Pflückhilfe für den Hausgarten

Aus Hortipendium
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Jetzt ist es wieder so weit, die Äpfel sind reif und leuchten am Baum und wollen geerntet werden. Dann brauchen wir nur noch Mutters Putzeimer und vom Vater die ausziehbare Aluleiter aus dem Baumarkt, die er immer für die Dachrinne benutzt: dann kann es losgehen. Doch mit solchen zweckentfremdeten Utensilien arbeiten nur Amateure, für die echten Gartenprofis gibt es eine Fülle von geeigneten Pflückhilfen, mit deren Hilfe die Ernte sicher und leicht von der Hand geht und obendrein auch noch Spaß macht.

Holz-Leitern: die Klassiker

Für die Ernte von mittelstark-stark wachsenden Obstbäumen sind Holzleitern immer noch eine gute Wahl, denn sie haben gegenüber den o. g. Mehrzweck-Aluminiumleitern einen ganz entscheidenden Vorteil: sie sind elastisch und passen sich den Ästen und dem Gewicht des Pflückers sehr gut an. Demgegenüber neigen die starren Aluleitern mit breiten Holmen dazu, leichter in das Bauminnere durch- bzw. abzurutschen, ein beträchtlicher Risikofaktor. Weiterhin sind Aluleitern aufgrund ihrer dicken Holme unhandlich, auch die Standfestigkeit ist im Gelände nicht immer gegeben. Wer sich für Aluminiumleitern entscheidet, sollte auf jeden Fall ein Modell mit integrierten Stützen für einen sicheren Stand wählen.
Der Klassiker schlechthin unter den Holzleitern ist die Südtiroler Steigtanne („Loan), die auch im süddeutschen Raum anzutreffen ist. Der Stamm dieser einholmigen Leiter besteht aus Fichte, die Sprossen sind aus Akazienholz (Robinie) gearbeitet, die sprossenlose Spitze ist ca. 1 m lang. Erhältlich sind diese „Loanen“ mit 7 bis 33 Sprossen (Sprossenabstand 25 cm), entsprechend einer Länge von 2,5 - 8 m. Mittlerweile werden diese Leitern auch in Aluminium angeboten mit dem Vorteil, das sie zerlegbar ist und bequem im Auto zu transportieren ist. Zur Erhöhung der Sicherheit garantiert der bewegliche Metallfuß auch bei unebenem Boden besten Halt.
Bei der Herstellung wird großen Wert auf handwerkliche Qualität gelegt, der Fichtenstamm wird schon im Wald ausgesucht (min. 1500m ü. d. M.) und die Jahresringe müssen eng sein, der Stamm muss möglichst gerade und nicht drehwüchsig sein, zudem dürfen nur kleine Äste vorkommen. Die Sprossen werden mit einer Spezialmaschine ohne Zusatzstoffe in den Holm gepresst.
Von ebenso guter handwerklicher Qualität sind die in Deutschland früher üblich gewesenen zweiholmigen Holzleitern. Gute Obstleitern sind mit 7 cm langen Erdspitzen ausgerüstet (nach DIN 68363 Vorschrift!), die Holme aus halbrunden bzw. runden Fichtestangen, die Sprossen aus Esche hergestellt.
Traditionell handwerklich gefertigte Holzleitern, auch mit Stützen, bekommt man ab 200 € (2,5 m) bis 450 € (8 m).


Das ist beim Gebrauch zu beachten

Der Auflagewinkel bezogen auf eine waagrechte Aufstellfläche, darf nicht kleiner als 75° sein. Arbeiten mit Motorsägen oder Ähnlichem sind auf Leitern untersagt. Nur auf weichem und rutschfesten Boden verwenden. Jedes Jahr und nach jeder Stoßbeanspruchung sind Holzleitern auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen. Keine beschädigten Leitern verwenden, die Sprossen müssen fest sitzen. Zur Überwinterung sollten Holzleitern an einem schattigen und trockenen Ort gelagert werden.

Fazit

Bedenken sollte man vor der Anschaffung einer Obstleiter, dass es immer wieder zu Verletzungen und Unfällen kommt, deren Ursachen weniger in der mangelhaften Qualität der Leitern als vielmehr in der unsachgemäßen Handhabung liegen. Entscheidend ist daher, daß die Leitern für den Einsatz auf unbefestigtem Boden geeignet sind (Leiterspitzen, DIN). Freunde alter Handwerkskunst werden Holzleitern bevorzugen, andere wiederum bevorzugen einteilige Aluminium-Obstleitern mit Stützen und nicht zu breiten Holmen. Holzleitern sind ideal für die Obsternte, sie sind leicht und schnell zu handhaben. Auch im Winter lässt sich Holz gut anfassen. Die Sicherheit ist durch eine gute Standfestigkeit gewährleistet, in Deutschland werden die Südtiroler Loanen oder Tiroler Steigtannen aus Holz und Aluminium von der Berufsgenossenschaft Gartenbau für die Pflege- und Ernte am Baum sogar empfohlen (Geprüfte Sicherheit GS).

Erntegefäße

Der früher übliche Weidenkorb ist heute nur noch selten anzutreffen. Das liegt zum einen daran, dass man heutzutage in der Regel Erntegefäße aus Plastik zu kaufen bekommt, andererseits ist die handwerkliche Kunst des Korbmachers bei uns fast ausgestorben. Dennoch gibt es einige interessante Alternativen:

  • Pflückbeutel aus PE oder Segeltuch, die mit Hilfe eines Seilzuges nach unten entleert werden können. Diese Beutel kann man gut in den Baum oder an den Gerüstdraht hängen, sie sind leicht und fassen etwa 8-10 kg.
  • Gepolsterte, rechteckige Pflückkisten (10-12 kg Fassungsvermögen), die eine schonende ernte ermöglichen und ebenfalls nach unten entleert werden.
  • Pflückeimer aus Aluminium oder PE, die ergonomisch geformt sind und mit 2 Schultergurten vor dem Bauch getragen werden (8-10 kg Fassungsvermögen). Schonende Entleerung über einen PE-Schlauch nach unten.

Aus arbeitswirtschaftlicher Sicht ist der Pflückeimer am günstigsten zu bewerten, denn die Greifwege für die Arme sind immer gleich lang, das Gewicht wird ganz nah am Körper getragen. Erntet man im unteren Bereich des Baumes, ist der Pflücker gezwungen, sich mit einem Bein hinzuknien. Das schont die Wirbelsäule, weil in aufrechter Körperhaltung gearbeitet werden kann. Erfahrungsgemäß ist die Arbeit mit dem Pflückeimer zuerst einmal ungewohnt, wer sich aber dran gewöhnt hat, will diese Erntehilfe nicht mehr missen.

Hinweise zum Pflücken

Beim Pflücken selber sollte man darauf achten, dass die Früchte nicht vom Baum gerissen werden, sondern gegen die Wachstumsrichtung leicht drehend abgehoben werden. Dies sollte man nicht mit den Fingerspitzen tun (Druckstellen, Verletzung durch zu lange Fingernägel), sonder mit der ganzen Hand. Am besten ist es, wenn man in jede Hand nur 1 Frucht erntet und direkt in das Pflückgefäß ablegt. Unbedingt vermeiden sollte man das Sammeln von mehreren Früchten auf einem Arm, denn dann kullern erfahrungsgemäß immer einige auf den Boden und werden angeschlagen. Gefallene Früchte sowie Fallobst müssen separat gelagert werden. Auch beim Ablegen in die Kiste gilt: vorsichtig ablegen, nicht fallen oder kullern lassen wie Kartoffeln. Äpfel und Birnen sind da sehr empfindlich. Bedenken Sie, dass jedes „Stück Apfel“ mehrmals angefasst wird, bei der Ernte, beim umfüllen, beim sortieren etc. und deshalb sorgfältig behandelt werden will.

Quellen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz