Nützlinge

Aus Hortipendium
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Der wohl berühmteste Nützling: Der Marienkäfer
Hinter dem Begriff Nützlinge können sich viele verschiedene Tiere oder Tiergruppen verbergen. Nützlinge sind natürliche Gegenspieler von Schädlingen, die in gärtnerischen, landwirtschaftlichen und weinbaulichen Kulturen sowie im Forst eine wichtige Rolle bei der Schädlingsbekämpfung spielen können. Sie sind Lebewesen, die Bestände von Schadorganismen dezimieren oder deren weitere Vermehrung verhindern können, weil die Schädlinge ihnen oder ihren Nachkommen als Nahrung dienen. So ist die Förderung von Nützlingen ein fester Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes.

Schädlinge und Lästlinge

Mit Schadorganismen sind im Pflanzenschutz Schädlinge (Schaderreger) gemeint, die aufgrund ihrer Lebensweise (z.B. Fraß- oder Saugtätigkeit) Zier- und Kulturpflanzen schwächen, zum Absterben bringen, Krankheiten übertragen oder zu optischen Beeinträchtigungen führen.

Schließlich gibt es auch Lebewesen, die weder als schädlich noch als nützlich einzustufen sind und als „Indifferente“ bezeichnet werden. Oftmals werden Organismen vermeintlich für Schädlinge gehalten, weil sie massenhaft an Pflanzen auftreten. Dadurch kommt es zwar nicht zu einem Schaden für die Pflanze selbst, aber der Mensch kann dieses massenhafte Auftreten und mögliche damit einhergehende Begleiterscheinungen als lästig empfinden. Zu solchen „Lästlingen“ zählen beispielsweise die im Frühjahr massenhaft auftretenden auffällig gefärbten Feuerwanzen oder die Lindenwanzen.

Beispiele von Nützlingen

Im Bereich des Pflanzenschutzes zählen viele Wirbeltiere zu den Nützlingen. Dazu gehören Insekten fressende Vögel, Fledermäuse, Eidechsen, Blindschleichen, Kröten, Igel und Spitzmäuse. Von noch größerer Bedeutung sind die Spinnentiere(z.B. Spinnen und Weberknechte), räuberische Milben, Hundertfüßer und Insekten.

Nützlinge können in Räuber (z.B. Marienkäfer, Florfliege, Tausendfüßler) und Parasitoide (z.B. Schlupf- und Erzwespen, Raupenfliegen) unterteilt werden.

Parasitoide

Parasitoide legen ihre Eier in oder an die Eier, Larven oder Puppen anderer Insekten. Darin entwickelt sich dann die Larve des Parasitoids und ernährt sich von der Wirtslarve bis zu deren Tod. Manche Parasitoide verpuppen sich im Wirtstier, andere verlassen den Wirt und verpuppen sich außerhalb.

Zu den Parasitoiden gehören verschiedene Insektengruppen, u.a. Schlupfwespen, Erzwespen und Raupenfliegen. Wirtstiere von Parasitoiden sind beispielsweise Schmetterlingslarven, Blattläuse und viele andere als Pflanzenschädlinge eingestufte Insektengruppen.

Räuber

Räuber sind in der Lage, den Schaderreger oder dessen Eier zu vertilgen oder auszusaugen. Viele räuberischen Nützlinge machen hinsichtlich der Beute keinen Unterschied zwischen Nützling oder Schädling. Schutzräuber (z.B. Raubmilben und einige Wanzenarten) schützen nur dann vor Schaderregern, wenn sie vor einer Massenvermehrung des Schädlings in ausreichender Anzahl an den Pflanzen vorhanden sind. Ist bereits eine starke Schädlingspopulation vorhanden, so sind sie in der Regel nicht in der Lage, diese in kurzer Zeit auf ein Maß unterhalb der Schadensschwelle zu dezimieren. Die Säuberungsräuber kommen erst zur Geltung, wenn die als Nahrung dienenden Organismen in größerer Menge vorhanden sind. Dies müssen nicht unbedingt Schädlinge sein. Säuberungsräuber sind in der Regel Fluginsekten wie Florfliegen, Marienkäfer, Schlupf-, Erzwespen und räuberische Wanzen, da sie ständig umherwandern, um eine geeignete Nahrungsquelle zu finden. Kommt es zu einem stärkeren Befall durch einen Schaderreger, so ist eine rasche Besiedlung durch einen Säuberungsräuber in ausreichender Anzahl nötig, um einen wirtschaftlichen Schaden zu verhindern. Sind die Schaderreger vertilgt, dann wandert die Mehrzahl der Tiere ab, da sie keine alternativen Nahrungsquellen nutzen können.

Viele Marienkäferarten und deren Larven sowie Florfliegen und deren Larven sind besonders effektive Blattlausräuber. So kann beispielsweise eine voll entwickelte Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers bis zu 150 Blattläuse pro Tag verzehren [1]. Im Laufe ihrer Entwicklung vertilgt die Larve 600 bis 800 Blattläuse.

Weitere wichtige Nützlinge unter den Insekten sind neben den Florfliegenlarven und Marienkäferlarven, verschiedene Wanzen (Sichelwanzen, Blumenwanzen, Blindwanzen), Kurzflügelkäfer, Laufkäfer, und Ohrwürmer. Verschiedene bedeutende Nützlingsgruppen und ihr Nahrungsspektrum zeigt die unten stehende Tabelle.


Räuberische Nützlinge und ihr Nahrungsspektrum (zusammengestellt aus Fortmann, 2000)
Nützling Beutespektrum Fraßleistung
Florfliegenlarven Blattläuse, Zikaden, Thripse, Raupen, Käferlarven, Milben Bei manchen Arten ernähren sich auch die Adulten räuberisch; Chrysoperla carnea: 30-50 Obstbaumspinnmilben pro Stunde; während der Larvalentwicklung: 10.000 Spinnmilbenlarven oder –eier bzw. 200-500 Blattläuse
Schwebfliegenlarven Blattläuse 400-700 Blattläuse pro Larve bis zur Verpuppung
Raupenfliegen Schmetterlingsraupen, Blattwespenlarven, Käferlarven
Blumenwanzen Spinnmilben, Blattläuse, Blattsauger und deren Eier 300-600 Spinnmilben oder 100 bis 200 Blattläuse während der Larvalentwicklung; Adulte: bis zu 100 Spinnmilben pro Tag
Weichwanzen Milben, Blattläuse, Raupen, kleine Insekten und deren Eier
Sichelwanzen Milben, Blattläuse, Raupen 15-20 Blattläuse pro Tag während der Larvalentwicklung
Laufkäfer Viele verschiedene Insekten, auch Schnecken
Kurzflügelkäfer Verschiedene Insekten und Milben und deren Eier
Ohrwürmer Allesfresser, v.a. Blattläuse, Schildläuse, Raupen, Spinnmilben

Quelle

  1. Fortmann, M., 2000

B. Altmayer, B. Fader, M. Harms, R. Ipach, U. Ipach, H.-P. Lipps, K.-J. Schirra, B. Ziegler (2010): Sachkunde im Pflanzenschutz (Weinbau). 6. überarbeitete Auflage. Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Phytomedizin. Neustadt an der Weinstraße. 

Hartmann, M. (2000): Das große Kosmosbuch der Nützlinge. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.. Stuttgart. ISBN 3-440-06588-X