Herzlosigkeit

Aus Hortipendium
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Drei Ursachen der Herzlosgigkeit!

Herzlosigkeit im Pflanzenbau bedeutet, dass Pflanzen nicht wie üblich, in ihren Vegetationspunkten neue Blätter bilden. Ausgelöst werden kann sie durch durch Schädlingsbefall wie z.B. Insektenfraß, genetischen Defekten oder auch durch Verbrennungen nach einer unsachgemüße Kopfdüngung.


Genetische Herzlosigkeit bei Kohlpflanzen

Einfluss des Anzuchttermins!
Einfluss der Anzuchttemperatur.
Anzuchttemperatur und Sorteneinfluss.
Einfluss der Sorten.
Einfluss der Saatgutpartie.
Einfluss der Lichtintensität.
  • Trat bisher hauptsächlich bei Brokkoli und Kohlrabi auf, kommt aber auch bei Blumenkohl vor!
  • Nach der Anlage einiger Blätter, meist 4-8, bilden sich keine neuen Blätter mehr!
  • Sichere Kennzeichen für die genetische Herzlosigkeit sind die vereinzelt im Bestand auftretenden Endblätter in Form eines Trichters oder einer Nadel!


Die Geschichte der Herzlosigkeit bei Brokkoli

Frühjahr 1995

  • In der Pfalz große Ausfälle auf dem Feld im 6-8-Blattstadium!
  • In Deutschland vermutlich über 500.000 Pflanzen herzlos, Einzelbetriebe mit Totalausfall!
  • In Holland Probleme bei rund 25% des Frühanbaus!
  • Größte Ausfälle durch Herzlosigkeit, die bisher in Europa vorkamen!
  • Die Hauptsorte Marathon ist besonders betroffen!

Frühjahr 1996

  • In der Pfalz bei März- und Aprilpflanzungen bei der Sorte Marathon bis zu 50% herzlos!
  • Im 3- bzw. 6-Blattstadium, beim Auspflanzen oder später sichtbar!
  • In Belgien z.T. Totalausfälle!

Frühjahr 1997

  • Geringe Ausfälle in der Pfalz!

Frühjahr 1998

  • Einzelfälle, z.B. Märzpflanzung bei der Sorte Lord 50% herzlos!

Frühjahr 1999

  • In der Pfalz größere Ausfälle bei Märzpflanzungen, in Einzelfällen bei folgenden Sorten:
    • Sorte Decathlon: bis 40% herzlos im 8 Blattstadium!
    • Sorte Lord: bis 60% herzlos im 8-9 Blattstadium!
    • Sorte Marathon: über 60% herzlos im 4- und mehr Blattstadium!
    • Sorte Meedway: bis zu 80% herzlos!

Frühjahr 2000

  • In der Pfalz einzelne Märzpflanzungen von Marathon im 7-8 Blattstadium bis zu 50% herzlos!

Wann tritt die genetische Herzlosigkeit auf?

  • Beinahe immer im Frühjahr bei den ersten Pflanzungen im März
  • Bei Aprilpflanzen gab es bisher nur wenige Ausfälle
  • Nach April trat Herzlosigkeit extrem selten auf!

Ursachen für eine genetische Herzlosigkeit

  • Es gibt große Sortenunterschiede
  • Niedrige Temperaturen, v.a. in der Anzucht, können die Herzlosigkeit auslösen
  • Bestimmte Saatgutpartien sind empfindlicher
  • Warme Anzucht reduziert das Auftreten

Empfehlungen

  • Unempfindliche Sorten, z.B. Milady und Monterey
  • Warme Anzuchttemperaturen, über 10 °C Tagesdurchschnittstemperatur
  • Erste Aussaaten erst ab Januar, nicht im Dezember
  • Keine Zusatzbelichtung, bei der Anzucht im Winter
  • Beste Saatgutpartie für den Frühanbau nehmen, im November neues Saatgutpartien prüfen
  • Eventuell auch eine Spätherbstherbst Anzucht (Sakata-Tipp) für Pflanzung im März

Parasitäre Herzlosigkeit

Verursacher

  • Kommt vor allem an Kohlpflanzen vor!
  • Der Hauptverursacher einer parasitären Herzlosigkeit ist bisher die Kohldrehherzmücke, die weltweit an Brokkolibeständen enorme Ausfälle verursacht!
  • Kann aber auch durch Wildfraß, Raupenfraß, Kohlerdflöhe, Mehlige Kohlblattlaus, Wanzen und sogar durch Ratten verursacht werden!
  • Durch Fraß- oder Saugtätigkeit am Vegetationspunkt wird die Herzlosigkeit hervorgerufen!

Was tun?

Bestände wöchentlich genau kontrollieren und Schädlinge bei Bedarf sachgerecht bekämpfen! Weitere Informationen zur Parasitären Herzlosigkeit
Siehe bei den einzelnen Kulturen und bei den einzelnen Verursachern wie z.B. der Kohldreherzmücke.

Herzlosigkeit durch Düngung

Verbrennung durch Mineraldünger

Tritt evtl. auf bei einer unsachgemäßer Kopfdüngung. Dabei bleiben z.B. Düngerkörner im Herzen der Pflanzen am Vegetationspunkt liegen und verätzen diesen.

Was tun?

  • Kopfdüngung wenn möglich mit einem Reihenstreuer ausbringen!
  • Eine sachgemäße, flüssige Kopfdüngung über die Beregnung, mit Vor- und Nachberegnung kann Schäden ausschließen!
  • Bei einer Kopfdüngung mit Mineraldünger folgendes beachten:
  • Je größer die Düngergabe, desto größer das Verbrenungsrisiko!
  • Die einzelnen Mineraldünger haben einen sehr unterschiedlichen Ätzungseffekt!
  • Vorsicht insbesondere bei chlorhaltigen und kalihaltigen hochprozentigen Düngemitteln!
  • Vorsicht bei feuchtem Pflanzenbeständen, diese sollten absolut trocken sein
  • Nach einer mineralischen Kopfdüngung auf einem trockenen Bestand kann eine Beregnung nützlich sein!


Siehe auch in Hortipendium

Quellen

J. Schlaghecken und J. Kreiselmaier (2002): Blumenkohl CD-ROM, Bild- und Textdokumentation. DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 


Einzelnachweise


Weblinks