Dickmaulrüssler

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Dickmaulrüssler
Otiorhynchus
Synonyme
Lappenrüßler
Dickmaulrüssler.jpg
Dickmaulrüssler
Systematik
Klasse Insekten
Insecta
Unterklasse höhere Insekten
Pterygota
Ordnung Käfer
Coleoptera
Unterordnung Polyphaga
Überfamilie Curculionoidea
Familie Rüsselkäfer
Curculionidae

Der Dickmaulrüssler (Otiorhynchus),auch Lappenrüßler genannt, ist eine Gattung in der Familie der Rüsselkäfer. In Mitteleuropa sind 166 Arten bekannt. Dickmaulrüssler gehören zu den bedeutendsten Problemschädlingen im Gartenbau, da sie sehr schwer zu bekämpfen sind und sie ein sehr großes Wirtspflanzenspektrum aufweisen (Moorbeetkulturen (z.B. Rhododendron), Ziergehölzen, Zierpflanzen und Stauden). Charakteristisch für die Dickmaulrüssler ist der kurze dicke Rüssel, der vorne an der Spitze beidseitig lappenartig verbreitet ist (= Lappenrüßler). In der Regel sind die Käfer düster, mit hochgewölbten Flügeldecken. Selten weisen sie einen metallischen Glanz auf. Die Käfer sind nachtaktive Insekten und leben tagsüber im verborgenen. Im Hausgarten sind Pflanzen in größeren Gefäßen oder auf Dachterrassen besonders gefährdet, da hier normalerweise sehr humusreiche Pflanzsubstrate Verwendung finden, in denen sich die Käfer gut vermehren können.


Schadbild

Typisches Schadbild (Buchtenfraß)

Der Dickmaulrüssler schädigt die Kulturpflanzen zum einem durch die Fraßaktivität der ausgewachsenen Käfer und zum anderen durch den Fraß der Larven an Wurzeln und am Wurzelhals der Pflanzen. An Rhododendren, Kirschlorbeer, Eibe, an Stauden und anderen Gartenpflanzen zeigt sich sogenannter Buchtenfraß, bei dem die Blattränder halbkreis- oder buchtenförmig angefressen sind. Dies ist das typische Schadbild der Käfer. Wesentlich gefährlicher für die Pflanzen ist das Auftreten der Larven. Die im Boden lebenden Larven entwickeln eine große Fraßaktivität, wodurch in kurzer Zeit große Teile der Wurzeln zerstört werden können. Dies führt zum Absterben der Pflanzen. Neben Wurzeln werden auch Knollen und Rhizome befressen. Auch an Kübelpflanzen tritt der Schädling auf und kann in den Pflanzgefäßen in die Wohnung oder den Wintergarten eingeschleppt werden. Der Befall mit Dickmaulrüsslerlarven wird in der Regel erst festgestellt, wenn die befallenen Pflanzen beginnen zu welken oder zu kümmern.


Biologie

Von Ende Mai bis Ende Juli bzw. Anfang August erscheinen die ca. 1 cm langen Jungkäfer. Sie fressen bei Dunkelheit an den Blättern verschiedener Kulturpflanzen. Gelegentlich wird auch die junge Rinde angefressen. Tagsüber verstecken sich die Tiere, so dass man den Schädling meist nicht zu Gesicht bekommt. Nach dem Reifefraß werden pro Käfer bis zu 1.000 Eier in der Erde abgelegt. Von August bis Oktober schlüpfen die Larven aus den Eiern und bohren sich in die obersten Bodenschichten ein. Die cremefarbenen Larven leben unterirdisch und ihre Nahrung besteht zunächst aus Pilzhyphen und feinen Wurzeln. Mit zunehmendem Wachstum fressen sie auch an größeren Wurzeln und am Wurzelhals der Pflanzen, die sie im Extremfall ganz abfressen. Dickmaulrüssler bevorzugen humusreiche und lockere Böden. Die Überwinterung erfolgt als Larve, Jungkäfer oder ggf. auch als Altkäfer, wenn die Käfer mehrere Jahre alt werden. Im Frühjahr setzt die Fraßaktivität mit steigenden Temperaturen erneut ein. Zwischen Ende April und Anfang Mai verpuppen sich die Larven im Boden. Nach 2 bis 4 Wochen ist die Entwicklung zum Käfer abgeschlossen und die Tiere schlüpfen aus dem Boden. Unter Gewächshausbedingungen kann sich dieser Entwicklungszyklus stark verschieben, so dass die Tiere zu anderen Zeitpunkten bzw. ganzjährig auftreten können.


Bekämpfung im Erwerbsanbau

Die Verfahren zur Bekämpfung des Dickmaulrüsslers mit entomopathogenen Nematoden hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt. Die Nematoden-Arten Heterorhabditis bacteriophora, Heterorhabditis megidis und Steinernema carpocapsae belegten in Versuchen und in der Praxis eine hohe Wirkungssicherheit. Grundvorraussetzung für einen Nematodeneinsatz ist eine ausreichende Bodenfeuchte, da sich die Nematoden in einem Feuchtigkeitsfilm im Boden fortbewegen. Sobald der Boden austrocknet, sterben die Nematoden ab. Neben der Bodenfeuchte spielt die Bodentemperatur ebenfalls eine große Rolle. Es sind Temperaturen von mindestens 12 °C zu halten, was im Unter-Glas-Anbau nahezu ganzjährig möglich ist. Im Freiland sind diese Temperaturen schwerer einzuhalten. Der Einsatz der entomopathogenen Nematoden sollte daher im Freiland bevorzugt während wärmerer Witterungsperioden erfolgen. Zu chemischen Kontrolle der Larven ist derzeit kein Präpart zugelassen und erweist sich in Torfsubstraten grundsätzlich als problematisch, da zum einen ein großer Teil des Wirkstoffs an der organischen Substanz des Substrates gebunden wird und zum anderen die Larven im Wurzelballen oft nicht erreicht werden. Alternativ kann die Bekämpfung der Käfer eine Bekämpfungsmöglichkeit darstellen. Diese Bekämpfung sollte erst vorgenommen werden, wenn im Bestand der typische Buchtenfraß auftritt. Grundsätzlich können Präparate gegen beißende Insekten an Zierpflanzen eingesetzt werden. Aktuelle Zulassungssituation aus PS Info (www.pflanzenschutz-gartenbau.de)

Bekämpfung im Hausgarten

In den meisten Fällen können leichte Fraßschäden an den Blättern toleriert werden. Eine Bekämpfung sollte nur dann erfolgen, wenn eine ernsthafte Gefährdung der Wurzeln durch die Fraßtätigkeit der Larven zu erwarten ist. Für Garten, Terrasse und Wintergarten eignet sich am besten der Einsatz eines räuberischen Fadenwurmes, der in die Larven des Dickmaulrüsslers eindringt und sie innerhalb kurzer Zeit zum Absterben bringt. Diese nützlichen Fadenwürmer (Nematoden) werden beispielsweise von verschiednen Nützlingsfirmen angeboten. Der Packungsinhalt wird nach Gebrauchsanleitung in Wasser aufgerührt und mit einer Gießkanne ausgebracht. Wichtig für einen erfolgreichen Einsatz sind Boden- oder Substrattemperaturen von ca. 12 ° C. Im Freiland sollte daher der Einsatz erst ab Mai erfolgen. Wie alle anderen Nützlinge für den biologischen Pflanzenschutz können auch die Nematoden nur bestimmte Schadinsekten im Boden befallen. Für den Anwender besteht keinerlei Risiko. Da Nützlinge im Gartenfachhandel meist nicht erhältlich sind, bestellt man am besten direkt bei einer Nützlingsfirma. Am besten fordert man vorab eine Bestell- und Preisliste an oder erkundigt sich über Angebot und Preise auf den Internetseiten der Nützlingsanbieter. Aktuelle Zulassungssituation aus PS Info - Haus- und Kleingarten (www.pflanzenschutz-hausgarten.de)


Arten

Die Gattung Otiorhynchus umfasst 28 Arten [1]. Dazu zählen unter anderem

  • Otiorhynchus sulcatus - Gefurchter Dickmaulrüssler
  • Othiorhynchus niger - Großer Schwarzer Rüsselkäfer bzw. Rotbein
  • Otiorhynchus ovatus - Kleiner schwarzer Erdbeerwurzelrüssler bzw. Kleiner schwarzer Fichtenrüssler
  • Otiorhynchus ligustici - Liebstöckelrüssler bzw. Kleerüssler oder Luzernerüssler

Quelle

  1. EPPO Global Database: Otiorhynchus. Abgerufen am 15.06.2016
  • W. Jacobs, M. Renner und K. Honomichl (1998): Biologie und Ökologie der Insekten. Gustav Fischer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8274-0799-0
  • Thomas Brand (2008): Pflanzenschutzhinweise für den Zierpflanzenbau: Dickmaulrüssler, Nr. 7/2008. Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Oldenburg. 

Weblinks