/e8dea7fb20872573c125773e003fe786/65a06a0742b81d93c1256f57003290b6?OpenDocument

https://www.vdlufa.de/Dokumente/Veroeffentlichungen/Standpunkte/09-Pflanzenanalyse.pdf

https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/14923/documents/17870


Einzelnachweise


Weblinks