Löwenzahn Salat Anbau

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Löwenzahn
Taraxacum
Weber ex. F.H. Wiggers
Löwenzahn-gelb am Markt.jpg
Blühende Löwenzahnpflanze.
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung Asternartige
Asterales
Familie Korbblütengewächse
Asteraceae
Gattung Taraxacum

Löwenzahn wird schon seit Generationen als besonders gesund geltender Salat gegessen. Fürher wurde er nur auf den Wiesen oder am Wegesrand gestochen, heute wird er auch in Gemüsebaubetrieben angebaut und in dunklen Räumen angetrieben, um die gebleichten Blätter für Feinschmecker und Freunde des gesunden Geschmackes auf dem Gemüsemarkt anzubieten. Das besondere am Löwenzahn Salat Geschmack sind die Bitterstoffe. In den letzten Jahrzehnten, in denen das "Süße" immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, verloren die bitteren Salate wie Endivien, Zuckerhut und auch Löwenzahn an Bedeutung. Neuerdings gewinnt der Löwenzahnsalat jedoch im Rahmen des "Wildkräuter-Trends" wieder an Bedeutung.


Löwenzahn Botanik

Löwenzahn (Taraxacum spp.) ist eine Pflanze. Sie ist ein Bestandsbildner auf Wiesen und Weiden, Unkraut im Acker, Wildsalat am Wegesrand oder Gemüseart. Am Häufigsten fällt sie auf, wenn sie in tausenden von blühenden Exemplaren ganze Wiesen gelb einfärbt. Bilden sich später die Fruchtstände und Samen, kennt sie jedes Kind als die weiße Pusteblume. Weniger verbreitet ist es, Löwenzahnblätter als Salat zu essen. Neuerdings gewinnt der Löwenzahnsalat im Rahmen des "Wildkräuter-Trends" wieder an Bedeutung. Für Feinschmecker und Freunde des gesunden Salates, bieten Gärtner schon seit Generationen, in dunklen Räumen angetriebene, gebleichte Löwenzahnblätter an (siehe dazu Löwenzahnanbau). Auf der Seite Löwenzahn im Hausgarten sind Informationen zum Anbau im heimischen Garten hinterlegt.

Merkmale des Löwenzahns

Der Löwenzahn (Taraxacum spp.) ist eine Gattung aus der Familie der Korbblütler. Löwenzahn-Pflanzen sind Stauden, die in unterschiedlichen Arten in Europa anzutreffen sind. Der bekannteste und häufigste Vertreter ist der Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia, früher Taraxacum officinale). Löwenzahnblätter werden in einigen Regionen, wie z.B. dem Saarland und dem Elsaß, gerne als Salat gegessen. Besonders gut schmecken sie, wenn die Blätter im Dunkeln gewachsen sind.

Löwenzahnverzehr bei unseren Vorfahren

In der Frühgeschichte der Menscheit war es üblich, Wildpflanzen zu sammeln und zu essen. Sicherlich hat man dabei auch bemerkt, dass durch in der Natur herumliegende Holzstücke auf Löwenzahnpflanzen, deren Austriebe bleichen. Ebenso führten früher, wie heute noch, Maulwurfshaufen, die zufälligeweise in der Nähe von Löwenzahnpflanzen entstehen dazu, dass deren Austrieb gebleicht wird. Wildsalateliebhaber wissen die geschmacklichen Vorteile der natürlich gebleichten Löwenzahnblätter zu schätzen. Die Erfahrungen unserer Vorfahren halfen dann auch mit, das heute Gärtner und Bauern professionell, mit entsprechenden Anbautechznicken auf natürliche Art und Weise, Gemüsearten wie Endivivien, Spargel, Porree usw. bleichen.

Siehe auch:
Bleichgemüse in Hortipendium


Anbau von Löwenzahn Rüben

Um gebleichte Löwenzahnblätter auf dem Markt anbieten zu können, werden zunächst Löwenzahn-Rüben, ähnlich wie beim Chicoree, angebaut. Im Frühjahr erfolgt dazu eine Direktsaat ins Freiland. Die Direktsaat erfolgt je nach Wetterlage und Bodenzustand auf gut vorbereiteten Feldern. Der Reihenabstand kann z.B. 25 cm betragen. In den Reihen bei Bedarf auf 15 cm vereinzelt. Je ha benötigt man etwa 3 kg Saatgut.


Saatgutdaten

Saatgutdaten des Löwenzahns:
TKG Korngröße 1 Gramm Keimfähigkeit Keimtemperatur Saatgutangebot
0,6-0,8 g 0,6 - 0,8 mm
x 5,8 - 6,8 mm
1.200 - 1.700 Korn ca. 50 - 90 % 18 - 22°C Normalsaatgut


Sorten

Die Saatzuchtfirma Enza bietet für den Freilandanbau die Sorten 'Kultivierter vollherziger' und 'Nouvelle' an. 'Nouvelle' eignet sich auch für die Treiberei.


Pflanzenschutz

Beim Einsatz von Pflanzenschutzmittel in Löwenzahnkulturen kann die Internet-Pflanzenschutzdatenbank PS-Info helfen. Zur Auswahl stehen die Bereiche Bio und Konventionell.


Unkrautbekämpfung

Beispiel Restunkräuter

Die Unkrautbekämpfung beim Anbau von Löwenzahn für die Treibere erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden.

Feldhygiene

Falsches Saatbeet

Hierbei geht es um vorbeugende Maßnahmen. Dauerunkräuter möglichst schon beim ersten Auftreten ausschalten und nicht warten bis sich schon große Bestände gebildet haben. Zur Eindämmung des Samenunkräuter Drucks, diese nie Samen bilden lassen. Wird das konsequent durchgeführt, verringert sich der Unkrautdruck von Jahr zu Jahr. Nähere Infos zur Feldhygiene gibt es unter den folgenden Links.

Falsches-Saatbeet

Beispiel Hackgerät

Eine sofortige, große Erleichterung bei der Unkrautbekämpfung bringt das "Falsche-Saatbeet", das natürlich auch bei Pflanzkulturen von Nutzen ist. Nähere Infos zur Anwendung gibt es unter dem folgenden Link.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Sowohl bei gepflanzten als auch bei direkt ins Feld gesäte Dicke Bohnen kann eine mechanische Unkrautbekämpfung hilfreich und sinnvoll sein.

  • Hilfreich ist es, den Reihenabstand der vorhandenen Hacktechnik anzupassen
  • Lieber in den Reihen enger säen bzw. pflanzen und dafür weitere Reihenabstände wählen
  • Je jünger die Unkräuter, desto leichter die mechanische Bekämpfung
  • In niederschlagsarmen Regionen und auf leichteren Böden ist die mechanische Unkrautbekämpfung am ehesten erfolgreich

Herbizideinsatz

Herbizid Effekt Unkraut

In konventionell arbeitenden Betrieben ist der Einsatz bzw. die Nutzung von Herbiziden üblich. Um damit langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sind die Zulassungsbedingungen zu beachten und ein ist sachgerechte Anwendung nötig. Dazu gehört auch eine Begrenzung der Anwendungen innerhalb einer Fruchtfolge, um so die Selektion von nicht erfassten Unkrautarten zu verhindern. Nähere Infos zu Herbiziden und deren Einsatz gibt es unter den folgenden Links.

Link zur Indikationssuche im Gemüsebau 


Treiberei

Um gebleichte Löwenzahnblätter auf dem Markt anbieten zu können, werden zunächst Löwenzahn-Rüben, ähnlich wie beim Chicoree, angebaut. Die ausgereiften Rüben rodet man im Herbst und lagert sie in einem Kühllager. Zum Antreiben der Rüben werden sie in einem dunkelen Raum in Treibkisten gestellt. In diesen Treibkisten stehen die Rüben einige Zentimeter tief in umlaufendem Wasser. Bei Temperaturen von ca. 18-22°C treiben die Rüben in den dunklen Treibraum aus und bilden innerhalb von etwa 2-3 Wochen die typischen gelben Löwenzahnblätter. Durch den Lichtmangel wird in den Löwenzahn-Blättern kein Chlorophyll gebildet und die Blätter bleiben gelblich/weiß.


Marktangebot

Löwenzahnblätter werden als grüne Ware oder als gebleichte, gelbe Blätter am Markt angeboten.


Wert als Nahrungsmittel

Der Verzehr von Löwenzahn kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt.


Quellen

  • Josef Schlaghecken, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Hans Jessen und Helmut Schulze (1997): Botanik in Frage und Antwort. M. & H. Schaper GmbH & Co. KG. Alfeld -Hannover. ISBN 3-7944-0186-7
  • Georg Vogel (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaus. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1
  • Dietrich Fritz und Werner Stolz (1989): Gemüsebau. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5132-4
  • Royal Sluis (2003): Gemüse Saatgutkatalog. Royal Sluis. Neustadt am Rübenberge. 
  • Josef Schlaghecken (2018): Rund um das Saatgut: Löwenzahn. In: Zeitschrift "Gemüse". 54. Nr. 7. Seite 29-30. 


Siehe auch in Hortipendium


Weblinks