Unkrautbekämpfung Falsches Saatbeet

Aus Hortipendium
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Unkrautaufwuchs im "Falsches Saatbeet"-Versuch

Unkräuter erschweren in vielen Fällen die pflanzliche Lebensmittelproduktion im Freiland oder Gewächshaus. Die Erträge werden durch einen stärkeren Unkrautwuchs in den angebauten Kulturen oft reduziert und der Aufwand für die Bekämpfung kostet viel Geld und verteuert die zu erzeugenden Lebensmittel. Als Unkräuter sind hier Pflanzenarten und Pflanzenbestände gemeint, die in Nutzpflanzenbeständen störend, ertragsmindernd oder sogar gar auch gesundheitsgefährdend sind. Als Beispiel sei hier das Vorhandensein des „Gemeinen Kreuzkrautes“ (Senecio vulgaris) in Rucola-Beständen genannt.

Wie schädlich ist eine Verunkrautung von Pflanzenbeständen?

Nicht jeder Pflanzenaufwuchs am falschen Ort (Unkraut) ist schädlich oder negativ. Entscheidend dabei sind die angebauten Kulturen und die Art des Unkrautaufwuchses. Läßt man z.B. vorhandene Unkräuter nicht ihre Samen bilden, so verlieren sie, unter Umständen ihre negative Wwirkung.

Mögliche, negative Wirkungen von Unkräutern

  • Nährstoff-Konkurrenz, besonders bei N-minimierter Düngung
  • Wasser- und Lichtkonkurrenz
  • Übertragung von Krankheiten (z.B. Xanthomonas campestris beim Kohlanbau)
  • Ertragsminderung bis zum Totalausfall
  • Gefahr der Gesundheitsgefährdung (z.B. Giftige Unkräuter in Sägemüse Anbau)
  • Qualitätsminderung bei der Ernte (z.B. Gemüsearten wie Spinat, die zur Ernte gemäht werden)
  • Bilden Unkräuter Samen aus multipliziert sich in kommenden Jahrzehnte die negative Wirkung

Mögliche Vorteile einer Verunkrautung

  • Unterstützt die Bemühungen zur Erhaltung der Artenvielfalt
  • Kann das Erosion-Risiko, insbesondere in Hanglagen, verringern
  • Bei einem stärkeren Auftreten kann ein positiver Effekt bezüglich Bodengare entstehen
  • Blühende Unkräuter fördern die Insekten Vielfalt (siehe Fotos)


Was ist zu tun?

  • Im Einzelfall die Vor- und Nachteile abwägen
  • Lässt man die Samenunkräuter keine Samen bilden, ist ihr negativer Effekt eventuell zu vernachlässigen
  • Bezüglich dem Auftreten von giftigen Unkräutern ist bei Sägemüse kaum ein Kompromiss vertretbar


Schwachstellen der üblichen Unkraut Bekämpfungs-Verfahren

  • Herbizide selektieren, vor allem im Gemüsebau, die nicht erfassten Unkrautarten
  • Herbizide schädigen eventuell den Nutzpflanzen Bestand sowie das Bodenleben
  • Bei Herbizidanwendungen kann es zu Abdriftschäden kommen
  • Maschinelle Unkrautbekämpfung wirkt in Regenperioden, bei der Bekämpfung in den Reihen und in Sägemüsebeständen oft unzureichend
  • Pflanzungen in Plastik Mulch Materialien sind nur bei Pflanzkulturen einsetzbar und kostenintensiv
  • Kalkstickstoff ist sehr teuer und nur begrenzt sinnvoll einsetzbar
  • Das Abflammverfahren hat sich nur in wenigen Fällen als hilfreich erwiesen


Hilfe durch Nutzung des „Falschen Saatbeetes"

"Falsches Saatbeet"-Schema

Beim "Falschen Saatbeet" werden die Felder schon 2-3 Wochen vor der geplanten Bepflanzung bzw. Saat hergerichtet. Durch diese Maßnahme regt man die UNkrautsamen in der obersten Bodenschicht zur Keimung an. Sind diese dann aufgelaufen, lassen sich die jungen Unkrautsämlinge relativ einfach mechanisch, z.B. mit einem Striegel oder mit einem Abflammgerät sowie auch chemisch mit einem Herbizid vernichten. Bei extremem Unkrautdruck oder bei bes. wichtigen Kulturen, kann es in Einzelfällen sogar sinnvoll sein, die Unkrautkeimung im "Falschen Saatbeet" durch eine Zusatzberegnung anzuregen.

Grundregeln zur Nutzung der „Falsches Saatbeet-Technik“

  • Bereitung des Saatbeetes / Pflanzbeetes wie bei einer Hauptkultur
  • In Trockenperioden Rückverdichtung des Saatbeetes zur besseren Nutzung der Bodenfeuchte
  • Wahl des Termins auf die Keimansprüche der wichtigsten Unkrautarten abstimmen
  • Allgemein sind Perioden mit Temperaturen von mehr als 10 °C oder besser 15°C zu bevorzugen
  • Unkraut Auflaufsicherung evtl. durch eine Zusatzberegnung
  • Bei Extremverunkrautung kann ein zweifaches „Falsches Saatbeet“ den Effekt noch verbessern
  • Nach der Vernichtung der aufgelaufenen Unkräuter die oberste Bodenschicht zur Bestellung nicht mehr mit tieferen Bodenschichten vermischen

Falsche Saatbeet richtig vollenden
Entscheidend für den Erfolg des "Falschen Saatbeetes" ist die professionelle Vernichtung der keimenden bzw. aufgelaufenen Umkraut-Keimlinge. Einerseite sollte man warten bis sich möglichst viele Unkrautsamen im Keimstadium befinden. In diesem Stadium sind sie nämlich am Emfindlichsten. Eine leichte Störung, z.B. mit einem Striegel, möglichst bei sonnigem, trockenem Wetter, genügt.
Tipps zum richtigen Striegel
Video: KLeine Streigelkunde

Vor- und Nachteile des „Falschen Saatbeetes“

Die Nutzung der „Falschen-Saatbeet-Technik“ ist eine gute Möglichkeit das enorme Unkrautproblem, vor allem in Gemüsebaubetrieben, zu entschärfen. Vor der Nutzung im eigenen Betrieb sollte man sich aber auch der möglichen Nachteile bewusst sein.
Vorteile

  • Ergibt im besten Falle eine enorme Reduzierung des Unkrautaufwuchses
  • Ist sowohl von Biobetrieben als auch von konventionell arbeitenden Betrieben nutzbar

Nachteile

  • Zwei bis drei Wochen Feldnutzung in der Hauptvegetationszeit werden geopfert
  • Es sind mindestens zwei Arbeitsgänge notwendig (Saatbereitung und Striegeln)


Erfolgreich die "Falsche-Saatbeet-Technik" nutzen

Feldsalat-Aufgang nach 2 x "Falsches Saatbeet"

Will man die Vorteile der "Falsche Saatbeet-Technk" nutzen, ist folgendes zu beachten. Bei einer vorgesehenen Feldbestellung die Parzelle schon drei Wochen früher, oder besser vier Wochen früher saat- bzw. pflanzfertig machen, das ist der Trick. Die dann auflaufenden Unkräuter, später mechanisch oder chemisch ausschalten. Die oberste Krumenschicht ist damit weitghend frei von keimbereiten Unkrautsamen. Die dann angebaute Kultur hat es mit einem stark reduzierten Unkrautdruck zu tun.
Zu bedenken bei dieser Methode ist insbesondere, dass wir zur anschließenden Feldbestellung dann nicht die tieferen Bodenschichten mit Unkrautsamen nach oben holen. Die Wirkung des Falschen Saatbeetes liegt etwa bei 2 cm Tiefe. Hat man noch sehr große Unkrautsamen Vorräte im Boden, kann es vorteilhaft sein, mehrmals per Saison den Effekt des „Falschen Saatbeetes“ zu nutzen.
Zu bedenken ist auch dass jede Bodenbearbeitung den vorhandenen Unkrautsamenvorrat dezimiert. Je nach vorhandener Unkrautart sind für diese positiven Effekte insbesondere die Monate April-Aug. zu empfehlen.


Unkrautsamen im Boden

Die meisten Unkrautprobleme entstehen, weil sich zu viele Unkrautsamen im Boden befinden. Diese können dort für viele Jahr ausharren um irgendwann, bei günstigen Bedingungen, zu keimen. Die extremsten Mengen an Unkrautsamen findet man vermutlich in bestimmten Gemüseäckern. Schätzungen gegen von Mengen bis zu 500.000 Samen pro qm aus. Bei einem gezielten Vorgehen können mit einer guten Feldhygiene lassen sich die Mengen an Samen auf unter 500 pro qm reduzieren.


"Falsches Saatbeet" mit optimierter "Feldhygiene" ergänzen

Um langristig weniger Probleme mit der Verunkrautung seiner Planzenbestände haben will, sollte zusätzlich zur Nutzung der "Falsches Saatbeet-Techni" seine Feldhygiene Maßnahmen optimieren. Hierbei steht der Wunsch; "Lasse nie einen Unkrautbestand Samen bilden", im Vordergrund. Verfolgt man diese Strategie konsequent und ergänzt sie, insbesondere in den ersten Jahren, mit einer mehrfachen Anwendung des "Falschen Saatbeetes", so wird die zu beobachtende Verunkrautung der Felder von Jahr zu Jahr abnehmen, bis sie sich auf eine minimale Verunkrautung einpendeln wird.


Videos zum "Falschen Saatbeet"


Die "Falsche Saatbeet-Technik" in anderen Ländern

False seedbed technic in Great Britain

In der englischsprachigen Welt ist die "Falsche Saatbeet-Technik" weiter verbreitet als bei uns. Neben der Bezeichnung "False seedbed technic" wird als angepasste Methode der Begriff "Stale seed bed" benutzt. Wer sich mit dieser Art der Unkrautreduzierung beschäftigen will, findet hier interessante Anregungen. Im folgenden ein Auswahl interessanter Links.

"Vals zaaibed" in Nederland en Vlaanderen

Auch in Holland und Flandern nutzt man die Vorteile des "Falschen Saatbeetes". Hier nennt man die Technik "Vals zaaibed". Als er veel onkruidzaden in de bodem zitten, kunt u deze terugdringen met de ‘valszaaibedmethode’. Hierbij maakt u het zaaibed geheel zaaiklaar, maar wacht u nog enige tijd met zaaien. U laat de onkruiden een paar keer kiemen en schoffelt deze om de 2-3 weken ondiep af op een zonnige, droge dag. Hiermee brengt u de onkruidzaden in de toplaag van uw zaaibed sterk terug.
Weitere Informationen

Video

"Faux-semis" in Frankreich

Französische Bauern nutzen die Technik des "Falschen Saatbeetes" ebenfalls. Hier spricht man vom "Faux-semis".

Weitere Informationen:

Bilder zu "Faux-semis"


Weitere Infos in Hortipendium


Weblinks