Knollenfenchel

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Knollenfenchel
Foeniculum vulgare var. azoricum
(Mill.) Thell.
Synonyme
Gemüsefenchel
Fenouil.jpg
Knollenfenchel
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung Doldenblütlerartige
Apiales
Familie Doldenblütler
Apiaceae
Gattung Foeniculum

Der Knollenfenchel (Foeniculum vulgare var. azoricum) auch unter der Bezeichnung Gemüsefenchel bekannt, ist wie der Gewürzfenchel (Foeniculum vulgare var. dulce) eine züchterisch gewonnene Kulturform des Wilden Fenchels (Foeniculum vulgare). Ursprünglich stammt der Knollenfenchel aus aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien. Er zählt, wie die Möhre, der Sellerie und die Pastinake zu den Doldenblütlern. Informationen zum Anbau im Garten sind auf der Seite Knollenfenchel im Hausgarten abrufbar.

vegetative Merkmale

Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von 50-80cm und ähnelt in seiner Erscheinungsform dem Gartendill. Er besitzt glatte, runde Blattstiele, die in haarförmig geschlitzten, gefiederten Laubblättern enden. Über dem Boden bilden die scheidenförmigen Blattgründe eine Zwiebel die allgemein als Knolle bezeichnet wird.

generative Merkmale

Im zweiten Jahr wird die Pflanze 1,2 bis 1,6m hoch und bildet doppeldoldige Blütenstände aus. Die Dolden sind satt gelb und werden bis zu 12 cm breit.

Bilder zum Knollenfenchel

Knollenfenchel Anbauplanung

Planungsdaten für eine kontinuierliche Marktbelieferung während der Freilandsaison in den klimatisch begünstigten Regionen Deutschlands. In anderen Regionen beginnt die Pflanzsaison etwa 1-3 Wochen später und endet 1-2 Wochen früher. Für eine laufende Marktbelieferung erscheinen Pflanzungen im Abstand von 14 Tage überlegenswert.

KnollenfenchelAnzucht-, Pflanz- und Erntedatum
Pflanzen-Anzucht Pflanzung ins Feld Ernte-Beginn
Gewächshaus Saat-Datum Erdtöpfe Tage Standort Datum Tage Datum
beheizt 15.01. 5er ET/Sp 45 Vlies oder Folie 01.03. 65 20.05.
beheizt 20.02. 4er ET/Sp 40 Vlies oder Folie 01.04. 75 15.06.
beheizt 10.03. 4er ET/Sp 35 Vlies oder Folie 15.04. 70 25.06.
beheizt 01.04. 4er ET/Sp 30 Vlies oder Folie 10.05. 65 05.07.
temperiert 15.05. 4er ET/Sp 30 Vlies ? 15.06. 65 20.08.
kalt 15.06. 4er ET/Sp 30 Freiland 15.07. 65 20.09.
kalt 01.07. 4er ET/Sp 30 Freiland 01.08. 65 05.10.
kalt 15.07. 4er ET/Sp 30 Freiland 15.08. 70 20.10.

Zeichenerklärung: 4er = 4 cm Topf, ET = Erdpresstopf, Sp = Speedy.
Quelle: Josef Schlaghecken, alle Angaben ohne Gewähr.


Standortansprüche

Es eignen sich nahezu alle Böden zum Anbau von Knollenfenchel. Starke Temperaturschwankungen sollten nicht vorherrschen, da sich dadurch das Risiko des Schossens erheblich erhöht.


Nährstoffversorgung und Düngung


Saatgut und Keimung

Knollenfenchel:
TKM Korngröße 1 Gramm Keimfähigkeit Keimtemperatur Keimdauer Saatgutangebot
4 - 6 g 2-3 x 6-10 mm
Kalibiergrößen
5 - 6 mm
6 - 7 mm
160 - 250 Korn Mindestkeimfähigkeit
Präzisionssaatgut: 90%
Topfpille: 90%
20 - 22°C bei 5°C:
45 Tage
bei 12°C:
14 Tage
bei 20°C:
8 Tage
Normalsaatgut
Präzisionssaatgut
Topfpille


Direktsaat oder Pflanzung

Beim Anbau von Knollenfenchel benutzt man sowohl die Direktsaat als auch den Anbau von vorgezogenen Pflanzen.
In Deutschland beginnt die Direktsaat nicht vor April. Aufgrund der relativ niedrigen Keimfähigkeit der Fenchelsamen werden pro m² 20-30 Korn gesät. Ist der Bestand aufgelaufen wird der Bestand auf Zielbestandsdichte "verhackt".


Ernteverfrühung

Hauptartikel: Ernteverfrühung im Freilandgemüsebau

Doppelbedeckung ist bis zum 1. April vorteilhaft (frühzeitige Bewässerung wichtig). Es besteht kein Schosserrisiko durch niedrige Temperaturen. Schosser werden durch Langtag ausgelöst und durch Stress (Trockenheit) stark forciert.

Die Hinweise beruhen auf mehrjährigen Durchschnittswerten.
Anbaumethode Art der Bedeckung Bedeckungsdatum Abnahmetermin (spätestens) Erntebeginn ab ...
obere Bedeckung untere Bedeckung
nach Datum nach Datum
4 cm ET Vlies/Folie 01. März 4 Wochen 01. April 9 Wochen 07. Mai 20. Mai
D-Saat Vlies 15. März - - 8 Wochen 15. Mai 15. Juni

ET = Erdtopfgröße in cm, D-Saat = Direktsaat

Der Knollenfenchel wird im Freiland in Deutschland in der Regel ab Anfang März bis Ende August satzweise gepflanzt. Ab Ende Mail beginnt die Ernte und endet im November. In Abhängigkeit von gewünschter Größe, dem Anbautermin und der Sorte ergibt sich eine Kulturdauer von 60 bis 80 Tagen.

Schädlinge / Krankheiten

Knollenfenchel ist in der Regel nicht besonders Krankheits- oder Schädlingsanfällig und deshalb auch eine sehr gut geeignete Kultur für den Öko-Anbau. Er kann jedoch meist aufgrund von enger Fruchtfolge, staunässe oder vorbelasteten Flächen durch Botrytis, Phytium, Rhizoctonia, Sclerotinia oder Bakterien-Knollenfäule. Schädlinge die auftreten können sind beispielsweise Thripse, Möhrenfliege, Wanzen, Schnecken und Schadschmetterlinge.

Schäden

Braune Ränder an den Blattscheiden entstehen durch Hitze, Ernteverzögerung und Trockenstress. Im Sommeranbau steigt das Schossrisiko enorm, da das Stresspotential in Form von Hitze und Trockenheit für die Pflanze deutlich größer ist. Zusatzbewässerungsmöglichkeit ist deshalb unabdingbar.

Knollenfenchel Unkrautbekämpfung

Beispiel Restunkräuter

Die Unkrautbekämpfung beim Anbau von Knollenfenchel erfordert einen beachtlichen Zeitaufwand und kostet viel Geld. Eine große Hilfe bietet in jedem Falle die optimierte Feldhygiene sowie das "Falsche-Saatbeet". Diese beiden Verfahren sind zu ergänzen mit einer mechanischen Unkrautbekämpfung und im konventionellen Anbau durch den Einsatz von Herbiziden. Im Einzelfall kann auch der Anbau in Mulchfolie hilfreich sein.

Feldhygiene

Falsches Saatbeet

Hierbei geht es um vorbeugende Maßnahmen. Dauerunkräuter möglichst schon beim ersten Auftreten ausschalten und nicht warten bis sich schon große Bestände gebildet haben. Zur Eindämmung des Samenunkräuter Drucks, diese nie Samen bilden lassen. Wird das konsequent durchgeführt, verringert sich der Unkrautdruck von Jahr zu Jahr. Nähere Infos zur Feldhygiene gibt es unter den folgenden Links.

Falsches-Saatbeet

Beispiel Hackgerät

Eine sofortige, große Erleichterung bei der Unkrautbekämpfung bringt das "Falsche-Saatbeet", das natürlich auch bei einer Knollenfenchel Pflanzkulturen von Nutzen ist. Nähere Infos zur Anwendung gibt es unter dem folgenden Link.

Mechanische Unkrautbekämpfung

Bei den üblicherweise gepflanzen KNollenfenchel Beständen kann eine mechanische Unkrautbekämpfung hilfreich und sinnvoll sein.

  • Hilfreich ist es, den Reihenabstand der vorhandenen Hacktechnik anzupassen
  • Lieber in den Reihen enger säen bzw. pflanzen und dafür weitere Reihenabstände wählen
  • Je jünger die Unkräuter, desto leichter die mechanische Bekämpfung
  • In niederschlagsarmen Regionen und auf leichteren Böden ist die mechanische Unkrautbekämpfung am ehesten erfolgreich

Herbizideinsatz

Herbizid Effekt Unkraut

In konventionell arbeitenden Betrieben ist der Einsatz bzw. die Nutzung von Herbiziden üblich. Um damit langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sind die Zulassungsbedingungen zu beachten und ein ist sachgerechte Anwendung nötig. Dazu gehört auch eine Begrenzung der Anwendungen innerhalb einer Fruchtfolge, um so die Selektion von nicht erfassten Unkrautarten zu verhindern. Nähere Infos zu Herbiziden und deren Einsatz gibt es unter den folgenden Links.

Link zur Indikationssuche im Gemüsebau 


Mulchfolie

Kohlrabi in Mulchfolie

Zur Unkrautbekämpfung im Knollenfenchel-Anbau ist die Pflanzung in Kunststoff-Mulch Materialien gut möglich. Bei sachgerechter Anwendung erhält man weitgehend unkrautfreie Bestände. Als Materialien ist z.B. schwarze Mulchfolie oder Vliesmaterial geeignet. Damit das Unkraut nicht durch die Pflanzlöcher wächst, müssen diese so klein wie möglich gehalten werden. Da die Radspuren weiterhin verunkrauten ist dort auf anderem Wege das Unkraut zu bekämpfen.
Im Praxisalltag hat sich jedoch gezeigt, dass das Mulch Verfahren den meisten Betrieben wohl zu teuer ist.


Knollenfenchel Anbau in Deutschland

Wie sich der Freiland Knollenfenchel Anbau in Deutschland entwickelt hat, zeigt die folgende Tabelle. Die Anbaufläche stieg seit 1992 langsam an und erreichte im Jahre 2016 mit 470 ha einen beachtlichen Umfang .

Knollenfenchel Anbauflächenentwicklung in Deutschland in ha
Jahr ha
1992
  
120
1996
  
139
2000
  
200
2004
  
289
2008
  
378
2012
  
450
2016
  
470
Quelle: Statistisches Bundesamt


Wert als Nahrungsmittel

Der Verzehr von Knollenfenchel kann einen wertvollen Betrag zur gesunden Ernährung des Menschen leisten. So empfehlen z.B. die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ und die „Deutsche Krebsgesellschaft“ im Rahmen der Kampagne „5 am Tag“, fünf Mal am Tag eine Portion Obst und Gemüse zu essen.
Einen umfassenden Überblick über gesundheitliche Wirkungen von Gemüse findet man über die Internetseite „Gemüse-ist-mehr als eine Nahrungsmittel“. Hier werden Forschungsergebnisse aus der ganzen Welt in knapper, gut lesbarer Form aufgelistet und die vorbeugende Wirkung von Gemüse auf viele, meist chronische Erkrankungen dargelegt. <br


Internationale Bezeichnung

Flag of Germany.svg Deutsch Gemüsefenchel, Knollenfenchel
Flag of the United Kingdom (1801).png Englisch florence fennel
Flag of Bulgaria.png Bulgarisch bolonsko
Flag of China.png Chinesisch (Mandarin) hushiang
Flag of Denmark (WFB 2004).gif Dänisch knoldfennikel
Flag of Finland.png Finnisch maustevenkoli
Flag of France.png Französisch fenouil des jardins
Flag of Greece.png Griechisch marahto
Flag of India.png Indisch das-pedas
Flag of Italy (1946–2003).png Italienisch fonocchio domestico
Japan flag - variant.png Japanisch uikyó
Flag of the Netherlands.svg Niederländisch knolvenkel
Flag of Norway.svg Norwegisch fönikkel
Flag of Poland.svg Polnisch fenkul wloski zwyczjny
Flag of Portugal.svg Portugisisch funcho doce
Flag of Romania.svg Rumänisch feniculul de florenta
Flag of Russia.svg Russisch fenchel´ovoscnoj
Flag of Sweden.svg Schwedisch jankal
Flag of Slovakia.svg Slowakisch sladki komarcek
Flag of Spain.svg Spanisch hinojo
Flag of Hungary.svg Ungarisch édskömény


Siehe auch in Hortipendium


Literatur

  • Josef Schlaghecken, Gerhard Engl, Achim Maync, Joachim Ziegler (10/2002): Neustadter Hefte - Anbau und Sortenhinweise für den Gemüsebau 2003/2004. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Hans Jessen und Helmut Schulze (1997): Botanik in Frage und Antwort. M. & H. Schaper GmbH & Co. KG. Alfeld -Hannover. ISBN 3-7944-0186-7
  • Georg Vogel (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaus. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1
  • Dietrich Fritz und Werner Stolz (1989): Gemüsebau. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5132-4
  • Royal Sluis (2003): Gemüse Saatgutkatalog. Royal Sluis. Neustadt am Rübenberge. 
  • Ulrich Sachweh (1989): Der Gärtner - Baumschule, Obstbau, Samenbau, Gemüsebau. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. ISBN 3-8001-1148-9
  • Joachim Ziegler und Josef Schlaghecken, DLR Rheinpfalz Ernteverfrühung mit Folie und Vlies im Freilandgemüsebau. unveröffentlicht. Neustadt an der Weinstraße. 
  • Josef Schlaghecken (2016): Rund um das Saatgut: Knollenfenchel. In: Zeitschrift "Gemüse". 52. Nr. 6. Seite 39-40. 


Weblinks