Frankliniella occidentalis

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Kalifornischer Blütenthrips
Frankliniella occidentalis
Frankliniella occidentalis PaDIL136422a.jpg
Adultes Weibchen: links dunkle Winterform, rechts Sommerform
Systematik
Klasse Insekten
Insecta
Unterklasse Fluginsekten
Ptrygota
Überordnung Neuflügler
Neoptera
Ordnung Fransenflügler
Thysanoptera
Unterordnung Terebrantia
Familie Thripidae
Gattung Frankliniella


Der Kalifornische Blütenthrips Frankliniella occidentalis stammt von der Westküste Nordamerikas. Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich westlich der Rocky Mountains von Kanada bis Mexiko. Er ist aber mittlerweile durch den intensiven Handel mit Zierpflanzen fast weltweit verbreitet. Nur in den tropischen Gebieten Afrikas und Südamerikas kommt er nicht vor. 1983 importiert, erfolgte eine schnelle Etablierung in Gewächshauskulturen. Es wurde in Europa zuerst in Deutschland gefunden, 1984 trat er auch in den Niederlanden auf, ab 1986 verursachte er große Probleme in Chrysanthemen. Gründe für eine schnelle Invasion waren seine geringe Größe und versteckte Lebensweise, durch die Frankliniella wahrscheinlich bei Pflanzenkontrollen nicht entdeckt und somit mehrfach eingeschleppt wurde. Da der Kalifornische Blütenthrips keine Diapause einlegt, kann sich die Population im Frühjahr sehr früh aufbauen, ohne das er von natürlichen Feinden ernsthaft attackiert werden kann. Frankliniella occidentalis tritt an 500 Pflanzenarten aus 50 verschiedenen Familien auf, darunter viele Zierpflanzen und Gemüsekulturen wie Gurken, Paprika und Auberginen. Im Sommer kommt er auch an Freilandpflanzen vor.

Biologie

Lebenszyklus und Erscheinungsbild

Ei- 2 Larvenstadien – 2 Ruhestadien (Präpuppenstadium – Puppenstadium) – adultes Tier

Die Eier des Kalifornischen Blütenthrips sind 0,25 mm breit und 0,55 mm lang, undurchsichtig, und nierenförmig. Sie werden einzeln verteilt, manchmal auch in Reihen in der Nähe von Blattadern abgelegt. Mit dem sägeähnlichen Legebohrer werden Schnitte in der Epidermis von weichen Pflanzenteilen von Blüten, Blättern oder Früchten ausgeführt, in denen die Eier gelegt werden. Das erste Larvenstadium ist zunächst weiß bis fast transparent und wird später gelb, orange oder sogar rot bis violett. Der Körper besteht aus Kopf, drei Brust- und 11 Hinterleibsegmenten und 3 Beinpaaren. Es beginnt sofort zu saugen und häutet sich an einer geschützten Stelle, wenn es die doppelte Größe erreicht hat. Das zweite Larvenstadium ist hellgelb und verpuppt sich später im Substrat oder Boden. Die beiden Puppenstadien saugen nicht und haben Beine. Das Vorpuppenstadium hat Flügelknospen und rudimentäre Antennen. Das Puppenstadium hat voll entwickelte Antennen, die über den Kopf zurück gebogen sind, langgestreckte Flügel und Beine und der Körper hat die Proportionen des adulten Tieres. Die adulten Tiere haben vier Flügel gefranst mit langen Haaren. Der Körper ist schlank und von Bauch-und Rückenseite her abgeflacht. Die Flügel sind in Ruhe längs dem Rücken gefaltet. Die Weibchen sind 1,3 bis 1,4 mm lang und gelb bis dunkelbraun. Der Eilegebohrer ist am Abdomen deutlich zu sehen. Die Männchen sind kleiner und blasser und haben am Hinterleib zwei orangefarbene Flecken.

Populationsentwicklung

Das Populationswachstum hängt hauptsächlich von der Temperatur, aber auch von der Luftfeuchtigkeit und der Wirtspflanze ab. Am schnellsten ist die Entwicklung bei 30°C. Die Vermehrung erfolgt geschlechtlich und ungeschlechtlich. Unbefruchtete Weibchen produzieren ausschließlich Männchen, befruchtete Weibchen Männchen und Weibchen im Verhältnis 1:2. Zu Beginn des Jahres finden sich mehr Männchen in den Pflanzenbeständen als Weibchen, später im Jahr ist das Verhältnis umgekehrt. Bei 25°C legen Weibchen mit Gurken als Wirtspflanze drei Eier pro Tag, mit Pollen als zusätzlicher Nahrung kann die Anzahl noch höher sein. Bei dieser Temperatur kann sich die Population unter optimalen Bedingungen an Gurken in vier Tagen verdoppeln. Mit der Entwicklungszeit von Thrips tabaci verhält es sich kaum anders. Frankliniella occidentalis hat aber den Vorteil, dass er größere Resistenzen gegenüber Insektiziden und durch seine größere Körpergröße einen besseren Schutz gegen natürliche Gegenspieler besitzt. Auch nutzt er vorhandenen Pollen besser als Nahrung, da er sich gerne in Blüten aufhält. Im Kurztag macht Frankliniella keine Diapause wie Thrips tabaci und ist somit im Frühjahr schneller in der Entwicklung. Bei Temperaturen über 25°C steigt die Mortalität beim Kalifornischen Blütenthrips schnell an und die Lebensspanne sinkt rapide. Über 35°C findet keine Entwicklung mehr statt. Die Anwesenheit von Spinnmilben fördert einen Befall durch Frankliniella, da die Gespinste einen Schutz gegen natürliche Feinde darstellen und sich die Thripse auch von Spinnmilbeneiern ernähren. Im Winter geht in geheizten Gewächshäusern die Entwicklung der Thripse weiter. Bei niedrigen Temperaturen stoppt die Entwicklung und Larven und adulte Tiere suchen sich in frostfreien oder ungeheizten Gewächshäusern geschützte Stellen, um den Winter zu überstehen. Puppen und ausgewachsene Tiere können aber auch eine Winterruhe im Boden einlegen. Eine Überwinterung im Freiland ist in Mitteleuropa nicht bekannt. Beim Ansteigen der Temperaturen werden die Thripse dann wieder aktiv.


Das Populationswachstum von Frankliniella occidentalis an Chrysanthemen bei verschiedenen Temperaturen[1]

Temperatur (°C) 15 20 25 30 35
Entwicklung in Tagen
Ei 10,1 6,6 3,2 2,5 2,4
Larve (1. Stadium) 5,6 2,9 1,7 1,3 1,4
Larve (2. Stadium) 11,5 9,5 4,8 2,6 3,3
Präpuppenstadium 3,6 2,2 1,1 0,9 1,0
Puppenstadium 8,6 5,1 2,7 2,0 1,9
Ei bis Insekt 39,4 26,3 13,5 9,3 10
Voreiablagezeit in Tagen* 6,4 2,1 1,7 1,6 1,4
Ei bis Ei 45,8 28,4 15,2 10,9 11,4
Sterblichkeit bei Entwicklung bis zum Insekt (%) 13,7 13,2 8,9 10 27,1
Lebensdauer 46,3 75,2 31,4 12,7 9,5
ausgeschlüpfte Eier pro Weibchen 50,5 125,9 135,6 42 5,1

*Voreiablagezeit: Zeit vom Schlupf aus der Puppe bis zur 1. Eiablage

Schäden

Der Kalifornische Blütenthrips saugt die Zellen jungen Gewebes von Blättern, Blüten und auch Früchten aus. Auf Blättern sind silbrige Flecken und Kottröpfchen, auf Blüten Verfärbungen zu sehen. Beim Weiterwachsen sind die Pflanzenteile dann stark verformt und weisen Verkorkungen auf. Blüten öffnen sich zum Teil gar nicht mehr. Bei Saintpaulien werden die Blüten durch Pollentransport von Thripsen verunreinigt. Neben den direkten Schäden bereitet die Übertragung von Virosen wie Tomatebronzefleckenvirus (TSWV) und Impatiens Necrotic Spot Virus (INSV) große Probleme. Diese Virosen verursachen hauptsächlich an vielen Zierpflanzen starke Schäden, die Pflanzen müssen bei Befall entsorgt werden. Seit dem Auftreten von Frankliniella ist der Befall durch Virosen gestiegen, da die Populationen von Frankliniella deutlich größer sind als die von anderen Thripsarten. Nur das erste Larvenstadium kann den Virus aufnehmen, verbreitet wird er aber durch Larven und adulte Tiere. An die Nachkommen werden die Virosen nicht weitergegeben.

Verbreitung

Thrips empfindliche Zierpflanzen sind Chrysanthemen, Rosen, Verbenen, Pelargonium-Peltatum-Hybriden, Impatiens, Gerbera, Cyclamen und andere Kulturen. Im Gemüsebau werden Gurken, Paprika und Auberginen befallen. Bevorzugt werden junge Pflanzenteile und Blüten mit Pollen. Zunächst erfolgt ein Befall der Triebspitzen, bei Entwicklung von Blütenknospen werden diese befallen.

Bekämpfung

Zur Thripskontrolle, besonders in nicht blühenden Pflanzenbeständen, eignen sich beleimte Blautafeln. Aber auch mit Gelbtafeln lassen sich Thripse fangen.

Als Nützling wird am häufigsten Amblyseius cucumeris gegen Thripse eingesetzt. Weitere Raubmilbenarten, die gegen Thripse Anwendung finden, sind Amblyseius swirskii, Amblyseius barkeri, Amblydromalus limonicus und Amblyseius montdorensis. Weitere Gegenspieler wie Orius, Hypoaspis, Amblyseius californicus und andere haben auch eine Wirkung gegen Thripse.

Zur chemischen Bekämpfung werden im Zierpflanzenbau die Wirkstoffe Spinosad, Methiocarb, Dimethoat, Azadirachtin oder Abamectin eingesetzt. Bei Befall muss mehrmals im Abstand von drei bis fünf Tagen behandelt werden. Beim Einsatz der chemischen Präparate ist auf die jeweilige Zulassungssituation und auf die Pflanzenverträglichkeit zu achten. PS Info: Aktuelle Zulassungssituation für den Erwerbsgartenbau
PS Info: Aktuelle Zulassungssituation für den Hobbybereich

Quellen

  1. K. L. Robb,1989: Analysis of Frankliniella occidentalis (Pergande) as a pest of floricultural crops in California greenhouses. PhD dissertation, University of California – Riverside 57 pp

R. Albert, C. Allgaier, H. Schneller, K. Schrameyer (2007): Biologischer Pflanzenschutz im Gewächshaus. Eugen Ulmer KG. Stuttgart. 

M.-H. Malais, W. J. Ravensberg (2003): Knowing and recognizing. Red Business Information. Doetinchem, NL. 

R. F. L. Mau, J. L. M. Kessing (1993): Frankliniella occidentalis (Pergande). Department of Entomology, Honolulu, Hawai. http://www.extento.hawaii.edu/Kbase/crop/type/f_occide.htm. 

Wikipedia Frankliniella occidentalis[1] am 11.03.15