Echte Feige

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Echte Feige
Ficus carica
Linnaeus
Ficus carica 005.jpg
Ficus carica
Systematik
Klasse Bedecktsamer
Magnoliopsida
Gruppe Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung Rosenartige
Rosales
Familie Maulbeergewächse
Moraceae
Gattung Feigen
Ficus

Die Echte Feige (Ficus carica) ist in Syrien, Persien, Kleinasien, Griechenland und Nordafrika beheimatet. Sie gehört zu den Maulbeergewächsen (Moraceae). Von den Assyrern wurde sie schon vor 5000 Jahren in Kultur genommen und werden seither als Nahrungs- und Nutzpflanze angebaut. Der römische Name Fico/Ficus soll von dem hebräischen "feg" kommen, "carica" weist auf Karien hin, eine von den Kariern bewohnte Landschaft im Südwesten Kleinasiens. Die Familie Moraceae ist in den Tropen und Subtropen verbreitet. Ihr gehören 40 Gattungen an, von denen Ficus die arten- und individuenreichste ist (insgesamt ca. 2000 tropische und subtropische Baum-, Strauch- oder Weinarten). Weiterhin bekannte Arten, die als Zimmerpflanzen bekannt geworden sind, sind Ficus benjamini (Birkenfeige), Ficus elastica (Gummibaum), Ficus lyrata (Geigenfeige), sowie die in Südostasien verbreitete Art Ficus benghalensis (eine Würgefeige).

Kulturgeschichte

Von den Heimatländern aus breitete sich die Feige in fast alle tropischen und subtropischen Gebiete der Erde (USA, Südamerika, Südafrika, Südaustralien) aus. Ägyptische Dokumente berichten über Feigenkultur aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. Nach griechischen Legenden soll Dionysus Sycetes der Entdecker des Feigenbaumes sein. Andere glauben, Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, habe ihn zuerst nach Griechenland gebracht. Eine dritte Darstellung behauptet, er sei aus Jupiters Blitz entstanden.
Durch Inkulturnahme (vegetative Vermehrung, Veredlung, Stecklinge) der Feige verbessert sich die Fruchtgröße und der Zuckergehalt. Im Altertum spielte die Feige für die Ernährung im Mittelmeerraum eine wichtige Rolle. 1520 gelangt sie auf die westindischen Inseln. Cortez bringt die Feige 1560 nach Mexiko, 1579 in das Gebiet der heutigen USA , 1669 soll sie erstmals im Staate Virginia (USA) angebaut worden sein, 1769 in Kalifornien, wo ab 1899 ein intensiver Anbau von Smyrnafeigen einsetzt. Schon früh werden Feigen auch nördlich der Alpen bis in den Südwesten von England angebaut.
Neben medizinischen Gutachten römischer und griechischer Ärzte und Schriftsteller zählt Hildegard von Bingen - sie hatte um 1150 auf dem Rupertsberge einen Anbau von Feigen - in ihrem Buch "Physika" die Feige zu den "bedingt guten Nahrungsmitteln". Die Blätter und Wurzeln seien gut gegen Kopfweh, Augen- und Brustleiden. Von ihr kommt die abergläubische Anschauung, dass ein Stock aus Feigenholz eine Schwächung der Körperkraft des Trägers verursacht (weiches Holz), bei der Verwendung eines Spazierstockes aus Kastanienholz (hartes Holz) erwartet sie das Gegenteil. Der Botaniker Hieronymus Bock und der Arzt Tabernaemontanus weisen in ihren zwischen 1539 und 1588 erschienenen Werken darauf hin, daß es "zahme und wilde, weiße und schwarze, große und kleine, geschlachte und ungeschlachte Feigen" gibt.
Der Feigenbaum ist einer der ersten Bäume, welcher mit Namen in der Bibel zu finden ist (5. Moses 8.8.). Bekannt ist auch das Gleichnis vom unfruchtbaren Feigenbaum (Lukas, 13). Sie wird gelegentlich auch statt des Apfels als der Baum der Erkenntnis aus dem Paradies angesehen. Die Feigenfrucht ist Sinnbild für das weibliche Geschlecht, Feigenholz wurde bevorzugt verwendet zum Schnitzen des kultischen Penis. Die sexuell geprägte Symbolik der Feige trägt auch negative Züge. "Mit der Feig’n hausieren" ist in Wien ein volkstümlicher Ausdruck für Prostitution, ein Schürzenjäger ist "a Feigen-Tandler".

Kulturformen

Unbefruchtete Feigen
Aus der wilden Feige gehen zwei Kulturformen hervor. Zum einen die Ziegen- oder Bocksfeige (Caprificus) mit kleinen, ungenießbaren Früchten, sowohl männlich als auch weiblich. Zum anderen die "Echte Feige" oder Eßfeige (Calimyrnafeige), nur mit weiblichen Blüten. Befruchtet wird sie mit Hilfe von Gallwespen durch Pollen der Ziegenfeige (Kaprifikation). Heute gibt es fast nur noch Feigen, die ohne Befruchtung Früchte bilden. Nur solche, in Baumschulen über Ableger angezogenen Sträucher sollte man pflanzen.
Vorzeitiger Fruchtfall aufgrund unbefruchteter Feigen

Verwandte Arten

Am Mittelmeer sind unkultivierte, feigenähnliche Ficussträucher häufig zu finden. Da sie sich mit den kultivierten Feigensorten kreuzen, ist eine genaue Trennung nicht möglich. Im Norden der Türkei, des Irans und im Transkaukasus bilden wilde Feigensträucher ein bedeutendes Element der Strauchflora. Manche Botaniker halten sie für selbstständige Arten und führen sie unter der Bezeichnung Ficus colchica und Ficus hyrcanica. In der carica Gruppe sind die strauchartigen, Trockenheit liebenden Arten aus dem südlichen Iran, Afghanistan, der Wüste Negev und Ägypten zu erwähnen: Ficus geraniifolia, Ficus virgata und Ficus pseudosycomorus. Unreife Feigen enthalten im Latex das eiweißspaltende Enzym Ficin und Lipasen und Stoffe, die Hautausschläge und Juckreize hervorrufen. Reife Feigen haben den Latex umgewandelt. Geblieben ist die verdauungsfördernde Wirkung der Früchte.

Merkmale

Wildformen der Feigenbäume können 50 bis 90 Jahre alt und bis zu 10 Meter hoch werden. Erwerbsmäßig angebaute Feigen werden durch Erziehung auf 3 bis 4 Meter in ihrem Wachstum begrenzt. Die Äste wachsen schon unmittelbar über dem Boden diametral aus, so dass sich der Habitus eines Strauches ergibt, der deutlich breiter als hoch ist. Das Holz ist weich und leicht aschgrau gefärbt und neigt leicht zum Verfall. Die Gestalt der Sträucher ist oft bizarr, brüchiges und frostanfälliges Holz verfällt, während Kronpartien intensiv weiterwachsen. Feigen sind laubabwerfend, in den Subtropen auch immergrün mit langstieligen, dicken, drei- bis fünflappigen rauen Blättern, die 10 bis 20 cm lang werden. An den Ästen befinden sich hölzerne Blattknospen (klein, in den Blattachseln), Fruchtknospen (hemisphärisch und zusätzlich zu den hölzernen Blattknospen), gemischte Knospen (große und kegelförmig gestaltete Endknospen) sowie Adventivknospen (entspringen nicht an vorbestimmten Stellen) und Seitenknospen (schlafende Augen = Entfaltung erst nach Beschädigung des Hauptsprosses). Die Wurzeln sind kräftig mit einem flachen und weit ausgedehnten Wurzelwachstum, welches sich leicht um das dreifache der Krone ausdehnen kann.
Alle Ficus-Arten besitzen verzweigte Milchsaftzellen. Der Latex-Partikel enthaltene Milchsaft wird nach Verletzung durch Schnittmaßnahmen und bei der Fruchternte abgesondert. Bei empfindlicher Haut kann der Kontakt mit dem Milchsaft zu Hautentzündung führen.

Die in den Blattachseln sitzenden 3 bis 10 cm großen Früchte können birnenförmiger bis kugeliger Gestalt sein. Hinsichtlich ihrer Fruchthaut im Reifezustand werden gelbe bis grüne und dunkel gefärbte (rot- bzw. dunkelviolette bis schwarze) Feigensorten unterschieden. Das Fruchtfleisch ist süß, fleischig und saftig, sowie je nach Sorte weiß, goldgelb, rötlich oder violett gefärbt. Die Früchte werden nur am Baum reif. Der Reifegrad ist an der sortentypischen Farbe und an der Weichheit zu erkennen, d. h. wenn sie sich unter leichtem Druck vom Zweig lösen lassen.

Früchte von Ficus carica

Die Frucht aller Ficus-Arten ist ein Fruchtstand (Syconium). Die sehr kleinen Blüten sind zu achselständigen Blütenständen vereint. Die verdickte Blütenstandsachse (Rezeptakel) gestaltet sich zu einem birnenförmigen Krug um, der auf seiner Innenwand Hunderte von eingeschlechtlichen Blüten trägt und oben eine kleine Öffnung (Ostiole) besitzt, die von Hochblättern locker verschlossen wird. Aus diesem Grund sind die Blüten auch nicht sichtbar, die scheinbaren Fruchtansätze im Frühsommer sind die eigentlichen Blütenstände. Die wahren Früchte sind kleine Steinfrüchte, die sich aus den kleinen Blüten entwickeln. Sie bleiben zu einer funktionellen Einheit verbunden und lösen sich als Fruchtstände in sogenannten Verbänden von der Mutterpflanze (Steinfruchtverband). Während der Fruchtreife schwillt der Blütenstandsboden zum saftigen, genießbaren Teil an.
Die Echte Feige ist Insektenblütler und damit Fremdbefruchter. Hinsichtlich ihrer Blütenbiologie gibt es bei der Echten Feige zwei sexuelle Grundtypen:

  • Männliche Bäume (Caprifeigen) haben sowohl kurzgriffelige, weibliche und männliche Blüten in ihrem Syconium. Ihre Früchte sind ungenießbar. Ihrer Funktion nach als Pollenspender für die essbaren weiblichen Bäume werden sie als männlich (männlicher Fruchtstand) bezeichnet, obwohl sie zwittrige Blüten haben.
  • Weibliche Bäume haben nur langgriffelige, weibliche Blüten in ihrem Syconium (weiblicher Fruchtstand).Ihre Früchte sind essbar und werden deswegen angebaut (essbare Feigen).

In der Literatur werden 89 Sorten der nicht genießbaren, männlichen Caprifeigen beschrieben aber aufgrund unzähliger Jahrhunderte fortlaufender Selektion auf essbare Feigen gibt es 631 Sorten der "weiblichen Bäume".
Die Sorten der essbaren "weiblichen Bäume" unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Befruchtung:

  • Smyrna - Feigen, auch frühzeitig abfallende Feigen genannt, müssen bestäubt werden, um reife Früchte zu bilden. Ohne Fremdbestäubung und Befruchtung fallen die Früchte ab, ohne zu reifen (z. B. die Sorten Calimyrna oder Sari Lop, Marabout, Zidi). Hauptsächliches Anbaugebiet der Sorte Calimyrna ist Kalifornien. Die Bestäubung erfolgt in einem komplizierten symbiotischen Zyklus mit der in Südeuropa heimischen Gallwespe (Blastophaga psenes) als pollenübertragendes Insekt und der Caprifeige als Pollenspender, ein Prozess der als Caprifikation bezeichnet wird. Die Gallwespe legt ihre Eier in den Fruchtknoten der Blüten und vollzieht ihre Larvenentwicklung in dem männlichen Fruchtstand der Caprifeigen. Die Weibchen der Gallwespen schlüpfen aus den Sommerfrüchten der Caprifeigen und nehmen so den Pollen mit. Auf der Suche nach Eiablagemöglichkeiten schlüpfen sie auch in die Fruchtstände der essbaren weiblichen Feigenbäume und befruchten sie. Aufgrund der Blütenbiologie der essbaren weiblichen Feigen (kurzgriffelige weibliche Blüten) kann die Gallwespe sich aber nur in den Caprifeigen weiterentwickeln.
  • Ausdauernde Feigen (vorrangig angebaute Feigen) sind selbstfruchtend, d. h. sie bilden Jungfernfrüchte ohne Befruchtung (Parthenokarpie) und sind somit nicht auf die komplizierte Gallwespenbestäubung angewiesen (z. B. die Sorten Brown Turkey, Brunswick, Kadota, Mission, Celeste und Adriatic). Die samenlosen (leeren) Kerne im Inneren der Fruchtstände sind immer noch knusprig aufgrund der harten inneren Fruchtschicht (Endokarp).
  • San Pedro - Feigen (Zwischengruppe) bilden die erste frühe Ernte am alten Holz durch Parthenokarpie, reife Früchte für die zweite Ernte entwickeln sich in der Regel nur nach Gallwespenbestäubung (z. B. die Sorten King, Lampeira und San Pedro).

Anbau im Hausgarten und als Kübelpflanze

In der Regel werden Feigenpflanzen im Container angeboten. Beim Kauf sollten die Pflanzen zwei Jahre alt sein. Die beste Pflanzzeit für Feigenpflanzen im Freiland ist das zeitige Frühjahr, wenn die Spätfrostgefahr vorüber ist. Für die Erziehung zum Busch sollten Jungpflanzen mit 3 bis 4 Trieben (ca. 60 cm über dem Grund) und für die Erziehung zum Fächer Jungpflanzen mit 2 bis 3 kräftigen Trieben ausgewählt werden. Die Pflanzen sollten 7 - 10 cm tiefer als von der Baumschule geliefert, gepflanzt werden. Nach englischen Erfahrungen soll der Ertrag höher sein, wenn der Wurzelraum begrenzt wird. Dies erfolgt durch Anlegen eines unterirdischen Schachtes (60 cm im Quadrat), der 25 - 30 cm hoch mit Ziegel- oder Steinbrocken gefüllt wird. Hiermit wird die Drainage gesichert, ohne dass die Wurzeln nach unten wachsen. Unbeschränkt wachsende Bäume brauchen einen Pflanzabstand von 6 - 8 Metern, in einem Schacht gesetzte die Hälfte.

Für eine Kultur als Kübelpflanze sollten sich die Pflanzen 35 cm über dem Grund verzweigen, damit sie kompakt und nicht kopflastig werden. Der Pflanzbehälter sollte entsprechend groß sein (mindestens einen Durchmesser von 30 - 40 cm) und große Abzugslöcher haben. Je nach Bewurzelung ist nach 1 - 2 Jahren im Frühjahr umzutopfen. Der Boden sollte gelockert und unkrautfrei gehalten werden, ebenso feucht, aber nicht zu nass. Feigen gedeihen im Freiland gut in leicht alkalischen (bevorzugter pH-Wert zwischen 6 und 8) und tiefen, durchlässigen Boden mit guter Wasserhaltekraft. Sie passen sich gut an verschiedene Bodenarten an, bevorzugt wird ein lehmiger Boden mit hohem Anteil an organischer Substanz. Bei Kübelpflanzen soll die Erde einen hohen Anteil (ca. 40%) an verschiedenen mineralischen Bestandteilen (Ton, Lehm, Sand, Tuffe, vulkanische Bestandteile, Blähton) enthalten. Nachbau ist nicht zu empfehlen. Feigen brauchen viel Phosphor und Kali, aber nur wenig Stickstoff. Sommerfrüchte reifen am vorjährigen Holz Mitte Juli, Herbstfrüchte am Trieb des gleichen Jahres Mitte September. Die Früchte befinden sich meist am mittleren Teil des Triebes. Leichter Rückschnitt vor dem Frühjahrsaustrieb fördert die Seitentrieb und Blütenbildung.

Selbst wenn die Pflanze im Winter einmal zurückfriert, treibt sie meist aus dem Wurzelstock wieder aus. Junge Pflanzen können vor Winterfrösten geschützt werden, indem die Triebe zusammengebunden, heruntergebogen und mit Erde bedeckt werden. Bei älteren Pflanzen bietet sich als Winterschutz eine Abdeckung mit einer Laubschicht, Fichtenreisig oder Kokos-bzw. Strohmatten an. Der Stamm kann mit einem Wintervlies umwickelt werden. Zur Überwinterung der Kübelpflanzen werden die Feigen möglichst spät in das Winterquartier gebracht. Da die Blätter im Spätherbst abgeworfen werden, kann dunkel, trocken und kühl bei Temperaturen von + 2°C bis + 5°C (Kalthaus) überwintert werden. Im zeitigen Frühjahr (Februar) werden die Pflanzen für den Austrieb in einen hellen Raum ausgeräumt, welches den frostempfindlichen Austrieb verzögert. Temperaturen von + 2°C bis + 10°C sowie gute Feuchtigkeit sind dann erforderlich.

Düngung

Feigen reagieren sehr schnell (mehr als andere Obstbäume) auf Düngung mit hohen Mengen an mineralischem Dünger und Kompost. Im Freiland sollte die Düngung nicht zu spät in der Vegetationsperiode gegeben werden, da dadurch neues Wachstum gefördert wird, und die Triebe vor Winterbeginn nicht mehr rechtzeitig ausreifen. Die Düngung kann in Form eines wohl ausgewogenen mineralischem Volldünger (6-6-6 oder 8-8-8 mit Mikronährstoffen dreimal im Jahr, insgesamt 70 g /m2) gegeben und im Sommer durch Flüssigdünger ergänzt werden. Eine Mulchschicht (10 bis 15 cm dick mit organischem Material) im Frühjahr auf die Baumscheiben ausgebracht, bietet Schutz vor Austrocknung. Bei geringen Niederschlägen müssen die Pflanzen regelmäßig während der Wachstumsphase gewässert werden (Mai bis September), aber Staunässe ist zu vermeiden. Bei starken Regenfällen können die Früchte platzen.
Bei Kübelpflanzen ist der Nährstoffbedarf durch eine reichliche Nachdüngung abzudecken. Die Konzentration für eine flüssige Nachdüngung liegt für gut durchwurzelte Pflanzen bei 2 g Volldünger in fester oder flüssiger Form pro Liter Wasser. Die Pflanzen müssen einmal pro Woche mit der Düngerlösung reichlich gegossen werden, bis das Wasser unten aus dem Topf herauszulaufen beginnt. Von September bis zum Antreiben im März wird nicht gedüngt. Einfacher ist es, die Nährstoffversorgung von Mai bis September durch langsam abgebende Langzeitdünger wie z. B. Osmocote plus Mikronährstoffe (3 g Langzeitdünger pro Liter Kübelinhalt) sicherzustellen. Im Mai wird der Dünger auf die Erde ausgebracht und ca. 1 bis 2 cm tief eingearbeitet. Die Nachdüngung über Langzeitdünger eignet sich nur für das Wässern von oben mit der Gießkanne. Feigenpflanzen im Container haben im Sommer einen hohen Wasserbedarf. Während der Überwinterung im Kalthaus müssen sie trockengehalten werden, ohne dass sie austrocknen. Staunässe oder stehendes Wasser im Untersetzer muss vermieden werden. An die Wasserqualität wird kein besonderer Anspruch gestellt.

Schnitt

Mit dem Schnitt soll ein tragfähiges, lockeres und möglichst weitastiges Gerüst aufgebaut werden, um wegen der großen Blätter einer zu starken Beschattung der Kronen vorzubeugen. Es gibt verschiedene Angaben zum Feigenschnitt, nach Praxisangaben jedoch sollte nur wenig geschnitten werden, hauptsächlich um das Grundgerüst zu formieren und auszulichten (Korrekturschnitt), denn je mehr geschnitten wird, umso mehr Triebe werden gebildet, und die Fruchtbildung wird unterdrückt.
Beim Schnitt aufgebauter offener Büsche und Fächer im Freiland werden im Frühjahr alle dichten, sich überkreuzenden oder von Frost geschädigte Äste entfernt. Beim Rückschnitt wird immer auf eine Knospe oder eine Verzweigung zurückgegangen. Unproduktive Triebstummel sollen beim Schnitt vermieden werden. Ältere Büsche, die im Inneren verkahlt sind (oft nach fünf bis sechs Jahren), vertragen auch einen radikalen Rückschnitt, um neuen Wuchs anzuregen.
Kübelpflanzen vertragen ebenso Stutzen und Rückschnitt sehr gut. Jüngere Pflanzen sind häufiger zu stutzen, um einen guten Aufbau zu erreichen. Später sollte nur wenig geschnitten werden.

Vermehrung

Feigen sind leicht durch Stecklinge zu vermehren, da sie leicht bewurzeln. Am gebräuchlichsten ist die Bewurzelung blattloser Stecklinge, die im späten Winter (Februar) oder im zeitigen Frühling vom einjährigem Holz (bis zu 30 cm und fingerdick) geschnitten werden.

Sorten

Sorte Herkunft Synonyme
Abicou Italien San Piero, San Pedro noir, Aubique noire de Provence, Grosse violette longue, Fique violette longue
Bellone Raum Nizza Bellona, Fique de Nice, Noire de Nice
Blanche Raum Paris Blanche D’Argenteuil, Blanche ronde, Blanche Hatif, Argentine, Royale, Versailles
Bourjasotte noire Nordafrika Violette de Sollies, Parisienne, Barnissotte, Bourdissot, Negro Largo
Brunswick USA, hauptsächlich Kalifornien Castle Kennedy, Magnolia, Kennedy, Clementine, Madonna
Col de Dame Noir Spanien, Aragon, Katalonien Col de Signora nera, Col de Segnora negra
Cotignane Provence Grise de Saint- Jean, Cotignan, Observantine, Celestine, Coucourelle, Cordeliere, Grisette, Capoutchin
Dauphine Provence Dauphine violette, Grosse violette, Ronde violette hatif, Rouge d’Argenteuil, Mussega negra, Boule d’Or, Bouton d’Or, Grosse de Juliet, Adam, Grise de Tarascon, Grise de Beaucaire
Doree Provence Fique d’or, Goutte d‘or
Dottato Abruzzen, Italien Kadota, Fique des Abruzzes, Gentile, White Pacific
Lampeira Portugal Porthoguese, Fique de confiseurs, Lampas
Lonque d’Aout Türkei Fique Banane, Banane, Jerusalem
Madeleine des deux Saisons Südostfrankreich Madeleine des 4 saisons
Marseillaise Griechenland Athenes, Fique de Marseille, Blanquette, Couille du Pape, Bouton de guetre
Precoce ronde de Bordeaux Südostfrankreich Noire de Bordeaux, Verdone
Noire de Barbentane Provence Noire de Mormoiron
Noire de Caromb Italien Douqueira Negra, Perroquine, Caromb, Noire bifere de Caromb
Pastiliere Japan Hirta du Japon, Precoce Patellier, Rouge de Bordeaux
Sultane Tunesien Grosse de Juliet, Bellone bifere

Inhaltsstoffe

Feigen sind reich an Fruchtzucker und Ballaststoffen, Eiweiß, Kalium, Calcium sowie Eisen, Phosphor und Vitamin A und B. Sie wirken blutreinigend und verdauungsfördernd. Die Konzentration dieser Stoffe ist in Trockenfeigen drei Mal höher. Unreife Feigen geben einen scharfen Milchsaft ab. Früher dienten kleingeschnittene und geröstete Feigen als Kaffee-Ersatz.

Trockenfeigen

getrocknete Feigen

Die Feige ist wegen ihrem hohem Zuckergehalt besonders gut als Trockenfrucht geeignet. Getrocknete Feigen sind hellbraun und haben einen feinen, honigartigen Geschmack. Bei der Trocknung kristallisiert der Traubenzucker des Saftes aus und gibt der Frucht einen mehlartigen, konservierenden Überzug (Naturalfeigen). Bevorzugt werden wegen des angenehmen Nußgeschmacks Früchte mit Samen (Sorten des Smyrnatyps), im Hauptangebot jedoch bearbeitete Trockenfeigen. Je nach Dicke der Haut werden solche ein bis drei Minuten lang in kochendes Salzwasser geworfen und noch längere Zeit mit Wasserdampf behandelt und dann brikettartig (Layers, Leridas) oder kuppelförmig (Protoben, Baglama) in Form gepreßt, an der Luft getrocknet oder in Zellophan verpackt. Die Lagerung erfolgt bei 7 Grad Celsius und 60% Luftfeuchte, bei diesen Bedingungen läßt sich die Verzuckerung vermeiden, die jedoch kein Anzeichen von Verderb ist, sondern Ergebnis von Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel. Luftaustausch ist notwendig, um Schwitzwasser und Sirupbildung zu vermeiden. Früchte mit starker Kandierung sind vorjährige Ware, ein saurer Geruch ist Zeichen von Qualitätsschwund. Milbenbefall ist (0,5mm groß ) recht häufig, zu vermeiden ist er durch Begasung mit Methylbromid (max. 50ppm), was jedoch krebserregend und ein sogenannter "Ozonschichtkiller" ist. Nach Stiftung Warentest ist etwa ein Drittel der Trockenfeigen vom krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin befallen, trotz Handauslese unter UV- Licht. Schwefeldioxid verhindert, daß helle Früchte sich verfärben und von Insekten befallen werden, bewirkt jedoch Kopfschmerz, Übelkeit, Durchfall ( 10mg/kg gilt bei konventioneller Ware als noch ungeschwefelt). Wichtigstes Produktionsland ist die Türkei, die Weltproduktion von ca. 70 000t kommt zu 60% aus der Türkei (Hauptsorte Sari Lob), danach Griechenland mit abnehmender Bedeutung (17 000t), USA (Kalifornien) 10 000t, daneben Italien (Barifeige) und Portugal mit Feigenpaste. 80% der Einfuhren konzentrieren sich auf die Monate September bis November.

Quellen

Michael Günther, Gartenakademie Rheinland-Pfalz
Werner Ollig, Gartenakademie Rheinland-Pfalz