Pelargonien

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Pelargonie
Pelargonium
L'Hér. ex Aiton, 1789
Synonyme
Geranie, Geranie der Gärtner
Pel. Pink Capitatum 02 cr.jpg
Pelargonium capitatum
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Ordnung Storchschnabelartige
Geraniales
Familie Storchschnabelgewächse
Geraniaceae

Pelargonien (Pelargonium), im deutschsprachigem - aber auch englischsprachigem - Raum als Geranien bekannt und beliebt, sind eine Pflanzengattung in der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Die Bezeichnung Geranie für die Gattung Pelargonium sorgt bei Gärtnern und Botanikern immer wieder für Verwirrung. Denn unter der botanischen Bezeichnung Geranium verstehen diese Berufsgruppen eigentlich die mehrjährigen und winterharten Stauden, die – ausgenommen der Antarktis – auf jedem Kontinent beheimatet sind. Dieses Missverständnis rührt aus der Zeit als beide Gattungen noch unter dem Sammelbegriff Geranie geführt wurden. Beide Gattungen gehören tatsächlich in eine Pflanzenfamilie, die der Geraniaceae.


Unterscheidung Pelargonien & Geranien

Die Verwandtschaft von Pelargonium und Geranium definiert sich über den Aufbau der Blüten bzw. der Früchte.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Gattungen ist der Blütenaufbau - auch wenn beide je 5 Blütenblätter (ausgenommen natürlich gefüllte Sorten) besitzen. Die Blütenblätter von Geranium sind radiär angeordnet, die Blüte hat so 5 Symmetrieachsen, außerdem haben sie zehn Staubgefäße. Dagegen sind die fünf Blütenblätter von Pelargonium folgendermaßen angeordnet: Die oberen zwei Blütenblätter sind länger und oft gezeichnet, während die drei unteren Blätter kürzer sind und eine eigene Anordnung haben, so haben die Blüten von Pelargonium nur eine Symmetrieachse, und sieben Staubgefäße.

Verbreitung

Im Gegensatz zu den Geranium-Arten – die man auf fast allen Erdteilen findet – sind die bis zu 280 Pelargonium-Arten sehr stark konzentriert. Man findet ein paar Arten wie P. australe und P. inodorum in Australien und Neuseeland, P. endlicherianum ist in Anatolien und P. quercetorum im Iran und Irak beheimatet. Auf Madagaskar gedeiht P. caylae und auf St. Helena P. cotyledonis. An der Ostküste Afrikas (z.B. Äthiopien) sind nochmal ein paar Arten wie P. boranense zu sehen. Aber den Großteil der Arten findet man im südlichem Afrika, in den verschiedenen Klimaregionen von mediterran und warm gemäßigtem Klimaten an den Küsten rund um Kapstadt über das bis 1500m N.N. hoch gelegene Hochveld bis zu den beiden nördlich gelegenen Wüsten Kalahari und Namib.

Die strauchartig wachsenden Arten in den Küstenregionen gehören zu den sog. Halbsukkulenten, die durch Anpassung ihres Blattwerkes oder der Triebe mit verhältnismäßig wenig Wasser auskommen. Die Pelargonie, die sich in den Habitaten Savanne und Wüste behaupten müssen, sind dagegen perfekt angepasste Xenophyten, die teilweise mit ihrem sehr bizarren, verdickten Sprossen (Caudex) auch halb oder ganz unterirdisch leben. Diese Arten als Pelargonium zu erkennen und zu bestimmten ist nur auf Grund der typischen Blüten und Fruchtstände möglich. Sie lassen sicherlich die Augen jedes Sukkulenten-Sammlers leuchten, denn skurril wie attraktiv sind auch das Laubwerk und die Blüten.


Geschichtliches

Wild-Pelargonien
Wild-Pelargonien-Sammlung der Fa. Fischer
Pelargonien-Sortenprüfung, Hillscheid

Wann und wie die ersten Pelargonien nach Europa kamen, ist nicht genau belegt. Im Jahr 1632 soll der Gärtner am Hof des englischen Königs - John Tradescant - ein blühendes Exemplar von P. triste besessen haben.

Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete die Holländisch-Indische Kompanie eine Niederlassung am Kap. Von dort aus erkundeten später Botaniker wie Professor Paul Hermann das Land fanden weitere Pelargonien-Arten.

Der französische Jurist & Botaniker Charles Louis L'Héritier de Brutelle (1746 – 1800) arbeitete an einem Werk, das - bis zu seinem plötzlichem Tod - bereits 89 Pelargonium-Arten umfasste.

Der englische Gärtner Robert Sweet (1783-1835) unterschied erstmals die 5 heute noch gültigen Gattungen. Der schottische Gärtner & Botaniker Francis Masson (1741-1805) hat – u.a. - 47 Pelargonium-Arten nach England eingeführt.

Im Hortus Belvederanus (Weimar) aus dem Jahr 1826 führte bereits 352 verschiedene Arten und Hybriden auf – die Züchtung mit der Gattung waren also auch in Deutschland bereits schon recht weit gediehen. Ausführlichere Details zu den Züchtungsanstrengungen jener Zeit findet man u.a. im „Gärtner-Handbuch Pelargonien“ aus dem Thalacker-Verlag (ISBN unten)

Die letzte umfassende Arbeit zur Gattung stammt aus dem Jahre 1912 vom deutschen Botaniker R. Knuth.

Da bei der Klassifizierung auch heute noch einige Arten nicht abschließend zugeordnet werden konnten, beschäftigt sich zuletzt (1970er Jahre) eine Gruppe von Botanikern um Professor J.J.A. van der Walt an der südafrikanischen Universität Stellenbosch mit der endgültigen Auflistung aller Pelargonien-Arten. Die Resultate wurden – mit detailgetreuen Illustrationen – in dem Buch „Pelargonien des südlichen Afrika“ vorgestellt. Von diesem Buch sind drei Bände erschienen, die aber z.Zt. höchstens im Antiquariat zu beziehen sind. Ein vierter Band war in den Planung, wurde aber nie realisiert.

Züchter auf der ganzen Welt nutzen in ihren Betrieben Wildarten zum „Einkreuzen“ in bereits etablierten Sorten um neue Farben, Formen und Eigenschaften zu erzielen. Diese Züchtungsarbeit ist sehr langwierig und aufwendig, denn die Züchter sind den Launen der Natur ausgeliefert – man weiß nie, welches Resultat bei einer Kreuzung entsteht. Haben sich die Züchter für eine Sorte entschieden, werden diese mehrere Jahre weiter kultiviert um Bonitätsprüfungen und Selektionen durchzuführen. Bis dann wirklich ein neue Sorte auf den Markt kommt, vergehen in der Regel bis zu 5 Jahre.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren deutsche Züchter entscheidend an der inzwischen sehr großen Sortenvielfalt beteiligt ... als ein Bakterium namens Xanthomonas hortorum pv. perlargonii (früher Xanthomonas campestris pv. perlargonii) drohte dies alles zu vernichten Diese bakterielle Stängel- und Blattwelke breitete sich rasend schnell – und vor allem unbemerkt - durch die gängige Stecklingsvermehrung in Jungpflanzenbetrieben und Gärtnereien aus. Sichtbar wurde die „unheilbare“ Erkrankung erst, als es zu spät war: An den ersten hellen und warmen Frühlingstagen, wenn der Bestand kurz vor dem Verkauf stand, „kippte“ die ganze Kultur um. Auch andere Bakteriosen und Virosen bereiteten zunehmend Probleme.

Züchter wie Wilhelm Elsner aus Dresden oder Gerhard Fischer aus Hillscheid/ Westerwald leisteten Pionierarbeit indem sie Labore einrichteten und dort auf die saubere Meristemkultur umstiegen. So konnte die Pelargonie als Topfpflanze Nr.1 in Deutschland erhalten bleiben. Auch heute noch muss noch viel Aufwand betrieben werden, um ständig „sauberes“ Pflanzenmaterial zu erhalten.

Pelargonien-Arten

Um diese relativ große Gattung übersichtlicher zu gestalten, wurde sie erstmals 1860 in 15 Sektionen unterteilt. Diese Sektionen sollen die Arten nach Merkmalen unterscheiden, eine dieser Gruppen ist die Sektion Pelargonium. So dass wir also nicht nur die Gattung sondern auch die Sektion Pelargonium haben, die vor allem die strauchartigen Arten aus den überwiegend mediterranen und gemäßigten Zonen an der südafrikanischen Küste beinhalten. Diese Arten sind – größtenteils – die Basis für die bei uns kultivierten Arten. Da sich in der binären Nomenklatur immer wieder botanische Namen ändern, ist es möglich, dass hier die z.Zt. nicht gültige Art-Namen hier aufgeführt sind. Auch herrscht bei der großen Anzahl von Kreuzungen diverser Arten immer wieder Uneinigkeit zwischen den Botanikern, was wo einzuordnen ist. Daher erhebt diese Auflistung (die auch nur einen Teil der Gruppen widerspiegelt) keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit! Zudem ist die folgende Unterteilung nur teilweise botanisch relevant!

Pelargonium peltatum (syn. Pelargonium-Peltatum-Hybriden)

Pel. peltatum Leucht-Cascade

Die sog. „Efeugeranien“ (Pelargonium peltatum) sind sicherlich die wirtschaftlich wichtigste Gruppe der Gattung die in Deutschland kultiviert werden. P. peltatum ist die Ursprungsart, im Laufe der letzten Jahrzehnte kamen durch Selektion, Mutation und Kreuzungen unzählige Sorten hinzu ... und die Zahl wächst weiter. Es gibt hier 2 verschiedene Linien:

  • Die einfach blühenden Sorten. Ihre Blüte ist klar mit den 5 Blütenblättern strukturiert. Diese Arten werden verhältnismäßig lang, bis 100cm. Sie sind relativ pflegeleicht, da sich selbst putzen, denn die verblühten Blütenblätter werden vom Wind verstreut. Sie präsentieren sich mit viel - kleineren - Blüten, die (bei guter Nährstoffversorgung) über die ganze Pflanzen verteilt sind.
  • Die gefüllten Sorten. Ihre Blüten sind - wie der Name bereits sagt - gefüllt, ihr Wachstum ist nicht so stark, wie bei den einfach-blühenden Sorten. Auch ist der Pflegeaufwand etwas größer, weil die verblühten Blütenstände durchgeputzt werden müssen. Ihre Blütenstände sind dicker, aber dafür nicht so stark vertreten wie bei den einfach blühenden Sorten. Die Fernwirkung beider Linien ist aber ungefähr gleich stark!

Pelargonium x hortorum (syn. Pelargonium-Zonale-Hybriden)

Pelargonium x hortorum Apple Blossom

Die sog. „stehenden Geranien“ (Pelargonium x hortorum) bilden mit den „Hängegeranien“ die Hauptgruppe der kultivierten und gehandelten Arten. Ausgangsart ist wahrscheinlich P. inquinans, die mit den Arten P. zonale und P. frutetorum gekreuzt wurde. Später ergaben sich naturgemäß immer weitere Unterarten und Sorten. Angesichts des etwas angestaubten Image der Pelargonien und des starken Konkurrenzdruckes durch viele Alternativen im Beet- & Balkonpflanzen-Segment entdecken Züchter alte Arten und mit besonderem Laub oder einem ausgefallenem Blütenformen. Oder sie züchten Neuheiten in diese Richtung um die Nachfrage wieder etwas zu beleben, so kommen buntlaubige Sorten wie „Mrs. Pollock“ oder die rosenblütige "Apple Blossom" zur Geltung. Leider muß man für solche Sorten gelegentlich auch ein paar negative Eigenschaften in Kauf nehmen: So sollte die Sorte "Apple Blossom" nicht längere Zeit Regen ausgesetzt sein, da die Blüten dann schnell faulen können. Sonst ist ihre üppige Blühfreudigkeit die gesamte Saison durch ein Blickfang. Die Sorte "Mrs. Pollock" ist leider nicht so blühfreudig, dafür fällt ihr Laub in jedem noch so bunten Blumenkasten auf.

Pelargonium Grandiflorum-Cultivars

Englischen oder „Edelgeranien“ sind eine besonders großblütige Art, die sich auch sehr gut als Zimmerpflanzen für ein Sonnenfenster eignet. Die heutigen Hybriden (Cultivars) sind das Resultat aus Kreuzungen von P. cucullatum mit P. fulgidum, P. angulsoum und P. grandiflorum.

Engels-Pelargonien

Diese kleine Gruppe von kleinblütigen Arten, sieht der Edel-Pelargonien sehr ähnlich, sie sind nur kleiner und filigraner. Außerdem duften sie nach Zitronen, denn für diese Züchtung aus den 1930 Jahren in London, wurde die Duftpelargonie P. crispum eingekreuzt.

Duft-Pelargonien

Duft-Pelargonien, blühender Mutterpflanzen-Bestand

Diese Gruppe zeigt die ganze Schönheit der gesamten Gattung, denn es gibt inzwischen weit über 250 Arten und Sorten von Duft-Pelargonien, die in Ihrer Geschichte zumindest bis in das Jahr 1800 zurück gehen. Damals wurden in England Sorten gezüchtet, die heute noch unter der steigende Zahl an Anhängern dieser Gruppe noch getauscht werden. In Farben, Größen, Formen und Duftnoten der verschiedensten Arten und Sorten konkurrieren mit Blüten in ebensolchen vielfältigen Merkmalen. Eine Auswahl an Arten- & Sortenbeschreibung befindet sich im Download-Bereich der Klostergärtnerei Maria Laach. Viele Duft-Pelargonien blühen nicht so stark wie z.B. Pel. x hortorum, sie sind trotzdem eine Alternative, weil Ihr Blattschmuck und Ihre Dufteigenschaften ander Akzente setzen. Außerdem sollen Arten wie z.B. Pelargonium graveolens in der Lage ist, lästige Fliegen zu vertreiben. Andere Arten und Sorten können im Blütenflor aber durchaus eine Alternative zu den üblichen Züchtungen sein.

Pelargonium Unique-Hybriden

Dies ist eigentlich eine Untergruppe der Duft-Pelargonien, die durch meist harmonischen Aufbau, dunkles Laub und – für Duft-Pelargonien - verhältnismäßig großer und attraktiver Blüten auffällt. Der Ursprung dieser Gruppe wir auch ins 19. Jahrhundert datiert, wobei sich im Laufe der Jahrhunderte neue Varietäten entwickelt haben.

Pelargonium Stellar-Sorte

Pelargonium x hortorum Graffiti Fire

Die Stellar-Sorten - die inzwischen wahrscheinlich jeder Jungpflanzen-Züchter im Angebot hat - zeichnen sich vor allem durch die auffällig gefransten (sternförmigen) Blüten aus. Diese Sorten sind in fast allen klassischen Pelargonien-Farben wie rot, weiß, lachsfarben und violett zu bekommen. Attraktiv ist auch das Laub, dass nicht nur kräftig ausgeprägte Zonen aufweist, sondern ebenfalls gezackt ist. In der Kultur sind sie ähnlich unkompliziert wie die großen Schwestern-Sorten, mit dem Unterschied, dass sie wesentlich kompakter wachsen.

Pelargonien als Heilpflanzen

Umkaloabo, Pelargonium reniforme

Unter den Pelargonien findet man auch Heilpflanzen: Der Sud aus der Wurzeln der Arten Pelargonium sidoides und Pelargonium reniforme, wird von den in Lesotho heimischen Zulus als ein sehr wirksames Mittel gegen die Erkrankung der gesamten Atemwege eingesetzt, sogar bei chronischen Infekten. Die Erfolge waren so bemerkenswert, das die Pharma-Industrie vor einigen Jahren aufmerksam wurde, und einen Alkohol-Auszug aus den Wurzeln der Pflanze vertreibt. Sie bedient sich dabei des Namens der Pflanze aus der Zulusprache: Umkaloabo – was übersetzt „schwerer Husten“ heißt. Außerdem wird aus Arten wie Pelargonium graveolens das ätherische "Rosengeranien-Öl" gewonnen, dass in der Aromatherapie eine Rolle spielt.

Pflanzenschutz

Bei Pelargonien gibt es eine Reihe – teilweise artspezifischer – Schädlinge und Krankheiten. Diese sind vor allem - aber nicht nur – in der Anzucht in Gewächshäusern relevant. Siehe dazu Pflanzenschutz bei Pelargonien.

Literatur und Quellen

  • Elsner, W., H. Loeser und W. Biermann (1995): Gärtner-Handbuch Pelargonien. Haymarket Verlag (Thalacker-Verlag). Frankfurt. ISBN 3-87815-067-9
  • J.J.A. Van der Walt (1979): Pelargonien des südlichen Afrika. 1.. Fischer Verlag. Frankfurt. ISBN 3-922332-01-03
  • Miriam Wiegele (2000): Duftpelargonien. Anbau, Pflege, Sorten. Eugen Ulmer. Stuttgart. ISBN 3-8001-31331
  • Erhardt, W., E. Götz, N. Bödeker & S. Seybold (2008): Der große Zander. Nr. Band 2. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 978-3800154067


Weblinks