Klimaschutz

Aus Hortipendium
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Immer wenn das Wetter zu Extremen neigt, gilt dies für Pessimisten als sichere Folge des Klimawandels, während Optimisten es als Ausschläge innerhalb der normalen Bandbreite interpretieren. Fakt ist jedoch, dass gerade naturverbundene Menschen, wie es Gartenliebhaber sind, in den letzten Jahren Veränderungen feststellen, die zukünftige Probleme ahnen lassen: Zunahme von (Wärme liebenden) Schädlingen, Trockenschäden u.a. So sensibilisiert möchten viele Menschen etwas für den Klimaschutz, indem sie sich klimafreundlich verhalten. Doch inwieweit kann man dies bei der Gartenbewirtschaftung tun? Ist der Garten nicht an sich schon klimafreundlich? Oder ist etwa der Grillabend im Garten ein „Sündenfall“?

Was kann der klimabewusste Freizeitgärtner tun?

Hierzu muss man sich bewusst machen, dass sehr viel CO² durch den Transport von Waren in die Atmosphäre gelangt. Wer also z.B. Lebensmittel, die wohnortnah produziert werden, verbraucht, verringert den Transport. Das gleiche gilt für den Verbrauch saisonaler Produkte, die nicht aus Übersee oder beheizten Treibhäusern stammen. Beim Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten ist der Transport gleich Null, also ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz! Doch zur „Produktion“ von Obst und Gemüse, aber auch Zierpflanzen benötigen Sie einen gewissen „Mitteleinsatz“ (Pflanzen, Dünger, Wasser, Energie), den sie unter dem Blickwinkel „kurze Wege“ und „Recourcen schonen“ kritisch überprüfen sollten.
Schauen Sie sich einmal um, ob der ortsansässige Gärtner nicht Jungpflanzen aus eigener Anzucht anbietet. Auch Wochenmärkte sind in einigen Regionen gute Bezugsquellen.

Kreislaufwirtschaft

Ein "alter Hut" ganz modern: die Kreislaufwirtschaft. Zur Düngung wird vielfach gern ein Handelsdünger herangezogen. Doch dieser muss erst produziert und dann in die Geschäfte gebracht werden. Je nach Dünger ist dies unterschiedlich energieaufwändig. Wie die statistische Auswertung von Bodenproben zeigt, sind die meisten Gärten ohnehin überdüngt, vor allem mit Phosphor und Kali. Eine Bodenanalyse hilft hier den Zustand des eigenen Gartenbodens festzustellen. In den meisten Fällen ist eine mäßige Kompostdüngung (3l/m²) ausreichend. Wird dieser Kompost im eigenen Garten produziert, schließt sich hier der Kreis. Fällt einmal mehr Heckenschnitt oder anderes organisches Material an, so braucht auch dies nicht abtransportiert zu werden, sondern man kann es in Form von Hügel- oder Hochbeeten wieder einbauen.

natürlich Düngen

Ein Bilderbuchrasen ist sehr energieaufwändig! Überhaupt: Rasen ist nicht gleich Rasen! Einen ausgesprochen hohen Mitteleinsatz verlangt der „englische Rasen“: Düngen, wässern, mähen, Rasenschnitt entsorgen. Verabschiedet man sich von diesem Ideal und kann sich zu extensiveren Grünflächen wie Blumenrasen, Blumenwiese oder trockenheitsverträglichen Rasenersatzpflanzen durchringen, kann dies wesentlich verringert werden. Auch der Rasenschnitt kann sinnvoll verwertet werden, wenn man richtig vorgeht. Leider wird meist der Rasenschnitt auf einen großen Haufen geworfen. Bei dieser Methode kann man nicht von einer Kompostierung sprechen, da dann Fäulnis auftritt und in vielen Fällen aus dem eigentlich wertvollen organischen Material ein Abfallstoff wird! Sinnvoll und lagenweise kompostiert ergibt er jedoch einen wertvollen Humus für den Garten. Kleinere Mengen können auch als schnell wirkender Nährstoffquelle unter starkzehrende Strauchbeeren gegeben werden oder als Mulch zwischen Tomaten. Noch besser wäre es aber, das Mähgut dort zu lassen, wo es herkommt – und eigentlich auch wieder hingehört: nämlich auf der Rasenfläche! Denn so bleibt der Nährstoffkreislauf geschlossen, und es braucht keinen zusätzlichen Dünger! Das funktioniert natürlich nur dann, wenn das Gras sehr gut zerkleinert und fein verteilt wird, damit es schnell mineralisiert (verrottet) wird und als Dünger wieder zur Verfügung steht. Hierzu bietet der Handel sog. Mulchmäher (Sichelmäher) ohne Fangkorb mit speziellen Messern an. Auch Spindelmäher erfüllen diesen Zweck aufgrund der häufigeren Mähdurchgänge. Das belassen des Grases auf der Rasenfläche ist also nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern spart darüber hinaus Düngerkosten und macht weniger Arbeit! Allerdings bedarf es hier bei manchem, der dem Idealbild eines ständig gleichmäßigen, grünen, dichten Grasteppichs ohne „störende“ Kräuter huldigt, etwas Toleranz, den Rasenschnitt auf seiner Grünfläche zu sehen.

Standortwahl

Alles an seinem Platz: die richtige Standortwahl machts! Ebenfalls relativ aufwändig in der Pflege sind nicht standortgerechte Pflanzen. Stehen z.B. Pflanzen für halbschattige Standorte in der Sonne, so gehen sie zwar nicht sofort ein, müssen aber mehr gewässert werden. Außerdem sind alle Pflanzen, die keinen optimalen Standort haben, anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge. Dies führt dann zu einem höheren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der analog zu den Düngemitteln zu bewerten ist! Standortgerechte, robuste Sorten tragen somit auch zum Klimaschutz bei. Das gleiche gilt für alle vorbeugenden, pflanzenstärkenden Maßnahmen wie z.B. dem Einsatz von Jauchen und Brühen und der gezielten Nützlingsförderung, die zu einer starken Einschränkung, wenn nicht gar Verzicht von Pflanzenschutzmitteln führen.

Bewässerung

Ganz ohne Wasser gehts nicht, aber weniger tuts auch! Dass man kein aufwändig aufbereitetes Trinkwasser zur Gartenbewässerung einsetzen sollte, ist nicht nur eine Frage des Preises. Regenwasser in Tonnen oder Tanks gesammelt ist nicht nur kostenlos zu haben, sondern auch kalkfrei und damit für alle Kulturen bestens geeignet. Nebenbei sieht man auch anschaulich, wie viel Wasser verbraucht wird. Wählt man gezielt trockenheitsverträgliche Gehölze und Stauden, kann man das kostbare Nass dann vorrangig im Gemüsegarten und für Kübelpflanzen oder Balkonkästen verbrauchen. Wer trotzdem regelmäßig größere Flächen bewässern muss, sollte sich von seinem Rasensprenger verabschieden, der nach dem „Gießkannenprinzip“ arbeitet und ein Bewässerungssystem wählen, das das Wasser gezielt im Wurzelbereich abgibt. Tropfbewässerungssysteme arbeiten seit vielen Jahren mit bestem Erfolg weltweit in der Landwirtschaft und zunehmend mehr in Garten. Der Verbrauch der wertvollen Ressource Trinkwasser kann damit um 30 – 50 % gesenkt werden.

Möblierung

Vom Pflasterstein bis zum Gartenstuhl - Sie haben die (Aus-)Wahl. Nicht nur Pflanzen finden sich im Garten, sondern auch Terrassenbeläge und Wegbefestigungen aus verschiedenen Materialien, Pergolen, Gartenlauben, Zäune und Gartenmöbel. Auch hier sollte die Frage lauten: Wo kommt das Material her, mit welchem Aufwand wird es produziert und transportiert? Warum muss es denn der Granit aus Indien sein, wenn sich z.B. wenige km entfernt ein Sandsteinbruch befindet? Holz als nachwachsender Rohstoff ist immer eine gute Alternative zu Kunststoff. Allerdings sollte er aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Auch hier ist zu berücksichtigen, dass Tropenhölzer eine weite Reise hinter sich haben. Heimische, gerbstoffhaltige Hölzer wie z.B. die Esskastanie oder Akazie, wären daher zu bevorzugen.

Ferien im Garten

Eine bewusst klimafreundliche Entscheidung. Nicht zu vergessen ist der Garten als klimafreundlich zu erreichende Urlaubsoase! Grenzt der Garten ans Haus, kann er ohne Energieaufwand jederzeit erreicht werden. Kleingärten liegen oft auch noch recht nah, so dass man zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin gelangen kann. Damit ist der Garten ein „Urlaubsort“, der an jedem freien Abend, Wochenende und im Urlaub schnell erreichbar ist. Er bietet ein „Fitness-Programm“, Ruhemöglichkeiten, Spielraum für die Kinder und soziale Kontakte „über den Gartenzaun“, das Ganze ohne nervenaufreibende An- und Abreise und dadurch kaum CO²-Ausstoß! So günstig und umweltfreundlich kann man sonst nirgends Urlaub machen!

Fazit:

Um sich klimafreundlich in seinem Garten zu verhalten, gibt es also viele Ansätze. Das Schöne dabei ist, dass man sich nicht einschränken sondern nur bewusst auswählen muss, als Nebeneffekt gesundes, wohlschmeckendes Gemüse und Obst sowie einen schönen Garten erhält und das Ganze zudem wenig kostet. Da kann man dann durchaus mit bestem Gewissen den Grillabend genießen!

Maßnahmen zum Klimaschutz im Garten im Überblick

Grundsätzlich:
Produkte mit langen Transportwegen meiden, vor Ort produzierte bevorzugen
Produkte, die mit hohem Energieaufwand oder aus fossilen Brennstoffen hergestellt werden meiden, Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen bevorzugen.
Mit Energie und Wasser sparsam umgehen

anstatt jetzt
Werkstoff aus exotischen Ländern, z.B. Granit aus Indien Heimische Werkstoffe, z.B. Steine aus heimischen Steinbrüchen, Klinker, heimisches Holz
Teak aus Indonesien je nach Verwendung Hart- (z.B. Eiche) oder Weichhölzer (z.B. Fichte) aus Europa
Gartenmöbel aus Kunststoff Gartenmöbel aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft
Obst und Gemüse aus Mittelmeerländern oder Übersee Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten oder von regionalen Erzeugern
Handelsdünger, insbesondere Volldünger Kompostwirtschaft 3l/m² reichen meist aus!, Gründüngung, nur bei Bedarf (Bodenanalyse) gezielter Einsatz von Einzelnährstoffdüngern
"Abtransport" von Gartenabfällen Verwendung von Laub, Heckenschnitt usw. für Hoch- und Hügelbeete oder zum mulchen

Einsatz von Pflanzennschutzmitteln

Verzicht auf Pflanzenschutzmittel durch Pflanzengerechte Standortwahl
Fungizide und Insektizide Pilzfeste Sorten, Pflanzenstärkung durch Pflanzenstärkungsmittel, gute Kulturführung usw.
Nützlingsförderung, Gemüsenetze, Fallen
Bewässerung mit Trinkwasser Auswahl trockenheitsverträglicher Pflanzen, Regenwasser sammeln und gezielt einsetzen, sparsame Bewässerungssysteme wählen
Bindeband aus Kunststoff (aus Erdöl), Sisal, Bast (weiter Transport) Papierschnur aus recyceltem Papier mit und ohne Eisendraht
Kesseldruckimprägnierte Pfähle (Energieaufwand, schwermetallhaltige Salze) und Gartenhölzer Pfähle aus gerbstoffhaltigen Hölzern wie z.B. Esskastanie oder Akazie, die ohne Imprägnierung auskommen