Kulturschutznetze im Hausgarten

Aus Hortipendium
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Kulturschutznetz
Kulturschutznetze aus Vlies oder feinmaschigen Netzen sind ein einfaches Verfahren zur Verhinderung des Schädlingsbefalls. Die Abdeckmaterialien verhindern, dass die unbeliebten Schädlinge – es sind bestimmte Falter und Fliegen – ihre Eier an den Gemüsepflanzen ablegen. Und wenn keine Eier dieser Insekten vorhanden sind, können sich daraus auch keine Raupen und Maden entwickeln und die Gemüsepflanzen schädigen.

Neben der Regulierung des Schädlingsbefalls bildet sich unter dem Insektenschutznetz ein für das Pflanzenwachstum günstiges Kleinklima, so dass sich die Pflanzen etwas schneller entwickeln. Gegen Früh- und Spätfrost bietet das Netz einen gewissen Schutz.

Material /Abmessungen

Kulturschutznetze, auch Gemüsefliegennetze genannt, sind engmaschige Netze aus dem Kunststoff Polyethylen (PE). Sie haben eine Mindesthaltbarkeit von fünf Jahren. Nach bisherigen Erfahrungen sind sie aber noch länger verwendbar. Es gibt Netze, die schon seit zehn Jahren verwendet werden, ohne brüchig zu sein. Empfehlenswert ist eine Mindestbreite von 2,10 m und einer Länge nicht unter vier Metern. Schmalere Netze sind bei der im Garten üblichen Beetbreite von 1,20 Metern ungeeignet, da sie mit zunehmendem Pflanzenwachstum zu stark spannen. Für größere Kohlarten (Kopf- und Blumenkohl) reichen 2,1m oft nicht aus. Einzelne Netze sind z. B. unter dem Namen "Burgers Spezialnetz gegen Gemüsefliegen" bei der Bayrischen Futtersaatbau GmbH, Josef-Froschauer-Str. 13, 94447 Platting, Tel: 09931/918330 erhältlich. Die Fa. Neudorff, deren Produkte in vielen Gartenfachmärkten und Gartencentern vertreten sind, bietet Gemüsefliegennetze mit einer Breite von 2,30 m und einer Länge von 4,25 m an. In verschiedenen Breiten von 1,83 bis 3,66m und einer länge bis zu 6 m werden die Insektenschutznetze von der Firma Wolfgang Nixdorf's Gemüseversandhandel angeboten.

Einsatz

Am besten werden die Gemüsearten direkt nach der Saat oder Pflanzung locker mit dem Netz abgedeckt. Wichtig ist eine gute Befestigung des Netzrandes mit Erde oder Steinen. Auch sehr feinblättrige Gemüsepflanzen heben das Netz mit zunehmendem Wachstum problemlos an, ohne Schaden zu nehmen. Im Garten lässt man das Netz i.d.R. bis kurz vor der Ernte aufliegen, es sei denn, man will nur die jungen Pflanzen oder Samen vor Vogelfraß schützen. Zur Unkrautbekämpfung und zum Düngen muss das Netz abgenommen werden. Bester Termin hierfür ist der frühe Morgen.

Welche Gemüsepflanzen können geschützt werden?

Nach mehrjährigen guten Bekämpfungserfolgen in zahlreichen Versuchen und Praxiseinsätzen kann die Netz- und Vliesabdeckung für folgende Anwendungsbereiche empfohlen werden

Einsatzmöglichkeiten
Kultur Schädlinge
Radies, Rettich Rettich- oder Kohlfliege
Möhren, Pastinaken Möhrenfliege, Möhrenminierfliege
Petersilie Möhrenfliege
Kohlarten Kohlfliege, verschiedene Raupen, befallsmindernd gegen mehlige Kohlblattlaus 
Zwiebel, Schnittlauch Zwiebelfliege
Porree Lauchmotte
Bohnen Bohnenfliege
Spinat Rübenfliege
alle Gemüsearten Tauben und andere Vögel, Kaninchen, Hasen, Rehe

Blattläuse, die viele Gemüsearten, vor allem Kopfsalat erheblich schädigen, können durch übliche Kulturschutznetze nicht ausreichend abgehalten werden. Daher müssen hier Spezialnetze eingesetzt werden.

Vlies oder Netz?

Mit Vlies wird das Gemüse nur im Frühjahr abgedeckt, da es der Verfrühung der Gemüsearten dient. Bei Abdeckung mit Vlies im Sommer kann es durch das veränderte Kleinklima unter diesem Polyestergewebe zu Schäden an den Kulturen kommen.

Netze können dagegen während der ganzen Vegetationsperiode auf den Gemüsekulturen verbleiben. Allerdings führt das Netz zu keiner Kulturverfrühung im Frühjahr.

In der abhaltenden Wirkung gegen Schädlinge sind Vlies und Netz in etwa gleich zu bewerten; gegen Blattläuse sind Vliese jedoch wirksamer als Netze. Netze kosten in der Anschaffung deutlich mehr, sind dafür aber über viele Jahre haltbar. Bei Vliesen ist nur bei äußerster Sorgfalt eine mehrmalige Nutzung möglich.

Wann abdecken?

Unmittelbar nach der Pflanzung; bei Saaten spätestens beim Auflaufen der Gemüsepflänzchen.

Wann wegnehmen?

Beide Gewebe sind regendurchlässig; Netze mehr als Vliese. Bei Vlies kann es manchmal angebracht sein, es zum Gießen abzunehmen.

Wenn Unkraut gehackt werden muss, ist darauf zu achten, dass die Kulturen so kurz wie möglich ohne Abdeckung sind, da ansonsten ein Zuflug der Schädlinge möglich ist.

Netze und Vliese sollten möglichst bis zur Ernte auf den Kulturen belassen werden. Durch gelegentliches Lockern des Materials muss allerdings ein ungehindertes Pflanzenwachstum sicher gestellt werden.

Zusammenfassung

Nachfolgend nochmals die wichtigsten Punkte, die bei einer Vlies- bzw. Netzabdeckung von Gemüsekulturen zur erfolgreichen Schädlingsabwehr zu beachten sind:

  • Abdecken möglichst unmittelbar nach der Pflanzung, bei Saaten spätestens beim Auflaufen der Kultur;
  • Im Frühjahr Vlies und Netz, ab Frühsommer nur noch Netz verwenden;
  • Auf gute Randbefestigung (Steine, Holzbretter oder –leisten o.ä.) achten;
  • Durch Lockern bzw. Nachlassen der Abdeckmaterialien ungehindertes Pflanzenwachstum sicherstellen;
  • Für Arbeiten wie Jäten, Düngen, evtl. auch Gießen (bei Vlies ) u.a. Abdeckmaterialien möglichst nur kurzzeitig entfernen, um keinen Schädlingszuflug zu ermöglichen;
  • Mit den Abdeckmaterialien schonend umgehen, damit diese möglichst oft verwendet werden können;
  • bei jungen Pflanzen auf Schneckenbefall achten.


Weblinks

Neues Spezialnetz gegen Problemschädlinge, Gartenakademie Rheinland-Pfalz

Quellen

Nezte und Vliese zur Schädlingsabwehr im Gemüsegarten, Gartenakademie RLP, Dr. Lutz Gündel