Düngung Schnittblumen unter Glas

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Hauptartikel: Düngung im Zierpflanzenbau


Die bedarfsorientierte Schnittblumendüngung berücksichtigt folgende Kriterien:

  • das Einstellen der Richtwerte vor Kulturbeginn nach einer Bodenanalyse
  • den Pflanzenentzug, N dient als Leitelement
  • das Nährstoffverhältnis N: K2O für eine harmonische Düngung und die Auswahl des geeigneten Düngers
  • die Nährstoffverteilung während der Kulturzeit mit Anpassung an den Wachstumsverlauf
  • die regelmäßige Stickstoffkontrolle während der Kulturzeit mit Hilfe des Nitratschnelltests


Pflanzenentzug und Düngerauswahl

Es gelten die gleichen Grundsätze wie bei der Topfpflanzendüngung. In der Literatur liegen zahlreiche Hinweise über den Nährstoffbedarf verschiedener Schnittblumen vor, deren Entzug im Gegensatz zu Topfpflanzen in g Stickstoff pro m2 angegeben wird. Stickstoff dient wiederum als Leitelement, so dass sich die Angabe von Entzugszahlen auf den Stickstoffbedarf beschränkt. Kalium wird im optimalen Verhältnis angebunden. Da bei Kulturen im gewachsenen Boden den Pflanzen ein wesentlich größeres Bodenvolumen als in einem Blumentopf zur Verfügung steht, wirken sich Ungleichgewichte im Nährstoffverhältnis weniger gravierend auf das Pflanzenwachstum aus, so dass diesem eine geringere Bedeutung zukommt.

Stickstoffentzüge von Schnittblumen
Kultur Stickstoffentzug [g/m2] N : K2O
Rosen 1 : 0,8
Gerbera 1 : 1,5
Chrysanthemen
Pflanzenhöhe 40 - 50 cm
60 - 70 cm
80 - 100 cm

15
25
35
1 : 1,3
Nelken
Jahreskultur
Halbjahreskultur

60
35
1 : 1,5
Euphorbia fulgens 30
Bouvardien 50
Freesien 18
Tulpen, Iris, Narzissen 12
Lilien 20
Alstromerien 30
Eustoma 15
Sommerblumen
Pflanzenhöhe 40 - 50 cm
60 - 70 cm
80 - 100 cm
15
25
35

Nährstoffverteilung

Nährstoffverteilung nach dem Konzentrationskonzept
Anpassung der Nährstoffkonzentration an den Wasserverbrauch

Nachdem die Richtwerte für die einzelnen Nährstoffe im Boden eingestellt und der Stickstoffentzug sowie das Nährstoffverhältnis bestimmt sind, muss unter Berücksichtigung des zu verwendenden Düngungsverfahrens die Konzentration der Nährlösung bei flüssiger Nachdüngung bzw. die Höhe der Kopfdüngung mit festen Salzen ermittelt werden.


Bewässerungsdüngung:
Die Konzentration des Stickstoffgehalts der Nährlösung errechnet sich aus der Division des Fehlbedarfs durch den Wasserbedarf für den abzuschätzenden Kulturzeitraum (bezogen auf z.B. einen m2). Die Stickstoffaufnahme pro m2 und die Kulturdauer sind festzulegen, Zuschläge für Verluste einzuplanen, z. B. Auswaschung und Denitrifizierung.
Die Wassermenge ist abhängig von dem verwendeten Bewässerungssystem und der Kulturdauer. Bei Düsenrohrbewässerung beträgt der Wasserbedarf pro Jahr 1000-1200 mm, bei Tropfbewässerung 400 - 500 mm pro Jahr. Auf das Sommerhalbjahr (April bis September) entfallen etwa 80 % des Jahreswasserbedarfs.
Aus der Stickstoffkonzentration der Nährlösung wird die Düngerkonzentration berechnet. Das geschieht durch Multiplikation der Stickstoffkonzentration mit 100, geteilt durch den Stickstoffgehalt des verwendeten Düngers.
Für die praktische Durchführung bietet sich das Konzentrationskonzept an. Dafür ist die unterste tolerierbare Konzentration für die Nährstoffe im Boden zu ermitteln. Eine Düngung erfolg immer dann, wenn die Grenzkonzentration erreicht oder unterschritten ist. Für dieses Verfahren sind häufige Bodenanalysen notwendig.


Die Pflanzen werden kontinuierlich mit Nährlösung versorgt. Die Nährstoffgaben sind vom täglichen Wasserverbrauch abhängig, damit ist die Konzentration jahreszeitabhängig. In Perioden mit anhaltender trüber kühler Witterung muss die Nährlösungskonzentration durch Erhöhung oder Absenkung um 20 bis 30 % nach oben oder unten angepasst werden. Voraussetzung ist die Kenntnis über den tatsächlichen Nährstoffbedarf der Pflanzen, auch zu unterschiedlichen Entwicklungszeiten. Die Anpassung der Konzentration an die Jahreszeit kann schematisch erfolgen. Auf das Sommerhalbjahr (April bis Oktober) entfallen ca. 80 % des Bedarfs, auf das Winterhalbjahr ca. 20 %. In der Praxis aber keine gesonderte Rechnung erforderlich, da der Ausgleich bei unveränderter Konzentration durch den in Abhängigkeit von der Jahreszeit geänderten Wasserverbrauch der Pflanzen erfolgt.


Auch die Bewölkung hat einen großen Einfluss auf die verabreichten Nährstoffmengen. Bei bedeckten Verhältnissen beträgt der wöchentliche Fehlbedarf 1,4 g/m2. In drei Wochen fehlen dann 4,2 g /m2. In einer strahlungsreichen Phase kommt es zu einem Nährstoffüberschuss. Während einer längeren Kulturdauer werden die Verhältnisse wieder ausgeglichen.


Einfluss der Einstrahlung auf die Nährstoffzufuhr
durchschnittliche Einstrahlung [kW/m2]
60 (bedeckt) 120 180 (sonnig)
Verdunstung [l/m2•d]
N-Zufuhr/ Woche [150 g/m2]
N-Bedarf/Woche [g/m2]
Abweichung in drei Wochen [g N/m2]
1,5
1,6
3
-4,2
3
3,2
3
± 0
4,5
4,6
3
5,1


Die Toleranz an die Wasserqualität ist wegen des großen Bodenvolumens groß. Langfristig ist eine Salzanreicherung im Boden durch den Salzgehalt des Gießwassers möglich, so dass eine Aufbereitung notwendig werden kann. Die Carbonathärte und der Spurennährstoffgehalt sind zu beachten. Häufige Bodenanalyse ist notwendig, Schnelltests sind wöchentlich (Leitfähigkeit, Nitrat) durchzuführen, die Analyse von Einzelnährstoffen und pH-Wert alle 1 bis 2 Monate. Durch das System gibt es keine Einschränkung in der Nutzung der Kulturfläche, eine Regeneration des Bodens durch Dämpfen (50 l/m2) bewirkt eine Salzverlagerung.

Nährstoffverteilung nach dem Mengenkonzept
Ergänzung der wöchentlichen Entzüge: Dieses Verfahren nach dem Mengenkonzept ist für Betriebe interessant, die zu jedem Düngungstermin eine bestimmte Nährstoffmenge auf einer bekannten Fläche ausbringen wollen. Die genaueste Düngerdosierung wird erreicht, wenn der Gesamtentzug auf die Düngungswochen aufgeteilt wird. Voraussetzung ist die Kenntnis der aufnehmbaren Nährstoffmenge der Kulturen. Die Menge wird in der dem täglichen Bedarf entsprechenden Teilmenge unter Berücksichtigung der Vorräte des Bodens verabreicht. Als Zeitraum für die Berechnung der Nährlösungskonzentration hat sich eine Woche bewährt. Der wöchentliche Stickstoffbedarf wird über den Gesamtentzug entweder pro Jahr oder pro Satz ausgerechnet.

Bei Überschreiten von Richtwerten wird eine Düngungspause eingehalten. Bei Ganzjahreskulturen (Rosen, Gerbera) ist es zweckmäßig, bei den wöchentlichen Entzügen zwischen Sommer- und Winterhalbjahr zu differenzieren, da der Bedarf im Sommer höher ist. Auf das Sommerhalbjahr (April bis September) entfallen etwa 80 % des Entzugs und auf das Winterhalbjahr 20 %. Zur Vereinfachung der Berechnung des wöchentlichen jahreszeitlichen Entzugs wird für das Sommerhalbjahr der Gesamtentzug mit dem Faktor 1,4 und für das Winterhalbjahr mit dem Faktor 0,6 multipliziert. Bei Kurzzeitkulturen wird der Gesamtentzug durch die Anzahl der Kulturwochen geteilt.
Die Nährstoffmenge wird über die Nährlösungskonzentration und die Wassermenge geregelt. Der tägliche Wasserbedarf enthält den täglichen Nährstoffbedarf. Somit muss dem Betriebsleiter bei dieser Methode die Anzahl der Düngungstermine und die Wassermenge pro Düngungstermin bekannt sein. Die Stickstoffmenge pro Düngungstermin ergibt sich aus der Division des wöchentlichen Entzugs durch die Anzahl Düngungen pro Woche. Diese Stickstoffmenge ist in der Wassermenge pro Düngungstermin enthalten.
Eine Düngerbeimischung unterbleibt, wenn über die tägliche Nährstoffmenge hinaus Wasser gefordert wird.

Bei der Düngung mit festen Salzen besteht der Nachteil dieser Methode in den weiten Zeitabständen der Düngungstermine gegenüber den vorher genannten. Es ist eine stärkere Schwankung des Salzgehalts im Boden zu erwarten.Mit Zunahme der Düngungshäufigkeit ist der ideale Zustand eines gleichbleibenden Salzgehalts im Boden am ehesten zu erreichen. Bodenanalysen dienen dann der Kontrolle und Bestätigung des Düngungssystems.


Rechenbeispiel:
Beispiel für die Berechnung des wöchentlichen Stickstoffangebots: Der Stickstoffbedarf wird während der Kulturdauer auf die Kulturwochen aufgeteilt, z.B. 80 g N/m2 und 50 Wochen, das entspricht 1,6 g N/Woche und m2.

  1. Anpassung des Entzugs an die Jahreszeit: auf das Sommerhalbjahr entfallen 80 % des Bedarfs, auf das Winterhalbjahr 20 %
  2. Umrechnungsfaktor für den Sommer = wöchentlicher Entzug x 1,4 = 1,6 x 1,4 = 2,24 g N
  3. Umrechnungsfaktor für den Winter = wöchentlicher Entzug x 0,6 = 1,6 x 1,4 = 0,96 g N
  4. Festlegung der Anzahl Düngungen: im Sommer z.B. 3 Düngungen/Woche = 0,75 g N/Düngung, im Winter z.B. 1 Düngung/Woche = 0,96 g N/Düngung
  5. Festlegung der Wassermenge/Düngung: bei Tröpfchenbewässerung beträgt der Wasserverbrauch pro Gießvorgang ca. 6 mm
  6. Berechnung der Stickstoffkonzentration: die Wassermenge enthält den Fehlbedarf

g N/l = \frac{0,75} {6} = 0,12


Quelle

Ulrich Harm (2007): Neustadter Heft: Bodenanalyse und Düngung im Zierpflanzenbau. Herausgeber DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 


Einzelnachweise