Nördliche Wurzelgallennematode

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Nördliche Wurzelgallennematode
Meloidogyne hapla
Chitwood, 1949
Synonyme
Northern root-knot nematode
Meloidogyne hapla 02DLR-RLP-RW.JPG
Mißgebildete, beinige Rüben mit Gallen
Systematik
Stamm Fadenwürmer
Nematoda
Klasse Secernentea
Ordnung Tylenchida
Familie Heteroderidae

Der Nördliche Wurzelgallennematode Meloidogyne hapla im Englischen als "Northern root-knot nematode" bezeichnet, gehört zu einer Gruppe von winzig kleinen Fadenwürmer Nematoden, auch Älchen genannt, die in den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen leben. M. hapla richtet weltweit enorme Schäden an landwirtschaftlichen und gemüsebaulichen Kulturen an, besonders empfindlich sind Möhren.


Schadbilder

Befallene Pflanzenbestände können nesterweise durch eine Störung der Wasser- und Nährstoffaufnahme Kümmerwuchs und Welkeerscheinungen zeigen. Eine besonders gefährdete Pflanzenart ist die Möhre. Hier sieht man am Blatt außer dem Kümmerwuchs keine Veränderung. Der große Schaden wird jedoch sofort am Rübenkörper sichtbar. An Stelle der üblichen, langen Pfahlwurzel findet man dann eine nur wenige Zentimeter lange, mißgebildete Rübe, die meist sehr beinig ist. Bei einem Befall kommt es relativ schnell zu einem Totalausfall.

Gesunde und befallene Möhren
Gallen an einer Wurzel



Biologie

Die Entwicklung von M. hapla findet wie bei allen Wurzelgallennematoden in den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen statt. Bei Temperaturen über 10°C werden die L2-Larven aktiv und dringen in die Wurzeln ein. Angelockt werden sie durch Ausscheidungen der Pflanzen. Die Entwicklungsdauer ist stark von der Witterung abhängig und kann einige Tage oder aber mehrere Wochen dauern. Von allen Entwicklungsstadien zeigen die Eier die größte Widerstandskraft gegenüber niederen Temperaturen u.U. bis zu 3 Jahren, wie Untersuchungen an Mikroplots am Julius-Kühn-Institut in Münster ergaben. Meloidogyne-Larven sind hingegen nicht allzu lange im Boden überlebensfähig. Pro Jahr sind in Deutschland etwa 2-3 Generationen möglich.
Anders als der Name "Nördliche Wurzelgallennematode" vermuten läßt, kommt der Schädling auch in tropischen und suptropischen Gebieten vor.
Die Verbreitung der Nematoden im Boden erfolgt in geringer Weise durch Eigenbewegung. Sie werden jedoch auch mit Pflanzenmaterial, Boden, Schuhe usw. zu neuen Lebensräumen gebracht.

Resistenzen

Bei der Möhre spielt die Resistenz gegen Meloidogyne hapla keine Rolle.

Wirtspflanzen

Weltweit gibt es etwa 550 Wirtspflanzenarten. Die verschiedenen Pflanzenarten sind unterschiedlich anfällig. Bei einigen anfälligen Arten gibt es beachtliche Sortenunterschiede.

stark geschädigt werden geringere Schädigung bei keine Schädigung von
Erbsen
Chicorée
Möhren
Salat
Sellerie
Schwarzwurzeln
Tomaten
Zwiebeln
Artischocken
Blumenkohl
Brokkoli
Busch- und Stangenbohnen
Endivien
Feldsalat
Gurken
Knollenfenchel
Kohlrabi
Kürbis
Mangold
Pakchoi
Paprika
Pastinaken
Rettich
Rosenkohl
Sonnenblumen
Spinat
Chinakohl
Deutsches Weidelgras
Gelbsenf
Gerste
Hafer
Kohlarten
Lupinen
Mais
Ölrettich
Phacelia
Porree
Roggen
Spargel
Welsches Weidelgras
Weizen


Gegenmaßnahmen und Bekämpfung

Nach Hallmann (2007)[1] sind die Ursachen für das zunehmende Auftreten von M. hapla u.a. verursacht durch

  • einen geringen Anteil von Nichtwirtspflanzen (z. B. Getreide) in der Fruchtfolge
  • einen häufigen Anbau von Leguminosen (z. B. Kleegras) zu rN-Versorgung
  • eine unbefriedigende Unkrautregulierung

Bekämpfung

Die Bekämpfung von M. hapla ist aufgrund des breiten Wirtpflanzenspektrums äußerst schwierig. Eine rasche Reduzierung hoher Besatzdichten ist bisher nur durch eine 4-5monatige Schwarzbrache während der Hauptvegetationszeit möglich [1].

Anbaustopp

Bei einem stärkeren Befall sollte man den Anbau der geschädigten Pflanzenart bzw. Gemüseart auf den befallenen Flächen aufgeben.

Fruchtfolge optimieren

Da eine direkte Bekämpfung nicht möglich ist, spielt die Fruchtfolgeoptimierung eine große Rolle. Deshalb ist es besonders wichtig die Wirtspflanzen des Schädlings zu kennen. Hilfreich ist es, die Fruchtfolge aufzulockern und bevorzugt unempfindliche Arten wie Getreide[1] zu wählen. Laut LWK-NRW kann der Anbau von Sudangras vorteilhaft sein. Hommes empfiehlt den Anbau von Getreide, Mais, Spargel und Gräser. Durch den Anbau von resistenten Ölrettichsorten lässt sich der Befalldruck von M. hapla reduzieren. In verschiedene Versuch brachte der Anbau der resistenten Ölrettichsorte ´Commandore´gute Ergebnisse. Da die Sorte nicht mehr im Handel ist, wird die neuere Sorte 'Contra' nun eingesetzt. Beide Sorten haben gute Ergebnisse in den Anbauprüfungen gezeigt. Eine weitere Maßnahme ist auch der Verzicht von Klee vor anfälligen Gemüsekulturen [1].

Unkrautbekämpfung

Auch verschiedene Unkräuter können den Befall M. hapla fördern. Deswegen ist eine intensive Unkrautbekämpfung wichtig.

Einzelnachweise

  1. a b c d Hallmann, J., Rau, F. & Puffert, M.: (2007): Bekämpfungsstrategien für den Wurzelgallennematoden Meloidogyne hapla im ökologischen Landbau. 9. Wissenschaftstagung Ökologische Landbau [1]

Weblinks

Literaturverzeichnis

  • Decker, H. (1969): Phytonematologie. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin: 526 Seiten.