Kultur von Hochstämmen

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Hochstämme im Baumschulquartier
Hochstamm im Verkehrsbereich

Hochstämme sind Bäume, die eine klare Gliederung in Stamm und Krone aufweisen. Die Anzucht qualitativ guter Hochstämme erfordert neben guter Bodenvorbereitung regelmäßige Schnitt- und Bindemaßnahmen, um einen geraden Wuchs und eine gut ausgebildete Krone zu erhalten. Die Hochstämme kleinwüchsigerer Arten (z.B. Zieräpfel) werden gerne in Privatgärten als Solitärbäume ,in Promenaden oder öffentlichen Pflanzflächen verwendet. Die größeren Arten (z.B. Spitzahorn) finden vorrangig Verwendung als Straßenbäume aber auch in Parkanlagen.

Begriffsdefinition und Qualitätsmerkmale

Nach den Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen der FLL sind Hochstämme baumartig gewachsene Gehölze, die in Stamm und Krone gegliedert sind.
Hochstämme werden nach Stammumfang in 1m Höhe über dem Erdboden gemessen

Der Stamm sollte der Art entsprechend gerade und fehlerfrei sein. Ein weiteres Aufasten muß möglich sein. Dies bedeutet, daß die Seitenäste nicht zu dick sein dürfen. Quirlartige Verzweigungen und Zwiesel dürfen nicht vorhanden sein. Die Krone sollte arttypisch regelmäßig aufgebaut sein und der Stammstärke entsprechen. Wichtig ist auch eine gute Bewurzelung mit einem hohen Feinwurzelanteil. Die Größe von Wurzel und Ballen muß der Größe der Pflanze entsprechen. Als Faustregel gilt, daß der Ballendurchmesser etwa 3 x so groß wie der Stammumfang sein sollte. Die Größensortierung erfolgt bei Hochstämmen nach Stammumfang in cm in 1 m Höhe über dem Erdboden. Hochstämme müssen nach maximal vier Jahren Standzeit erneut verpflanzt werden.

Hochstämme 2xv (leichte Hochstämme)

Als leichte Hochstämme werden zweimal verpflanzte Hochstämme (Hochstämme 2xv) bezeichnet. Sie müssen in weitem Stand gezogen sein. Die Mindeststammhöhe ist 180 cm. Der Stammumfang beträgt 8-10 oder 10-12 cm. Wurzelnackte leichte Hochstämme dürfen bis maximal 5 Stück je Bund gebündelt werden. Hochstämme 2xv dienen in der Regel als Ausgangsware für die Produktion größerer Hochstämme und Alleebäume. Sie werden von vielen Baumschulen nicht mehr selbst produziert, sondern zugekauft.

Hochstämme 3xv

Hochstämme 3xv sind als Hochstämme 2xv in extra weiten Stand gepflanzt worden. Hier macht der FLL [[3]] auch Vorschriften zum Aufbauschnitt der Krone. Die Stammhöhe muß mindestens 200 cm betragen. Hochstämme 3xv werden meist mit Ballen gerodet und benötigen dann einen Drahtballen oder einen Container. Der Stammumfang beträgt 10-12,12-14, 14-16, 16-18,18-20,20-25 cm. Hochstämme 3xv werden in öffentlichen Anlagen oder Gärten gepflanzt. Außerdem dienen sie den Baumschulen als Ausgangsware zum 4xv Hochstamm.

Hochstämme 4xv und öfter verpflanzt

Hochstämme und Solitärbäume 4xv und öfter verpflanzt wurden ebenfalls in extra weitem Stand gezogen. Sie müssen mit Drahtballen oder Container geliefert werden. Der Stammumfang beginnt bei 16-18/18-20. Von 20-25 bis 45-50 erfolgt eine Staffelung in 5 cm Schritten. Über 50 cm Stammumfang wird in 10 cm Schritten gestaffelt. Bei Solitärbäumen werden noch zusätzliche Angaben zur Gesamthöhe und Kronenbreite gemacht. Hochstämme 4xv werden neben den Hochstämmen 3xv am Häufigsten im öffentlichen und privaten Bereich gepflanzt.Größere Bäume werden in deutlich geringeren Stückzahlen und meist in Spezialbaumschulen angezogen.

Alleebäume

Als Alleebäume werden Hochstämme mit besonders hohem Kronenansatz bezeichnet. Dieser muß bis Stammumfang 25 cm mindestens 220 cm betragen, über Stammumfang 25 cm mindestens 250 cm. Darüber hinaus müssen die Seitenäste deutlich schwächer sein als der Leittrieb, damit sie später leicht aufgeastet werden können. Alleebäume werden für Verkehrsflächen verwendet und vor allem als 3xv und 4xv gepflanzt.

Um einen Hochstamm mit der geforderten Qualität zu produzieren, müssen Baumschulen die im Folgenden beschriebenen Kulturmaßnahmen durchführen.

Herkunft der Ausgangsware

Viele Baumschulen kaufen die 2xv Hochstämme zu, um daraus 3xv und 4xv Hochstämme anzuziehen. Die 2xv Hochstämme müssen aber zunächst produziert werden. Als Ausgangsware dienen bei den wichtigen und üblichen Arten fast immer Sämlinge. Ausnahmen bilden Platanus x hispanica (Platane), die aus Steckhölzern kultiviert wird oder Tilia europaea `Pallida Typ Lappen`(Kaiserlinde `Typ Lappen`), die von Baumschule Lappen [[4]] traditionell durch Ableger vermehrt wird.

Da die Aussaat heutzutage fast ausschließlich in Spezialbetrieben erfolgt, kaufen die Baumschulen, die 2xv Hochstämme selbst produzieren, je nach Art und Bodenverhältnissen 1-jährige, 2-jährige verschulte oder 3-jährige verschulte Sämlinge zu.

Die Sorten der Hochstämme werden durch Veredlung angezogen. In der folgenden Tabelle findet sich ein Überblick über einige wichtige Sorten und deren Veredlungsart:

Gattung,Art,Sorte Veredlungsart
Acer campestre `Elsrijk` Kopulation auf 1-jährige oder 2-jährige Sämlinge von Acer campestre
Acer platanoides `Cleveland` Okulation auf 1- oder 2-jährige Sämlinge von Acer platanoides
Acer platanoides `Globosum` Kopfveredlung auf 4-jährige Sämlinge von Acer platanoides
Carpinus betulus `Fastigiata` Kopulation auf 1- oder 2-jährige Sämlinge von Carpinus betulus
Crataegus x lavallei `Carrierei` Okulation auf 1- oder 2-jährige Sämlinge von Crataegus laevigata
Fraxinus excelsior `Westhofs Glorie` Okulation oder Kopulation auf 1-jährige oder 2-jährige Sämlinge von Fraxinus excelsior
Fagus silvatica `Atropunicea` Kopulation auf 2-jährige oder 3-jährige Sämlinge von Fagus silvatica
Malus-Hybride `Street Parade` Okulation auf 2-jährige Bittenfelder Sämlinge
Quercus robur `Fastigiata` Kopulation auf 3-jährige Sämlinge von Quercus robur
Robinia pseudoacacia `Bessoniana` Kopulation auf 2-jährige Sämlinge von Robinia pseudoacacia
Tilia cordata `Greenspire` Okulation auf 2-jährige Sämlinge von Tilia cordata

Anzucht von der Jungpflanze bis zum 2xv Hochstamm

Die Anzucht von der Jungpflanze bis zum 2xv Hochstamm umfaßt in der Regel 3 Kulturjahre.

Bodenvorbereitung des Quartiers vor dem Aufpflanzen

Im Jahr vor dem Aufschulen der Ausgangsware wird auf der späteren Kulturfläche meist eine Gründüngung angesät. Die Aussaat erfolgt im Mai bis Juni mit einer Drillmaschine. Vor einer Hochstammkultur wird gerne Ölrettich (ca. 25 kg/ha) angesät. Diese Gründündungspflanze bildet tiefe Wurzeln und trägt zu einer guten Bodenlockerung bei. Baumschule Ley verwendet 15-20 kg/ha der Saatgutmischung Biofum. Diese besteht aus verschiedenen Pflanzen der Familie der Kreuzblütler (Brassica carinata, Brassica napus, Raphanus sativus und Sinapis alba), die bei Zersetzung im Boden chemische Substanzen gegen Nematoden und Bodenpilze freisetzen. Wenn etwa 60-80% der Gründüngungspflanzen blühen, werden Sie mit einem Mulchmäher abgemäht und zerhäckselt. Das Häckselgut wird später mit einer Fräse in den Boden eingearbeitet. Dieser Vorgang wird als Biofumigation bezeichnet [[5]]. Im Herbst kann mit dem Pflug oder der Spatenmaschine eine Grundbodenbearbeitung bis etwa 25 cm Tiefe erfolgen, so dass die Fläche über den Winter grobschollig liegen bleibt. Durch den Frost wird der grobschollige Boden bis zum Frühjahr zerkleinert.

Vor dem Aufschulen im Frühjahr wird die Oberfläche noch einmal mit einer Fräse oder mit einer Kreiselegge bearbeitet, um eine ebene und feinkrümelige Pflanzfläche zu erhalten.

Behandlung der Ausgangsware vor der Pflanzung

Als Jungpflanzen werden meist 1-jährige oder 2-jährige verschulte Sämlinge zugekauft. Bei schwer zu veredelnden Sorten, wie z.B. Sorten von Acer campestre, Carpinus betulus, Fagus sylvatica oder Quercus robur, werden die Jungpflanzen als 1-jährige oder 2-jährige Veredlungen zugekauft. Die Jungpflanzen erhalten einen kräftigen Rückschnitt der Wurzel, damit diese sich anschließend gut verzweigt. Bei den meisten Arten wird auch der oberirdische Trieb auf ca. 30 cm zurückgeschnitten. Bei Arten, bei denen sich nach dem Rückschnitt nur noch schwer ein gerader Leittrieb bildet, oder die Seitenknospen zu schwach für einen kräftigen Austrieb sind, wird der oberirdische Trieb nicht eingekürzt.
Einlagerung verschiedener Gehölze vor dem Aufschulen in einem Kühllager

Überblick über den Rückschnitt bei einigen wichtigen Hochstämmen:

Gattung,Art,Sorte Rückschnitt des oberirdischen Triebes
Acer platanoides ja
Acer pseudoplatanus ja
Carpinus betulus ja
Fraxinus excelsior ja
Platanus x hispanica ja
Tilia cordata ja
Malus-Sorten ja
Fagus silvatica nein
Aesculus-Arten nein
Quercus robur nein
Prunus avium nein
Sorbus-Arten nein

Die geschnittenen Jungpflanzen werden bis zum Aufschulen entweder in Sand eingeschlagen oder in einem Kühllager gelagert.

Pflanzung der Ausgangsware

Vor dem Aufschulen werden die vorbereiteten Jungpflanzen auf Anhänger geladen und zum Quartier gefahren. Die erste Pflanzreihe wird eingefluchtet. Für den Pflanzvorgang stehen verschiedene Geräte zur Verfügung, denn die Pflanzung mit dem Handspaten ist vor allem für größere Mengen Gehölze nicht rentabel. Aufgeschult wird mit einer 2-reihigen Rillenfräse, einer 2-3-reihigen Pflanzmaschine (z.B. System Accord oder Super Prefer) oder mit einem kleinen Pflanzpflug (z.B. PL 10).

Der Abstand zwischen den Pflanzen liegt bei ca. 50 cm. Der Reihenabstand kann zwischen 1 m und 1,50 m betragen. Er ist abhängig von der zur Verfügung stehenden Fläche aber auch von den im Betrieb eingesetzten Pflegegeräten. Werden Schmalspurschlepper zur Pflege eingesetzt, so sollte der Reihenabstand nicht unter 1,30 m liegen. Beim Einsatz von Hochschleppern oder Handgeräten können auch engere Reihennabstände gewählt werden.

Anhängig von der Witterung werden die Jungpflanzen angegossen.

Bodenpflege und Unkrautbekämpfung

Im ersten Kulturjahr sollte der Einsatz von Herbiziden gut überdacht werden, um Schäden an den Jungpflanzen zu vermeiden. Nach dem Aufschulen kann im ersten Kulturjahren eíne Vorauflaufspritzung mit Boden- oder Boden-Blattherbiziden wie z.B. Butisan, Terano, Kerb, Flexidor oder Stomp erfolgen. In den weiteren Kulturjahren werden die Vorauflaufherbizide vor dem Austrieb der Gehölze eingesetzt. Dadurch wird der Befallsdruck bis in den Frühsommer gemindert. Im Sommer wird das Unkraut zwischen den Reihen mit einem Grubber bekämpft. Dabei erfolgt gleichzeitig eine Lockerung der obersten Bodenschicht. Die Häufigkeit des Einsatzes hängt von den Witterungsverhältnissen und vom Befallsdruck ab. In den Reihen wird entweder die Handhacke eingesetzt oder es werden Blattherbizide gespritzt. Beim Einsatz von Herbiziden ist zu beachten, daß die Einsatzhäufigkeit je Vegetationsperiode genau festgelegt ist.

Arbeiten an der Pflanze

Bei Acer platanoides kann ein Austrieb auf Zapfen geschnitten werden, an den der geradere Austrieb angebunden wird.

Erstes Kulturjahr:

Arten, die nicht veredelt werden oder als bereits veredelte Jungpflanzen zugekauft wurden, werden im Sommer mit ca. 3 m langen Tonkinstäben versehen und mit Kunststoff-Hohlschnur angebunden, um einen geraden Leittrieb zu erzielen. Acer platanoides treibt nach dem Pflanzschnitt aufgrund seiner gegenständigen Knospen mit 2 Trieben aus. Nach etwa 15 cm Zuwachs kann der schrägere Trieb auf Zapfen geschnitten werden, um den geraderen Trieb daran anzubinden. Die anderen Austriebe werden entfernt. In diesem Fall wird erst im Juli ein Stab gesetzt, der Zapfen geschnitten und der gerade Trieb an den Stab angebunden.

Die Sorten von z.B. Acer platanoides, Fraxinus excelsior, Malus oder Tilia cordata werden im Sommer okuliert und erhalten daher im ersten Kulturjahr noch keinen Stab. Bei der Okulation wird im Juli bis August ein Auge der Edelsorte unter die Rinde des aufgeschulten Sämlings in Bodennähe eingeschoben.

Stark blutende Arten wie Acer werden danach mit Fleicoband verbunden, damit der austretende Saft abfließen kann. Weniger problematische Arten wie Fraxinus oder Malus erhalten einen Okulationsschnellverschluß. Nach 4-6 Wochen sollten die Edelaugen angewachsen sein.


Die Pflanzen werden gestäbt, um einen geraden Leittrieb zu erziehen.
Am Ende des zweiten Kulturjahres ist der Acer platanoides bereits 3 m hoch.


Zweites Kulturjahr:

Bei den nicht im Vorjahr okulierten Gehölzen erfolgt meist im Sommer ein Schnitt an den Gehölzen. Konkurrenztriebe zum Leittrieb werden entfernt, da ein durchgehender, die anderen Triebe überragender Leittrieb erwünscht ist. Der Neuaustrieb des Leittriebes wird an den Tonkinstab angeheftet. Starke Seitenäste werden komplett entfernt, denn spätestens am Ende des letzten Kulturjahres müssen alle Stammaustriebe unterhalb des Kronenansatzes geschnitten werden. Je dicker ein Trieb dabei ist, desto größer ist die entstehende Wunde und desto schwieriger der Heilungsprozeß. Leichte Seitenäste bleiben als Stammverstärkungsholz stehen und werden eventuell eingekürzt. Dadurch ziehen die Seitenäste mehr Wasser und Nährstoffe in den Stamm, der so mehr Dickenwachstum aufweist. Ohne Seitenäste würde der Leittrieb stärker in die Höhe wachsen mit der Folge eines dünneren Stammes.

Bei den durchgeführten Schnittmaßnahmen gibt es in den Baumschulen Unterschiede.In manchen Betrieben werden die Gehölzarten, deren Leittrieb eingekürzt werden kann, im Frühjahr zurückgeschnitten. Mac Carthaigh beschreibt im Fachbuch "Die Baumschule" sogar einen Rückschnitt auf 5 cm über dem Erdboden, um ein kräftiges Wachstun des Leittriebes zu fördern.

Bei den im Vorjahr okulierten Sorten erfolgt im zeitigen Frühjahr des zweiten Kulturjahres ein Abwurf der Veredlungsunterlage scharf über dem Edelauge. Hier werden im Frühsommer mit einer Stabsetzmaschine etwa 3 m lange Tonkinstäbe gesetzt. Daran wird der aus dem Edelauge gewachsene Trieb angebunden, um einen geraden Wuchs zu erzielen. Aus der Unterlage austreibende Wildtriebe werden entfernt ("geräubert"), da sie sonst kräftiger wachsen würden als die Edelsorte. Dies würde zur Schwächung der Edelsorte führen.


Drittes Kulturjahr:

Kronenanschnitt auf 180 cm + 6 Augen zu Beginn des dritten Kulturjahres. Bei gegenständigen Gehölzen wird ein Auge geblendet, das andere Auge mit Kreppband umwickelt.

Im zeitigen Frühjahr des dritten Kulturjahres erfolgt bei den Arten, deren Leittrieb geschnitten werden kann, ein Kronenanschnitt. Dabei wird der Leittrieb auf etwa 2,10 m eingekürzt bzw. auf 1,80 m plus 5-7 Augen. Der Schnitt sollte über einem möglichst kräftigen Auge erfolgen. Dadurch wird das Wachstum des Leittriebs etwas gebremst. Aus den 5-7 Augen sollen die Kronenäste wachsen.

Bei Gehölzen mit gegenständigen Knospen (z.B. Acer, Fraxinus) wird eine der beiden oberen Knospen entfernt. Die andere Knospe soll als neuer Leittrieb austreiben. Der Neuaustrieb wird wieder an den Tonkinstab angeheftet. Bei manchen Gehölzen (z.B. Acer) wird nach dem Kronenanschnitt die verbliebene obere Knospe mit Tesa-Krepp umwickelt. Diese Maßnahme soll einen geraden Austrieb fördern.

Dünne Stammaustriebe können zunächst als Stammverstärkungsholz stehen bleiben. Im Sommer werden sie bis auf Höhe des Kronenansatzes entfernt.

Bei langsam wachsenden Gehölzen ( z.B. Zieräpfeln oder Veredlungen von Linden) ist meist noch ein viertes Kulturjahr erforderlich, um den gewünschten Stammumfang und die gewünschte Kronenhöhe zu erhalten. In diesem Fall wird im dritten Kulturjahr das Wachstum des Leittriebes nach oben gefördert, in dem die Seitentriebe und Konkurrenztriebe entfernt werden. Im vierten Kulturjahr erfolgt dann der bereits beschriebene Kronenrückschnitt.

Düngung

Vor dem Aufschulen der Jungpflanzen wird im ersten Kulturjahr eine Bodenprobe gezogen und auf N-min, Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert untersucht. Je nach Bedarf können auch weitere Nährstoffe im Boden überprüft werden. Der Stickstoffbedarf der Jungpflanzen ist ebenso wie der Bedarf an anderen Nährstoffen noch niedrig, so daß nach einer vorangegangenen Gründüngung normalerweise keine Düngerzufuhr im ersten Kulturjahr notwendig ist.

Im zweiten Kulturjahr wird im Frühjahr wieder eine Bodenprobe entnommen und auf N-min untersucht. Nach den Ergebnissen der Bodenprobe wird gedüngt. Werden Dünger mit Langzeitwirkung eingesetzt, z.B. Düngemittel, die einen Nitrifikationshemmer enthalten, kann die Düngegabe schon im April erfolgen. Schnellwirkende Düngemittel, z.B. Kalkammonsalpeter oder Nitrophoska perfekt, sollten in Anpassung an den Wachstumsverlauf der Gehölze, erst im Mai eingesetzt werden. Hier empfiehlt sich eine Aufteilung der Düngerzufuhr auf zwei Termine. Dabei werden etwa 50-60% des Düngerbedarfs im Mai, weitere 40-50% des Düngerbedarfs Ende Juni/ Anfang Juli ausgebracht. Zu einem späteren Termin sollte zumindest keine Stickstoffdüngung mehr stattfinden. Die Ausbringung der Düngemittel erfolgt in der Regel mit Reihendüngerstreuern, bei denen über Fallrohre der Dünger an den Reihen abgelegt wird. Auch Schleuderstreuer mit Vorrichtungen für Reihendüngung können eingesetzt werden.

Die Düngung im dritten Kulturjahr erfolgt ebenso wie im Vorjahr.

Pflanzenschutz

Die auftretenden Krankheiten und Schädlinge sind abhängig von der Kulturart. Folgende Krankheiten und Schädlinge treten in Kulturen zur Anzucht von Hochstämmen besonders häufig auf:

Krankheitserreger Schadbild Gegenmaßnahmen Befallene Pflanzengattungen
Verticillium-Welke (Pilze) Plötzliches Welken der Blätter und Absterben der Zweige Es gibt keine zugelassenen Fungizide. Vorbeugende Maßnahmen sind Bodenkontrollen vor dem Aufschulen,

vor allem bei landwirtschaftlichen Vorkulturen,oder die Einsaat einer Kreuzblütlermischung zur Biofumigation . Befallene Pflanzen müssen entfernt werden.

Acer, Castanea , Catalpa, Fraxinus, Prunus, Robinia, Sorbus, Tilia u.a.
Echter Mehltau (Pilze) Weißer, mehlartiger Überzug auf Blättern und Trieben. Bei Sichtbarwerden erster Befallssymptome wiederholte Spritzung mit zugelassenen Fungiziden.
PS Info: Akutelle Zulassungssituation
Acer, Carpinus, Crataegus, Fagus, Malus, Quercus u.a.
Rotpusteln Auf der Rinde abgestorbener Zweige befinden sich orangefarbene Pusteln. Kräftiger Rückschnitt befallener Triebe. Bei starkem Befall Entfernen der Pflanzen. Acer, Carpinus, Tilia u.a.
Spinnmilben Laub wird zunächst bleich und gefleckt. Später vergilbt und vertrocknet es, es kommt zum Laubfall. Regelmäßige Kontrollen schon im Winter auf die Wintereier. Gegebenenfalls Vorauflaufspritzungen.

Bei Sichtbarwerden erster Symptome im Sommer wiederholte Spritzung mit zugelassenen Akariziden.
PS Info: Akutelle Zulassungssituation

Acer, Aesculus, Carpinus, Crataegus, Malus, Platanus, Prunus, Tilia u.a.
Blattläuse Blattlauskolonien an Blättern, Stengeln und Triebspitzen. Aufrollen und Kräuseln der Blätter und Triebverkrüppelungen. Klebriger Belag auf Blättern durch Honigtau. In der Folge werden die Blätter schwarz durch Besiedlung mit Rußtaupilzen. Bei Sichtbarwerden erster Symptome Spritzung mit zugelassenen Insektiziden.
PS Info: Akutelle Zulassungssituation
Acer, Fagus, Malus, Prunus u.a.

Krankheiten wie Echter Mehltau, Spinnmilben und Blattläuse können vor allem junge Gehölzkulturen stark schädigen. Wichtig sind daher regelmäßige Kontrollen auf Schaderreger. Wird aufgrund des zu erwartenden wirtschaftlichen Schadens entschieden, eine Pflanzenschutzmaßnahme durchzuführen, muß überprüft werden, welche Mittel zur Zeit zugelassen sind. Informationen dazu finden sich z.B. auf der Internetseite des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) [[6]] und im Pflanzenschutzinformationssystem PS Info (http://www.ps-baumschule.de).
Der Einsatz der Mittel sollte zum geeigneten Zeitpunkt erfolgen. Außerdem muß beachtet werden, wie oft je Vegetationsperiode das Mittel eingesetzt werden darf. Zur Ausbringung der Pflanzenschutzmittel können verschiedene Spritzen verwendet werden. Zum Anbau an Hochschlepper gibt es kleine Anbauspritzen mit Zeilenspritzvorrichtungen. An Schmalspurschlepper lassen sich Gebläsespritzen anbauen, mit denen sich die Pflanzenschutzmittel in die Gehölzreihen ausbringen lassen. Eine weitere Möglichkeit ist, an eine am Schmalspurschlepper angebaute Anhängespritze Spritzschläuche zu montieren, mit denen die Arbeitskräfte durch die Gehölzreihen gehen und die Pflanzen behandeln.

Bewässerung

Schon vor dem Aufschulen sollten die wurzelnackten, gebündelten Jungpflanzen gut gewässert werden. Günstig ist es, die Bunde in einen Wasserbehälter zu tauchen, damit sich die Wurzeln vollsaugen können. Nach dem Aufschulen empfiehlt es sich vor allem bei trockener Witterung die Jungpflanzen zu wässern.So wird der Boden zwischen die Wurzeln geschlämmt und das Anwachsen erleichtert. Dazu werden in Hochstammkulturen vorrangig Kreisregner oder Schläuche verwendet, die durch die Reihen gezogen werden. Insgesamt erfolgt die Bewässerung der Hochstämme nur nach Bedarf. Ziel ist, daß die angewachsenen Gehölze auch ohne regelmäßige künstliche Wasserzufuhr mit den gegebenen Boden- und Klimaverhältnissen zurechtkommen.

Rodung und Transport

Nach 3 Kulturjahren werden stärker wachsende Arten (z.B. Acer platanoides, Fraxinus excelsior, Platanus x hispanica) im Herbst nach dem Laubfall gerodet. Für langsamwachsendere Arten (z.B. Acer campestre, Carpinus betulus, Tilia cordata-Sorten) ist oft noch ein viertes Kulturjahr notwendig, um die erforderliche Größe zu erreichen. Vor der Rodung werden Mengen und Größen in einem Quartierbuch notiert. Viele Betriebe setzen spezielle EDV-Programme ein, um die produzierten Pflanzen zu erfassen und dann im Verkauf einen guten Überblick darüber zu haben. Die Rodung wurzelnackter Gehölze erfolgt vorrangig mit einem Rüttelpflug. Die Pflanzen werden nach Stammumfang in einem Meter Höhe sortiert.Bei 2 x v Hochstämmen beträgt dieser normalerweise 8-10 oder 10-12 cm. Die Hochstämme werden zu maximal 5 Stück gebündelt, bundweise etikettiert und auf Anhänger verladen. Anschließend werden sie entweder zu einer Einschlagfläche oder einer Lagerhalle transportiert.

Einschlag und Lagerung

Die 2 x v Hochstämme dienen in der Regel als Ausgangsware für die Kultur zum 3 x v Hochstamm. Also werden sie entweder an andere Baumschulbetriebe verkauft oder im selben Betrieb wieder aufgeschult. Nur ein geringer Teil geht an Privatkunden und an öffentliche Einrichtungen. Wenn die Hochstämme noch im Herbst verkauft oder wieder aufgeschult werden, werden sie auf Paletten in Lagerhallen zwischengelagert. Dort sollten sie gründlich gewässert werden, um ein Austrocknen der Wurzeln zu vermeiden. Die verkaufte Ware wird nach Aufträgen sortiert und zusammengestellt. Wenn die Ware vom Kunden abgerufen wird, muß das Beladen der LKW´s sehr zügig und gut organisiert durchgeführt werden.

Bei Hochstämmen, die im eigenen Betrieb wieder aufgepflanzt werden sollen, wird, wenn es die Witterung und die Arbeitsorganisation zulassen, eine Herbstpflanzung vorgezogen. Ist mit einem längeren Zeitraum zwischen Rodung und erneuter Aufpflanzung zu rechnen, so werden die Hochstämme eingeschlagen.

Anzucht vom 2xv Hochstamm bis zum 3xv Hochstamm

Bodenvorbereitung des Quartiers vor dem Aufpflanzen

Die Bodenvorbereitung erfolgt wie bei der Anzucht zum 2xv Hochstamm. Zusätzlich ist bei verdichteten Böden noch eine Tiefenlockerung mit einem tiefgehenden Grubberschar oder einem Hubschwenklockerer zu empfehlen.


Behandlung der Ausgangsware vor der Pflanzung

Viele Baumschulen führen bei sehr schnittverträglichen Gehölzen wie Acer platanoides, Fraxinus excelsior, Platanus x hispanica oder Tilia cordata den sogenannten "Bohnenstangenschnitt" durch. Dabei werden nach der Rodung die Seitentriebe der Pflanzen komplett entfernt. Der Leittrieb wird bei etwa 275 cm angeschnitten. Manchmal wird noch etwas oberhalb dieser Höhe geschnitten und die obersten Augen werden entfernt. Dieses Stück wird als "Zapfen" bezeichnet, an dem der austreibende Leittrieb später zunächst angebunden werden kann. Die Wurzeln werden auf ca. 30 cm Durchmesser zurückgeschnitten. Ziel dieses radikalen Schnittes ist die Bildung eines kräftigen Leittriebes und demgegenüber deutlich schwächeren Seitentrieben. Die Krone kann so während der Kulturdauer komplett neu aufgebaut werden. Werden solche Hochstämme später als Straßenbäume verwendet, lassen sie sich besser aufasten, um das erforderliche Lichtraumprofil zu erhalten, denn der Schnitt schwächerer Seitenäste verursacht kleinere Wunden die besser verheilen. Nicht alle Arten werden so stark geschnitten. Bei Malus-Sorten, Carpinus betulus, Acer campestre, Fagus sylvatica und vielen anderen Arten wird nur eine Auslichtung der Kronentriebe vorgenommen. Dabei werden Konkurrenztriebe zum Leittrieb ebenso entfernt wie stärkere Seitenäste. Zu dicht und nach innenwachsende Seitenäste werden geschnitten. Die verbleibenden Seitentriebe werden um ca. ein Drittel auf nach außen zeigende Knospen eingekürzt. Die geschnittenen Pflanzen werden gut gewässert, auf einen Anhänger geladen und zum Quartier gefahren.

Pflanzung der Ausgangsware

Die Wege und Reihen im Quartier werden eingefluchtet. Das Aufpflanzen der Hochstämme erfolgt heutzutage nur noch bei kleinen Stückzahlen mit der Hand. Bei größeren Mengen werden Pflanzpflüge eingesetzt, z.B. die PL 40 der Firma DAMCON oder die PM 40 der Firma MDE [[7]],[[8]],[[9]] . Um den Pflanzvorgang zu rationalisieren, fährt neben dem Ackerschlepper, an den die Pflanzmaschine angebaut ist ein zweiter Ackerschlepper mit Anhänger her, der die Pflanzen geladen hat. Arbeitskräfte auf dem Hänger reichen die Pflanzen an die Arbeitskräfte, die auf der Pflanzmaschine stehen. Die Pflanzmaschine zieht eine 40 cm breite Furche, in die die Hochstämme hineingestellt werden. Nachlaufende Streichbleche ziehen die Furche zu, Andruckrollen drücken den Boden an die Wurzeln an. Die Pflanzabstände liegen in der Reihe meist zwischen 100 und 150 cm, zwischen den Reihen bei 200 bis 250 cm. So erhält jede Pflanze für die folgenden Kulturjahre genügend Standraum.

Oft werden mehrere Reihen im Block gepflanzt und dann ein breiter Fahrweg gelassen, um gegebenenfalls an bestimmte Pflanzenreihen bei Rodungsarbeiten besser heranzukommen. Viele Betriebe häufeln die Hochstämme nach der Pflanzung an. Diese Maßnahme dient dem Verdunstungsschutz, der besseren Standfestigkeit und dem Schutz vor mechanischen Schädigungen. Außerdem können die Hochstämme vorher etwas höher gepflanzt werden, was wiederum die spätere Rodung erleichtert. Eine Bewässerung nach der Pflanzung fördert das Einschlämmen des Bodens zwischen die Wurzeln.

Bodenpflege und Unkrautbekämpfung

Graseinsaat zwischen den Reihen in Hochstammkulturen

Nach dem Aufschulen wird zwischen den Reihen der Boden mit einem Grubber bearbeitet, um die durch den Pflanzvorgang verdichteten und zerfahrenen Böden wieder zu lockern und einzuebnen. In vielen Baumschulen erfolgt nun die weitere Unkrautbekämpfung zwischen den Reihen nicht mehr durch Einsatz mechanischer Bodenbearbeitungsgeräte oder durch Spritzmittel. Stattdessen wird zwischen den Reihen und auf den Fahrwegen mit einer Drillmaschine Gras eingesät. Es werden Mischungen aus nicht zu langsam wachsenden Rasengräsern gewählt, um schnell eine dichte Grasnarbe zu erhalten. Während des Sommers wird das Gras regelmäßig mit einem Schlegelmulcher abgemäht und verrottet auf der Fläche. Vorteile dieses Verfahrens sind neben der Unkrautunterdrückung eine Anreicherung von organischer Substanz und die Verhinderung des Abtrages der oberen Bodenschicht durch Erosion. Außerdem wird die Fläche bei Pflegemaßnahmen und Rodungsarbeiten besser befahrbar. Die Grasnarbe sollte genügend Abstand zu den Kulturreihen haben. Auch in den Reihen wird kein Gras angesät. Gründe dafür sind eine Wasser- und Nährstoffkonkurrenz zu den Kulturpflanzen und die Erschwerung von Kulturarbeiten (z.B. Rodung). Zur Unkrautbekämpfung in den Reihen können im Spätwinter Vorauflaufherbizide eingesetzt werden. Im Sommer kann gegen hartnäckige Unkräuter ein Blattherbizid eingesetzt werden. Darüber hinaus sind auch mechanische Verfahren, z.B. der Einsatz von Stockräumern oder das Hacken mit der Hand möglich. Aktuelle Zulassungssituation für Herbizide in Ziergehölzen

Arbeiten an der Pflanze

Erstes Kulturjahr:

In der Hochstammkultur zielen die Arbeiten an der Pflanze darauf ab, einen geraden, durchgehenden Leittrieb und eine schmale pyramidale Krone zu erziehen. Zur Erziehung eines geraden Leittriebes werden 4-5 m lange Tonkinstäbe gesetzt, an die die Bäume angebunden werden. Diese Stäbe können entweder direkt bei der Pflanzung mit einem an den Pflanzpflug angebauten Stabsetzer oder im Sommer mit einem maschinellen Stäbedrücker gesetzt werden. Betriebe, die große Mengen Hochstämme pflanzen, entscheiden sich meist für die zweite Variante, da der Pflanzvorgang ohne direktes Stäben deutlich zeitsparender ist. Die Bäume werden vom Boden bis zum Kronenansatz 4-5 mal mit einer Hohlschnur angebunden. Im Spätsommer (ab August bis etwa Oktober) erfolgt der erste Kronenschnitt. Wenn beim Pflanzschnitt ein Zapfen stehen gelassen wurde, wird dieser nun geschnitten. Konkurrenztriebe zum Leittrieb werden entfernt, ebenso sehr starke Seitentriebe. Bei manchen Arten (z.B. Acer platanoides) wird der Leittrieb auf ca. 50 cm über dem letzten Anschnitt gekürzt. Neugebildete Seitentriebe werden um etwa zwei Drittel auf ein Außenauge eingekürzt. Ziel dieses Schnittes ist wieder eine schmal-pyramidale Krone mit durchgehendem, geraden Leittrieb. Bei weniger stark wachsenden Gehölzen wird in diesem Jahr nur eine Korrektur der Krone vorgenommen.


Zweites Kulturjahr:

Der Neuaustrieb muß ab Mai 1-2 mal an den Stab nachgebunden werden. Im Spätsommer erfolgt der nächste Schnitt. Dabei fahren die Arbeitskräfte mit einer selbstfahrenden Schneidebühne [[10]],[[11]],[[12]] durch die Reihen. Direkte Konkurrenztriebe werden entfernt. Starke Seitentriebe werden komplett geschnitten. Die anderen Seitentriebe werden um etwa zwei Drittel gekürzt und über einem Außenauge geschnitten. Bei den Arten, bei denen der Leittrieb geschnitten wird, wird dieser wieder auf ca. 50 cm über dem letztjährigen Anschnitt zurückgenommen. Auch nach innen wachsende und zu dichte Triebe werden herausgenommen. Da beim 3 x v Hochstamm eine Stammhöhe von mindestens 200 cm bis zum Kronenansatz angestrebt wird, werden die Austriebe bis zu dieser Höhe entfernt. Es gibt auch die Möglichkeit schwächeres Seitenholz stehen zu lassen, um das Dickenwachstum des Stammes zu fördern. In der Regel führen Baumschulen diesen Kronenschnitt im Spätsommer durch. Bei manchen Betrieben wird er ins darauffolgende Frühjahr verschoben.

Drittes Kulturjahr:

Der Leittrieb wird während des Sommers weiterhin an den Tonkinstab angebunden. Da ein Großteil der Hochstämme im Herbst dieses Kulturjahres oder im Frühjahr des darauffolgenden Kulturjahres gerodet wird, findet im Spätsommer nur noch ein Kronenkorrekturschnitt statt. Stammaustriebe werden vollständig bis auf 200 cm Stammhöhe entfernt.

Viertes Kulturjahr:

Wenn die 3xv Hochstämme verkauft werden sollen, werden sie im Normalfall am Ende des dritten Kulturjahres gerodet. Sind sie sehr schwachwüchsig oder sollen zum 4 x v Hochstamm angezogen werden, ist es möglich, erst zum Ende des vierten Kulturjahres zu roden. In diesem Fall erfolgt im dritten Kulturjahr noch ein kräftiger Kronenschnitt, im vierten Jahr nur noch ein Korrekturschnitt.

Düngung

Die Düngung erfolgt wie bereits bei der Anzucht zum 2xv Hochstamm beschrieben. Der N-Bedarf der Gehölze liegt bei etwa 60-80 kg/ha. Die Düngung erfolgt wieder nach den Ergebnissen der Bodenanalysen.

Pflanzenschutz

Wurde bereits bei der Anzucht zum 2xv beschrieben.

Bewässerung

Eine gute Anwässerung nach der Pflanzung erhöht den Bodenschluß. Die weitere Bewässerung erfolgt nach Bedarf.


Rodung und Transport

Im August-September werden die Hochstämme im Quartier mit Farbbändern ausgebunden. So erhalten Bäume mit einem Stammumfang von 14-16 cm ein blaues Band, mit 16-18 cm ein gelbes Band, mit 18-20 cm ein rotes Band und mit 20-25 cm ein weißes Band. Es erfolgt eine Bestandsaufnahme der Arten, Mengen und zugehörigen Stammstärken. In den meisten Betrieben werden diese Bestandserfassungen in ein EDV-Programm eingegeben. So kann im Verkauf schnell auf Anfragen von Kunden reagiert werden.

Nach dem Laubfall ab etwa Mitte Oktober werden die Hochstämme gerodet. Dazu werden in den meisten Fällen Ballenschneider eingesetzt [[13]],[[14]],[[15]] .Der Durchmesser des Ballens sollte etwa das Drei- bis Vierfache des Stammumfanges haben. Also werden Schneidemesser mit einem Durchmesser von 50 oder 60 cm eingesetzt. Direkt nach der Rodung werden die Ballen mit einem Ballenleinen aus Jutegewebe umwickelt. Zusätzlich ist eine Ballierung mit einem Drahtkorb notwendig. Die Kronen werden zusammengebunden, die Tonkinstäbe werden aus dem Ballen gezogen. Da die Ballen zu schwer sind, um sie mit reiner Körperkraft zu heben, werden sie mit Hilfe eines Ballenarmes und Ladegurten von einem Kran schonend auf Anhänger geladen. Anschließend werden sie auf den Versandhof oder in die Versandhalle des Betriebes transportiert. Die bereits verkaufte Ware wird nach Aufträgen zusammengestellt und gekennzeichnet.

In der Regel wird nicht der komplette Bestand gerodet. Die Bäume, die zum 4xv Hochstamm weiterkultiviert werden sollen, werden erst im Frühjahr oder Herbst des vierten Standjahres gerodet und zeitnah wieder aufgeschult. Um im Versand flexibel reagieren zu können, ist es auch möglich, die im Frühjahr gerodeten Bäume mit einer Spezialballierung aus Jute, Biofolie und Kokosmatten zu versehen. Diese Hochstämme werden auf Bändchengewebe aufgestellt, an Drahtgerüsten angebunden und mit einer Tropfbewässerung versorgt. So vorbereitet können sie in den Sommermonaten schnell verkauft werden, müßten aber vor dem Winter wieder aufgeschult werden.

Während in Deutschland 3xv Hochstämme meist mit Ballen gerodet werden, ist es im Ausland (z.B. Niederlande) durchaus üblich sie wurzelnackt zu roden. Baumschule Ley in Meckenheim rodet einen Teil der 3xv Hochstämme wurzelnackt [[16]],[[17]],[[18]] , um sie anschließend in einen Container zu topfen. Für die wurzelnackte Rodung werden Selektiv-Roder eingesetzt, die erst mit einem Unterschneidemesser den Ballen herausschneiden und anschließend den Stamm mit einer Klemmbacke festhalten und schütteln, so daß die Erde abfällt. Vorteil der wurzelnackten Rodung ist das geringere Gewicht und damit verbunden ein leichterer Transport und ein leichteres Aufschulen. Nachteilig ist, daß die Gefahr von Verpflanzschäden aufgrund des nackten Wurzelwerkes deutlich erhöht ist.

Anzucht vom 3xv Hochstamm bis zum 4xv Hochstamm und größer

Die Anzucht vom 3xv zum 4xv beträgt in der Regel wieder drei Kulturjahre, laut Bestimmungen der FLL sind maximal vier Kulturjahre möglich. Düngung, Pflanzenschutz und Unkrautbekämpfung werden wieder ähnlich wie bei der Kultur vom 2xv zum 3xv Hochstamm durchgeführt. An den Kronen werden im Sommer Korrekturschnitte durchgeführt. Für die Pflanzung und die Rodung werden größere Maschinen eingesetzt, als bei der Kultur zum 3xv Hochstamm.

Pflanzschnitt und Pflanzung der Ausgangsware

Pflanzpflug mit Lift, der die Ballen in die Furche absetzt.

Vor der Pflanzung wird der Stamm auf etwa 250 cm aufgeastet. Wenn nicht bereits im Spätsommer des Vorjahres geschehen, werden nun die Seitentriebe auf Außenauge eingekürzt, dabei wird eine pyramidale Wuchsform angestrebt. Ebenso werden starke Seitentriebe oder Konkurrenztriebe entfernt. Im Gegensatz zu den 2xv Hochstämmen sind die 3xv Hochstämme zu schwer, um mit der Hand angereicht und in die Pflanzgrube gesetzt zu werden. Zum Aufschulen werden daher spezielle Pflanzpflüge verwendet, zum Beispiel die PL 75 von Damcon [[19]],[[20]] oder die PM 80 von MDE [[21]]. Diese Pflanzpflüge ziehen Pflanzgräben von 75 bzw. 80 cm Breite. Darüberhinaus sind sie mit einem Kran ausgerüstet, der die Bäume von einem nebenher fahrenden Anhänger auf einen Lift an der Pflanzmaschine stellt. Durch Betätigung eines Fußhebels werden die Bäume in die Furche gesetzt. Die Pflanzabstände werden sehr weit gewählt, z.B. 400 cm x 400 cm.

Rodung der Ausgangsware

Die 4xv Hochstämme besitzen normalerweise Stammumfänge von 16-18, 18-20 und 20-25 cm. Sie können mit Ballenschneidern mit angebauten Messern bis 80er Durchmesser gerodet werden.

Hochstämme 5xv und größer

Hochstämme ab 5xv werden in Deutschland in deutlich geringeren Stückzahlen produziert und vorrangig von Spezialbaumschulen angeboten. Zum Aufpflanzen stehen Pflanzpflüge mit maximal 90 bis 100 cm Grabenbreite zur Verfügung. Die Pflanzlöcher für größere Ballendurchmesser müssen mit einem Bagger oder mit Ballenstechern des Systems Opitz ausgehoben werden. Für die Rodung stehen Ballenstecher der Systeme Opitz [[22]] und Damcon [[23]] zur Verfügung, die Ballendurchmesser bis ca. 200 cm bewältigen. Auch Bagger werden zur Rodung eingesetzt.

Quellen

Gerd Krüssmann (1997): Die Baumschule. 6. Auflage. Parey Buchverlag. Berlin und Hamburg. ISBN 3-8263-3048-X


Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL)(Hrsg.), Bearbeitung durch den RWA Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen (2004): Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen. 3. Auflage. Bonn. ISBN 3-934484-78-6


Peter Harder, H. Beltz, K. Lange, H. Lösing, H. Sanftleben, C. Willmer, S. Lodder, H. Averdieck, H. Braungardt, R. Eckle, M. Posner, W. Wohanka, J. Ben Jaakow, O. Burchards, M. Walther, V. Behrens, A. Sturm, A. Balder, B. Aichele, A. Schneidewind, H. Buner, P. Uehre, R. Markley, R. Wiesmann, D. Lange (2006): Meyer-Taschenbuch 2007, Aktuelles Baumschulwissen. Hermann Meyer KG. Rellingen. ISBN 3-00-019131-3


Heinrich Beltz (2001): BdB Ausbildungsbuch. 9. Auflage. "Grün ist Leben" mbH. Pinneberg. ISBN 3-934480-16-0


Einzelnachweise


Weblinks