Gespritzt und doch nicht geholfen

Aus Hortipendium
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Immer wieder kommt es dazu, dass Pflanzen oft mehrmals mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden und trotzdem sind sie - anscheinend - nicht in Ordnung. Dabei handelt es sich meist um eine von zwei Ursachen: Entweder wurde ein falscher Schadverursacher vermutet und deshalb ein falsches Mittel eingesetzt oder der Gartenbesitzer erwartete irrtümlich, dass mit erfolgreicher Bekämpfung das Schadbild auch verschwindet. Hinzu kommen noch die Fälle, bei denen es beim Auftreten der Schadsymptome für eine Behandlung bereits zu spät ist, die dafür geeigneten Mittel folglich auch keine Wirkung mehr zeigen.

Falsche Diagnose - falsches Mittel

So wird z.B. sehr häufig ein Befall durch die Woll- oder Schildlaus (letztere nur im Jugendstadium weiß) für eine Pilzerkrankung gehalten und mit einem Fungizid behandelt. Das Mittel der Wahl wäre in diesen Fällen jedoch ein Produkt auf Ölbasis (Mineralöl oder Rapsöl) gewesen. Die Schildläuse werden von dem Ölfilm überzogen und ersticken. Leider sind diese Mittel nicht bei allen Pflanzen verträglich. Sie sollten möglichst nur vor Austrieb der Gehölze eingesetzt werden. Auch im frühen Herbst kann man damit noch behandeln. Bei hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung kommt es aber unweigerlich zu Verbrennungen.

Auch schwarze Flecken auf klebrigem Untergrund werden schon einmal mit Sternrußtau verwechselt und mit einem Fungizid behandelt. Die schwarze Verfärbung ist tatsächlich auf Rußtaupilze zurück zuführen, die wahren Übeltäter sind jedoch saugende Insekten, wie z.B. Blattläuse oder Weiße Fliege. Sie scheiden einen klebrigen, zuckerhaltigen Saft aus, den sogenannten Honigtau, auf dem sich sehr bald schwarzer Rußtau bildet. Auch hier bringt nur ein Insektizid wirkungsvolle Abhilfe - oft ist aber auch dies nicht mehr nötig, denn die Nützlinge haben zwischenzeitlich die Blattläuse dezimiert. Abspülen mit reichlich Wasser würde genügen!
Am Anfang muss also immer die Frage"Was fehlt der Pflanze? " eindeutig beantwortet werden, bevor nach einem Mittel gegriffen wird.

Falsche Beurteilung des Behandlungserfolges

Anders liegt der Fall, wenn richtig behandelt wurde, von den eingesetzten Mitteln aber eine "Heilung" in Form des Verschwindens von Schadsymptomen erwartet wird. So etwas ist nur in eingeschränktem Umfang bei Mangelsymptomen (z.B. Blattfarbe wird intensiver) möglich. Saug- oder Fraßschäden sind nicht mehr behebbar. Oft scheint der Schaden sogar noch größer zu werden: Ein durch Saugschäden verkrüppeltes Blatt kann sich z.B. beim Wachsen noch mehr kräuseln, da die geschädigten Stellen langsamer wachsen. Löcher durch Fraßschäden (z.B. Schnecken) vergrößern sich in dem Maße, in dem das Blatt wächst. Und auch Schäden durch Pilze wie Blattverfärbungen bleiben erhalten. Manche Pflanzen reagieren auch durch eine Art Selbstheilung auf die Pilzerkrankung, indem das umliegende Blattgewebe abstirbt und herausfällt. In all diesen Fällen wäre eine nochmalige Behandlung zwecklos. Wen es sehr stört, dem bleibt nur noch die Gartenschere, um die Optik zu verbessern.

Falscher Bekämpfungszeitpunkt

Einige Krankheiten und Schädlinge lassen sich nur sinnvoll bekämpfen, wenn dies frühzeitig d.h. vorbeugend geschieht. Doch meist wird deren Auftreten erst bemerkt, wenn die ersten Schadsymptome auftreten. So muss z.B. der Pfirsich bereits im zeitigen Frühjahr, sobald Temperaturen um die 10°C erreicht werden, gegen die Kräuselkrankheit geschützt werden. Geschieht dies rechtzeitig, kann auch mit einem Pflanzenstärkungsmittel ein guter Erfolg erzielt werden. Wird jedoch der Termin verpaßt, hilft auch kein Pflanzenschutzmittel mehr. Spritzungen im Mai, wenn sich die Blätter kräuseln, sind also sinnlos! Ebenso ist es bei Gallmilben. Sobald sich Gallen gebildet haben, ist es für eine Bekämpfung zu spät- wobei hier zu überprüfen ist, ob eine Bekämpfung überhaupt nötig wäre, da meist nur ein optisches Problem vorliegt und es in manchen Fällen auf Grund der Gehölzgröße z.B. eines Walnussbaumes oder einer Ulme, gar nicht möglich ist.

Quellen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz