Nützlinge im Hausgarten

Aus Hortipendium

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Marienkäfer
Florfliege
Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln wird von vielen Verbrauchern sehr kritisch gesehen, und so verwundert es nicht, dass Gartenbesitzer nach Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz suchen. Einige Spezialfirmen züchten und vertreiben Nützlinge. Es handelt sich hierbei um Räuber und Parasiten der Schädlinge. Der bekannteste Nützling ist sicherlich der Marienkäfer, der sich von Blattläusen ernährt.

Inhaltsverzeichnis

Nützlinge im Garten

In der Tabelle sind einige Nützlinge aufgeführt, die in vielen Gärten vorkommen. Diese Nützlinge leisten einen wichtigen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Sie sollten daher gefördert werden. Nützlinge aus speziellen Zuchten werden schon seit vielen Jahren erfolgreich zur Bekämpfung von Weißen Fliegen, Spinnmilben und Blattläusen an Gurken und Tomaten in Gewächshäusern von Gemüsegärtnereien eingesetzt. Viele der angebotenen Nützlinge sind in Mitteleuropa heimisch, einige stammen aus tropischen oder subtropischen Klimagebieten.

Nützlinge im Garten
Nützling Räuber Parasit Schädlinge
Marienkäfer x Blattläuse
Schwebfliegenlarve x Blattläuse
Blattlausschlupfwespe x Blattläuse
Blutlauszehrwespe x Blutläuse
Raubmilbe x Obstbaumspinnmilbe
Kohlmeise x Schmetterlingslarven u.a.
Igel x Schnecken u.a.


Nützlingseinsatz

Nützlinge können in gut klimatisierten Gewächshäusern zur Bekämpfung von Weißen Fliegen, Spinnmilben und Blattläusen eingesetzt werden. Das Verfahren ist relativ teuer und erfordert Spezialkenntnisse. Im Freiland erscheint nur der Einsatz der Räuberischen Nematoden zur Dickmaulrüsslerbekämpfung sinnvoll. In der Tabelle sind einige Nützlinge aufgeführt, die bei entsprechenden Firmen erhältlich sind und die unter den genannten Bedingungen im Kleingewächshaus einsetzbar sind.
Gegen den Dickmaulrüssler, der im Freiland und in Gewächshäusern vorkommen kann, und gegen Engerlinge in Rasenflächen sind Räuberische Nematoden einsetzbar. Da Nützlinge im Gartenfachhandel meist nicht erhältlich sind, bestellt man besser direkt bei einer Nützlingsfirma. Sinnvollerweise fordert man vorab eine Bestell- und Preisliste an oder erkundigt sich über Angebot und Preise auf den Internetseiten der Nützlingsanbieter.
Wer Nützlinge gezielt anwenden will, benötigt Spezialkenntnisse über die Lebensweise dieser Tiere und über die zu bekämpfenden Schädlingsarten. Nur wer die Entwicklung der Schädlinge und Nützlinge intensiv beobachtet, kann mit Erfolg bei dieser Form des Pflanzenschutzes rechnen.

Nützlinge für den Einsatz in gut klimatisierbaren Kleingewächshäusern
Nützling Schädling Eignung für das Kleingewächshaus
Schlupfwespe (Encarsia formosa) weiße Fliege gut
Raubmilbe (Phytoseiulus persimilis) Spinnmilbe ausreichend
Florfliegenlarve Blattläuse, Thripse u.a. wenig geeignet
Räuberische Gallmücke Blattläuse befriedigend
Australischer Marienkäfer Wollläuse bedingt geeignet

Nützlinge können nur dann effektiv arbeiten, wenn sie sehr frühzeitig bei den allerersten Befallssymptomen freigelassen werden. Viele Gärtner erkennen den Befall mit Weißer Fliege oder Spinnmilbe jedoch erfahrungsgemäß recht spät, so dass die Nützlinge den Befall nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Die Nützlingsfreilassung ist ein- bis mehrmals zu wiederholen. Weitere Informationen zum Nützlingseinsatz speziell an Gemüse im Gewächshaus sind im folgenden Dokument des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg verfügbar. Weitere Informationen zum Nützlingseinsatz speziell bei der Innenraumbegrünung sind im folgenden Dokument des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg verfügbar.

Die meisten der angebotenen Nützlinge zeigen nur im geschützten und steuerbaren Klima eines Gewächshauses ausreichende Wirkung. Im Freiland ist ihr Einsatz zu kostspielig und nicht sinnvoll. Kleingewächshäuser sind häufig schlecht lüftbar, so dass im Sommer schnell sehr hohe Temperaturen über 35° C entstehen. Unter solchen Bedingungen fühlen sich weder die meisten Pflanzen, noch die einsetzbaren Nützlinge wohl. Wer Nützlinge im Gewächshaus einsetzten will, sollte daher in der Lage sein für ausreichende Lüftung zu sorgen. Sollen Spinnmilben mit Raubmilben bekämpft werden, ist zusätzlich eine mehrfache Befeuchtung der Pflanzen im Laufe des Tages erforderlich, da sich die Raubmilben nur bei höherer Feuchte vermehren. 

Förderung der Nützlinge

Das Anbringen von Nisthilfen im Garten ist in vielen Gärten seit langem üblich. Meisen, Rotschwänzchen u.a. gefiederte Nützlinge danken es uns, indem sie viele Schädlinge vertilgen. Weniger bekannt ist, dass wir auch zur Ansiedlung nützlicher Insekten im Garten, Hilfestellung geben können. Nachfolgend werden einige Möglichkeiten aufgezeigt, wie man z. B. Hummeln, Solitärbienen (als Blütenbestäuber), Florfliegen (Blattlausvernichter), Schlupf- und Zehrwespen (Parasiten von Schadinsekten) gezielt fördern kann.

Hummeln

In Deutschland gibt es 29 verschiedene Hummelarten, von denen zehn Arten bereits regional verschwunden sind. Auch im Garten spielen die Hummeln eine wichtige Rolle, denn im Gegensatz zu Bienen fliegen Hummeln auch bei kaltem, nassem und stürmischem Wetter, um Pollen und Honig einzutragen. So sind Hummeln (kurzrüsselige Hummeln) noch bei Temperaturen um 51° C flugfähig und fliegen frühmorgens bzw. noch spätabends.

Die einfache Methode Hummeln anzusiedeln erfolgt mit Hilfe von Blumentöpfen. Hummeln sind Erdbewohner und benutzen gern alte Mäusenester als Niststätte. Der Tontopf (20 cm im Durchmesser) wird zur Hälfte mit trockenem Moos gefüllt und umgekehrt eingegraben. Als Regenschutz wird ein Erdwall um den Topf angelegt und eine Steinplatte aufgesetzt.


Pappikarton-Nistkästen werden aus möglichst stabilen Kartons von ca. 45 x 40 x 40 cm hergerichtet. Der Karton wird bis zur Hälfte mit Torf oder einem Gemisch aus Torf und Kleintierstreu gefüllt. In den Topf wird eine Nistkuhle gedrückt, in die man fein gezupfte, gegen Mottenfraß unbehandelte Polsterwolle legt. Hierdurch wird praktisch ein Mäusenest nachgeahmt. Über dieses Nest wird ein kleinerer (23 x 23 x 23 cm) Karton gestülpt. Zwischen großem Deckkarton und kleinem Karton stellt man aus Pappe einen kleinen Gang von 2 - 3 cm Breite her, den man in den Topf drückt.

Hummelkästen Modell "Münden" sind eher für "Profis". Sie bestehen aus Holz, ein Modell, das für langjährige Benutzung geeignet ist. Er besteht aus drei Elementen, dem äußeren, hölzernen Schutzkasten, dem eigentlichen Nistkasten aus Pappe sowie einem kleinen Deckkasten. Die Außenwände sollten eine Stärke von 15 mm besitzen. Zu seiner Herstellung sind Fichten-, Lärchen- oder Kiefernholz geeignet. Diese Kästen werden auch von der Firma Schwegler, Schwegler Vogelschutzgeräte GmbH, Heinkelstr. 35, 7060 Schorndorf, Tel.: 07181/5037 angeboten. Während das Modell "Münden" frei aufgestellt werden kann, müssen die Pappkarton-Nistkästen in bienenstandähnlichen Freiständen untergebracht werden; dabei sollten die Fluglöcher nach Osten zeigen.

Der Schutz der Hummeln ist aber nicht allein durch das Aufstellen von Nistkästen zu erreichen. Wichtig ist, dass man Trachtpflanzen (Wildkräuter, Wiesenkräuter) in der näheren Umgebung hat. Diese sollten erst nach dem Abblühen gemäht werden, damit die Bienen und Hummeln dort Pollen und Nektar holen können.

Stängelbündenhohle bestehen aus Stängel von Schilf, Reet, Stroh oder Bambus oder markhaltige Stängel von Himbeere, Brombeere, Holunder, Heckenrose, Sommerflieder etc.. Es werden 20 cm lange Stängelstücke gebündelt und mit Blumendraht oder einer Schnur zusammengebunden. Die Nisthilfen werden an etwas windgeschützten Stellen verteilt aufgehängt.

Für eien Hartholzklotz nimmt man Baumscheiben oder Holzklötze (25 x 15 x 10 cm) aus Hartholz, z.B. Eiche oder Buche. In das Holz bohren wir Löcher von 2 - 10 mm Durchmesser und einer Tiefe von 3 - 9cm. Der Holzblock wird so unregelmäßig angebohrt, damit möglichst viele Löcher entstehen. Der Holzklotz ist auch von der Firma Schwegler zu beziehen.

Florfliegen

Florfliegen sind wichtige Nützlinge im Garten. Ihre Larven können innerhalb ihrer Entwicklungszeit einige hundert Blattläuse vertilgen. Florfliegen überwintern als ausgewachsene Tiere. Das Florfliegenhäuschen dient als Überwinterungsplatz und bietet optimalen Schutz gegen natürliche Feinde und ungünstige Witterung.

Das Quartier wird mit Weizenstroh fest ausgestopft und in der Winterzeit (September bis Frühjahr) ausgehängt. Es besitzt zwei Stellen mit lamellenförmigen Öffnungen an denen die Tiere einfliegen können. Das Quartier hat die Maße 28,5 x 30,5 x 30 cm. Die Firma Schwegler bietet Florfliegenhäuschen an. Man kann diese Quartiere aber auch selbst bauen. Dabei ist zu beachten, das ein Anstrich mit roter Farbe die meisten Florfliegen anzieht.


Weblinks

Gartenakademie RLP "Nützlinge"

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