Calciumdüngung

Aus Hortipendium
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Eine reine Calcium-Düngung ist nur in den seltensten Fällen notwendig, da Calcium in den meisten Böden ab einem pH-Wert von etwa 4,5 ausreichend vorhanden ist. Die Pflanzen nehmen Calcium als zweiwertiges Kation, Ca2+, auf. Es besteht eine relativ hohe Auswaschungsgefahr, obwohl die Ionen gut an die Tonteilchen des Bodens gebunden werden. Der Grund für diese verstärkte Auswaschung ist der hohe Calciumgehalt im Boden. In sauren Böden werden Calcium-Ionen an den Austauschern verstärkt durch Wasserstoff-Ionen ersetzt und es kommt zur Bodenversauerung.

Düngermenge

Um die Pflanzen mit zusätzlichem Calcium zu versorgen, wird meist Calciumchlorid eingesetzt. Meist wird die Blattdüngung gewählt, da nur bestimmte Pflanzenteile, wie Blätter oder Früchte, versorgt werden müssen. Dies liegt daran, dass Calcium-Mangelsymptome nur selten auf einen Calciummangel im Boden, sondern vielmehr auf einen gehemmten Transport in der Pflanze zurückzuführen sind. Wesentlich verbreiteter ist die Kalkdüngung. Diese dient der pH-Wert-Erhöhung.

pH-Werte

Die meisten Pflanzen bevorzugen pH-Werte von 6 oder 7, wobei dies nicht der Hauptgrund für die Düngung ist. In erster Linie soll der Kalkdünger die Bodenstruktur verbessern. Die angestrebten pH-Werte unterscheiden sich je nach Bodenart. Die jeweils idealen pH-Werte sind in der folgenden Tabelle aufgelistet.

Bodenart pH-Optimum bei pH Kalkbedarf
in kg CaO/100 m
Sand 5,3 - 5,7 5,3 - 5,5
unter 5,3
5
über 5
lehmiger Sand 5,8 - 6,2 5,8 - 6,0
unter 5,8
10
über 10
sandiger Lehm 6,3 - 6,7 6,3 - 6,5
6,0 - 6,2
unter 6,0
10
15
über 15
Löss, Lehm 6,9 - 7,5 6,5 - 7,0
6,3 - 6,4
6,0 - 6,2
unter 6,0
20
25
30
über 30
toniger Lehm, Ton 6,9 - 7,5 6,5 - 7,0
6,3 - 6,4
6,0 - 6,2
unter 6,0
30
40<
50
über 50

Aufwandmengen

Tonarme Sandböden mit geringem Gehalt an organischer Substanz sollten nicht unnötig aufgekalkt werden, da das Pflanzenwachstum durch die Kalkung nicht verbessert wird. Es besteht vielmehr die Gefahr eines beschleunigten Humusabbaus. Je Größer der Tongehalt ist, desto höher sollte auch der pH-Wert sein. Das Herbeiführen einer verstärkten Krümelbildung und somit einer besseren Bodenstruktur wird immer wichtiger.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die empfohlenen Aufwandmengen bei der Kalkdüngung.

Kohlensaurer Kalk Branntkalk
Erhaltungskalkung
= kleine jährliche Gaben,
um Kalkverluste auszugleichen
  • leichte Böden:
    20-30 kg CaCO3/100 m2
  • schwere Böden:
    40-50 kg CaCO3/100 m2
10 - 15 kg CaO/100 m2
Gesundungskalkung
= erhöhte Kalkgaben, um eine
starke Bodenversauerung v.a. bei
schweren Böden zu neutralisieren
30 - 50 kg CaO/100 m2
in mehreren Teilgaben
Aufkalkung von Substraten Bei Weißtorf etwa 2 kg CaCO3/m3 für jede pH-Einheit.
Rindenkompost und Schwarztorf benötigen aufgrund ihres
höheren Volumengewichtes mehr Kalk,
um den pH-Wert anzuheben

Löslichkeit

Karbonathaltige Kalkdünger, wie CaCO3, wirken langsam, da sie erst im Boden umgesetzt werden müssen. Ein zunehmender CO2-Gehalt im Bodenwasser verbessert die Löslichkeit dieser Kalke. Der pH-Wert des Bodens steigt dabei kaum über 7 an.

Die Löslichkeit der Kalkdünger im Wasser ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Kalkdünger Lösungsmittel gelöste Menge in mg/l
CaCO3 Wasser 15
CaCO3 Wasser mit 0,03 % CO2 50
CaCO3 Wasser mit 2 % CO2 200
CaCO3 Wasser, CO2-gesättigt 1100
Ca(OH)2 Wasser 1600

Zeitpunkt

Die langsame Wirkung der Kalkdünger sollte bei der Terminwahl der Anwendung berücksichtigt werden. Bei Branntkalk steigt der pH-Wert aufgrund der Umsetzungsvorgänge stark an. Er sollte vier bis sechs Wochen vor Aussaat oder Pflanzung im Frühjahr eingearbeitet werden, damit Jungpflanzen und Keimlinge nicht geschädigt werden. Aus dem gleichen Grund eignet sich Branntkalk auch nicht für eine Kopfkalkung, also für eine Düngung des Bodens in wachsenden Beständen. Die schnelle und starke Reaktion führt auch zu einer raschen Stabilisierung der Bodenstruktur.


Düngemittel

Die folgende Tabelle beinhaltet eine Übersicht über die verschiedenen Calcium-, bzw. Kalkdüngerarten.

Düngerarten Zusammensetzung Eigenschaften
Calcium-Dünger
Calciumchlorid
  • CaCl2
  • 15 % Ca
  • gut wasserlöslich
  • zur Blattdüngung bei Blattrandnekrosen, Innenblattnekrosen, Blütenendfäule, Stippe
  • zur Tauchbehandlung von Äpfeln nach der Ernte, um Lagerstippe vorzubeugen
Gips (Calciumsulfat)
  • CaSO4
  • 23 % Ca
  • wenig wasserlöslich
  • zur Bodendüngung, um den Ca-Gehalt des Bodens anzuheben, ohne den pH-Wert zu steigern (z. B. bei Moorbeetpflanzen)
Kalkdünger
Kohlensaurer Kalk
  • CaCO3
  • 75 % CaCO3
  • nicht wasserlöslich → langsamwirkend
  • günstig für leichte Böden und für die Aufkalkung von Substraten
Branntkalk
  • CaO
  • 65 % CaO
  • sehr gut wasserlöslich → schnellwirkend
  • für mittlere und schwere Böden
  • bindet Wasser, ätzend!
Löschkalk
  • Ca(OH)2
  • 60 % CaO
  • weißes, in Wasser wenig lösliches Pulver
  • teurer und voluminöser als Branntkalk
  • relativ schnellwirkend
Hüttenkalk
  • CaSiO4
  • 42 % CaO
  • viele Spurenelemente (Mn, Cu, Zn, Cr, u. a.)
  • sehr langsam und nachhaltig wirkend
  • günstig für leichte Böden und Substrate
  • Kieselsäureanteil erhöht Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge
Algenkalk
  • CaCO3
  • 70 % CaCO3
  • viele Nebenbestandteile und Spurenelemente
  • nicht wasserlöslich → langsamwirkend
  • für alle Kulturen und alle Bodenarten
  • bei Bedarf zur Kompostierung (etwa 12-15 kg/m3 Kompostmasse)

Quellen

  • Martin Degen, Karl Schrader (2002): Grundwissen für Gärtner. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3800111888
  • Holger Seipel (2007): Fachkunde für Gärtner. Verlag Dr. Felix Büchner. Hamburg. ISBN 9783582041555