Kultur von Euphorbia pulcherrima

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Der Weihnachtsstern
Weihnachtssterne (Euphorbia pulcherrima) oder auch Poinsettien genannt, wachsen in ihrer Heimat Mexiko auf der Hochebene zwischen Sträuchern und Büschen. Die neuen Sorten weisen eine lange Haltbarkeit und einen gleichmäßigen Aufbau auf. Im Handel werden auch verstärkt Hochstämmchen angeboten.

Jungpflanzenanzucht

Stecklingsschnitt:
Schnitt unter dem 4. bis 5. Laubblatt von Mutterpflanzen oder durch Stutzen aus dem Bestand
- tauchen im lauwarmes Wasser nicht erforderlich, aber günstig, da der Milchsaft gerinnt -> Fäulnisgefahr vermindert
- in Töpfe stecken, da die Wurzeln brüchig sind und bei Herausnahme aus dem Vermehrungsbeet Verletzungsgefahr besteht
- Bewurzelungsdauer 2-3 Wochen
- abhärten ca. 3-4 Tage vor dem Topfen durch Entfernen der Schattierung -> Temperatur auf 20° C senken

Temperatur:
Wurzelbildung gefördert, wenn die Boden- über der Lufttemperatur liegt
Sproßwachstum gefördert, wenn die Lufttemperatur höher als die Bodentemperatur ist
- Bodentemperatur 22-24° C, Lufttemperatur 20-22° C

Luftfeuchte:
nahe 100 %, die Pflanze muß turgeszent sein und bleiben, ein einmal gewelkter Steckling erholt sich nicht
- Vermehrung daher unter Sprühnebel oder unter Folie (u.U. schattieren)

Substrat:
gute Durchlüftung bei hoher Wasserkapazität, erreichbar durch Torf-Sandgemisch oder Industriesubstrate (Vermehrungserden)

Düngung:
nach der Wurzelbildung zweimal mit 1 %o MND düngen * z.B. Wuxal

Bewurzelungshormone:
nicht erforderlich aber möglich * z.B. Rhizopon A


Pflanzung und Pflanztechnik

Poinsettien im Bestand

Topfen:
es ist arbeitswirtschaftlich günstig, die Stecklinge auf der Stellfläche sofort in den Endtopf zu pikieren
zugekaufte Stecklinge zur Qualitätserhaltung (Licht) sofort auspacken und topfen
bei Lichtmangel gelbe Blätter, erhöhtes Streckungswachstum und Botytisgefahr
- Topfgröße abhängig vom Topftermin:
Juli- und Augustlieferungen (eintriebig und gestutzt) = 11 - 12 cm Topf
September- und frühe Oktoberlieferungen (ungestutzt) = 11 cm-Topf
Oktoberlieferungen = 9 cm-Topf

Stutzen:
nach dem Topfen, wenn die Pflanze wieder voll turgeszent ist
- günstig nach 4-7 Tagen, späteres Stutzen bedeutet ungleiche Austriebslänge
- Rückschnitt auf 4-7 Blätter (Stecklingsentnahme) bzw. pinzieren
späte Kulturen in Woche 36 auf 4 Blätter stutzen
- bei ‘Lilo’ ist nach dem Stutzen häufig ein vermindeter Austrieb zu beobachten
die Ursache liegt wahrscheinlich in der Schädigung der Achselknospen bereits bei den Mutterpflanzen -> > 32° C
für die Verzweigung scheinen sich folgende Kulturmaßnahmen günstig auszuwirken:
hohe Luftfeuchte und Temperatur
Entfernen der obersten Blätter nach dem Stutzen
Cycocel 720 - Behandlung vor dem Stutzen

Temperatur

Optimale Tag- Nachttemperaturen
Einfluss des Wärmeangeobtes auf die Pflanzenhöhe
Einfluss des Wärmeangebotes auf die Blühinduktion
Einfluss des Wärmeangebotes auf den Brakteendurchmesser
Einfluss der Temperatur auf den Verkaufstermin

Vegetatives Wachstum (Langtagperiode):
die Pflanzengröße steigt linear mit zunehmendem Wärmeangebot zwischen 14-26° C TMT, unter 20° C Entwicklung deutlich verzögert
daher bei hoher TMT größere Verkaufsware als bei niedriger -> Pflanzengröße steuerbar

  • bei hoher TT und niedriger NT größere Wuchsleistung als bei gleichen TT und NT bei gleicher TMT, z.B. bei 23/17 größere Pflanzen als bei 20/20 -> Licht besser verwertet, Atmungsrate sinkt, dieser Effekt gilt besonders für die Langtagphase
  • Möglichkeit zur Hemmung des Längenwachstums: höhere NT als TT (nicht möglich bei sehr hohen TT, erst ab ca. Wo 38)
  • kurzzeitige Temperaturabsenkung im letzten Nachtdrittel bzw. frühen Morgenstunden -> TMT gesenkt
  • Verkürzung der Langtagphase

Induktion und frühe Blütenentwicklung:

  • beschleunigt bei 20° C TT und NT
-> A-E Okt bei Normalkultur

Vorgang verzögert durch höhere TT (> 20° C) und niedrige NT (< 18° C)

-> Verzögerung ebenfalls bei hoher Temperatur im Bereich der KTL -> KTL sinkt
  • Vorgang beschleunigt durch niedrige TMT im vorausgegangenen LT (z.B. 17/17)
-> Beschleunigung ebenfalls durch hohes Lichtangebot zum KT-Beginn

dieser Effekt kann zunichte gemacht werden bei gleichzeitig hoher TMT -> KTL verschoben

  • bei hoher TMT und hoher Beleuchtungsstärke Induktion nur bei stark verkürzter Tageslänge (8-10 Std.)
-> unter Verdunkelung

Brakteenentwicklung:
bei frühen Sätzen aufgrund der höheren Einstrahlung größere Brakteen

  • bei Blättern (vegetative Organe) wird das Wachstum außerdem durch die TT bestimmt die Größe steigt zwischen 14-23° C linear mit dem Wärmeangebot
  • bei hoher TT und niedriger NT größere Brakteen als bei gleicher TT und NT, z.B. bei 24/16 und 23/17 größere Brakteen als bei 20/20
-> gleichzeitig Atmungsverluste vermindert in Holland 20/20 üblich wegen des verminderten Längenwachstums

der Wärmebedarf (TMT) ist sortenabhängig, im wesentlichen zwei Sortengruppen:

18 - 20° C
Lilo, Freedom, Red Sails, Hegg-Gruppe, für Lilo und Freedom in den letzten Kulturabschnitten 20° C TT und 16 - 18° C NT optimal zur Brakteenausfärbung in den letzten 10-14 Tagen vor Verkaufsbeginn 16° C TT u. NT frühe Sätze tolerieren hohe Temperaturen gut -> Lichtmenge hoch
20 - 22° C
Angelika-Gruppe, Peterstar, Marlene, Sup-ji-bi, bei TMT von nur 18° C Blattbildung und Blattflächenwachstum beeinträchtigt, daneben Blattaufhellungen, ungleichmäßige Trieblängen, Austrieb von Seitentrieben 2. Ordnung, frühzeitiger Blattwurf und höheres Risiko für Wurzelerkrankungen
  • bei Nachtabsenkung während Lagerphasen darf der Taupunkt nicht unterschritten werden -> Botrytisgefahr, Blattfall (keine Gießmatten und Doppelverglasung)
  • Brakteenentwicklung gestört bei Stickstoffmangel
  • gleiche TT und NT auf hohem Niveau führen zu Cyathienabwurf wegen Lichtmangels* > 23° C, aber Brakteen größer, dafür überhängend Abwurf auch bei hoher Luftfeuchte und hohem Salzgehalt im Substrat


Gesamte Wachstumsperiode:
Normalkultur bei TMT20° C: E Nov - A Dez bei TMT 17° C: M Dez verkaufsfertig

  • E Dez verkaufsfertig -> Hegg-Sorten
  • insgesamt ist unterhalb der optimalen Temperatur die gesamte Entwicklung verzögert

bei niedriger Temperatur erst zum Kulturende hin starke Zunahme der Brakteengröße -> ab M Dez bei hoher Temperatur endgültige Größe der Brakteen frühzeitig erreicht -> A Dez Abwurf auch bei hoher Luftfeuchte und hohem Salzgehalt im Substrat


Licht

Pflanzendurchmesser in Abhängigkeit der Temperatur und Beleuchtungsstärke
Einfluss der Tageslänge sowie der Tag- und Nachttemperaturen auf den Blühbeginn

Vegetatives Wachstum:
das Wachstum steigt mit zunehmender Beleuchtungsstärke, die Blüte ist früher entwickelt

  • mit zunehmender Beleuchtungsstärke wird gleichzeitig die Wirkung steigender Temperatur verstärkt:
in strahlungsarmen Jahren > 20° C keine Steigerung des Wachstums -> kleinere Pflanzen
in strahlungsreichen Jahren > 23° C Wachstumssteigerung zu erwarten -> Groß-pflanzen
  • in lichtarmen Jahren muß evtl. die Temperatur für die anvisierte Pflanzen- und Brakteengröße erhöht werden -> TT 22-23° C

in lichtreichen Jahren Blüte 5-7 Tage früher, wobei ein hohes Lichtangebot am KT-Beginn die Blütenbildung besonders fördert


Seitentriebbildung:
im wesentlichen von der Lichtmenge bestimmt, der Temperatureinfluß ist gering

  • bei hohem natürlichen Lichtangebot deutlich mehr Seitentriebe gebildet
  • starker Einfluß der Standweite, je mehr Licht an die Pflanzenbasis gelangt, umso mehr Seitentriebe gebildet


Einfluss der Tageslänge - Beginn natürlicher Kurztag

Wann beginnt der natürliche Kurztag? Hintergrund der Frage ist, dass es zum Teil sehr widersprüchliche Aussagen gibt. Die Spanne liegt selbst in aktuellen Texten gartenbaulicher Informationsdienste vom 15. September bis zum 15. Oktober, wobei Anfang Oktober am häufigsten zu lesen ist. An dieser Stelle ist vorab festzustellen, dass am 15. Oktober für fast alle marktgängigen Sorten in Mitteleuropa gesicherte Kurztagbedingungen vorherrschen - der Beginn des Kurztages liegt aber wesentlich früher. In Fachbüchern aus den siebziger und achtziger Jahren wird beschrieben, dass der Beginn des Kurztages auf der Nordhalbkugel etwa Anfang Oktober eintritt. Fachbücher neueren Datums beschreiben, dass die Umstimmung des Apex bei den meisten marktgängigen Sorten in der letzten Septemberwoche stattfindet. Nicht nur Kultivateure von Weihnachtssternen werfen an dieser Stelle ein, dass der Beginn des Kurztages von vielen Faktoren beeinflusst wird und somit kein genaues Datum genannt werden kann. Zu Recht - denn der Beginn des Kurztages, der Zeitraum in dem Weihnachtssterne vom vegetativen Wachstum in das generative Wachstum umstimmen, wird maßgeblich beeinflusst von der Sorte, der Temperatur und den Lichtbedingungen. Bei den überwiegend helllaubigen Sorten sechsziger bis achtziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts lag der Kurztagbeginn sorten- und temperaturabhängig etwa Anfang bis Mitte Oktober. Neue dunkellaubige Sorten, die in Deutschland aktuell den Großteil der vermarkteten Ware ausmachen, haben eine höhere kritische Tageslänge, was dazu führt, dass der Kurztag eher eingeleitet wird. Auch wenn im Weiteren die Tageslänge als Faktor zur Auslösung der Umstimmung genannt wird, so bestimmt genau genommen die Länge der Nacht über die Induktion von Kurztagpflanzen. Weihnachtssterne müssten eher als Lang-Nacht-Pflanzen bezeichnet werden. In Klimakammern durchgeführte Versuche an der LVG Hannover Ahlem (Ludolph 2008) haben gezeigt, dass bei einer konstanten Temperatur von 20°C, alle zwölf untersuchten dunkelllaubigen Sorten bei Tageslängen von 11,5 und 12,5 Stunden eindeutige Merkmale der Blüteninduktion aufwiesen. Bei 13,5 Stunden Tageslänge induzierten noch vier der untersuchten Sorten ’Early Millennium’; ’Freedom Early’; ’Christmas Carol’ und ’Prestige Red’. Die Tageslänge von 13,5 Stunden wird am Standort Hannover etwa um den 3. September unterschritten. Was bei dieser Betrachtung nicht außer Acht bleiben darf und für den Praktiker von großer Bedeutung ist, dass die Temperatur einen bedeutenden Einfluss auf die kritische Tageslänge hat. Die o.g. Untersuchung zeigte auch, dass hohe Temperaturen von 24°C die kritische Tageslänge verkürzen, so dass die Pflanzen später induzieren. Niedrige Temperaturen verlängern die kritische Tageslänge. Bei 16°C zeigten alle 12 untersuchten Sorten im 13,5 Stunden Tag eindeutige Induktionsmerkmale. Neuere Sorten, wie ‚’Early Millennium’, ’Freedom Early’ ‚’Prestige Early Red’ oder ’Christmas Carol’ induzieren auch bei 20°C unter Klimakammerbedingungen bereits bei Tageslängen von 13,5 Stunden. Aus den Untersuchungen abzuleiten, dass für diese Sorten am Standort Hannover um den 3. September Kurztagbeginn ist, wäre falsch, da Anfang September in Gewächshäusern unter natürlichen Lichtbedingungen oft höhere Temperaturen vorliegen. Es bleibt also festzuhalten, dass der Beginn des Kurztages stark von der verwendeten Sorte und der Temperatur abhängig ist. Darüber hinaus können unter anderem verschiedene Temperaturkombinationen (Tag – Nachttemperaturen) und die Einstrahlung am jeweiligen Standort den Beginn des Kurztages beeinflussen. Der Kurztag beginnt für die meisten marktgängigen dunkellaubigen Poinsettiensorten unter norddeutschen Bedingungen etwa in Kalenderwoche 38/39 (Mitte bis Ende September). Es ist aber nicht auszuschließen, dass bei entsprechend kühler Witterung verbunden mit einer geringen Einstrahlung und niedrigen Sollwerteinstellungen der Gewächshausheizung und der Lüftung einzelne Sorten bereits In der ersten Septemberhälfte Kurztagbedingungen haben.


Photoperiode:
obligate KT-Pflanze, KTL zwischen 11 3/4 und 12 1/4 Std. * sortenabhängig
Reaktionszeit je nach Sorte 8-12 Wochen
- die KTL wird durch die Temperatur modifiziert (entscheidend ist die NT):
-> im 12 Std.-Tag (A Okt) kommt es bei hoher TT und
niedriger NT zur Verzögerung der Induktion -> Hitzeverzögerung
-> im 10 Std.-Tag bleibt die NT ohne verzögernden Einfluß auf die Induktion
bei gesteuerter Kultur ist es daher notwendig, ca. 2 Std. länger als die KTL zu verdunkeln * Nachtlänge ca. 14 Std

- Einfluß unterschiedlicher TT und NT:
z.B. 14/23: die hohe NT verkürzt die notwendige Dunkelphase -> Induktion vorverlegt gleichzeitig Hemmung des Längenwachstums
23/14: die niedrige NT verlängert die notwendige Dunkelphase -> Induktion verzögert gleichzeitig Förderung des Längenwachstums

5,5 - 6,5 Wochen 7 - 7,5 Wochen 8 - 8,5 Wochen 9 - 9,5 Wochen
Coco 2000 (6,5) Cortez Fire (7) Avantgarde (8) Carousel (9,5)
Early Millenium (5,5) Cortez (7,5) Capri (8) Red Diamond (9,5)
Millenium (6,5) Da Vinci (7) Elegance (8) Sonora White Glitter (9,5)
Pink Elf (6,5) Freedom (7) Euroglory Red (8) Sonora White (9,5)
Red Elf (6,5) Jester (7,5) Holly Berry (8) Winter Rose Early Red (9)
Lemon Snow (7) Infinity Red (8) Winter Rose Marble (9,5)
Lilo (7,5) Limelight (8) Winter Rose Pink (9,5)
Malibu (7,5) Marble Star (8) Winter Rose White (9,5)
Mars (7,5) Maren (8)
Merlot (7) Mirage (8)
Premium (7) Novia (8)
Primero (7,5) Peterstar (8)
Redlight (7,5) Prestige (8,5)
Whitestar (7,5) Red Dragon (8)
Regina (8)
Silverstar (8)
Sonora (8)
Spotlight (8)
Twister Red (8,5)

Steuerung: festzulegen sind:
Blühtermin = 1.11.
Reaktionsdauer der Sorte = 9 Wochen
Pflanzengröße = Dreistieler Normalpflanzen
Topftermin =
Stutztermin =
Verdunkelungszeitraum =

Splitten:
aus einem Vegetationspunkt entstehen 3 Brakteen
- zuerst 12-14 Kurztage, dann 15-20 Langtage, dann volle KT-Periode * Kulturzeitverlängerung ca. 1 Monat
- der Effekt tritt auch bei zu niedriger Temperatur während der Blütenbildung auf -> Splitten gefördert mit abnehmender Lichtmenge und Tageslänge
Gefahr besonders groß nach dem 5. - 7. Laubblatt bei niedrigen Temperaturen im Sep -> Induktion < 20° C im Langtag gefördert Entwicklungsstadium nach ca. 6 Wochen erreicht, daher Dauer der Langtagphase höchstens 6 Wochen -> bestimmt den Kulturbeginn
- Sonderstellung von ‘Lilo’ wegen frühzeitiger Anlage von Blütenknospen, die später wieder von vegetativen Trieben überwachsen werden

Poinsettien-Sortiment (Auswahl)

Sorte Farbe Reaktionszeit
(Wochen)
Wuchsstärke
Angelika leuchtendrot 8 - 9 stark
Dorothee hellrosa 8 - 9 stark
Regina reinweiß 8 - 9 stark
Marbella rosa-weiß 8 - 9 stark
Steffi hellrot 8 - 9 mittelstark
Marlene orangerot 7,5 mittelstark
Lilo dunkelrot 8 - 9 kompakt
Freedom dunkelrot 7 - 8 kompakt
Red Sails dunkelrot 7,5 kompakt
Peterstar leuchtendrot 8 kompakt
Pegirl hellrosa 8 kompakt
Marble rosa-weiß 8 kompakt
Sup-Ji-Bi intensivrot 8 - 9 mittelstark
Groarble rosa-apricot 7,5 - 8 kompakt
Gropom weiß-rosa 8 - 9 kompakt
Francesca leuchtendrot 9 - 9,5 stark
Fireking leuchtendrot 9 - 9,5 stark
Glenda apricot 9 - 9,5 stark
Gladys weiß 9 - 9,5 stark
Ria leuchtendrot 8,5 mittelstark
Ibiza dunkelrot 7,5 - 8 stark
Mallorca dunkelrot 8 stark
Menorca leuchtendrot 9 mittelstark
Formentera weiß 8 - 9 mittelstark
Maren altrosa 8 kompakt
Goldfinger kirschrot 8 stark
Cortez dunkelrot 8-9 mittelstark


Substrate

Anforderungen erreichbar durch Bemerkungen
Wasserkapazität 50-60 Vol% hochwertige Torfe, Einheitserde
Luftkapazität 30-40 Vol%, kein Sauerstoffmangel Mischungen aus grobfaserigem Weißtorf, Rindenkompost, Styromull, Perlite, Blähton, Steinwolle u.a.
Strukturstabilität stabile Poren, keine Volumenabnahme schwer zersetzbare organische Substanz z.B. Weißtorf
Nährstoffspeicherfähigkeit günstig, aber nicht Bedingung Tonbeimischung, KAK 500-600 mval/l
Einheitserde, KAK 300-500 mval/l
Weißtorf, KAK 80-160 mval/l
Austauscher gleichen Über- und Unterversorgung aus
Nährstoffabgabe keine Nährstoffestlegung keine nährstoffixierenden Tonminerale und leicht abbaubare organische Substanz
Feinporenanteil < 15 %
Gesamtsalzgehalt nicht > 2 g/l beim Topfen gering aufgedüngte Fertigsubstrate z.B. EEP, TKS 1
Eigenherstellungen mit 1 kg Salz/m3
> 2 g Salz/ l Wurzelwachstum gehemmt
pH-Wert 5,5 bis 6,5 5-7 kg kohlensaure Kalk pro m3
Weißtorf
im sauren Bereich Mo-Mangel
Molybdänbeimischung besonderer Bedarf 6-8 g Natrium- oder Ammonium-Molydat pro m3
Spurenelemente 0-Erden beimischen 100 g pro m3 Radigen oder Hortrilon zu Rindenhumus 5 g Fe
Hygiene frei von Schaderregern und Unkraut Kompost dämpfen, hochwertige Torfe, Untergrundton, Steinwolle
Pflanzenschutz Pilzbefall vorbeugen Fungizide einmischen u. U. wuchshemmend

Kulturverfahren

Kulturverfahren von Miniaturpoinsettien
Kulturverfahren von Poinsettien-Stämmchen

1. Mini-Poinsettien

Angebotsformen:
Mini-Eintrieber (Singles) = 6 cm Topf, Kulturdauer 8-10 Wochen
- Mini-Mehrtrieber (Multis) = 6,5-8 cm Topf, Kulturdauer 10-13 Wochen, Pflanzenhöhe und -durchmesser je nach Topfgröße 16-20 cm * 3-4 Brakteen
- Tischpoinsettie = Mehrtrieber im 9-10 cm Topf

Kulturbeginn:
Eintrieber Woche 34-40
- Mehrtrieber 14 Tage früher für gleichen Blühtermin

Kulturverfahren:
- zugekaufte, getopfte Pflanzen = nach 1-2 Tagen mit dem Düngen, Hemmen, Stutzen oder Verdunkeln beginnen
- mit Wurzelballen aus Anzuchttöpfen gelieferte Pflanzen = sofort in den Endtopf topfen
Dauer der Durchwurzelungsphase ca. 1 Woche bei 20-22° C
- Kallusstecklinge und unbewurzelte Stecklinge = sofort in den Endtopf stecken
Beginn der Abhärtung bei Kallusstecklingen nach ca. 1 Woche, sonst nach 2 Wochen
Stutzen 12-16 Tage nach dem Stecken

Platzbedarf:
zur besseren Standfestigkeit die Töpfe in Systempaletten aufstellen
- Eintrieber:
50-70 Pflanzen pro Nm2
- Mehrtrieber:
im 8 cm Topf 25-35 Pflanzen pro Nm2
im 6,5 cm Topf 30-42 Pflanzen pro Nm2

Bewässerung:
problematisch bei kleinen Töpfen, bis zu zweimal täglich, Vliesmatten günstig

Verdunkelung:
sofort nach der Bewurzelung bei Eintriebern
- bei Mehrtriebern, wenn der Austrieb ca. 1,5 cm lang ist
für extrem kleine Pflanzen sofort nach dem Stutzen

Hemmstoffbehandlung:


2. Ampeln

Kulturverfahren:
Jungpflanzen direkt in die seitlichen Löcher der Ampeln pflanzen

- Kulturbeginn ab Woche
29 = mit Verdunkelung
31 = mit und ohne Verdunkelung je nach gewünschter Größe
32-33 = wichtigster Termin -> Normalkultur

- Pflanzenzahl 5-7 Stecklinge pro Ampel

Pflanzgefäße:
spezielle zweiteilige Ampeln, unterer Gefäßteil mit Öffnungen für die Pflanzenstiele -> 20 und 25 cm Durchmesser

Hemmstoffbehandlung:


3. Pyramiden

Kulturbeginn:
Eintopfen der Jungpflanzen in 8-11 cm Töpfe, frühester Beginn Woche 22 -> üblich in Woche 24-26
umtopfen in 3 l (späte Sätze) bis 8l Container (frühe Sätze) nach ca. 4 Wochen direkt in den Endtopf topfen möglich

- Pflanzenhöhe 0,7-1,0 m
- weiter Stand gewährleistet eine ausreichende Zahl von Seitentrieben

Formgebung:
kein Stutzen des Haupttriebs
- Förderung des Streckungswachstums durch GA3-Behandlungen
zwei Spritzungen mit entweder 50 ppm Auxilin 90 % oder 0,015 % Gibberellinsäure 3-4 und 7-8 Wochen nach dem Topfen führen zu einer zusätzlichen Kulturzeitverkürzung
- zusätzlich gezieltes Formatieren durch Ausbrechen einzelner Triebe

Verdunkelung:
für den Verkauf vor Advent (Woche 48) ab Woche 37/38 je nach Sorte verdunkeln

Sorten:
nur V 17-Sorten, am besten Regina geeignet


4. Hochstämme
Kulturbeginn:
üblich ab Woche 22-24, durch frühes Topfen positive Wirkung auf die Stammentwicklung und das Astgerüst 1. Ordnung
gleichzeitig wird das Kronenvolumen größer, die Anzahl an Endtrieben nimmt zu und die Pflanzen bilden größere Brakteen

- Topfen der Jungpflanzen in 11 cm Töpfe
Endtopfgröße abhängig vom Kulturbeginn 5l-Container für frühe Sätze ab Mai
bis 13 cm Töpfe bei späten Sätzen -> Ende Jun-Anfang Jul
direkt in den Endtopf topfen möglich

Formgebung:
ein- bis zweimal stutzen je nach Produktionsziel -> 10 Triebe 1. Ordnung anstreben
Termin des 1. Stutzens abhängig von der gewünschten Stammlänge -> 1,5 cm der Spitze entfernen
je später nach dem Topfen gestutzt wird, desto länger wird der Stamm und umso kleiner die Krone
- 2. Stutzen für eine gut aufgebaute, vieltriebige und stabile Krone
die unteren Zweige der Krone auf 2-3 Blätter stutzen, die oberen auf 3-4 Blätter -> durchwachsende Triebe entfernen
den zeitlichen Abstand zwischen Topfen und den Stutzterminen jeweils im ein Drittel verringern, z.B.

Topfen bis 1. Stutzen 10 Wochen
1. Stutzen bis 2. Stutzen 7 Wochen
2. Stutzen bis KT-Beginn 5 Wochen
bei längeren Zeitabständen besteht die Gefahr der Kopflastigkeit der Krone und des Ausreißens von Seitentrieben
- für Kleinstämmchen einmaliges Stutzen ausreichend, ca. 6-8 Wochen nach dem Topfen
- rechtzeitiges Rücken ist Voraus-setzung für einen guten Pflanzenaufbau

Entfernen der Seitentriebe:
während der Stammentwicklung vor dem 1. Stutzen Triebe > 2,5 cm Länge entfernen, Triebe für den Kronenaufbau erhalten -> ca. 10 Triebe

Entblättern des Stammes:
4-5 Wochen vor Beginn des Verkaufs mit einem scharfen Messer, die Blätter dienen bis dahin als Assimilationsfläche
- den Blattstiel 2 cm vor dem Blattansatz abtrennen, Stiel fällt kurzfristig ab
geringer Latexfluß, aber keine Wunde am Stamm und geringe Krankheitsgefahr

Topfen Stutzen KT ab Verkauf ab Endstand Produkt
Woche Woche Woche Woche Pfl./Nqm
32 33 nat. 48-49 08. Okt sehr groß
33 34 \" 48-49 10. Dez groß
34 35 \" 48-49 Dez 14 mittelgroß

Hemmstoffbehandlung:

Gibberellinsäurebehandlung:
Steigerung des Längenwachstums bis zum Stutzen
- zweimal 50 ppm Auxilin 90 % im Spritzverfahren
1. Spritzung ca. 4 Wochen, 2. Spritzung ca. 7 Wochen nach dem Topfen


5. Mehrtrieber

Kulturbeginn:
bestimmt entscheidend die Pflanzengröße
üblich zwischen A Jul (Woche 28) und E Aug (Woche 34)
- Normalkultur ohne Verdunkelung ab Woche 32 (Großpflanzen) bis Woche 34 (mittelgroße bis kleine Pflanzen)
- verdunkelte (gesteuerte Kultur) ab Woche 28 (Großpflanzen)
bis 32 (mittelgroße-kleine Pflanzen)

- der Zeitraum für die vegetative Entwicklung ist entscheidend für die Pflanzengröße -> steigt mit zunehmender Dauer liegt die Langtagphase von A Aug-A Sep, genügt für eine ausreichende Entwicklung ein Zeitraum von 3-4 Wochen
bei Spätsätzen sollte die Phase auf 4-5 Wochen verlängert werden


6. Eintrieber

Kulturdauer:
ca. 11-13 Wochen, davon 2-4 Wochen für die vegetative Entwicklung -> Reaktionszeit 8 bis 10 Wochen
spätester Vermehrungstermin 10. Sep
- Topfgröße 8-10 cm
- Platzbedarf 15-20 Pflanzen/Nqm garniert, 22-28 Pflanzen/Nqm nicht garniert


Topfen Stutzen KT ab Verkauf ab Endstand Produkt
Woche Woche Woche Woche Pfl./Nqm
28 29 33 41-42 Dez 14 mittelgroß
28 29 34 42-43 10. Dez groß
28 29 35 43-44 8-10 sehr groß
30 31 35 43-44 Dez 14 mittelgroß
30 31 36 44-45 10. Dez groß
30 31 37 45-46 08. Okt sehr groß
32 33 37 45-46 16-18 klein
32 33 38 46-47 14-16 mittelgroß

Höhenkontrolle

Ziele:
Pflanzenqualität erhöhen durch kompaktere Pflanzen
Flächenproduktivität erhöhen durch mehr Pflanzen pro m2


Möglichkeiten dafür sind:

  • Sortenwahl
  • ausreichend weiter Stand, vor allem zu Kulturbeginn rechtzeitig rücken -> mehr Seitentriebe
  • frühzeitiger Kurztagbeginn
  • helle Kulturführung
  • nicht zu leichte Substrate
  • leicht kaliumbetont düngen
  • trocken kultivieren -> kein Wassermangel
hohe Pflanzen gedrungene Pflanzen
  • stark wachsende Sorten
  • hohe Temperatur
  • hohe Beleuchtungsstärke
  • viele Langtage
  • hohes Nährstoffangebot
  • enger Stand
  • häufiges Wässern
  • wenige Hemmstoffbehandlungen
  • später Behandlungsbeginn
  • frühes Behandlungsende
  • schwach wachsende Sorten
  • niedrige Temperatur
  • niedrige Beleuchtungsstärke
  • wenige Langtage
  • niedriges Nährstoffangebot
  • weiter Stand
  • seltenes Wässern
  • häufige Hemmstoffbehandlungen
  • früher Behandlungsbeginn
  • spätes Behandlungsende


Wachstumsregulatoren

Grundsätzlich sollte folgendes Beachtung finden:

  • Standweite: enger Stand und starke Schattierung fördern das Streckungswachstum
  • Einstrahlung: hohe Beleuchtungsstärke während der Kulturzeit führt zu größeren Pflanzen, auch stärkere Streckung in Phasen mit hoher Einstrahlung (Anzahl der Behandlungen evtl. erhöhen)

Der Zeitpunkt des Einsatzes von Wachstumsregulatoren hat Vorrang vor der Häufigkeit, da der Zustand der Pflanze entscheidet ist und nicht die Einhaltung von Spritzterminen. Dies beeinflusst auch die Häufigkeit, die abhängig ist von Faktoren wie Sorte, Topftermin, Düngung, Temperatur, Substratfeuchte, Witterungsverlauf und ebenso wie vom gewünschten Staucheeffekt, der mit der Anzahl der Anwendungen steigt. Der Zeitpunkt und die Häufigkeit verändern sich im Einzelfall, da abhängig von Außenbedingungen sind.


Der Standard zur Wachstumsregulierung ist das Spritzverfahren mit Cycocel 720. Dabei ist zu beachten, dass die Pflanzen bei der Spritzung tropfnaß sein müssen. Der Topfballen muss normal feucht sein, die Pflanzen turgeszent und der Wurzelballen muss noch einige Tage nach der Behandlung feucht bleiben. Für eine gute Benetzung sind freintropfige Düsen zu wählen. Gespritzt wird bei ungefähr 5 bar. Bei Konzentrationen über 0,15% sind Blattschäden möglich. Niemals bei direkter Sonneneinstrahlung spritzen.

Bei Mehrtriebern kann sich in Abhängigkeit von der Wuchsstärke bei einem Topftermin von Woche 30 - 32 folgende Häufigkeit angenommen werden:

  • 1 - 3 mal schwach wachsende Sorten
  • 3 - 5 mal mittelstark wachsende
  • 5 - 6 mal stark wachsende

Bei schwach wachsenden Sorten mit einer Vorgabe von 3 Spritzungen sind folgende Zeitpunkte planbar:

  • 1. Behandlung = nach dem Stutzen, Austrieb 1 bis 1,5 cm lang, Verkürzung des Internodiums bis zum 1. Blatt
  • 2. Behandlung = je nach Temperatur E Aug/A Sep, > 35° C keine Nettoassimilation
  • 3. Behandlung = Ende September für endgültige Form, kein Durchwachsen einzelner Triebe

Bei stark wachsenden Sorten und frühem Kulturbeginn (vor Woche 30) liegt der Behandlungsbeginn vor dem Stutzen, dadurch Internodien zwischen Stengel und erstem Laubblatt verkürzt

  • 1. Behandlung drei bis vier Tage vor dem Stutzen mit einer Konzentration von 0,06 bis 0,1 %
  • nach dem Stutzen zweite Behandlung, wenn die Triebe 1 - 1,5 cm lang sind bzw. der Austrieb das Mausohrstadium erreicht hat (7 bis 9 Tage nach dem Stutzen), Blätter 0,5 cm lang Konzentration der Behandlung 0,15 %
  • danach regelmäßige Spritzungen in der gleichen Konzentration nach Bedarf

Kleine Mehrtrieber (Midis) mit Kulturbeginn Woche 35 bis 36 haben einen stark abnehmenden Hemmstoffbedarf wegen verkürzter Langtagdauer und abnehmender Einstrahlung im September (geringe Wachstumsrate)

  • Austriebslänge bei KT-Beginn 2 bis 3 cm
  • Behandlung max. einmal vor dem Stutzen bei stark wachsenden Sorten
  • nächste Spritzung in den ersten 2 bis 4 KT-Wochen, vorher ist eine Behandlung kritisch, Blattfläche verringert, damit Induktion verspätet und Brakteen verkleinert

Bei Eintriebern nach der Durchwurzelung beginnen

Bei Minis Beginn nach der Bewurzelungsphase

  • 2 - 3mal wöchentlich (0,1 bis 0,15 % )
  • letzte Behandlung 3 bis 5 Wochen vor der Verkaufsreife, bei Normalkultur nicht mehr nach dem 15. Okt
  • bei sonnigem Wetter Blattverbrennungen durch Chlorid möglich

Bei Stämmchen wird kurz vor dem Erreichen der gewünschten Stammhöhe mit 0,15 % gespritzt, damit wird der Internodienabstand der kronenaufbauenden Triebe nicht zu lang

  • nach dem Stutzen erfolgen nach dem Austrieb regelmäßig Spritzungen mit gleicher Konzentration nach Bedarf
  • Behandlungsende bei Kurztagsbeginn
  • Beginn ca. 2 bis 3 Wochen nach dem Stutzen mit 0,15 %
  • nach Bedarf wiederholen, aber nicht in der Woche eines eventuellen 2. Stutzens durch Behandlung nach dem letzten Stutzen wird die Krone stabiler


Temperaturstrategien

Grundsätzlich hat die Anwendung von Diff und Drop als Grundlage zur Höhenkontrolle zur Folge, daß die chemischen Wachstumsregulatoren in die Temperaturstrategien integriert werden. Durch die Minimierung des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln, kann das Image des Zierpflanzenbaus in der Öffentlichkeit verbessern.

DIF-Methode Pflanzenentwicklung: das Wachstum der Blätter und Blüten wird im wesentlichen durch das Wärmeangebot beeinflußt
dabei kommt der TMT die entscheidende Rolle zu.

Streckungs- und Blattflächenwachstum: im wesentlichen durch die TT und Tempera- turdifferenz zwischen TT und NT beeinflußt
- steigende TT und steigende Temperaturdifferenzen bei hoher TMT fördern das Streckungswachstum von Blatt und Sproß


Cool-Morning-Methode oder auch Drop-Strategie

Wirkung der Strategie cool-morning
Wirkung der cool-morning Strategie bei Poinsettien

Tagesdurchschnittstemperatur: Ziel der Methode ist im Spätsommer die Verminderung der TMT durch kurzzeitige Temperaturabsenkung in den frühen Morgenstunden -> kritische Temperaturschwelle 10 bis 12° C
- damit Reduzierung des Streckungswachstums
der Effekt steigt mit Zunahme der Temperaturabsenkung -> Dauer ca. 4 Stunden
- eine Kulturzeitverlängerung wird ausgeschlossen, indem die angestrebte TMT evtl. durch die Anhebung der NT sichergestellt wird
Nachteil ist die Erhöhung des Botrytisrisikos
- neben der Pflanzengröße werden auch die Blattfläche und der Brakteendurchmesser beeinflußt -> gilt auch für DIF


Feuchte

Luftfeuchte: verstärktes Streckungswachstum (Internodien und Blätter) bei hoher Luftfeuchte -> begünstigt durch engen Stand und/oder doppelverglaste Häuser, Mattenbewässerung

  • Verdunstungspotential gesenkt durch Anstautische, Fließrinnen, weiten Stand
  • geringe Luftfeuchte verstärkt den Wasserstreß -> Vakuolen kleiner

Substratfeuchte: Pflanzenhöhe mehrtriebiger Poinsettien durch Halbierung des Wasserangebots um ca. 20 % reduziert

  • Beschränkung auf die vegetative Phase vermeidet nachteilige Wirkungen auf Brakteenwachstum und Blütenbildung
  • nachteilig sind die besonders starke Hemmung der unteren Triebe, das Blattfallrisiko (besonders ‘Angelika’), Blattrandnekrosen und Wässern von Hand zur Wiederbefeuchtung bei Ballentrockenheit

Düngung

Gesamtnährstoffbedarf:
der N- und K2O- Bedarf bestimmen die anvisierte Pflanzengröße

Entzug *mg N* Höhe [cm] Durchmesser [cm]
Eintrieber 200- 300 20 20
Mehrtrieber klein 500- 600 20- 25 40
Mehrtrieber mittel 600- 700 30 45
Mehrtrieber groß 800-1200 35- 40 45- 50
Stämmchen 2000-4000 80-100 100-120

Nährstoffverhältnis:
harmonische Ernährung durch ausgewogenes Verhältnis aller Nährstoffe, das eine artspezifische Größe ist

N : P2O5 : K2O  : MgO
1 : 0,3 : 1 : 0,3
  • in Erdkulturen genügt die Beachtung des N
  • K2O- Verhältnisses, wenn die übrigen Nährstoffe annähernd dem Bedarf verabreicht werden
  • N : K2O = 1 : 1
  • das Nährstoffverhältnis bestimmt die Auswahl des geeigneten Düngers
  • z.B. 15*10*15

Molybdänbedarf:
bei Poinsettien besonderer Bedarf, wird gedeckt durch Beimischung von 6-10 g Natrium- oder Ammoniummolybdat pro m3

  • Mangel auch induziert bei pH-Werten < 6 -> Festlegung
  • Regulation durch Gießen mit Kalkwasser (1g Branntkalk pro l, 100 ml Lösung pro 12 cm Topf) -> 1-2 mal anwenden in 12-14 Tagen
  • akuten Mangel beheben durch Blattspritzungen (0,015-0,02 Na- oder NH4- Molybdat)

Düngungsverfahren:
Grunddüngung mit wasserlöslichen Salzen oder Depotdüngern

Richtwerte für das Substrat (mg/l)
N P2O5 K2O Salz
bis Woche 5 180 180 250 1000 - 2000
ab Woche 6 200 180 400 1800 - 2300
Kulturende 50 - 150 150 - 300 100 - 250 < 3000
  • geeignete Industriesubstrate sind Einheitserde P, TKS 1 oder Floraton 1
  • die höher aufgedüngten Topfsubstrate haben einen zu hohen Salzgehalt, der zu Wachsstumsverzögerung und Wurzelverbrennungen führen kann
  • bei Eigenherstellung werden die Richtwerte nach einer Substratanalyse eingestellt
  • bei Verwendung nährstoffhaltiger Basissubstrate Grunddüngung erst nach einer Substratanalyse (z.B. Kompost )
  • bei höheren Salzkonzentrationen Gefahr von Wurzelerkrankungen erhöht
  • flüssige Nachdüngung mit MND (Mehrnährstoffdünger) mit einem N : K2O-Verhältnis von 1 : 1 z.B. 15*10*15
  • bei starker pH-Wertveränderung des Substrats (bedingt durch hartes oder weiches Gießwasser) Auswahl eines nitrat- oder ammoniumbetonten MND, Verwendung von Einzeldüngern oder Anwendung der Zweikomponentendüngung (z.B. Basisdünger)
  • bei Einsatz eines Zweikomponentendüngers Wahl des Stickstoffdüngers in Abhängigkeit des zu erwartenden pH-Wertes
    • pH-Wert sinkt = Kalksalpeter (16 % N)
    • pH-Wert steigt = schwefelsaures Ammoniak (21 % N)
    • pH-Wert bleibt konstant = Ammonium-nitrat (35 % N)
Konzentration bei Intervalldüngung (Dünger mit 15 % N)
Pflanzengröße Düngermenge Düngungen/Woche
Eintrieber:
Kleinpflanzen (10 cm-Topf) 1,5 g/l 1 x
Großpflanzen (11 cm-Topf) 1,5 g/l 2 x
Mehrtrieber:
Kleinpflanzen (11 cm-Topf) 1,5 - 2,0 g/l 1 x
mittlere Pflanzen (12 cm-Topf) 3,0 g/l 1 x
1,5 g/l 2 x
Großpflanzen (12 cm-Topf) 2,0 g/l 2 x
Stämmchen:
(20 cm-Topf) 1,5 g/l 2 x
Konzentration bei Bewässerungsdüngung
Pflanzengröße Düngermenge
Eintrieber
Kleinpflanzen (10 cm-Topf) 0,8 g/l
Mehrtrieber
Kleinpflanzen (11 cm-Topf) 0,6 g/l
mittlere Pflanzen (12 cm-Topf) 0,8 g/l
Großpflanzen (12 cm-Topf) 1,0 g/l


Konzentration der Wachstumsphase anpassen:

  • in der Hauptwachstumsphase erhöhen = 120 % der mittleren Konzentration
  • während der Brakteenentwicklung senken = auf 80 % der mittleren Konzentration
  • Düngung über Depotdünger: Deckung des gesamten Bedarfs möglich
    • Risiko wegen der starken Abhängigkeit der Nährstofffreisetzung von der Temperatur > 20° C rasche Freisetzung, kann zu Pflanzenschäden führen
  • Gefahr von Salzschäden größer bei nicht umhüllten Düngern, da alle Nährstoffe außer Stickstoff leicht löslich sind (z.B. Triabonkunststoffumhüllte werden bei hoher Vorratsdüngung besser vertragen)
  • Deckung eines Teilbedarfs sinnvoll, aber nicht über 50 % des Gesamtbedarfs = ca. 3 kg/m3 (15 % N)
  • Dünger erst unmittelbar vor dem Topfen einmischen
  • Beginn der Nachdüngung 3-4 Wochen nach dem Topfen mit einer um 30-50 % verringerten Konzentration


  • Düngungsende pauschal 2 Wochen vor Verkaufsbeginn, bzw. wenn der N-Gehalt im Substrat auf 150 mg/l abgesunken ist = Verbesserung der Haltbarkeit

Nährstoffmangel:
zeigt sich gewöhnlich als Blattaufhellung und/oder mißgestaltete Blätter oder Brakteen

  • Kalimmangel = Ränder älterer Blätter zunächst chlorotisch, dann unmittelbar folgend Nekrosentritt häufig im frühen Herbst auf, wenn die Sätze schnell wachsen
  • Calciummangel = später an den Brakteen bräunlich-schwarze Randnekrosen Behandlung mit ca. 4 CaCl-Spritzungen ab der 5./6. Kurztagwoche (auf vorhandene Brakteen)


pH-Wert:

Pflanzenschutz

Bei Poinsettien sind Pilzkrankheiten über die gesamte Kulturzeit ein entscheidender Risikofaktor, den man nicht aus den Augen verlieren darf. Eine große Bedeutung kommt den bodenbürtigen Erregern zu, da die Symptome an der Pflanze erst bemerkbar sind, wenn es für eine Bekämpfung bereits zu spät ist (siehe dazu Euphorbia pulcherrima Schadbilder). An oberirdischen Pflanzenteilen ist bisher nur Botrytis von großer Bedeutung, es wurde aber schon ein Echter Mehltau an Poinsettien beobachtet, der zu einem weiteren Problem werden könnte. Bei der großen Zahl der Erreger ist es wichtig, vor und während der Kultur alles mögliche zu unternehmen, um krankheitsfördernde Faktoren auszuschalten.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Stellflächenreinigung/-desinfektion
  • Flächenplanung für ausreichende Standweite
  • Wahl eines durchlässigen und strukturstabilen Substrates
  • Vernässung vermeiden
  • rechtzeitiges Rücken
  • CCC- Gießbehandlung möglichst vermeiden
  • Substratanalysen durchführen
  • geeignete N- Form wählen
  • kranke Pflanzen sofort entfernen

Durch Gegebenheiten in der Kultur sind manche Krankheiten in bestimmten Abschnitten besonders oft anzutreffen.

Kulturphase Kulturwoche typische Bedingungen begünstigte Krankheit
Steckling 1-2
  • hohe Temperatur
  • hohe Luftfeuchte (ca. 90 %)
  • weiches Gewebe
  • Schnittstelle
Pythium, Rhizoctonia, evtl. Botrytis
Jungpflanze 3-5
  • hohe Temperatur
  • hohe Luftfeuchte (ca. 75 - 80 %)
  • Wurzelverletzungen
Pythium, evtl. Rhizoctonia und Botrytis
Aufbauphase 6-11
  • hohe Luftfeuchte im Bestand (oder unter Verdunklungsfolie)
  • Einfluß der Düngung (Salzgehalt, pH- Wert)
  • Einfluß des Gießwassers (pH- Wert)
Pythium, Chalara, Botrytis
Fertigpflanze 12-14
  • Temperaturabsenkung Substrat Luft
  • hohe Luftfeuchte im Bestand
  • Einflüsse von Düngung u. Wasser
Pythium, Chalara, Botrytis

Eine chemische Bekämpfung sollte im Optimalfall nur nach einem Befall stattfinden, oft kann man jedoch das Krankheitsrisiko durch vorbeugende Behandlungen mindern. Aktuelle Zulassungen in PS Info (Pflanzenschutz-Informationssystem). http://www.ps-zierpflanzenbau.de

Als tierische Schädlinge sind insbesondere die Weißen Fliegen problematisch. Eine Übersicht der Schädlinge mit Schadbildern und weiter Informationen dazu auf der Seite Euphorbia pulcherrima Schadbilder.

Quellen

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Sautter und Stepper GmbH (1995): Firmenprospekt

Burghause Dr. F., Konrad, H-W (1995): Biologische Bekämpfung der Weißen Fliege an Poinsettien-schon vielfach bewährt. In: Informationen für den Zierpflanzenbau. 6/95. 


Einzelnachweise


Weblinks