Kohlrabi

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Kohlrabi
Brassica oleracea var. gongylodes
Linné
Synonyme
Oberkohlrabi, Oberrübe, Rübkohl, Stängelrübe
Sortenmerkmale-Kora-3-SLFA-JS.JPG
Kohlrabipflanze
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung Kreuzblütlerartige
Brassicales
Familie Kreuzblütler
Brassicaceae
Gattung Kohl
Brassica

Der Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) ist eine Art in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Wie der Brokkoli und der Blumenkohl ist er eine Zuchtform des Gemüsekohls (Brassica oleracea) allerdings mit verändertem Strunk. Kohlrabi wird vorwiegend im Freiland angebaut und zum Teil unter Folie verfrüht. Die Kultivierung im Frühjahr im Gewächshaus ist nur in geringem Ausmaß anzutreffen.


Anbau

Der Anbau von Kohlrabi erfolgt zum großen Teil als als Pflanzkultur im Freiland. Es gibt aber auch einen vereinzelten Kohlrabianbau als Pflanzkultur in Gewächshäusern. Für den großflächen Anbau zur Belieferung von Frosterereien usw. hat sich auch die Direktsaat-Kultur im Freiland bewährt. Hierfür nimmt man spezielle Sorten, dei auch noch bei einem Knollengewicht von 1,5 kg oder mehr zart bleiben bzw. nicht holzig werden.
In Selbstversorger Gärten hat die enorm groß werdende, und trotzdem noch zart bleibende Sorte ´Superschmelz´ eine gewisse Bedeutung. Beim Anbau dieses Riesenkohlrabis kann man Knollen von über 7 kg ernten.

Anbauplanung Freiland Frischmarkt-Versorgung

Mit Hilfe einer wöchentlichen Kohlrabi-Pflanzung im Freiland und Benutzung von vorgezogenen Jungpflanzen, z.B. in 4 cm Erdpresstöpfen, wird eine kontinuierliche Marktbelieferung von Mai bis Oktober möglich.

Freiland-Kohlrabi: Daten für die Anbauplanung zur kontinuierlichen Frischmarktbelieferung
Saatdatum Anzuchtdauer Pflanzdatum Kulturdauer Erntebeginn
01.01.   60 Tage 01.03.       63 Tage 04.05.
07.01.   60 Tage 07.03.       58 Tage 05.05.
20.01.   55 Tage 15.03.       54 Tage 09.05.
03.02.   50 Tage 23.03.       51 Tage 14.05.
15.02.   45 Tage 04.04.       48 Tage 19.05.
25.02.   41 Tage 07.04.       47 Tage 24.05.
08.03.   37 Tage 15.04.       46 Tage 01.06.
26.03.   34 Tage 01.05.       44 Tage 15.06.
28.04.   32 Tage 01.06.       42 Tage 13.07.
13.06.   32 Tage 15.07.       42 Tage 27.08.
28.06.   32 Tage 01.08.       44 Tage 15.09.
13.07.   32 Tage 15.08.       50 Tage 05.10.
17.07.   35 Tage 22.08.       53 Tage 15.10.
20.07.   38 Tage 28.08.       58 Tage 20.10.

Blüten, Schoten und Saatgut

Kohlrabi Samen sind kugelig und haben meist einen Durchmesser von 2-3 mm. Die Tausen-Korn-Masse (TKM) beträgt 3-6 g. 1 Gramm Samen enthält 160-330 Körner.
Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestkeimfähigkeit für Kohlrabi Saatgut beträgt 75%. Das ist für die moderen Jungpflanzenanzucht mit Direktsaat in Kleintopfsystemen zu wenig. So bieten denn auch die Saatgutbetriebe hochkeimfähiges Saatgut unter dem Begriff "Präzisionssaatgut" an. Laut ESA-Standard hat es eine Mindeskeimfähigkeit von 90% und eine Sortenreinheit von 93%. Es wird in 0,25 mm Abstufungen kalibriet. Die übliche Größen sind: 1,50-1,75 mm und 1,75-2,00 mm und 2,00-2,25 mm.
Der Fachhandel bietet Kohlrabi Normalsaatgut in Kleinmengen von 2g, 5g, 50g, 100g und 250g an. Profi-Anbauer verwenden meist Präzisionssaatgut, das Stückweise in Einheiten von 500, 1.000, 2.500, 5.000, 10.000 oder 100.000 angeboten wird.

Kohlrabi Zucht- und Saatgutbetriebe

Wer Kohlrabi im größeren Umfang anbaut, sollte alle wichtigen Zucht- und Saatgutbetriebe kennen und bei Bedarf Kontakt zu den jeweiligen Fachleuten aufnehmen.


Kohlrabi Sortenwahl

Entscheidend für einen erfolgreichen Kohlrabianbau ist die richtige Sortenwahl. Auf jeden Fall sollte eine Sorten für eine der folgenden Anbauorte bzw. Termine geeignet sein:
A) Gewächshausanbau

  • Frühjahrsanbau
  • Herbstanbau

B) Freilandanbau
a) Frischmarkt: Meist Knollendurchmesser 7-10 cm

  • Ernteverfrühung unter Vlies und Folie
  • Sommeranbau
  • Herbstanbau

b) Industrie: Meist Knollendurchmesser über 10 cm

Kohlrabi Fotos


Pflanzenanzucht

Der Anbau von Kohlrabi erfolgt zu einem Großteil als Pflanzkultur. Die größte Bedeutung dabei hat er Erdpresstopf. Dabei werden machinell die Erdpreßtöpfe von z.B. 4 cm erstellt und automatisch je Topf ein Kohlrabisamen in Präzisionssaatgutqualität eingelegt.

Keimtemperaturen:
Bei empfindlichen Kohlrabi Sorten können zu niedrige Keimtemperaturen eine spätere Herzlosigkeit bei den Jungpflanzen hervorrufen. Des weiteren können ab den 5-Blattstadium der Jungpflanzen Temperaturen unter 14°C ein zu frühes Schossen und auch die unerwünschte "Flaschenbildung" hervorrufen. Aus diesem Grunde ist eine Optimierung der Anzuchttemperatur sehr wichtig. Zu Keimung empiehlt sich eine Temperatur von 18-20°C. Ab dem 5-Blattstadium eine Temperatur von über 14°C einstellen.
Die Keimung beträgt je nach Temperatur bei 10°C circa 20 Tage, bei 15°C rund 10 Tage ubei 20°C rund 6 Tage und bei 25°C etwa 5 Tage.

Flaschenbildung und Blütenbildung

Vorallem beim Kohlrabianbau im frühen Frühjahr kann es zu Ertragsausfällen oder Qualitätsproblemen kommen. Niedrige Temperaturen im Beerich von 5-12 °C, vor allem während der Anzucht, können die Bildung langer Knollen (Flaschenbildung) und auch Schosser bewirken. Temperaturen von >16°C können sogar eine begonnene Flaschenbildung stoppen (Devernalisation). Am sichersten sind Temperaturen von 20-25°C. Bei gleichen Durchschnittstemperaturen sind Tag-/Nachtemperaturen von 12/12°C riskant, dagegen 22/2°C kaum.


Nährstoffversorgung und Düngung

Ernteverfrühung

Knollenform und Schosserbildung
Zur Verhinderung länglicher Knollen oder einer Schosserbildung im Frühanbau ist neben der richtigen Sortenwahl und einer warmen Anzucht eine Vlies-, Folien- oder sogar einer Doppeldeckung sinnvoll.
Eine Doppelbedeckung etwa bis zum 1. April ist vorteilhaft und zur Bildung schöner Knollen vorteilhaft. Ergeben sich durch die Bedeckung Temperaturen von >16°C kann sogar eine begonnene Flaschenbildung gestoppt werde (Devernalisation). Am sichersten sind Temperaturen von 20-25°C. Bei gleichen Durchschnittstemperaturen sind Tag-/Nachtemperaturen von 12/12°C riskant, dagegen 22/2°C kaum.
Abnahme der Doppelbedeckung
Eine längere Doppelbedeckung ist nur überlegenswert, wenn unter der Doppelbedeckung die Tagestemperaturen noch unter 25°C liegen. Gegen Ende der Doppelbedeckung können bei Frost die an der Bedeckung anliegenden Blätter erfrieren. In der Praxis kam es bei benachbarten Beständen, die nur mit Vlies bedeckt waren, nicht zu Schäden.
Temperatursumme
Bisher galt eine Temperatursumme von 300°C als brauchbar. 2008 schien ein Wert von 400°C vorteilhaft.

Die Hinweise beruhen auf mehrjährigen Durchschnittswerten.
Anbaumethode Art der Bedeckung Bedeckungsdatum Abnahmetermin (spätestens) Erntebeginn ab ...
obere Bedeckung untere Bedeckung
nach Datum nach Datum
5 cm ET Vlies/Folie 01. März 4 Wochen 01. April 8 Wochen 28. April 28. April
4 cm ET Folie 10. März - - 8 Wochen 05. Mai 09. Mai

ET = Erdtopfgröße in cm

Hauptartikel: Ernteverfrühung im Freilandgemüsebau


Pflanzenschutz

Beim Anbau von Kohlrabi muß mit einer ganzen Reihe von Krankheiten und Schädlingen gerechnet werden, die zu erheblichen Ausfällen oder auch zu einer Qualitätsminderung führen können. Weiter Inforamtionen dazu in den folgenden Hortipendium Artikeln.


Unkrautbekämpfung

Die Unkrautbekämpfung im Kohlrabianbau erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden. Im Einzelfall kann auch der Anbau in Mulchfolie hilfreich sein.
Detailierte Informationen zur Unkrautbekämpfung in Kohlrabi Pflanzenschutz.


Ernte

Beim Kohlrabi ist im Stadium der üblichen Ernte der Spross extrem gestaucht und bildet eine Sprossknolle. Vor allem an der oberen Knollenhälfte sind die Blätter mit ihren Blattstielen angeordnet. Die übliche Knollenfarbe ist weiß. Es gibt aber auch einige Sorten mit einer blauen Schale. Da die Schale vor dem Verzehr entfernt wird, hat dass zu verzehrende Produkt die gleiche Farbe wie die üblichen, weißknolligen Sorten.
Die Ernte von Kohlrabi erfolgt, zumindest zur Versorgung des Frischmarktes, immer noch von Hand.


Kohlrabi Saisonkalender

Gemüse aus der Region kaufen und saisonal verzehren ist meist für den Verbraucher preislich vorteilhaft und bringt ökologische Vorteile. Die Transporte bleiben kurz und die Ware ist im Normalfall nach der Ernte schnell beim Verbraucher. In einem speziellen Saisonkalen der Gemüsearten sieht man an Hand einer großen Grafik, wann einheimischer KOhlrabi, auch im Vergleich zu anderen Gemüsearten, am Markt angeboten wird.


Kohlrabi Anbauflächen in Deutschland

Freilandanbau

Wie sich der Freiland Kohlrabi Anbau in Deutschland entwickelt hat, zeigt die folgende Tabelle. Die größte Anbaufläche seit 1992 gab es im Jahre 2008 mit 2.317 ha .

Freiland Kohlrabi Anbauflächenentwicklung in Deutschland in ha
Jahr ha
1992
  
1856
1996
  
2214
2000
  
2108
2004
  
2294
2008
  
2317
2012
  
2088
2016
  
1831
2017
  
1910
2018
  
1730
Quelle: Statistisches Bundesamt


Gewächshausanbau

Wie sich die Gewächshaus Anbaufläche von Kohlrabi in Deutschland entwickelt hat, zeigt die folgende Tabelle.

Gewächshaus Kohlrabi Anbauflächenentwicklung in Deutschland in ha
Jahr ha
1995
  
79
2000
  
50
2007
  
39
Quelle: Statistisches Bundesamt


Wert als Nahrungsmittel

Kohlrabi, roh
Nährwertinformationen pro 100g
Kilokalorien 24 kcal
Kilojoule 102 kJ
Wassergehalt 91 g
Eiweiß 2.0 g
Fett 0.1 g
Kohlenhydrat 6.2 g
Rohfaser 1.4 g
Mineralien
Calcium (Ca) 24 mg (2%)
Kalium (K) 350 mg (7%)
Natrium (Na) 20 mg (1%)
Eisen (Fe) 0.4 mg (3%)
Phosphor (P) 46 mg (7%)
Selen (Se) 0.7 μg
Zink (Zn) 0.3 mg (3%)
Vitamine
Vitamin A (Retinol) 2 μg (0%)
Vitamin B1 (Thiamin) 0.05 mg (4%)
Vitamin B2 (Riboflavin) 0.002 mg (0%)
Vitamin B3 (Niacin) 0.4 mg (3%)
Vitamin B5 (Pantothensäure) 0.165 mg (3%)
Vitamin B6 (Pyridoxin) 0.15 mg (12%)
Vitamin B12 (Cobalamine) 0 μg (0%)
Vitamin C (Ascorbinsäure) 75 mg (125%)
Vitamin D (Cholecalciferol) 0 mg (0%)
Vitamin E (Tocopherol) 0.48 mg (3%)
Vitamin K (Phyllochinon) 0.1 μg (0%)
Lipide (Fette)
Cholesterin ? g
Prozentangaben entsprechen den US Empfehlungen für Erwachsene.

Quelle: USDA Nutrient database
Weitere Quelle: DGE Nährwertabelle


Der Verzehr von Kohlrabi kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten.
So empfehlen z.B.

Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite
*„Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“.
Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt.

Internationale Bezeichnung

Flag of Germany.svg Deutsch Kohlrabi, Oberkohlrabi, Oberrübe
Flag of the United Kingdom (1801).png Englisch kohlrabi, german turnip, turnip rooted cabbage, turnip kale
Flag of Belgium.png Belgisch (Flämisch) kollrabi
Flag of Bulgaria.png Bulgarisch kohlrabi
Flag of Denmark (WFB 2004).gif Dänisch knudekal
Flag of Finland.png Finnisch kyssäkaali
Flag of France.png Französisch chou rave
Flag of India.png Hindi ganth gobhi
Flag of Italy (1946–2003).png Italienisch cavolo rapa
Japan flag - variant.png Japanisch korurabi
Flag of the Netherlands.svg Niederländisch koolrabi
Flag of Norway.svg Norwegisch kalrabi
Flag of Poland.svg Polnisch kalarepa
Flag of Portugal.svg Portugisisch couve rabano
Flag of Romania.svg Rumänisch gulia
Flag of Russia.svg Russisch kol´rabi
Flag of Sweden.svg Schwedisch kalrabbi
Flag of Slovakia.svg Slowakisch kolerarbica
Flag of Spain.svg Spanisch col rapano, colir rámba
Flag of Hungary.svg Ungarisch karalábé


Siehe auch zu Kohlrabi in Hortipendium


Siehe auch in Hortipendium


Quellen: Bücher

  • Erhardt Walter, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold (2002): Zander - Handwörterbuch der Pflanzennamen. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. ISBN 3-8001-3573-6
  • Fritz Dietrich und Werner Stolz (1989): Gemüsebau. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5132-4
  • Jessen Hans und Helmut Schulze (1997): Botanik in Frage und Antwort. M. & H. Schaper GmbH & Co. KG. Alfeld -Hannover. ISBN 3-7944-0186-7
  • Royal Sluis (2003): Gemüse Saatgutkatalog. Royal Sluis. Neustadt am Rübenberge. 
  • Sachweh Ulrich (1989): Der Gärtner - Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. ISBN 3-8001-1148-9
  • Vogel Georg (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaus. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1
  • Schlaghecken Josef, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Ziegler Joachim und Josef Schlaghecken, DLR Rheinpfalz Ernteverfrühung mit Folie und Vlies im Freilandgemüsebau. unveröffentlicht. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Vogel Georg (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Ulmer. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1


Quellen: Artikel

  • Schlaghecken Josef (2014): Rund um das Saatgut: Kohlrabi.. In: Gemüse. Nr. 12. Seite 35-36. 


Weblinks