Gefahren beim Bärlauchverzehr

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Vergiftungsgefahr beim Bärlauchverzehr!

Portal: Gemüsebau

Hauptartikel: Bärlauch

Bärlauch-Blätter können bei der Ernte z.B. im Wald mit den Blättern einiger giftigen Pflanzen verwechselt werden. In erster Linie sind dies der Gefleckter Aronstab, die Herbst-Zeitlose und das Maiglöckchen. Bei der Ernte von Bärlauchblättern aber auch bei der Verwendung von gekauftem Bärlauch deshalb sorgfälltig die Echtheit prüfen. Beim frischen Austrieb des Bärlauchs gibt es auch schon den Aronstab und die Herbstzeitlose, später, etwa ab Ende April (Pfalz), kommt dann noch das Maiglöcken dazu.

Woran kann man den Bärlauch eindeutig erkennen?

Bärlauch Pflanzenteile
  • Lanzettliche, langgestielten Blätter
  • Immer nur ein Blatt auf einem Blaatstiel (Beim Maiglöckchen 2)
  • Knoblauchähnlicher Geruch, insbesondere wenn man z.B. ein Blatt zerdrückt
  • Dreikantiger Stängel an den Blättern und am Blütenstand (Scheindolde)
  • Kugelige Blütenstände auf einem langem Stiel mit bis zu 20 weiße, Blütchen
  • Pro Blüte 6 kleine, weiße Blütenblätter

Auf jeden Fall ist es für den Bärlauch Blättersammler sinnvoll, die aufgeführten, aktuellen Giftpflanzen genau kennenzulernen.

  • Im Folgenden werden die Giftpflanzen vorgestellt.
  • Beim erwerbsmäßigen Ernten der Bärlauchblätter im Wald sind alle Mitarbeiter intensiv bezüglich der Giftpflanzenrisiken zu schulen.
  • Jeder sollte am Arbeitsplatz Fotos, ähnlich wie sie hier aufgeführt sind, zum Vergleich vorfinden.
  • Um auf die Gefahren beim Sammeln und Kauf von Bärlauchblätter hinzuweisen, geben die Giftzentralen der verschiedenen Regionen immer wieder entsprechende Hinweise heraus.
  • Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung sofort einen Arzt aufsuchen oder den örtlichen Giftnotruf anrufen.
  • Unter dem aufgeführen Link findet man die wichtigsten Telefonnummern der zuständigen Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.



Giftiger Aronstab im Bärlauch

Eine lebensgefährliche Verwechselung von Bärlauchblätter (Arum) mit Blättern des Aronstabs ist möglich. Schon wenn der Bärlauch seine ersten Blätter bildet, wachsen am gleichen Standort oft auch die ähnlich aussehenden Aronstabblätter. Eine Verwechselung kommt immer wieder vor. Sieht man etwas genauer hin, bemerkt man, dass die Aronstabblätter nicht so länglich schlank sind wie beim Bärlauch. Anronstabblätter sind meist pfeilförmig. Einige der jungen Aronstabblätter sind jedoch leicht mit den Blättern des Bärlauchs zu verwechselen. Später im Frühjahr, etwa ab Mitte April, bilden die Aronstabpflanzen ihre typischen Blütenstände mit dem keulenförmigen Kolben, dann sind die Aronstabpflanzen ganz deutlich vom Bärlauch zu unterscheiden.

Was passieren kann, zeigt eine Meldung des Hygiene-Institutes in Hamburg:
"Vorsicht beim Kauf von Bärlauch: Veranlasst durch eine Verbraucherbeschwerde hat das Hygiene- Institut eine Probe von einem Hamburger Wochenmarkt untersucht und dabei festgestellt, dass Bärlauch mit giftigen Aronstabblättern verunreinigt war. Die Vergiftungserscheinungen, die beim Verzehr von Aronstabblättern auftreten können, reichen von starker Schwellung und Entzündung der Mundschleimhäute, die mit brennenden Schmerzen verbunden sind, über Magen-Darm-Beschwerden bis zu tödlich endendem Koma. Aus diesem Grund wurde die Probe als gesundheits-gefährdend eingestuft".
Detaillierte Hinweise
zum Thema "Aronstab" findet man unter anderem im Internet z.B. bei: Wikipedia-Aronstab


Giftige Maiglöckchen im Bärlauch

Maiglöckchen (Convalaria majalis) sind giftig. Ihre Blätter haben eine gewisse Ähnlichkeit mit denen des Bärlauchs. Im Gegensatz zum Bärlauch der einzelne Blätter auf seinen Blattstielen trägt, hat das Maiglöckchen jeweils zwei Blätter auf einem Blattstiel.
Interessant zu wissen ist auch, dass die Maiglöckchen später als der Bärlauch seine Blätter austreibt. Je nach Region ist das etwa vier Wochen später. eine Verwechselungsgefahr besteht deshalb in der Rheinpfalz erst etwa ab Mitte bis Ende April.
Detaillierte Hinweise
zum Thema "Maiglöckchen" findet man unter anderem im Internet z.B. bei: Wikipedia-Maiglöckchen


Maiglöckchen Videos
Im Internet gibt es ein wissenswertes Online-Video zum Themenbereich "Maiglöckchen". Hier kann man sich sehr gut und schnell einen Überblick über diese giftige Pflanze verschaffen.

Übersichtstabelle mit Link zu einem Maiglöckchen Video:

Titel (mit Link) Bemerkung Dauer
Maiglöckchen schön tödlich! Waldhandwerk 1:07 Min.
Bärlauch vorziehen - ernten - von Maiglöckchen unterscheiden. Neues vom Lande, Video von 21014 2:45 Min.


Giftige Herbstzeitlose im Bärlauch

Für Bärlauchliebhaber kann auch die sehr giftige Herbstzeitlose, Colchicum autumnale, gefährlich werden. Die Blätter haben eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bärlauch, sind aber nicht gestielt. Das in der Pflanze vorkommende Gift heißt Colchicin.


Die Herbstzeitlose liebt, ähnlich wie der Bärlauch, feuchte Wiesen und Wälder. Er kommt deshalb auch an entsprechenden Stellen gemeinsam mit dem Bärlauch vor. Wer beide Pflanzenarten kennt, kann sie eigentlich nicht verwechseln. Das es trotzdem immer wieder zu Vergiftungsfällen kommt, zeigen die folgenden Zeitungsberichte.

Todesfall in Voralberg:
Von einem Todesfall berichtet die Baseler Zeitung am 04.04.2003. "In Vorarlberg ist ein 62-jähriger Mann an einer Vergiftung durch Herbstzeitlosenblätter gestorben. Er hatte die hoch giftigen Blätter gepflückt und mit einem Kartoffelsalat gegessen - in Annahme, es handle sich um Bärlauch. Der Mann starb nach seiner Einlieferung ins Spital Feldkirch. Seine Frau, die ebenfalls von den Herbstzeitlosenblättern gegessen hatte, überlebte die gefährliche Mahlzeit".

In Österreich schrieb die Zeitschrift "Die kleine Presse" am 29.03.2004:
"Immer wieder sorgt die Ähnlichkeit zwischen dem bekömmlichen Bärlauch und der giftigen Herbstzeitlose für Unsicherheit. Die tragischen Todesfälle in Oberösterreich - Herbstzeitlosenblätter im vermeintlichen Bärlauchstrudel wurden einem Ehepaar zum Verhängnis - schockierten auch steirische Lebensmittelkontrolleure."

"Tödliches Kraut" Süddeutsche Zeitung am 21.04.2009!
"Ein 70-jährigen Rentner ist am Wochenende an einer Vergiftung gestorben. Der Mann hatte beim Bärlauch-Sammeln versehentlich die hochgiftige Herbstzeitlose mitgepflückt. Das grüne Kraut sollte dem Frühlingssalat die besondere Würze geben. Einem 70-jährigen Rentner aus Neufahrn brachte es am vergangenen Wochenende einen qualvollen Vergiftungstod. Der Mann hatte beim Bärlauch-Sammeln versehentlich einige Blätter der hochgiftigen Herbstzeitlosen mitgepflückt. Wer nur eine Handvoll dieser Stängel verzehrt, gerät in Lebensgefahr."

"Fünf Bärlauchsammler in Klinik:" Süddeutsche Zeitung am 21.04.2009!
In München wurden in der vergangenen Woche fünf Bärlauch-Sammler in Kliniken eingeliefert, die Colchizin, das Gift der Herbstzeitlosen, im Körper hatten, wie Thomas Zilker, Leiter der Abteilung für Toxikologie, am Klinikum rechts der Isar berichtet. Schon ein Blatt der giftigen Pflanze löse Bauchweh, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen aus. Zehn Blätter seien definitiv tödlich. Wenn das selbstgepflückte Kraut merkwürdig bitter schmeckt und etwa eine Stunde nach dem Essen ein Brennen und Kratzen in Mund und Rachen auftritt, sollte man sofort die Giftnotrufzentrale anrufen oder in die nächste Klinik fahren.

Detaillierte Hinweise
zum Thema "Herbstzeitlose" findet man unter anderem im Internet z.B. bei: Wikipedia-Herbstzeitlose


Herbstzeitlose Videos
Im Internet gibt es ein wissenswertes Online-Videos zum Themenbereich "Herbstzeitlose". Hier kann man sich sehr gut und schnell einen Überblick über dies egiftige Pflanze verschaffen.

Übersichtstabelle mit Link zu einem Herbstzeitlose Video:

Titel (mit Link) Bemerkung Dauer
Vom Ahorn bis zur Zwiebel: Die Herbstzeitlose Eine von BR-Alpha Fernsehsendung vom 02.07.2010 5:00 Min.


Gefahren beim Bärlauchverzehr durch den Kleinen Fuchsbandwurm

Kleiner Fuchsbandwurm, Echinococcus multilocularis

Grundsätzlich besteht beim Sammeln von Wildpflanzen die Gefahr der Übertragung von Eiern des gefährlichen „Kleinen Fuchsbandwurmes“ (Echinococcus multilocularis). Dieser wird vor allem durch den Rotfuchs übertragen. Die mit bloßem Auge nicht sichtbaren Eier, befinden sich massenhaft im Kot der befallenen Füchse. Gefährdet sind vorwiegend Pflanzenteile in Bodennähe, die mit einem Fuchs in Berührung kommen. Der Kleine Fuchsbandwurm ist gefährlicher als die verschiedenen anderen Bandwürmer. Seltener kommt der Kleine Fuchsbandwurm auch bei Hund und Katzen vor. Werden die Eier z.B. über Bärlauchblätter vom Menschen aufgenommen, so kann es zu einer gefährlichen Lebererkrankung (Alveoläre Echinokokkose) kommen.

Die Inkubationszeit bis zum Auftreten erster Krankheitsbeschwerden kann bis zu 15 Jahre dauern. Außerdem gibt es Fälle, in denen der Parasit sein Wachstum nach einiger Zeit einstellt und sogar abstirbt, so dass es zu keiner eigentlichen Erkrankung kommt. Laut Prof. Richard Lucius von der Uni Hohenheim sind im Jahr 2001 in der BRD 51 Menschen am kleinen Fuchsbandwurm erkrankt. Die frühzeitige Erkennung einer Fuchsbandwurm-Infektion ist durch eine Blutuntersuchung möglich. Personen, die Kontakt mit infizierten Füchsen, Hunden oder Katzen hatten, können vorsorglich einen Bluttest durchführen lassen. Ein Befall durch den Kleinen Fuchsbandwurm kann tödlich enden. Mittlerweile hat sich die Überlebensrate aber durch verbesserte Behandlungsmethoden auf ca. 90% erhöht.

Rotfuchs

Wissenswertes zum Fuchsbandwurm in Stichworten:

  • Generell gilt das Übertragungsrisiko als gering
  • Untersuchungen der UNI-Hohenheim zeigen Befallraten von 15-70% bei Füchsen
  • In Baden-Württemberg soll es keine befallsfreie Region mehr geben
  • Eine Schweizer Studie zeigt, dass 1 von 33 Katzen und 6 von 86 Hunden befallen waren
  • Personen, die regelmäßig Kontakt zu Füchsen haben (z.B. Jäger), sollten sich etwa alle 3-5 Jahre untersuchen lassen
  • Die Eier des Kleinen Fuchsbandwurmes überleben an trockenen und sonnigen Platzen kaum zwei Tage
  • Durch Erhitzung auf 70°C sollen die Eier sofort abgetötet werden
  • Einfrieren hilft nicht
  • Gründliches Abwaschen ist zu empfehlen, ist aber kein sicherer Schutz
  • Ein kurzzeitiges Eintauchen in kochendes Wasser erscheint eine praktikable Lösung


Detaillierte Hinweise zum Fuchsbandwurm
zum Thema: Fuchsbandwurm findet man unter anderem im Internet z.B. bei:
Wikipedia-Fuchsbandwurm
Bärlauch: Der kleine Fuchsbandwurm
Bild der Wissenschaft: Heidelbeeren, Bärlauch und Hund: Wo der Fuchsbandwurm wirklich lauert

Mehr Sicherheit
Garantiert bandwurmfreie Bärlauch-Blätter aus kontrolliertem Anbau auf dem Markt anbieten zu können, erscheint interessant.

Fuchsbandwurm Videos
Im Internet findet man immer mehr wissenswerte Online-Videos zum Themenbereich "Fuchsbandwurm". Hier kann man sich sehr gut und schnell einen Überblick über das Problem verschaffen. Im Folgenden eine Sammlung bemerkenswerter Videos mit Links für den direkten Aufruf.

Übersichtstabelle mit Links zu Fuchsbandwurm Videos:

Titel (mit Link) Bemerkung Dauer
Fuchsbandwurm gefürchtet, aber sehr selten Eine Fernsehsendung von BR-Alpha am 26.01.2010 3:00 Min.
Fuchsbandwurm in Tieren Fuchsbandwurm Biologie und Forschung, Film vom 22.09.2006 2:25 Min.
Tiersprechstunde: Fuchsbandwurm bei Tieren Hit Radio Antenne: Gespräch vom 31.03.2010 6:42 Min.
Der kleine Fuchsbandwurm Gassi TV: Gesund & Munter vom 23. Februar 2009 3:04 Min.



Beim Bärlauchsammeln auf Zeckenbisse achten!

Etwas vollgesogene Zecke

Wer im Wald bzw. in den Wildbeständen Bärlauch als Selbstversorger oder professionell Blätter erntet, läuft Gefahr von Zecken gebissen zu werden.
Damit besteht das Risiko einer Erkrankung an Borreliose sowie Frühsommer-Meningitis (FSME).
Die Übertragung der Krankheit erfolgt u.a. durch die an Bärlauchstandorten oft vorkommenden Zecken.
Der Autor dieser Texte, Josef Schlaghecken, hat selber bei seinen Bärlauchstudien im Bienwald bei Karlruhe, eine schlimme Borrelioserkrankung durch einen Zeckenbiss erlebt.
Alle betroffenen Personen sollten sich wegen der drohenden Gefahren unbedingt mit den Risiken und den hilfreichen Vorsorgemaßnahemn beschäftigen.

Detaillierte Hinweise zum Thema Zecken, Bolleliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) findet man unter anderem im Internet z.B. bei:


Zecken Videos
Im Internet findet man immer mehr wissenswerte Online-Videos zum Themenbereich "Zecken". Hier kann man sich sehr gut und schnell einen Überblick über das Problem verschaffen. Im Folgenden eine Sammlung bemerkenswerter Videos mit Links für den direkten Aufruf.

Übersichtstabelle mit Links zu Zecken Videos:

Titel (mit Link) Bemerkung Dauer
Wie gefährlich sind Zecken wirklich? Eine Fernsehsendung vom SWR/BW, von2009 6:49 Min.
Vorsicht Zecken Ein Film des SWR von 2016 2:31 Min.
So schützen Sie sich vor Zecken. Ein W&B Video von 2016 5:01 Min.
Zeckenentfentfernung mit der Ein Video von www.zecken.info von 2009 2:43 Min.


Siehe auch in Hortipendium


Quellen

Josef Schlaghecken (2008): Neustadter Hefte - Rund um den Bärlauch. DRL Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 

Claudia Boss-Teichmann, Thomas Richter (2002): Garten-Fit, Bärlauch und Knoblauch. Ulmer Eugen Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-3905-7

D. Aichele, M.Golte-Bechtle (1997): Was blüht den da?. Fanckh-Kosmos. Stuttgart. ISBN 3-440-07244-4


Weblinks