Mispel

Aus Hortipendium
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Echte Mispel
Mespilus germanica
Linné, 1753
109 Mespilus germanica L.jpg
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung Rosenartige
Rosales
Familie Rosengewächse
Rosaceae
Gattung Mispel
Mespilus

Die Echte Mispel (Mespilus germanica) gehört wie die meisten heimischen Obstarten zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Wegen ihrer außergewöhnlichen Blüte und Optik der Früchte sowie der besonderen Verwendungsmöglichkeiten ist sie eine besondere Attraktion im Garten. Neben der bei uns heimischen Mespilus germanica werden im Handel auch Früchte der immergrünen Japanischen Woll-Mispel (Eriobotrya japonica) mit dem Namen „Loquats“ angeboten, die zwar auch zu den Rosengewächsen gehört, aber nur entfernt verwandt mit unserer Mispel sind. Diese Früchte sind ohne Frosteinwirkung genießbar und werden auch in Südeuropa angebaut, allerdings sind die Bäume nicht frosthart.

Herkunft

Die Mispel (Mespilus germanica) stammt entgegen ihrem Art-Namen (germanica) nicht aus Mitteleuropa, sondern aus Klein- bis Mittelasien. Im Kaukasus kommt sie bis zu einer Höhe von 1000 m vor. Durch die Römer wurde die Mispel nach West- und Mitteleuropa bis nach Südskandinavien verbreitet. In diesem Klima entwickelte sie sich so gut, dass sie letztendlich den botanischen Artnamen germanica erhielt.

Bedeutung

In früheren Zeiten war die Mispel ein wichtiger Fruchtbaum in Kloster- und Bauerngärten, in den letzten Jahrzehnten ist sie aber stark in Vergessenheit geraten.

Die Mispel besitzt heute im internationalen Fruchthandel keine Bedeutung mehr. Im plantagenmäßigen Anbau sind Mispeln sehr selten und nur in geringem Umfang zu finden.

Der gesundheitliche Wert (Antiskorbutfaktor) der Früchte wurde bereits im frühen Mittelalter erkannt.

Neben ihrem außergewöhnlichen Blüten-, Blatt- und Fruchtschmuck bieten Mispeln ein breites Spektrum an Verwertungsmöglichkeiten wie z. B. zur Herstellung von Marmeladen, Gelees und Säften, Mispel-Likör bzw. Brand. Auf jeden Fall ist die Mispel im Garten ein echter „Hingucker“! Deshalb sollte man durch eine Pflanzung von Mispeln im Garten oder in Streuobstwiesen zur Erhaltung dieser alten Kulturpflanze beitragen.

Wuchs

Mispeln wachsen in der Natur strauch- oder baumartig, bei der Verwendung geeigneter Unterlagen und angepasster Schnittmaßnahmen lassen sie sich gut als Baum erziehen. Dann sind sie dem Habitus von Quitten ähnlich, jedoch mit breiter ausladender Krone. Sie eignen sich auch gut als Kübelpflanzen. Mispeln erreichen an sonnigen Standorten eine Größe von 3-5 m in Höhe und Breite, lassen sich aber durch Schnitt sehr gut auch kleiner halten.

Blüte und Frucht

Mispeln blühen sehr spät (Ende Mai-Anfang Juni) und sind selbstfruchtbar. Charakteristisch und von hohem Zierwert sind die etwa 4 cm großen cremeweißen Blüten. Sehr attraktiv sind die aussergewöhnlichen, gold-braunen Früchte mit ihrer typischen Kelchform. Die Fruchtgröße schwankt zwischen 2-3 cm bei Wildarten und 5-7 cm bei großfrüchtigen Sorten oder bei Verwendung von starkwachsenden Unterlagen. Botanisch gesehen handelt es sich hierbei aber um Scheinfrüchte, sogenannte „Sammelnussfrüchte“ mit 2-5 rötlichen Kernen. Die Früchte zeichnen sich durch hohe Gehalte an Gerbstoffen (Phenole, Pektine) aus, die einen adstringierenden Geschmack bedingen, weshalb man sie erst nach Frosteinwirkung ernten sollte, denn dann werden sie weich und fruchtig und sind genießbar.

Standort, Pflanzung und Vermehrung

Die Ansprüche an den Boden sind gering, jedoch wirken sich nährstoffreiche, tief-gründige Böden mit einer guten Wasserführung positiv auf das Wachstum und den Ertrag aus. Auf stark alkalischen Böden mit einem pH-Wert > 8 können Chlorosen auftreten. Aufgrund der späten Blüte Mitte bis Ende Mai besteht keine Gefahr von Blütenfrösten, jedoch können bei Winterfrösten mit Temperaturen unter -18°C Holz-frostschäden auftreten.

Neben der Vermehrung über Samen ist die übliche Vermehrungsart die Veredlung. Als Unterlagen kann der Weißdorn (Crataegus monogyna), die Eberesche (Sorbus aucuparia), die Birne (Pyrus communis) und die Quitte (Cydonia oblonga) verwendet werden. Möglich ist auch eine Vermehrung durch Steckhölzer, Wurzelschnittlinge oder Samen.

Je nach Wüchsigkeit des Standortes kann ein Pflanzabstand von 3,50 m bis 4,00 m in der Reihe und ein Baumabstand von 2,50 m bis 3,00 m verwendet werden. Die Erziehung erfolgt in der Regel als Spindel.

Verwertung

Verarbeitungsmöglichkeiten von Mispeln



Ziergehölz

Die Mispel eignet sich auch hervorragend als Ziergehölz und kann in Hausgärten eine gestalterische gelungene Abwechslung zu den übrigen Ziergehölzen bieten. Neben der späten einzelständigen weißen bis cremweißen Blüte im Mai, sind die lanzettlichen, dunkel grünen Blätter während der ganze Vegetationsperiode attraktiv. Im Herbst bilden die grün bis bronzefarbenen Früchte, die auch bis in den Winter hinein am Baum hängen bleiben könne einen dekorativen Akzent im Hausgarten.

Lebensmittel

Die Mispelfrüchte eignen sich hervorragend zur Herstellung von hochwertigen Destillaten. Bei Verbrauchern ist die Mispel überwiegend unbekannt und wird irrtümlich als Mistel bezeichnet. Für Direktvermarkter ist das Mispeldestillat neben der Exklusivität auch ein Produkt, um mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und ihnen die Frucht Mispel vorzustellen. Sie erreicht bei der Ernte, wenn die Früchte Vollreif und teigig sind, Oechslegehalte bis 80°. Die Ausbeute beläuft sich auf 3,5 bis 6,0 l/reiner Alkohol pro 100 kg Rohstoff. Mispeldestillat zeichnet sich durch einen sehr charakteristischen fruchtig-herben Geschmack aus, der bei Liebhabern als echte Spezialität gilt.

Die Ende Oktober reifenden Mispelfrüchte sind zu diesem Zeitpunkt steinhart, sehr herb und ungenießbar. In diesem Zustand besitzen sie einen stark adstringierenden Geschmack. Erst nach dem Einwirken von Frösten werden die Früchte genussreif. Liebhaber schätzen die Früchte im rohen Zustand wegen ihres speziellen Geschmackes. So sind in Italien Mispeln als Marktfrucht sehr beliebt.

Mispeln finden überwiegend in der Verarbeitung Verwendung. Sie werden oftmals zu Brand oder Gelee, manchmal auch zu Saft verarbeitet. Eine Aufbereitung als Püree, Kompott oder Konfitüre ist insbesondere in der Kombination mit Apfel, Hagebutte oder anderen Wildfrüchten beliebt. Mispeln besitzen einen mittleren Ascorbinsäuregehalt, der ähnlich wie bei Äpfeln zwischen 20 bis 30 mg/kg liegt. In Feinkostläden werden Artikel mit Mispeln geführt. Die Ergiebigkeit bei der Saftausbeute ist relativ gering, aber mit manchen Apfelsorten vergleichbar (z.B. Pinova, Topaz). Der Arbeitsaufwand beim Entsaften bzw. Geleekochen entspricht dem bei der Verarbeitung von Äpfeln bzw. Quitten zu Gelee. Allerdings muss man den richtigen Reifezustand der Mispeln abwarten und sie erst dann verarbeiten.

Pharmaindustrie

In der Pharmaindustrie finden neben den Früchten auch Rinde und Blätter, aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes, Verwendung. Mispeln finden u. a. bei Magen-Darm-Störungen als verstopfendes Mittel Verwendung. Vollreife Mispeln werden aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung in der Volksmedizin zur Linderung von Nieren- und Harnwegentzündungen eingesetzt. Ebenso wird der Absud aus Blättern oder Aufguss aus gedörrten Früchten bei Mandelentzündungen und anderen Entzündungen in der Mundhöhle zum Gurgeln empfohlen.

Sorten

Holländische Riesenmispel
Über viele Jahre haben sich etliche Sorten herausgebildet, die teilweise ein beträchtliches Alter haben. Am häufigsten wird die ’Holländische Riesenmispel’ aufgepflanzt. Sie zeichnet sich durch große Früchte mit einem guten Geschmack und hohe Erträge aus. Jedoch werden sehr viele unterschiedliche Herkünfte als ’Holländische Riesenmispel’ gehandelt, so dass es zu großen Unterschiede je nach Herkunft bezüglich der Fruchtgröße und des Ertrages kommen kann. Mittelgroße Früchte mit einem ebenfalls guten Geschmack besitzt die ’Königsmispel’, die aus England stammt und die etwas schwächer wachsende ’Ungarische’ oder ’Balkan’- Mispel.

Die Erträge setzen früh ein.

Ernte und Ertrag

Je nach Pflanzmaterial beginnt der Ertrag zwischen dem zweiten und dritten Standjahr. Vollerträge sind ab dem fünften Standjahr möglich. Flächenerträge zwischen 150 bis 200 dt/ha sind üblich, es können aber auch höhere Erträge erzielt werden.

Mispeln werden erst nach dem ersten Frost geerntet, da sie davor noch steinhart sind. Danach verfärbt sich die Frucht von Braungrün nach Dunkelbraun und das Fruchtfleisch wird teigig weich. Erst in diesem Zustand wird die Mispel verarbeitet bzw. das Fruchtfleisch kann dann sogar roh gegessen werden. Allerdings ist dieses Aussehen etwas gewöhnungsbedürftig, dabei hat das braune, teigige Fruchtfleisch einen leicht säuerlichen, angenehmen Geschmack.


Pflanzenschutz

Der Aufwand für Pflanzenschutz ist sehr gering.

  • Regelmäßig verursacht lediglich der Kleine Frostspanner durch seinen Fraß Schäden.
  • Blattläuse sind regelmäßig an Mispeln zu finden, jedoch müssen im Allgemeinen keine regulierenden Maßnahmen ergriffen werden.
  • In nassen Jahren kann es besonders bei einer späten Ernte im Herbst zu Moniliafruchtfäule kommen, die jedoch nicht häufig auftritt.
  • Die Blattfleckenkrankheit der Mispel (Entomosporium mespili) wird in der Literatur häufig beschrieben, wurde am Standort Ahrweiler jedoch noch nicht festgestellt.
  • Die Mispel ist ebenso wie die verwendeten Unterlagen Weißdorn (Crataegus monogyna) und Quitte (Cydonia oblonga) anfällig für Feuerbrand. In Süddeutschland sind Mispeln auch in Hecken oder Straßenbegleitgrün zu finden und sollten aufgrund der Feuerbrandproblematik bei Bedarf auf Symptome untersucht werden, damit sie keine Infektionsherde bilden.

Weblinks

Quellen

  • Jürgen Zimmer (2009): Die Mispel (Mespilus germanica). DLR Rheinpfalz - Kompetenzzentrum Gartenbau. Rheinbach.