Gemüsekohl

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Portal: Gemüsebau

Gemüsekohl
Brassica oleracea
Linné
Gemüsekohl.jpg
Die wichtigsten Gemüsekohl Arten
Systematik
Klasse Angiosperme
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung Kreuzblütlerartige
Brassicales
Familie Kreuzblütengewächse
Brassicaceae
Gattung Kohl
Brassica

Gemüsekohl (Brassica oleracea) ist eine formenreiche Pflanzenart der Gattung Kohl (Brassica) in der Familie der Kreuzblütlergewächse (Brassicaceae), deren Zuchtformen etliche Gemüsearten und Sorten umfassen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale des Gemüsekohls

Pflanze:
Die Pflanzen des Gemüsekohls sind meist ein- bis zweijährig, manchmal auch ausdauernd. Die Wuchshöhe beträgt 40 bis 120 Zentimeter. Die Pflanzen sind abstehend-sparrig, jedoch wenig verzweigt und aufrecht. Je größer die Pflanzen sind, desto mehr bilden sich auch verholzte Strünke, die z.B. beim Rosenkohl, schon eine erstaunliche Festigkeit und Stärke erreichen. Sollen sollche Strünke bzw. Bestände bei der Feldbereinigeung Feldhygiene zerkleinert werden, benötigt man schon leistungsstarke Schlägelgeräte.


Blätter:
Bei den heutigen Gemüsekohlarten sind die Blätter extrem unterschiedlich. Sind sie z.B. beim Blumenkohl, Weißkohl und Rotkohl eher glatt und oval, so sind sie beim Gründkohl sehr stark gekräuselt und beim Wirsing sogar stark blasig.


Blüten:
Die Kelchblätter sind aufrecht, die Kronblätter sind schwefelgelb. Auch die Staubblätter sind aufrecht. Blütezeit ist von Mai bis September. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten oder durch Selbstbestäubung.


Früchte:
Die Früchte sind die für die Familie typischen Schoten. Die Verbreitung der Samen erfolgt durch den Wind, durch Selbstausbreitung oder durch den Menschen (Anemochorie, Autochorie, Hemerochorie).


Samen:
Form, Farbe und Gestalt der Gemüsekohl Samen sind im besonderen Maße von der Zugehörigkeit zur Familie der Kreuzblütler Brassicaceae bestimmt. Sie sind sind meist rundlich, hell- bis dunkelbraun und haben einen Durchmesser von etwa 1,7 -2,4 mm. Fotos von den einzelnen Samenarten gibt es im Artikel "Kreuzblütler" unter der Überschrift: Samen der Gemüse-Kreuzblütler.


Genetische Basis:
Alle Formen und Varietäten haben dieselbe Chromosomenzahl 2n = 18. Sie besitzen ca. 100.000 Gene verteilt auf ein Genom von 599-868 Mb (Millionen Basenpaare), und somit 4-10 mal mehr als in der Modellpflanze Arabidopsis thaliana.[1]


Herkunft

Die heutigen Zuchtformen kommen außer in Gärten und Gemüseäckern vereinzelt auch verwildert vor. Man findet sie z.B. auf Schuttplätzen und auf frischen, nährstoffreichen Böden.
Ursprünglich war die Wildform in den meridionalen bis temperaten, ozeanisch geprägten Küstenbereichen Europas heimisch. Er wächst auf Felsen, zum Teil auf Küstenkliffen, aber auch in Gebirgen. In Deutschland kommt die Wildform nur auf Helgoland vor und wird hier „Klippenkohl“ genannt. Er wächst hier in der Pflanzengesellschaft Brassicetum oleraceae (Crithmo-Armerion maritimae) an den Felshängen der Insel und teilweise an Ruderalstandorten, die den Schafen nicht zugänglich sind.


Wildformen

Der Wildkohl kommt in fünf größeren, nicht aneinandergrenzenden Gebieten vor. Die Pflanzen dieser Gebiete unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Morphologie (Wuchshöhe, Verzweigungsgrad, Blattmerkmale, Blütenfarbe), lassen sich jedoch frei untereinander kreuzen. Sie werden daher je nach Autor als Art oder als geografische Rasse geführt:

  1. Brassica cretica Lam. kommt im südlichen Griechenland inklusive Kreta und in der Südwesttürkei auf Küstenkliffen vor. Es ist eine ausdauernde (fünf- bis achtjährige) Form mit verzweigten, holzigen Strünken, fleischigen Blättern und hellgelben bis weißen Blüten.
  2. Brassica rupestris-incana-Komplex ist in Mittel- und Süditalien mit Sizilien und im Dinarischen Gebirge beheimatet. Es ist eine heterogene Gruppe mit folgenden gemeinsamen Merkmalen: große, dünne, behaarte Blätter mit einem einzelnen hohen gipfelständigen Blütentrieb.
  3. Brassica insularis Moris auf Korsika, Sardinien und in Tunesien sind niedrige, verzweigte Pflanzen mit steifen, fleischigen Blättern und großen weißen Blüten.
  4. Brassica montana L. wächst an der nördlichen Mittelmeerküste von Spanien, Frankreich und Italien. es sind strauchige, mehrjährige Pflanzen mit grünen, nicht blaugrauen Blättern.
  5. Brassica oleracea L. wächst an den Küstenfelsen des Atlantiks von Spanien bis Südengland, sowie auf Helgoland. Die Blätter sind graugrün und haarlos.


Geschichte

Wann und wo die Wildformen in Kultur genommen wurden, lässt sich nicht nachvollziehen. Noch 1980 wurde etwa auf Samos der dort wild vorkommende B. cretica von den Einheimischen auf den Äckern gezogen. Alle Wildformen und Kulturformen sind miteinander kreuzbar. Der Grüne Krauskohl lässt sich zumindest für das Griechenland des 3. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen, ebenso für Italien. In Deutschland findet er sich in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts. Kohlrabi und Markstammkohl werden von Plinius dem Älteren erwähnt, in Deutschland lässt er sich ab dem 16. Jahrhundert nachweisen. Die festen Kohlköpfe sind auch erst aus dieser Zeit nachgewiesen, dürften aber schon zur Zeit Hildegards von Bingen im 11. Jahrhundert existiert haben. Brokkoli und Karfiol (Blumenkohl) dürften aus Südgriechenland stammen. Über Genua (um 1490) dürften sie nach Frankreich, Flandern und Deutschland gekommen sein. Die ersten Abbildungen stammen von 1542. Der Rosenkohl ist eine sehr junge Form und stammt aus dem 18. Jahrhundert, wo er zuerst in Belgien auftrat.


Heutige Gemüsekohl Arten

Im laufe der Jahrhunderte hat der Mensch durch Pflanzenselektion und intensiver Zuchtarbeit über 10 verschiedene Gemüsekohl Arten geschaffen. Sehr unterschiedlich sind inzwischen die Pflanzenformen, Pflanzenfarben und insbesondere auch der eßbare Pflanzenteil. Auch der Geschmack variiert beachtlich. Umstritten ist die Zugehörigkeit des Chinakohl zu der Gruppe der Gemüsekohle. Im Sinne der Verwendung und der Meinung vieler Verbraucher gehört er jedoch dazu.

Übersicht der Gemüsekohlarten
Botanischer Name Deutscher Name Pflanze Eßbarer Teil Veränderter Pflanzenteil
Brassica oleracea convar. botrytis var. botrytis L. Romanesco
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Blütenstand: Gestaucht und verdickt!
Brassica oleracea convar. capitata L. Kopfkohl
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Spross: meist kugelig gestaucht!
Brassica oleracea convar. capitata var. alba L. Weißkohl
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Spross: kugelig oder spitz gestaucht!
Brassica oleracea convar. capitata var. rubra L. Rotkohl
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Spross: kugelig gestaucht!
Brassica oleracea convar. capitata var. sabauda L. Wirsing
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Spross: kugelig gestaucht!
Brassica oleracea var. botrytis L. Blumenkohl-weiß
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Blumenkohl Idealkopf.JPG
Blütenstand: Gestaucht und verdickt!
Brassica oleracea var. botrytis L. Blumenkohl-gelbbgrün
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Blütenstand: Gestaucht und verdickt!
Brassica oleracea var. botrytis L. Blumenkohl-violett
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Blütenstand: Gestaucht und verdickt!
Brassica oleracea var. costata DC. Rippenkohl Blätter
Brassica oleracea var. gemmifera DC. Rosenkohl grün
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Spross: Seitentriebe zu Miniköpfchen!
Brassica oleracea var. gemmifera DC. Rosenkohl rot
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Spross: Seitentriebe zu Miniköpfchen!
Brassica oleracea var. gongylodes L. Kohlrabi grün
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Spross: Kugelig verdickt!
Brassica oleracea var. gongylodes L. Kohlrabi blau
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Spross: Kugelig verdickt!
Brassica oleracea var. italica Plenck Brokkoli
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Blütenstand: Gestaucht!
Brassica oleracea var. medullosa Thell. Markstammkohl
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Stängel: Sehr hoch werdend!
Brassica oleracea var. palmifolia DC. Palmkohl
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Blätter: stark gekräuselt!
Brassica oleracea var. ramosa DC. Strauchkohl Spross: verändert!
Brassica oleracea var. sabellica L. Grünkohl grün
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Blätter: stark gekräuselt.
Brassica oleracea var. sabellica L. Grünkohl rot
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Blätter: stark gekräuselt.
Brassica oleracea var. viridis L. Blattkohl Blätter: verändert!
Brassica rapa subsp. pekinensis Chinakohl
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Spross: Gestaucht, kopfbildend!


Gemüsekohl hat spezielle Krankheiten und Schädlinge

Die Gemüsearten innerhalb der Gemüsekohl-Gruppen werden von ganz speziellen Krankheiten und Schädlingen befallen.

Xanthomonas campestris pv. campestris (Adernschwärze):

Diese Bakterienkrankheit gehört weltweit zu den bedeutendsten Krankheiten im Kohlbereich. Die Krankheit ist auf die Kreuzblütlerfamilie spezialisiert, hat aber ihre eigentliche Bedeutung im Bereich der Gemüsekohlarten (Brassica oleracea). Umfangreiche Informationen mit vielen Bildern gibt es Rund um die Adernschwärze an Kohl.


Plasmodiophora brassicae (Kohlhernie)

Diese bodenbürtige Krankheit hat sich auf die Pflanzenarten der Kreuzblütlerfamilie spezialisiert. Zu gewaltigen Ertragsausfällen kommt es vor allem bei den Gemüsekohlarten. Umfangreiche Informationen zum Umgang mit dieser Krankheit bzw. deren Vermeidung in dem umfangreichen Artikel Kohlhernie.


Delia brassicae (Kohlfliege):

Kohlfliegen richten immer wieder enorme Schäden an Pflanzenarten aus der Kreuzblütlerfamilie an. Im Gemüsebaubereich sind insbesondere die Gemüsekohlarten sowie Rettich und Radies betroffen.




Fehlpflanzen können auftreten!

Dunkelgrüne Fehlpflanze.



Gemüsekohl gilt als besonders gesund!


Das Kohlmuseum zeigt alles zum Kopfkohl

Wer sich umfangreich über die Geschichte, den Anbau und der Verwendung von Kopfkohl informieren will und sich für die Sauerkautherstellung interessiert, sollte nach Dithmarschen in Schleswig-Holstein gehen und das dortige Kohlmuseum besuchen.


Videos zum Gemüsekohl


Siehe auch in Hortipendium


Quellen



Einzelnachweise

  1. National Center for Biotechnology Information (NCBI) - Taxonomy Browser Brassica oleracea[1]


Weblinks

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