Ernteverfrühung im Hausgarten

Aus Hortipendium
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Rettich Verfrühung

Als Hobbygärtner und Selbstversorgergärtner möchte man gerne so früh wie möglich in der neuen Saison sein eigenes Gemüse ernten können. Neben den Anbau in einem kleinen Gewächshaus oder Frühbeetkasten gibt es heute auch die bewährte Methode der Ernteverfrühung durch das Auflegen einer Folie, eines Vlieses oder in Einzelfällen sogar durch Nutzung der sogenannten Doppeldeckung. Bei allen drei Verfahren legt man das Material einfach auf die eben besäten oder frisch bepflanzten Gemüsebeete. Damit das Material nicht wegweht beschwert man die Ränder mit etwas Erde, Steine oder ähnliches.

Vlies oder Folie

Vliesbedeckung:

Vlies

Die heute meist benutzten Vliese bestehen aus Acryl und sind 17 g/qm schwer. Vorteilhaft ist es, das Regen oder Gieß-wasser durch das Material hindurchgeht und damit die Wasserversorgung der Kulturen insbesondere bei leichten Böden einfachern zu handhaben ist.

Lochfolie:

500-Loch Poly-äthylenfolie

Redet man bei der Ernteverfrühung von Flachabdeckung mit Folie so ist normalerweise die sogenannte 500-Loch Poly-äthylenfolie (PÄ-Folie) gemeint bzw. Standard. Damit sich unter der Folie bei Sonnenschein nicht zu schnell zu hohe Temperaturen entwickeln, hat es sich bewährt eine Folie mit 500 Löchern von 1 cm Durchmesser je qm zu benutzen. Da-mit ergibt sich ein Lüftungseffekt, der 4 % der Fläche ausmacht. Unter einer 500-Lochfolie wird es etwas wärmer als unter der üblichen Vliesbedeckung. Bei zunehmendem Temperaturanstieg im Freien muss die Folienbedeckung deshalb evtl. 2-4 Tage früher als eine Vliesbedeckung abgenommen werden. Zum Gießen sollte man eine Foliebedeckung immer vorü-bergehend abnehmen.

Doppeldeckung:

Doppeldeckung

Hierbei ist der Verfrühungseffekt am Stärksten. Auf eine neue Saat oder Pflanzung legt man dazu erst ein Vlies und dann darauf noch eine Folie oder aber ein zweites Vlies. Diese „extreme“ Bedeckung ist nur aktuell für eine allerfrüheste Bedeckung. Meist muss schon nach 2-3 Wochen die obere Bedeckung abgenommen werden, da ansonsten die Temperaturen unter der Bedeckung zu hoch werden.

Wirkung

Jeder kennt das, wenn er im Frühjahr im Auto sitzt und plötzlich kommt die Sonne raus und es wird ganz schnell sehr warm im Auto. Das ist der sogenannte Gewächshauseffekt. Sie Sonnenstrahlen gehen durch das Glas bzw. durch Folie und Vlies, wobei die Temperaturen unter der Bedeckung erstaunlich schnell ansteigen. Die Kunst des Gärtners ist es nun im Frühjahr, wenn es im Freien zu kalt ist, durch eine Bedeckung die Temperaturen auf ein für die Pflanzen vorteilhaftes Niveau anzuheben. Wichtig dabei ist es dann später die Bedeckung rechtzeitig abzunehmen, weil es ansonsten zu warm wird und die Pflanzen Schaden erleiden können. Daher empfiehlt es sich ein Thermometer unter die Abdeckung zu legen und die Temperatur regelmäßig zu überprüfen. Sobald die Temperatur unter der Abdeckng über 30 Grad Celsius beträgt sollte die Bedeckung heruntergenommen werden. In vielen Jahren des Erwerbsanbaus konnten dazu Erfahrungen gesammelt werden, die man auch im Garen nutzen kann. Neben der eigentlichen Ernteverfrühung geht es aber bei einer ganzen Reihe von Gemüsearten auch darum, ein zu frühes Schossen, das heißt in Blüte gehen, zu verhindern.


Schosservermeidung beim Frühanbau

Gemüsearten wie Chinakohl, Endivien, Kopfkohl, Porree, Radicchio und Sellerie benötigen für ihre Blüten- und Saatgutbildung einen Kältereiz. Diesen bekommen sie bei einem sehr frühen Anbau im Frühjahr mit den üblicherweise niedrigen Temperaturen, generell zu früh, so dass ein Anbau wegen der Blütenbildung (Schosser) zum Misserfolg führt.

Durch gemüsebauliche Forschung hat man herausgefunden, dass bei der Nutzung entsprechender Sorten, einer warmen Anzucht sowie Bedeckung mit Vlies oder Folie die Blütenbildung zu verhindern ist bzw. soweit verschoben wird, dass eine Ernte möglich ist. Beim Kauf von Gemüsejungpflanzen, z.B. im März und April sollte man deshalb auch auf die Sorte und einer entsprechenden warmen Anzucht achten. Bei Salaten empfiehlt sich eine Doppelabdeckung. Über dem Vlies sollte zusätzlich noch eine Folie angebracht werden, um den Salat so vor Kälte zu schützen. In der Regel wird dies jedoch von den heutigen Gärtnern gut verstanden, so dass hier normalerweise ein Anbauerfolg gut möglich ist, wenn man bei der Frühpflanzung diese gleich mit Vlies oder Folie bedeckt.

Um das Schossverhalten der verschiedenen Gemüsearten besser zu verstehen, sind die beiden verwendeten Fachbegriffe Antivernalisation und Devernalistion von Bedeutung. Besteht bei einer Gemüseart die Möglichkeit der Antivernalisation, so kann man durch eine warme Anzucht die Blütenbildung (Schosser) verhindern. Spricht man von der Möglichkeit einer Devernalistion, so kann man bei dieser Pflanzenart eine bereits begonnene Anlage der Blütenbildung wieder durch hohe Temperaturen abstoppen bzw. rückgängig machen. Wenn diese Effekte bei einer bestimmten Gemüseart von Bedeu-tung sind, werden sie bei den Hinweisen erwähnt.
Wählt man bei einem Frühanbau die Direktsaat, so ist der Sortenwahl besonders große Aufmerksamkeit zu schenken.


Quellen

Gartenakademie Rheinland-Pfalz, Josef Schlaghecken, Joachim Ziegler, 9.03.2009

Gartenakademie Rheinland-Pfalz