Gründüngung im Gemüsebau

Aus Hortipendium
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In einer Zeit der zunehmenden Spezialisierung und Mechanisierung sowie immer weitergehender Einengung der Fruchtfolge erhält die Gründüngung eine zunehmende Bedeutung. Wo und wann soll man sie einsetzen? Was kann sie bewirken? Was bringt sie finanziell? Kann es zu Problemen bei Folgekulturen kommen? Leider gibt es dazu nur wenige Untersuchungen im Bereich Gemüsebau. Der Anbauer sollte wissen, welche Ergebnisse langjährige Gründüngungsversuche im Gemüsebau (evtl. auch im Ackerbau) brachten. Bevor wir Gründüngung praktizieren, sollten wir auch wissen, was sich dadurch im Boden an positiven oder auch negativen Effekten ergeben kann. Ebenso wie beim Anbau von Kopfsalat, Zwiebeln oder anderen Gemüsearten müssen wir auch hier die Kulturtechnik perfekt beherrschen.

Aus der zunehmenden Spezialiersierung des modernen Freilandgemüseanbaus ergaben sich auch Bodenprobleme die sich an folgendenen Punkten wie Selektion von Unkräutern und Schädlingen oder Beschädigungen der Bodenstruktur (Bodenverdichtung, Verschlechterung der Krümelstruktur) aufzeigen lassen. In Anbetracht dieser im Einzelfall schon bedenklichen Entwicklung besteht in zunehmendem Maße der Wunsch, durch den Anbau von Gründüngungskulturen den Boden gewissermaßen in einer "Kur" zu regenerieren oder aber vorbeugend belastbarer zu machen. Bei einem ordnungsgemäßen Gründüngungsanbau über mehrere Jahre hinweg sind positive Einflüsse zu erzielen.

Forderungen an den Gründüngungsanbau

  • Die möglichen positiven aber auch negativen Auswirkungen einer Gründüngung klar vor Augen haben, Gründüngung gezielt anbauen.
  • Die Kulturtechnik des Gründüngungsanbaus ebenso wie bei den Hauptkulturen beherrschen.
  • In längeren Zeitabschnitten denken. Die Bodenfruchtbarkeit muss langfristig verbessert, bzw. erhalten werden.
  • Die sonst überall angewandte Erfolgskontrolle muss auch den Einsatz der Gründüngung erfassen.


Pro und Kontra

Es gibt viele, theoretisch mögliche positive Auswirkungen von Gründüngungskulturen. Diese treten aber in der Praxis leider nicht automatisch im gewünschten Maße ein. Im Gegenteil, es sind sogar negative Effekte denkbar. Um unnötige Anstrengungen und Kosten zu vermeiden, sind die immer wieder vorkommenden Misserfolgsursachen im Folgenden aufgeführt.

Mögliche positive Einflüsse Mögliche Gefahren
  • Erhöhung der Erträge
  • Bessere Ertragssicherheit
  • Verringerung von Bodenbürtigen Krankheiten und Schädlingen
  • Verringerung der Unkrautselektionen und des Unkrautdruckes
  • Stabilisierung des Humusgehaltes
  • Erhöhung der Regenverdaulichkeit der Böden
  • Frühzeitigere Befahrbarkeit
  • Unterbodenerschließung und Beseitigung von leichten Verdichtungen
  • Verbesserung der Wasser- und Nährstoffhaltekraft
  • Verbesserung der Krümelstruktur und Verringerung der Verschlämmungsgefahr
  • Verminderung der Nitratverlust (Einwaschung) sowie biolog. Stickstoffgewinnung
  • Stabilisierung des Bodens nach einer tiefen Bodenlockerung
  • Steigerung der Umsetzungsaktivität. Dadurch z. B. rascherer Abbau von Ernte-rückständen sowie eine bessere Verwertung der Phosphordüngung
  • Unzureichende Substanzbildung: Zu frühe oder zu späte Saat, falsche Bestandsdichte, ungeeignete Sorte, schlechte Bodenvorbereitung, mangelhafte Nährstoff- und Wasserversorgung. Es sollte mindestens 10 dt / ha Trockensubstanz, bzw. 75 - 100 dt / ha Frischsubstanz produziert werden. Das entspricht in etwa einem Bestand von 25 cm Höhe
  • Förderung von Krankheiten und Schädlingen bei falscher Artenwahl, z.B. Kohlhernie, Rettichschwärze, Adernschwärze, Rübennematoden und Sclerotinia
  • Behinderung der Folgebestellung z. B. bei Überwinterungsanbau auf schwerem Boden, zu späte und nasse Pflugfurche, Behinderung von Aussaaten durch Stengelstücke usw.
  • Keim- und Wuchshemmung bei nachfolgenden Kulturen (z.B. wenn von Kreuzblütlern zuviel frische Pflanzenmasse eingearbeitet wird, Keim- und Wuchshemmung bei Kopfsalat)
  • Erschwerung der Folgekultur durch Auswuchs (z.B. bei Überwinterung von Chinakohlrübsen (Perko), Winterraps und Gräser evtl. möglich)
  • Vorrübergehende Stickstoffbindung nach Kulturende (z.B. wenn sehr alte Sonnenblumen eingearbeitet werden)
  • Erhöhte Nitratbelastung des Grundwassers z. B. bei Einarbeitung im Herbst mit anschließender Mineralisierung vor allem durch Leguminosenanbau
  • Austrocknung des Bodens
  • Erschwerung des Herbizideinsatzes bei Untersaaten im Getreideanbau.

Es zeigt sich deutlich, dass der Erfolg einer Gründüngung von vielen Faktoren abhängt.

Gemüseerträge

Betrachtet man die verschiedenen Ergebnisse der Gründüngungsversuche im Gemüsebau, so waren langfristig etwa 3 bis 16 % Ertragssteigerung möglich. Zu welcher Gemüseart, Fruchtfolge und Bodenart sich eine bestimmte Gründüngungsart eignet, ist bisher noch nicht mit Sicherheit zu sagen. Von folgenden Gründüngungsarten, bzw. Gemischen sind laut getätigter Versuche gesicherte Mehrerträge ermöglicht worden.

Aus ackerbaulichen Versuchen wurde bekannt, dass andere Pflanzenarten ähnliche Ergebnisse bringen können. Neben dem im Vordergrund stehenden Wunsch, höhere Erträge durch den Anbau einer Gründüngung zu erzielen, gibt es auch noch andere Ziele.

Ertragssicherheit

In schwierigen Situationen zeigt ein Boden, ob er eine hohe Ertragssicherheit bietet. Eine gute Nährstoff- und Wasserhaltekraft, ein günstigeres Porenvolumen, eine gute Krümelstruktur, einen erschlossenen Unterboden, eine hohe Umsetzungsaktivität und vieles andere mehr hat dabei einen Einfluss. Durch richtig angebaute Gründüngungskulturen kann diesbezüglich eine positive Wirkung erzielt werden. Gerade im Bereich des Frischgemüseanbaus wird der Boden oftmals aufs Äußerste strapaziert. Es ist denkbar, dass die Ergebnisse einer mehrmaligen Gründüngung noch besser ausfallen, als in den vorliegenden Versuchen. Die Böden in den versuchsdurchführenden Instituten sind sicherlich nicht so stark belastet und bei nassem Wetter befahren, wie dies in der Praxis vorkommt. Vorteilhaft erscheint es jedoch, zunächst einmal in jedem Einzelfalle die vorliegenden Bodenprobleme zu ermitteln, um dann entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.


Krankheiten und Schädlingen

Bei zunehmender Spezialisierung der Betriebe kommt es vielfach zu verstärktem Befall durch bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge. Hier ist generell durch den Anbau von richtig ausgewählten Gründüngungskulturen eine Auflockerung der Fruchtfolge möglich. Es geht dabei jedoch darum, Wirtspflanzen bzw. problemfördernde Pflanzenarten zu vermeiden. Werden z.B. Rüben angebaut und es kommt wie fast überall in der Pfalz zu Problemen mit dem Rübenälchen (Heterodera schachtii), so ist der zusätzliche Anbau von Brassicaceaen (Kreuzblütlern) sehr problematisch.
Die Gründüngungsarten Raps, Rübsen, Senf, Chinakohlrübsen sowie Ölrettich sind also zu meiden. Durch die Züchtung von resistenten Ölrettichsorten wie z.B. "PegIetta" und "Nemex" ergibt sich jedoch eine neue Situation. In nunmehr vorliegenden Versuchsergebnissen konnte der Nematodenbefall vermindert werden. Die später angebauten Rüben brachten Mehrerträge. Ein anderes großes Problem gibt es durch die Kohlhernie. Bei den Weihenstephaner Wintergründüngungsversuchen zeigte sich bisher ein geringer Rückgang des Befalls. Inwieweit der gezielte Anbau von Gründüngungskulturen positiven bzw. negativen Einfluß auf andere Krankheiten und Schädlinge hat, ist bisher nur schwer zu beurteilen. Leider liegen dazu noch viel zu wenig Untersuchungsergebnisse vor, die in die Praxis übertragen werden können.

Mehrerträge durch Gründüngung im Getreidebau (dt/ha)
nach einer Literaturzusammenstellung von Dipl. -Ing. agr. L. Reeßing [1]
Getreideart
V.Boguslawski
n. Debruck
Mohammadi
1972/73
Gliemeroth
Bachthaler
1959 - 1977
Seitner und
Scheller 1973-76
1949 - 54
1958 - 63
Hafer
7,2
0,9 - 17,0 *



    } 2,15 - 3,96 ** 
Sommergerste
6,3



1,0 und 3,9
Sommerweizen




1,2
Winterweizen
0,5

3,9
6,9
4,7
Winterroggen
5,5

0,5
3,6

Wintergerste
2,9




*  je nach Gründüngungsart
** je nach Standort unterschiedlicher Mehrertrag


Unkrautselektion und Unkrautdruck

Queckenbesatz in Abhängigkeit der Gründüngungsart

Im Gemüsebau gibt es aufgrund enger Fruchtfolgen und dem häufigen Einsatz bestimmter Herbizide Probleme mit der Unkrautselektion. Vor allem im Kopfsalatanbau bei regelmäßigem Einsatz von Kerb, selektieren sich sehr stark Kreuzkraut (Senecio vulgaris) und Franzosenkraut (Galinsoga parviflora). Aber auch andere Unkräuter wie kleine Brennessel, Amaranth usw. machen in bestimmten anderen Kulturen Schwierigkeiten. Durch einen entsprechenden Fruchtwechsel mit Kulturen, die das auflaufende Unkraut unterdrücken, bzw. bei denen die Problemunkräuter gut bekämpft werden können, muss eine Erleichterung gesucht werden. Gründüngungskulturen wie Raps und seine Verwandte, Phacelia sowie Gräser können bei gutem Wuchs fast alle Samenunkräuter gut unterdrücken. Beim Anbau von Gräsern bzw. Getreide als Gründüngung lassen sich die angesprochenen Unkräuter außerdem auch sehr einfach chemisch bekämpfen. Zu bedenken ist jedoch, dass Gründüngungseinsaaten in Gemüsebaubetrieben meist günstigere Wachstumsbedingungen haben und dadurch bei entsprechender Bestandsdichte Unkräuter relativ gut unterdrücken. Bei starkem Queckenbesatz sollte man vielleicht zunächst auf eine Gründüngung verzichten. Sicherlich ist eine mechanische oder chemische Bekämpfung schneller wirksam.


Humusgehalt - Erhöhung und Stabilisierung

Man ist vielfach der Meinung, dass der Humusgehalt unserer Böden laufend abnimmt. Nach Buchner und Sturm, 1980, liegen die Werte jedoch heute um 0,3 bis 0,5 % höher als vor 100 Jahren. Dies ist unter anderem auf die verstärkte Düngung, gestiegenen Erträge und damit erhöhten Ernterückstände zurückzuführen. Wie ist es aber in unserem eigenen Betrieb? Überwachen wir die Böden doch selber. Es erscheint notwendig, ähnlich wie bei Phosphor, Kali und Magnesium, auch beim Humus etwa alle 4 - 5 Jahre den Gehalt zu überprüfen, um so die Entwicklung bei jedem einzelnen Feld im Auge zu behalten. Je nach Intensitätsstufe der Bewirtschaftung werden im Gemüsebau jährlich etwa 20 dt bis 40 dt Dauerhumus je ha abgebaut. Diese Mengen sollten mindestens wieder zugeführt werden. Der Einzelfall ist also entscheidend. Machen wir doch einmal eine Humusbilanz. Wenn auch die angegebenen Mengen nicht immer den Wert des Einzelfalles treffen, so entsprechen sie doch in etwa der Wirklichkeit. Haben wir den Abbau und die Zufuhr organischer Masse abgeschätzt, so ist es relativ leicht, eine Humusbilanz über den Zeitraum einer Fruchtfolge anzufertigen. Sehr schnell sieht man dann, dass z. B. eine Fruchtfolge mit vorwiegend Rettich und Zwiebeln eine negative Bilanz ergibt. Andererseits hat der moderne Gemüsebau mit Erdpresstöpfen eine beachtliche Humusquelle. Die im Torf enthaltene organische Substanz ist außerdem auch wesentlich günstiger in der Dauerwirkung als z. B. ein eingearbeiteter Gründüngungsbestand, z.B. aus Raps.


Regenverdaulichkeit und Befahrbarkeit der Böden

Auch in relativ niederschlagsarmen Gebieten werden im Gemüsebau trotzdem immer wieder die Bestellungsarbeiten (besonders im Frühjahr) und die Erntearbeiten durch zu nasse Böden behindert. Gedrängt durch bereitstehende Jungpflanzen und durch schnell verderbliche Ernteprodukte besteht die Gefahr, die Felder in einem zu nassen Zustand zu befahren. Hier liegt eines der größten Probleme im zukünftigen Gemüsebau. Aus diesem Grunde besteht generell der Wunsch die Regenverdaulichkeit bzw. auch die Befahrbarkeit der Felder zu verbessern. Wir können dabei drei Ziele unterscheiden, die:

  • Feldbestellungen im Frühjahr und nach starken Niederschlägen eher ermöglichen
  • Erntegassen regenunabhängiger machen
  • Erntearbeiten mit Vollernter oder Beetrodern nach Regen früher ermöglichen.

Großen Einfluss auf das Abtrocknen eines Feldes hat unter anderem die Bearbeitung und der Bewuchs. Die folgende Übersicht soll dies verdeutlichen:

Wassergehalt in % im Boden auf bearbeiteter, unbearbeiteter
und mit Gründüngung besäter Stoppel [2]
Untersuchungstermin Stoppelfeld Gründüngung
liegen gelassen umgebrochen Erbsen
Bohnen
Gelbklee
15. August
30. August
6. September
14. September
14,84
13,67
11,86
9,36
14,43
13,52
14,56
11,58
13,28
10,62
8,90
6,27
14,39
12,20
10,00
6,74


Sicherlich ist eine Erntegasse, z. B. vom Blumenkohlfeld besser und früher ohne Schaden befahrbar, wenn sie statt einer dreimaligen Fräsbearbeitung eine schnell wachsende Gründüngungseinsaat erhält. Der Boden wird trockener, erhält eine Struktur fördernde Durchwurzelung und nach dem Abernten des Feldes noch den Aufwuchs als Bakterienfutter.
Bei unseren Bestrebungen, nach größeren Niederschlägen schnell wieder aufs Feld zu können, geht es auch darum, möglichst viele stabile Grobporen zu haben. Diese haben einen Durchmesser von über 0,05 mm und wirken schnell tränend. Sie entstehen auf etwas tonhaltigen Böden durch Pflanzenwurzeln, Tiere und Schrumpfungen. Mit Hilfe von Gründüngungskulturen können wir demnach über das Wurzelwerk und die Förderung des Bodenlebens den so wichtigen Anteil an Grobporen verbessern.


Unterbodenerschließung und Beseitigung von leichten Verdichtungen

Selbstauflockerung einer Furchenradsohle unter Kleegras auf Braunerde, gemessen an der Infiltrationsgeschwindigkeit von Wasser in Minuten (800 ccm auf 100 qcm)(1964/1965)

Wo gibt es noch Felder, die nicht unter gewissen Verdichtungen leiden? Etwas zu feuchter Boden beim Pflügen, beim Ernten oder bei anderen Arbeiten, und schon entstehen die ersten Probleme. Ein stark belebter und ausreichend mit Humus versorgter Boden kann sich selbstverständlich besser regenerieren als ein toter, humusarmer Boden. Bis zu einem gewissen Grad können angebaute Kulturen bzw. Gründüngungseinsaaten vorhandene Verdichtungen beseitigen.
Neben dem Faktor Zeit spielt auch die angebaute Pflanzenart eine Rolle. Liegen stärker Verdichtungen im Boden vor, so ergibt eine mechanische Lockerung mit anschließender biologischer Stabilisierung schneller eine Bodenverbesserung.


Stabilisierung der Bodenstruktur

Bekanntlich sind frisch bearbeitete Felder besonders schlecht befahrbar. Die Tragfähigkeit ist sehr gering. Haben wir auf Grund einer Bodenverdichtung eine Tiefenlockerung durchgeführt, so ist besondere Vorsicht geboten. Die mechanisch geschaffenen Hohlräume sind zunächst biologisch zu stabilisieren, bevor sie wieder durch Befahren des Feldes neu belastet werden. Für diesen Zweck bietet sich vor allem der Anbau einer möglichst lang dauernden Gründüngung an. Eine starke Durchwurzelung und Förderung des Bodenlebens sind hier gefragt.

Wasser- und Nährstoffhaltekraft, Nährstoffverfügbarkeit

Sandige Böden haben oft nicht die Ertragssicherheit wie etwas schwerere Böden. Aufgrund geringer Wasser- und Nährstoffspeicherung entstehen schnell Stresssituationen. Wenn es auch sehr schwer ist, auf diesen Böden den Humusgehalt anzuheben, so ist es andererseits jedoch auch besonders leicht möglich, hier eine negative [[Humusbilanz zu bekommen. Oberwinternde Gründüngungsarten, wie z.B. Weidelgras oder Getreide aber auch Arten mit einer hohen Trockensubstanzbildung wie z.B. Sonnenblumen, erscheinen bei längerer Kulturzeit vorteilhaft. In Kombination mit dem Einsatz anderer Humusquellen und einer sparsamen Bodenbearbeitung ist eine Verbesserung der Wasser- und Nährstoffhaltekraft möglich. Wie schon vorher angedeutet, lässt sich durch den Einsatz von Gründüngungskulturen auch der Ausnutzungsgrad der Mineraldüngung (besonders bei Phosphor) verbessern.


Krümelstruktur und Verschlämmungsgefahr

Bei Direktsaaten von Gemüse kommt es relativ häufig zu Auflaufschäden auf Grund einer Bodenverschlämmung. Das wegen der kleinen Samen (Zwiebeln, Möhren, Salat, Radies usw.) notwendige feine Saatbeet erfordert meist die so problematische, starke Bodenbearbeitung. Liegt dann noch ein schluffreicher und humusarmer Boden vor, so ist die Ausgangslage besonders schwierig. Hier muss durch Optimierung der Kalkversorgung, durch Humuszufuhr, durch Einschränkung der Bodenbearbeitung und durch eine starke Durchwurzelung der Krume die Lage verbessert werden. Es geht vor allem darum, eine stabile Krümelstruktur zu erreichen.

Wasserbeständige Krümelhaltbarkeit (nach Sekera) [2]
Pflanzenart  % wasserbeständige Krümel
Hackfrüchte
Getreide
Klee
Raps
Gräser
Klee/Gras
10 bis 15
15 bis 20
30 bis 35
40 bis 50
50 bis 60
70


Vor allem die verschiedenen Gräser sind für den angesprochenen Zweck vorteilhaft. Sie durchwurzeln den Boden sehr stark. Die Übersicht 18 zeigt den hohen Ertrag an Wurzeltrockensubstanz.


Nitratauswaschung und Luftstickstoffbindung

In den letzten Jahren entwickelte sich auch im Gemüsebau in zunehmendem Maße ein Umweltbewusstsein. Eine besondere Rolle dabei spielt der Stickstoff. Kaum sonst irgendwo wird so intensiv gewirtschaftet, bzw. so intensiv gedüngt, wie im Gemüsebau. Durch die Anwendung des Kulturbegleitenden N-min-Sollwerte-Systems ließ sich inzwischen in der Praxis eine Optimierung der N-Versorgung erreichen. Trotzdem stehen im Herbst bzw. im Winter immer wieder Nitrat-Restmengen an, die möglichst mit Hilfe einer Gründüngung biologisch gebunden werden sollten. Gerade beim Anbau von flach wurzelnden Kulturen wie Kopfsalat und Kohlrabi im Frühjahr ist der Nitratrest vom Herbst kaum noch zu nutzen. Hier bieten im Spätherbst wachsende bzw. überwinternde Gründüngungsbestände eine Lösung. Die Einsaat von Weidelgras, Getreide, Landsberger Gemenge, evtl. auch von Winterraps, Winterrübsen und Chinakohlrübsen erscheint deshalb sehr interessant.
Bei leichten Böden ist dies relativ einfach durchzuführen, da im Frühjahr die Einarbeitung der Gründüngung sowie Feldvorbereitung für die Folgekultur nicht so sehr wetterabhängig ist. Haben wir jedoch einen schwereren Boden, so wird eine Winterbegrünung nur zu vertreten sein, wenn im Frühjahr das Feld bis Ende April, bzw. Anfang Mai frei ist. Nur so besteht genügend Zeit auch in einem nassen Frühjahr eine zufrieden stellende Bodenbearbeitung durchzuführen. Verhindern wir die Einwaschung von 100 200 kg N/ha, wird ein erheblicher Gewinn erzielt. Aber auch ohne den Stickstoffvorteil kann die Wintergründüngung den positiven Effekt, wie er sich in den Weihenstephaner Untersuchungen zeigte, bringen.
Mit Hilfe von Gründüngungseinsaaten können wir nicht nur die Nitratverluste verringern, sondern auch im Falle eines Leguminosenanbaus Luftstickstoff binden. Nach Oehmichen 1983 können durch Leguminosen im Zwischenfruchtanbau 80 - 135 kg N/ha im Hauptfruchtanbau symbiontisch gebunden werden. Höhere Saatgutkosten, langsamere Bestandsentwicklung und meist geringeres Unkrautverdrängungsvermögen im Vergleich z. B. zu Kreuzblütlern und Gräser, beschränken jedoch den Einsatz dieser Arten.


Pflanzenart Botanischer Name Familie Wurzeltiefe 1 Wurzelmasse (TS) 2 Nitrat - Einwaschungshemmung im Winter 3 Luftstickstoffbindung Stickstoffbedarf kg N/ha 4
Futterhirse Sorghum sudanense x saccharatum usw. Gräser (Gramineae) mittel viel - sehr viel - - 120 - 160 kg
Roggen Secale cereale Gräser (Gramineae) flach viel - sehr viel X - 120 - 160 kg
Deutsches Weidelgras (Engl. Raygras) Lolium perenne Gräser (Gramineae) flach viel X - 120 - 160 kg
Einjähriges Weidelgras Lolium westerwoldicum Gräser (Gramineae) flach viel - sehr viel (X) - 120 - 160 kg
Welsches Weidelgras (Ital. Raygras) Lolium multiflorum/italicum Gräser (Gramineae) flach viel - sehr viel X - 120 - 160 kg
Weizen Triticum aestivum Gräser (Gramineae) flach viel - sehr viel X - 120 - 160 kg
Chinakohlrübsen (Perko) Brassica chinensis x Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel X - 120 - 160 kg
Ölrettich Rhaphanus sativus var. oleiformis Kreuzblütler (Brassicaceae) tief - sehr tief viel - - 120 - 160 kg
Sommer-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel (X) - 120 - 160 kg
Winter-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel X - 120 - 160 kg
Sommer-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel - - 120 - 160 kg
Winter-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel X - 120 - 160 kg
Gelber Senf Sinaps alba Kreuzblütler (Brassicaceae) tief viel - - 120 - 160 kg
Ackerbohnen Vicia faba var. minor Leguminosen (Fabaceae) tief mittel - viel - X 30 - 50 kg
Esparsette (Türkenklee) Onobrychis viciifolia/sativa Leguminosen (Fabaceae) sehr tief mittel - viel X X 30 - 50 kg
Felderbsen (Peluschke) Pisum arvense/sativum Leguminosen (Fabaceae) mittel mittel - X 30 - 50 kg
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum Leguminosen (Fabaceae) tief gering - X 30 - 50 kg
Bodenfrüchtiger Klee Trifolium subterraneum Leguminosen (Fabaceae) flach mittel - X 30 - 50 kg
Inkarnat-Klee Trifolium incarnatum Leguminosen (Fabaceae) mittel gering X X 30 - 50 kg
Perser-Klee Trifolium resupinatum Leguminosen (Fabacea) tief gering - X 30 - 50 kg
Blaue Lupine Lupinus angustifolius Leguminosen (Fabaceae) sehr tief gering - mittel - X 30 - 50 kg
Gelbe Lupine Lupinus luteus Leguminosen (Fabaceae) sehr tief gering - mittel - X 30 - 50 kg
Weiße Lupine Lupinus albus Leguminosen (Fabaceae) sehr tief gering - mittel - X 30 - 50 kg
Luzerne (Ewiger Klee) Medicago sativa Leguminosen (Fabaceae) tief gering - mittel X X 30 - 50 kg
Platterbse Lathyrus sativus Leguminosen (Fabaceae) mittel mittel - X 30 - 50 kg
Serradella (Krallenklee) Ornithopus sativus Leguminosen (Fabaceae) mittel gering - X 30 - 50 kg
Steinklee (Bucharaklee) Melilotus albus Leguminosen (Fabaceae) sehr tief gering - mittel X X 30 - 50 kg
Sommer-Wicke Vicia sativa Leguminosen (Fabaceae) tief gering - mittel - X 30 - 50 kg
Winter-Wicke Vicia villosa Leguminosen (Fabaceae) tief gering - mittel X X 30 - 50 kg
Sonnenblumen Helianthus annuus Korbblütler (Asteraceae) tief mittel - viel - - 120 - 160 kg
Phacelia Phacelia tanacetifolia Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) mittel sehr gering - gering - - 120 - 160 kg
Landsberger Gemenge Lolium + Trifolium + Vicia Mischkulturen flach - mittel viel X X 100 - 140 kg
Roggen + Wicken Secale cereale + Vicia villosa Mischkulturen flach - mittel viel X X 100 - 140 kg
Weizen + Wicken Triticum aestivum + Vicia villosa Mischkulturen flach - mittel viel X X 100 - 140 kg


1 Wurzeltiefe: sehr flach, flach, mittel, tief, sehr tief
2 Wurzelmasse als Trockensubstanz (TS): sehr gering, gering, mittel viel, sehr viel (nach Kahnt) [2]
3 Der Grad der Nitrat-(N03)-Einwaschungshemmung ist auch vom Saattermin und Durchwurzelungsgrad des Bodens abhängig
4 Der angegebene Stickstoffbedarf bezieht sich auf eine 2-3 Monate Kultur bei leerem Boden, N-min-Vorräte müssen angerechnet werden


Versuche

Versuche mit Gründüngungseinsaaten in gemüsebaulichen Fruchtfolgen sind selten. Es ist deshalb für jeden Gemüseanbauer besonders wichtig, diese zu kennen. Da die Wirkung der Gründüngung vor allem über die Jahre hinweg zu sehen ist, werden im Folgenden nur die Ergebnisse mehrjähriger Untersuchungen vorgestellt. Zur Verstärkung der Aussagekraft und weil in vielen Betrieben der Ackerbau mit Gemüsebau kombiniert ist, sind auch einige Versuchsergebnisse aus dem Ackerbau aufgeführt.


Quellen

Josef Schlaghecken (1988 / 2010): Neustadter Hefte: Gründüngung im Gemüsebau. Herausgeber DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 



Einzelnachweise

  1. L. Reeßing:"Gründüngung im Ackerbau, Erwartungen und Leistungen", DLG, Göttingen, April 1983
  2. a b c G. Kahnt:"Gründüngung", DLG Verlag, Frankfurt, 1981