Knollensellerie
| Knollensellerie | |
|---|---|
| Apium graveolens var. rapaceum | |
| Linné | |
| Synonyme | |
| Bundsellerie | |
|
Sellerieknollen
| |
| Systematik | |
| Klasse | Bedecktsamer Magnoliopsida |
| Gruppe | Eudikotyledonen |
| Kerneudikotyledonen | |
| Asteriden | |
| Euasteriden II | |
| Ordnung | Doldenblütlerartige Apiales |
| Familie | Doldenblütler Apiaceae |
| Gattung | Sellerie Apium |
Der Knollensellerie ist eine Kulturform des Selleries, die aus dessen Wildform Apium graveolens var. graveolens entstanden ist. Seine Hauptanbaugebiete liegen in Ost- und Mitteleuropa. Knollensellerie ist die Kulturform von Sellerie, die in Deutschland am meisten angebaut wird.
Inhaltsverzeichnis |
Biologie
Das Nutzungsorgan des Knollenselleries setzt sich aus drei verschiedenen Teilen der Pflanze zusammen, die sich zu einer "Knolle" vereinigen. Das obere Drittel der Knolle stellt der basale Teil des Primärsprosses dar. Der mittlere Teile besteht aus dem Hypokotyl. Das untere Drittel setzt sich aus der Wurzelbasis zusammen. Meist lassen sich diese drei Teile nicht mehr differenzieren, da sie miteinander verwachsen. Die Knolle, oder auch Sprossrübe, ensteht durch primäres Dickenwachstum des Markgewebes. Meist sind die Sprossrüben rund mit heller Außenhaut und weißer Innenfarbe.
Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze. Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Blätterrosette und die Sprossrübe bildet sich heraus. Ein Teil der Blätter des Knollenselleries ist ein- bis zweipaarig gefiedert, einige Blätter sind dreilappig. Die Blattstruktur ist unterschiedlich (feinfiedrig, mittelgrob, grobblättrig). Nach der Überwinterung entwickelt die Pflanze im zweiten Jahr einen Infloreszenzspross mit weißen Dolden aus kleinen Blüten. Der Infloreszenzspross kann eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen. Die Blüten sind zwittrig oder eingeschlechtlich. Die Vermehrung ist nur durch Fremdbefruchtung möglich.
Manche Pflanzen, sogenannte Schosser, blühen im ersten Jahr. Dies ist meist genetisch bedingt, kann jedoch auch durch Kulturbedingungen (hauptsächlich die Temperatur) ausgelöst werden.
Der Sellerie bildet eine Spaltfrucht, bestehend aus zwei Samen. Das Tausendkorngewicht der Samen beträgt 0,35 bis 0,5 Gramm.
Die Wurzeln des Selleries wachsen schräg nach unten, weshalb es zu einem sehr späten Wurzelschluss zwischen den Reihen kommt.
Anbau im Freiland
Ein wichtiger Faktor für die Standortwahl ist die Art des Bodens. Leichte Böden eignen sich für den Sellerieanbau nicht. Auf Lösslehmböden bringt er die besten Erträge mit gut lagerfähigen Knollen. Auch Niederungsmoorböden sind für den Anbau gut geeignet. Der pH-Wert des Bodens sollte zwischen 6 und 7,5 liegen.
Aussaat
Für Knollensellerie ist eine Jungpflanzenvorkultur im Gewächshaus üblich. Werden frühe Pflanztermine angestrebt, sollte die Aussaat bereits im Januar bis Anfang Februar getätigt werden. Sellerie muss nicht unbedingt pikiert werden um eine gute Knollenqualität zu erreichen.
Ein Gramm Selleriesamen führen zu etwa 1200 guten Sämlingen. Die Samen sollten bei der Aussaat nur flach oder bei genügend Bodenfeuchtigkeit am besten garnicht bedeckt werden, da Sellerie zu den Lichtkeimern gehört. Eine Zusatzbelichtung im Winter wirkt wachstumsfördernd. Eine warme Anzucht ist wichtig und sollte sichergestellt werden. Vor allem ab dem Zeitpunkt, wenn die Pflanzen bereits zwei Blätter über 2 cm Größe entwickelt haben, sollte darauf geachtet werden, dass die Temperatur nie unter 16° C liegt. Bei Lufttemperaturen über 22° C sollte regelmäßig gelüftet werden.
Gesunde Selleriejungpflanzen sollten 6 bis 10 Gramm wiegen und durchschnittlich sechs bis 8 Laubblätter aufweisen.
| TKG | Korngröße | 1 Gramm | Keimfähigkeit | Keimtemperatur | Keimdauer | Saatgutangebot |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0,35 - 0,50 g | Länge: 1,3 - 2,2 mm Breite: 0,7 - 1,1 mm |
2.000 - 2.800 Korn | Mindestkeimfähigkeit: 70% Präzisionssaatgut: > 90% Topfpille: > 90% |
18 - 20°C | bei 5°C: -- Tage bei 12°C: 32 Tage bei 20°C: 15 Tage |
Normalsaatgut Topfpille Vorgekeimte Pillen (Prestinun-Pille, Split-Pil, Tempopill) |
Pflanzung
In Südwestdeutschland kann mit zeitweiliger Folienbedeckung schon ab Mitte März gepflanzt werden, in Norddeutschland sollte mit der Pflanzung bis Anfang/Mitte April gewartet werden. Generell sollte nicht in Perioden mit Frostgefahr gepflanzt werden. Wird beim Anbau von Knollensellerie Bundware angestrebt, sollte die Bestandsdichte 14 bis 16 Pflanzen pro m2 betragen. Soll der Sellerie als Knollenware vermarktet werden, sind 5 bis 6 Pflanzen pro m2 ideal.
Die Reihen sollten in einem Abstand von 40 bis 50 cm angelegt werden. Erhöht man den Reihenabstand, werden zwar größere Knollen erreicht, der Gesamtertrag sinkt aber und es entsteht eine erhöhte Napfbildungsgefahr. Die Pflanztiefe im Freiland sollte möglichst nicht von der in den Töpfen zuvor abweichen. Zu flaches Pflanzen kann das Wachstum von Nebenwurzeln fördern.
Kulturmaßnahmen
Die Selleriepflanzen sind erst nach Reihenschluss in der Lage Unkraut zu unterdrücken. Im Jugendstadium sind somit unkrautbekämpfende Maßnahmen erforderlich, da das Unkraut die Selleriepflanzen ansonsten im Wachstum hemmt und dem Boden Wasser und Nährstoffe entzieht.
Es empfiehlt sich das zeitige Striegeln nach dem Pflanzen, da so der Boden aufgelockert und Unkraut bekämpft wird. Es muss jedoch beachtet werden, dass die Jungpflanzen schon fest genug im Boden verankert sein müssen. Es ist sinnvoll, vor einer ganzflächigen Bearbeitung zuerst einen Striegel-Probestrich zu machen.
Einfachbedeckungen sollten Mitte Mai entfernt werden. Wartet man damit zu lange, wirken sich die zu hohen Temperaturen negativ auf die Laublänge aus. Hat man Mitte März mit einer Doppelbedeckung gepflanzt, so sollte man diese bereits Anfang April entfernen.
Knollensellerie benötigt im Zeitraum von Mitte Juli bis Anfang September am meisten Wasser, in dieser Zeit ist eine Zusatzbewässerung unbedingt notwendig. Leiden die Pflanzen an einem Wasserdefizit, wirkt sich dies negativ auf die Entwicklung und die Größe der Knolle aus.
Ernteverfrühung
Schosserbildung
Temperaturen unter 15°C sind riskant und können zur Schosserbildung führen, besonders kritisch sind Werte von 5-8° C. Der Schossreiz kann ab dem Zweiblattstadium erfolgen und muss 2-5 Wochen einwirken. Eine warme Anzucht mit über 18°C gibt einen gewissen Schutz vor einem späteren Schossreiz (Antivernalisation). Temperaturen von über 20°C, z.B. unter der Vliesbedeckung, können eine begonnene Schosserbildung stoppen (Devernalisation = Heilung).
Auch als Schutz vor einer Schosserbildung ist eine Doppelbedeckung bis zum 15. April üblich.
Die Sortenwahl ist entscheidend, da die Sorten sich in ihrer Neigung zu Schosserbildung unterscheiden. Die Standardsorte Prinz (Hild) und Balena (Bejo) gilt als besonders schossfest.
Erfahrungsbericht:
2007 gab es unter der Doppelbedeckung um den 10. April schon Temperaturen von 40°C, so dass die Doppeldeckung schon vor dem 15. April runtermusste. Es gab in Schifferstadt im April mit 342 Stunden enorm viel Sonnenschein.
2008 kam es zu einer Schosserbildung. Sogar die Sorte Prinz bildete in einem Betrieb Schosser. Vom 22.02. bis zum 22.04.2008 lagen die Temperaturen unter dem Vlies immer unter 15°C und haben somit einen starken Schossreiz ausgeübt. Wegen der wenigen Sonnenstunden ergaben sich auch nur wenig Stunden mit Devernalisation. In diesem Jahr brachte die Foliebedeckung (500 Loch) bessere Ergebnisse als die Vliesbedeckung.
Stangensellerie - Anfang April gepflanzt - bildete ebenfalls noch Schosser, so dass nur eine frühe Ernte möglich war.
| Anbaumethode | Art der Bedeckung | Bedeckungsdatum | Abnahmetermin (spätestens) | Erntebeginn ab ... | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| obere Bedeckung | untere Bedeckung | |||||||
| nach | Datum | nach | Datum | |||||
| Sellerie, Bund | 4 cm ET | Vlies/Folie | 15. März | 4 Wochen | 15. April | 8 Wochen | 15. Mai | 01. Mai |
| 4 cm ET | Vlies | 01. April | - | - | 6 Wochen | 15. Mai | 15. Juni | |
ET = Erdtopfgröße in cm
Sortenwahl
Am beliebtesten sind Sorten mit möglichst runden Knollen, heller und glatter Außenhaut und tief ansetzender, schwacher Bewurzelung. Sie sollten möglichst unanfällig für Schwarzkochen, Hohlwerden und Napfbildung sein. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen Septoria apiicola ist wichtig. Des weiteren gibt es Unterschiede in der Lagerfähigkeit, der Schossfestigkeit und in der Winderstandsfähigkeit gegen Schorf.
Empfehlenswert sind vor allem die Sorten ,Rex', ,Prinz' und ,Cisco'. Die Knollen dieser Sorten sind sehr rund und weißfleischig. Der Wurzelansatz ist mittel und die Schossfestigkeit ist bei ,Rex' und ,Prinz' sehr gut.
Knollensellerie Saisonkalender
Gemüse aus der Region kaufen und saisonal verzehren ist meist für den Verbraucher preislich vorteilhaft und bringt ökologische Vorteile. Die Transporte bleiben kurz und die Ware ist im Normalfall nach der Ernte schnell beim Verbraucher. In einem speziellen Saisonkalen der Gemüsearten sieht man an Hand einer großen Grafik, wann einheimischer Knollensellerie, auch im Vergleich zu anderen Gemüsearten, am Markt angeboten wird.
Internationale Bezeichnung
| Deutsch | Knollensellerie | |
| |
Englisch | celeriac, rooted celeriac |
| |
Chinesisch (Mandarin) | ch´iu |
| |
Dänisch | selleri |
| |
Finnisch | selleri |
| |
Französisch | céleri rave |
| |
Griechisch | selino |
| |
Hindi | ajmud |
| |
Indisch | sederi |
| |
Italienisch | sedano tuberoso, a taglio, a foglia |
| |
Japanisch | oranda-mutsuba |
| |
Niederländisch | knolselderij |
| |
Norwegisch | selleri |
| |
Polnisch | seler korzeniowy |
| |
Portugisisch | apio |
| |
Rumänisch | pentru radacini |
| |
Russisch | selderej, Сельдерей листовой |
| |
Schwedisch | selleri |
| |
Slowakisch | zelena |
| |
Spanisch | hoja de apio |
| |
Türkisch | kereviz |
| |
Ungarisch | zellergyökér |
siehe auch Internationale Bezeichnung Gemüsearten
Quellen
Joachim Ziegler und Josef Schlaghecken, DLR Rheinpfalz: Ernteverfrühung mit Folie und Vlies im Freilandgemüsebau. unveröffentlicht, Neustadt an der Weinstraße.
Georg Vogel: Handbuch des speziellen Gemüsebaues. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8001-5285-1.
Josef Schlaghecken: 145 Gemüsearten und Küchenkräuter mit Bilder und Namen in 9 Sprachen. DLR Rheinpfalz, Neustadt an der Weinstraße 2007.