Blumenwiese

Aus Hortipendium
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Bunte Blumenwiese
Die Blumenwiese ist keine Alternative zum Rasen. Sie erfreut nur dort, wo es gelingt, den menschlichen Ordnungs- und Reinlichkeitssinn beiseite zu schieben. Leider heißt es für diese Pflanzengemeinschaft auch Betreten verboten. Jeder Rasen kann im Verlauf der Zeit zur Blumenwiese verändert werden.


Blumenrasen

Eine Zwitterstellung von Blumenwiese und Rasen könnte der Blumenrasen sein. Diese Pflanzengesellschaft wird sich dann einstellen, wenn das Mähen der Fläche bei einer Durchschnittshöhe von ca. 10-12 cm erfolgt. Höher wachsende Arten werden diese Behandlung nicht überleben. Gänseblümchen (Bellis perennis), Hunds- Veilchen (Viola canina), Schlüsselblumen (Primula veris), Löwenzahn (Taraxacum officinale), Weißklee (Trifolium repens), Ehrenpreis (Veronica filifonnis), Hornkraut (Cerastium arvense) und andere bleiben jedoch erhalten.

Blühstreifen

Wo nicht die ganze Fläche als Wiese angelegt werden soll, bleibt auch die Möglichkeit in unterschiedlicher Formgebung, zwischen einer intensiv gepflegten Rasenfläche und einem Wiesenstück zu trennen. Solches ist als Randsegment oder auch in Form einer Inselbildung möglich. Harmonisch wirkt auch der Übergang aus einer Baum- oder Strauchpflanzung über eine Wildstaudengruppe in ein Blumenwiesenstück. Zu bedenken ist immer, dass der größte Feind einer Wiese der menschliche Fuß ist. Niedergetretenes Gras wird sich kaum mehr und geknickte Kräuter werden sich überhaupt nicht aufrichten. Da sieht das Ganze hässlich aus.


Wiese und Rasen im Vergleich

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Der Rasen soll das ganze Jahr begehbar und damit nutzbar sein. Er ist die Vergrößerung der Terrasse in den Garten hinein. Rasen besteht nur aus wenigen Pflanzenarten, den Gräsern, die eine dichte Narbe bilden.

Eine Blumenwiese enthält eine Vielzahl von Kräutern und Gräsern und hat wegen deren unterschiedlichen Entwicklung im Verlaufe des Jahres viele Gesichter. Sie ist empfindlich gegen das Betreten und deshalb für Spiel und Sport vollkommen ungeeignet. Wer für Kinder den Garten öffnen will oder geme mit dem Liegestuhl im Grünen liegt, für den ist eine Wiese absolut ungeeignet und eine Quelle fortwährenden Ärgernisses. Die Blumenwiese wird aber eine Herberge sein, für eine große Anzahl von Tieren. An den Blüten nähren sich Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Blattwanzen und Käfer. Die Blatt- und Stengelschicht ist Aufenthaltsort für Heuschrecken, Blattwanzen, Käfer, Zikaden, netzbauende Spinnen und Schmetterlingsraupen. In der Streuschicht leben Laufkäfer, Asseln, Kurzflügler, Weberknechte, Ameisen und Schnecken.

Rasenflächen

Großflächiger Vielschnittrasen auf einem Golfplatz lässt nur wenig Raum für artenreiche Pflanzen- und Tierwelt

Rasen sind durch häufigen Schnitt und oft auch intensive Nutzung gleichmäßig niedrige, geschlossene, von Gräsern beherrschte ausdauernde Pflanzengemeinschaften. Voraussetzung für ihre Entstehung und Erhaltung sind regelmäßiger Schnitt, Düngung, Bekämpfung unerwünschter Kräuter, Moose und der Rasenkrankheiten. Weitere Kulturmaßnahmen kommen hinzu.

Übrig bleibt eine artenarme und gleichmäßig niedrige, meist immergrüne Vegetationsdecke, die allerdings den Vorteil hat, dass sie fast jederzeit begehbar und für Sport und Spiel geeignet ist. Soweit die Rasenflächen dieser intensiven Beanspruchung standhalten müssen, ist die Vielschnitt- Rasenpflege zweifellos gerechtfertigt.

Im Gegensatz zu intensiv genutzten Viehweiden (Weidelgras- Weißklee- Weiden) mit sehr ähnlicher Artenverbindung werden die durch häufigen Schnitt kurz gehaltenen Rasen auch als "Scherrasen" oder "Parkrasen" bezeichnet. Sind Scherrasen starker Trittbelastung ausgesetzt, entstehen lückige Rasen (Trittpflanzen-Gesellschaften, zum Beispiel entlang von Trampelpfaden). Während der kurzen Schnittintervalle von etwa einer Woche kommt es im Scherrasen nur selten zur Blütenbildung und kaum zur Reifung der Samen; Ausnahmen sind: zum Beispiel Einjähriges Rispengras, Gänseblümchen, Fadenehrenpreis. Pflanzen mit vegetativer Ausbreitung durch unter- oder oberirdische Ausläufer sind im Vorteil. Auch einige gut angepasste Kräuter überleben im Vielschnitt- Rasen, wenn sie nicht gezielt durch Herbizide vernichtet werden, zum Beispiel Rosettenpflanzen wie Löwenzahn und Ferkelkraut.

Doch gibt es auch Teile größerer Rasenflächen des öffentlichen Grüns und privater Hausgärten, die regelmäßig oft geschnitten werden, ohne häufig begangen oder als Spielwiese benutzt zu werden. Diese Flächen können meist in Wiesen umgewandelt werden.

Wiesenflächen

Ausschnitt einer Blumenwiese
Die Wiese ist eine ausdauernde Pflanzengemeinschaft, in der zahlreiche Kräuter und Gräser genügend Zeit haben, ihre Entwicklung bis zur Samenreife abzuschließen, bevor sie abgemäht werden, und in der viele Tiere, insbesondere Insekten, Nahrung und Lebensraum finden.

Ihr Bestandesaufbau - nach Arten, Höhe und Dichte unterschiedlich lässt sich durch Schnitthäufigkeit und -zeitpunkt regulieren. Wird die Mahd auf ein bis wenige Schnitte im Jahr eingeschränkt, entsteht eine Wiese - auch Blumenwiese genannt -, wenn die Mahd nach der Blüte der Wiesenkräuter vorgenommen wird. In den Wiesen haben die meisten Pflanzen zwischen den Schnittintervallen genügend Zeit, ihre volle biologische Entwicklung bis zum Blühen und Fruchten abzuschließen. Dabei treten vergilbte und trockene Pflanzenteile in Erscheinung.

Die Mahd ist ein entscheidender Eingriff in die Lebensgemeinschaft der Wiese, doch zugleich auch Bedingung für ihre Erhaltung. Bestandesklima und Struktur ändern sich durch schlagartiges Beseitigen der Grünmasse. Die Pflanzen müssen aus Reserven neue Assimilationsorgane bilden. Verschiedene Tiergruppen wandern ab, weil sie keine geeigneten Lebensbedingungen mehr finden.

Unterschiede in der Übersicht

Blumenwiese Vielschnittrasen
Pflanzengemeinschaft
  • Artenreich mit hohem Kräuteranteil
  • Vollständiger Jahres- bzw. Lebenszyklus der meisten Pflanzen
  • Zahleiche Lebensformtypen
  • Generative und vegetative Vermehrung und Ausbreitung der Pflanzen
  • Geschichteter Aufbau mit Klimaunterschieden nach Bestandeshöhe und –dichte
  • Abwechslungsreiche Blütenaspekte
  • Tief durchwurzelter Boden
  • Nach dem Wiesenschnitt kurzfristig gebleichte Fläche, teilweise offene Vegetationsdecke mit vergilbenden Pflanzenteilen
  • Artenarm aus vorherrschenden Gräsern
  • Unvollständige Entwicklung der Pflanzen
  • Wenige Lebensformtypen
  • Vegetative Ausbreitung vorherrschend
  • Wenig geschichteter Aufbau, geringe Unterschiede im Bestandsklima
  • Kaum Blütenaspekte
  • Flach durchwurzelter Boden
  • Meist grüne, geschlossene Vegetationsdecke
Tiergemeinschaft
  • Vielfältiges Angebot an Nahrung und Lebensstätten für Tiere
  • Artenreiche Tierwelt, Bienenweide
  • Einseitiges, reduziertes Angebot an Nahrung und Lebensstätten
  • Artenärmer, meist „Allerweltsarten“
Biotop-Bewertung
  • Relativ wertvolles Biotop
  • Entwertetes Biotop
Nutzungs- und Erholungseignung
  • Während des Hochstandes nicht betretbar (eingeschränkte Spielfläche)
  • Geringe Trittfestigkeit
  • Hoher Naturerlebniswert
  • Fast ständig als Spiel- und Sportrasen nutzbar
  • Trittfest
  • Geringer Naturerlebniswert
Pflege
  • Lagernde Bestände bei hohem Wuchs und ungünstiger Witterung vor dem Schnitt
  • Wenige Wiesenschnitte (1-3/5 mal pro Jahr)
  • Balken-, Kreisel-, Sichelmäher, außerdem Sense, Sichel
  • Meist Schnittgutentfernung
  • Schnitt und weitere mögliche Kulturmaßnahmen, z. B. Zurückdrängen stark vorherrschender Arten, evt. Kräuterförderung durch gezielte Düngung (P, K), dienen zur Regulierung der Artenzusammensetzung der Pflanzengemeinschaft
  • Keine Probleme beim Schnitt
  • Viele Rasenschnitte (10-20 mal pro Jahr)
  • Sichel- und Spindelmäher
  • Seltener Schnittgutentfernung
  • Zahlreiche Kulturmaßnahmen (N-reich Düngung, Bekämpfung unerwünschter Kräuter und Rasenkrankheiten, Bewässerung,vertikutieren, aerifizieren)

Geeignete Pflanzen

Die Liste aussaatwürdiger Arten für Blumenwiesen umfasst nur einen Grundstock von 7 Gräserarten und 27 Wiesenkräutern, also bei weitem nicht alle möglichen Wiesenpflanzen.

Ausgewählt wurden zumeist niedrigwüchsige Arten ohne starke vegetative Ausbreitung und Verdrängung mit mittleren bis geringen Nährstoffansprüchen und ausreichender Anpassung an unterschiedliche Standorte.

Die Kornzahl je Gramm schwankt sehr stark (zum Beispiel Wiesenplatterbse: 20, Schafgarbe: 6 000) und ist bei der jeweiligen Zusammenstellung der Mischung nach Gewichtsprozenten zu berücksichtigen. Die Erfahrung zeigt, dass feinsamige Wiesenkräuter oft schwerer anzusiedeln sind als großsamige und dass hartschalige Leguminosen-Samen oft ein Jahr und länger überliegen bevor sie keimen.

Der Saatguthandel stellt sich nur zögernd auf standortgemäße blumenreiche Wiesenmischungen ein, weil Saatgut heimischer Wiesenpflanzen bisher nur schwer zu beschaffen ist. Das Angebot des Handels mit hohem Sommerblumenanteil wirkt auf den ersten Blick sehr attraktiv.

Die sogenannten "Blumenwiesen"- Mischungen bestehen oft aus einer großen Zahl von Arten (40 - 60), die zur Neuansaat einer Blumenwiese meist ungeeignet sind. Solche Mischungen enthalten hohe Anteile von kurzlebigen Sonnenblumen, teilweise auch Futter- und Gründüngungspflanzen (Futtermalven, Büschelschön, Hirsen), aber auch Zuchtformen der Gräser - also Pflanzen, deren Anpassungsfähigkeit an eine dauerhafte Wiesengesellschaft meist nicht gegeben ist. Von den Sommerblumen bleibt nach einem Jahr nichts mehr übrig. Oft ist auch der Anteil der Leguminosen so hoch, dass diese im zweiten Jahr bereits vorherrschen.

Bei der standortgemäßen Zusammenstellung der Arten stellt sich zuerst die Frage, ob eine artenreiche Wiesenmischung oder nur ein Grundbestand weniger Arten mit auffälliger Blütenbildung zur Aussaat kommen soll. Die Bestände artenarmer Saatmischungen können auf kleineren Flächen im Verlauf der Jahre durch Nachsaat oder/ und Anflug zu vielfältigen Wiesenbeständen weiterentwickelt werden. So könnte sich der Grundstock einer Blumenwiese auf Lehmboden aus Wildformen der Wiesenmargerite, Wiesenflockenblume, der Roten Lichtnelke und der Wiesenglockenblume mit dem entsprechenden Anteil von Goldhafer zusammensetzen.

Das Gräser-Kräuter-Verhältnis und die Saatstärke sollten sich nach den in der Tabelle angegebenen Größenordnungen richten. Als Saatstärke werden 150 bis 400 g/100 m2 empfohlen, davon 100 - 250 g Gräser und 50 - 150 g Kräuteranteil.

Mit der vergleichsweise zum Rasen geringen Saatstärke wird anfänglich ein lückiger Bestand erzielt, damit sich die Kräuter ohne allzu starken Konkurrenzdruck entwickeln können und der Artenbestand durch die im Boden ruhenden Samen und Anflug angereichert wird.

Werden bei der Anlage eines Spiel- oder Sportrasens mindestens 50 g/m2 an Samen gebraucht, reichen für die Wiese von den oben genannten Gräsern 5-10 g/m2 aus. Da die Blumenkräuter in der Regel noch feinere Samen haben, genügen hierbei sogar 0,5-1 g/m2 Saatgutmischungen für Blumenwiesen können von Anfang April bis Ende September ausgesät werden.

Nach der Saat muss wegen der Samenkeimung die Fläche ca. 6 Wochen gleichmäßig feucht gehalten werden. Wer dies nicht einrichten kann, gießt besser überhaupt nicht, als zeitweise die Samen austrocknen zu lassen.

Eine frühe Saat, nach Erwärmung des Bodens, verhilft den mehrjährigen Blumenarten zu einer langen Wachstumsphase und lässt relativ sicher auf eine Blüte im Folgejahr hoffen. Wird erst im Spätjahr ausgesät, bleibt die Frage offen, ob die Pflanzen im nächsten Jahr zur Blüte kommen. Im Sommer sollte wegen der oft zu großen Hitze nicht ausgesät werden. Die Gefahr des Austrocknens der gerade keimenden Saat ist dann besonders groß.

Frühjahrssaaten werden bei einer Pflanzenhöhe von 8-10 cm, ca. 6-8 Wochen nach der Saat, geschnitten. Im Abstand von ca. 2 Monaten werden Folgeschnitte notwendig. Im nächsten Jahr wird dann, wie bei Blumenwiesen üblich, im Juni und im September gemäht. Der Aufwuchs, der aus Saaten des Spätjahres entstanden ist, wird nur noch einmal vor Winter gemäht.

Für die Einsaat können unter anderem folgende Gräser vorgesehen werden:

Nachstehende Kräuter sind für die Aussaat erfolgversprechend:

Neuanlage von Blumenwiesen

Eine Blumenwiese neu einzusäen, bringt keine schnelleren Ergebnisse, als wenn eine Rasenfläche umgestellt wird. Der Vorteil besteht lediglich darin, den Boden besser auf die Ansprüche einer Wiese vorbereiten zu können. Hierbei soll jedoch nicht versucht werden, sich vollkommen von der Beschaffenheit des ursprünglich gewachsenen Erdreiches zu entfernen. Auf diese Boden- (Klima-) Verhältnisse haben sich nämlich die Pflanzen des Gebietes eingestellt. Die meisten Kräuter kommen auf trockenen und nährstoffarmen Böden besser zurecht, weil sie unter diesen Bedingungen nicht von den konkurrenzstärkeren Gräsern überwachsen und unterdrückt werden. Zu „fette“, nährstoffreich Böden werden durch reichliche Sand- oder Kieszugaben „abgemagert“. Eine Vereinheitlichung der Standorte vor der Saat durch Bodenverbesserung mit Torf, Kompost, Mineraldünger und genaues Einebnen der Flächen sollte unterbleiben, damit auf möglichst vielfältigen Kleinstandorten (Mulden, flachen Rinnen und Hügeln) zahlreiche Arten geeignete Nischen zur Ansamung und günstige Wachstumsbedingungen finden. Auf nährstoff(stickstoff-)reichen und gut wasserversorgten Standorten wird zuviel Grünmasse aus hochwüchsigen Wiesenpflanzen, die früh zum Lagern neigen und dadurch kleinwüchsige Wiesenkräuter unterdrücken, gebildet. Die Obergrenze der Grünmassebildung dürfte etwa bei 400 - 500 g Trockenmasse/ml (getrockneter Aufwuchs) liegen. Im intensiven Wirtschaftsgrünland liegen die Trockenmasseerträge meist weit darüber. Durch regelmäßiges Abräumen des Mähgutes bei nicht zu spätem Schnitt kann auf wüchsigen Standorten im Verlauf von 5 - 10 Jahren eine "Abmagerung" erreicht werden, indem mit der Beseitigung des Mähgutes auch die darin enthaltenen Nährstoffe dem Standort entzogen werden.

Bodenvorbereitung

Je nach vorhandenem Boden, vorangegangener Nutzung (Acker- oder Gartenland, Grünland, Ödland) sind unterschiedliche Maßnahmen der Bodenvorbereitung notwendig. Auf Acker- und Gartenland ohne dichten, ausdauernden Wildkrautbesatz (zum Beispiel Quecke, Distel) kann in der Regel durch Fräsen bzw. Pflügen und anschließende Saatbettvorbereitung (Harken, Eggen, Walzen) die Saat ohne Düngung und Bodenverbesserung erfolgen. Die Bodenoberfläche ist so vorzubereiten, dass der notwendige Wiesenschnitt mit der Sense oder anderem Mähgerät ungehindert durchgeführt werden kann (z. B. Steine zusammenlesen und andere Hindernisse entfernen). Zur Saat sollte der Boden abgesetzt, das heißt feinkrümelig und nicht frisch gegraben oder gefräst sein, damit die Samen nicht ungleichmäßig und zu dick überdeckt werden. Bei günstigen Kulturböden genügt oft schon eine Auflockerung der oberen Bodenschicht (10 - 15 cm). Wurzelstöcke und Ausläufer starkwüchsiger Wildkräuter, wie beispielsweise Goldrote, Ackerkratzdistel, Weiches Honiggras, Quecke, sollten zuvor ausgelesen werden. Um in nährstoffreichen Gartenböden die Konkurrenz der Gartenwildkräuter einzudämmen, kann der Anbau einer stark zehrenden Vorfrucht (zum Beispiel Büschelschön, Ackersenf, Sonnenblume) nützlich sein. Die Fläche ist dann vor dem Aussamen der Einjährigen Pflanzen abzuräumen. Soll eine Blumenwiese auf ehemaligen Rasen- oder anderen Graslandflächen angelegt werden, kann der Umbruch der alten Narbe mit dem Pflug, durch Umgraben (kleine Gartenstücke) oder auf größeren Flächen mit der Grünlandfräse erfolgen. Dabei kommt es darauf an, dass die obere Bodenschicht mit der Grasnarbe ausreichend mit Feinboden als Saatbett abgedeckt ist. Rohböden, wie zum Beispiel Bauaushub ohne wasserhaltende Kraft, sollen mit einer ca. 5 - 1 0 cm dicken Schicht humosen Oberboden (Mutterboden) abgedeckt werden, welcher anschließend flach eingearbeitet wird. In besonderen Fällen können wertvolle Wiesenflächen, denen eine Zerstörung durch Baumaßnahmen droht, verpflanzt werden. Die Wiesennarbe wird in Streifen oder Blöcken (Soden) etwa 3 - 5 cm dick abgeschält, auf die gewünschte Fläche bündig aufgebracht, angetreten oder angewalzt und bewässert. Im Oberboden alter Wiesenbestände sind nicht selten wertvolle Wiesenpflanzen als Samen konserviert und können dann zur Keimung gelangen. Bei genügend Feuchtigkeit wachsen die so verpflanzten Wiesenteile meist problemlos an.

Saatzeit- und Technik

Bei mildem Klima kann noch bis Anfang Oktober ausgesät werden. Arten, die einen Kältereiz zur Keimung benötigen (Frostkeimer, zum Beispiel Doldengewächse, Wiesenprimel) keimen bei Herbstaussaat besser. Sonst ist die Aussaat im zeitigen Frühjahr (April) vorzuziehen. Wird im Sommer gesät, darf das Saatbett nicht austrocknen, und bei künstlicher Beregnung ist eine Bodenverschlämmung zu vermeiden. Zwischen 15 und 25 OC liegt bei gegebener Bodenfeuchte die optimale Keimtemperatur. Manche Arten keimen schon bei tieferen Temperaturen. Die Aussaat sollte nicht auf zu nassem /schmierigem, aber auch nicht auf zu trockenem, feinkrümeligem und abgesetztem Boden erfolgen. Nach Niederschlägen Beregnung muss der Boden vor der Saat 1 - 2 cm tief aufgerauht werden. Bei windstillem Wetter kann das Saatgut gleichmäßig ausgebracht werden. Die Aussaat von kleineren Flächen bis zu einigen 100 m² kann von Hand breitwürfig über Kreuz ausgeführt werden. Für große Flächen gibt es Sämaschinen. Danach wird die Fläche angewalzt oder mit Brettern festgetreten und bis zur Begrünung möglichst gleichmäßig feucht gehalten.

Blumenwiesen erhalten

Dazu sind folgende Schritte zu beachten:

  • Schnitthäufigkeit / Rasenpflege vermindern

Bei der Umstellung von Rasen zu Wiese müssen (Stickstoff-) Düngung, Herbizideinsatz und Bewässerung unterbleiben, da beides die Entwicklung der Gräser mehr fördern würde als die der erwünschten Kräuter und Blumen. Die Rasenschnitthäufigkeit sollte auf 4-6 mal pro Jahr reduziert werden und nach Möglichkeit sollte das Mähgut liegen bleiben, damit zum Beispiel Blühaspekte von Wiesenschaumkraut, Wiesenlöwenzahn, Gänseblümchen, Fadenehrenpreis, Rauhem Löwenzahn, Fadenklee und Kleinköpfigem Pippau erreicht werden können, wenn nach der Blüte dieser Arten gemäht wird.

  • Attraktive Wiesenkräuter in vorhandenen Rasen pflanzen

Im Laufe der Zeit wird sich die Artenzahl durch Samenzuflug erhöhen. Dies kann durch Einsäen gekaufter oder gesammelter Sämereien beschleunigt werden. Im intensiv gepflegten, dichten Rasenwuchs hätten die Keimlinge aber wenig Überlebenschancen, deshalb wird die Fläche nach einem Schnitt mit dem Vertikutierrechen aufgerissen oder in lückigen Rasen unmittelbar nach dem Schnitt der hochaufgewachsenen Gräser gesät. Da in einem zu dichten Grasbestand die Kräuter zwar keimen, dann aber wegen Lichtmangels verkümmern, muss dort zu radikaleren Methoden gegriffen werden. Aus dem Altgrasrasbestand werden, punktuell begrenzt, die Gräser herausgerissen. Auf diese vegetationsfreie Fläche werden dann die Kräutersamen ausgesät. Die Sämereien können leicht angetreten, dürfen aber keinesfalls mit Erde abgedeckt werden. Nach einer Zwischensaat muss die betroffene Fläche 5-6 Wochen feucht gehalten werden.

  • Vorsicht

Manche der im Handel erhältlichen Samenmischungen für Blumenwiesen sind zwar billig und enthalten eine große Artenzahl, von denen jedoch viele nur einjährig sind oder landwirtschaftliche Futter- und Ölpflanzen ergeben. Teuerer, aber im Endeffekt günstiger, ist es, Saatgut einzelner geeigneter Arten zu kaufen. Wenn die Zwischensaat in stehende Rasenflächen besonders für größere Flächen geeignet ist und wenig Arbeit macht, so wird das aufwendigere Einpflanzen erwünschter Kräuter, aber auch von Blumenzwiebeln, einen rascheren Erfolg bringen. Solche Wildkräuter werden in Staudengärtnereien angeboten. Blumenzwiebeln, wie Krokus, Schneeglöckchen, Winterling, Schneestolz, Narzisse, Scharbockskraut, Goldstern, Milchstern, Blaustern, Hasenglöckchen können auch über Kataloge bezogen werden. Sie müssen sich aber zum Verwildern eignen.

  • Mähen ja, aber termingerecht

Ist nach zwei bis drei Jahren eine Wiese entstanden, die auch wegen ihrer Blütenvielfalt den Namen Blumenwiese verdient, kann diese dennoch nicht sich selbst überlassen werden. In wenigen Jahren würden die Kräuter wieder verschwinden, hartnäckige Gräser sich breit machen und dazwischen Busch- und Strauchwerk und sogar Bäume wie Birken und Ahorn aufwachsen. Ein Vorgang, wie er auch in der Natur üblich ist und in der Kulturlandschaft nur durch die pflegende Hand des Landwirtes aufgehalten wird. Deshalb ist im Sommer, in der zweiten Hälfte des Juni, die Fläche zu mähen. Dies gelingt freilich nicht mehr mit dem herkömmlichen Motor- oder gar Hand-Rasenmäher. Jetzt muss mit der Sense, der Sichel oder einem motorgetriebenen Freischneidegerät (auch Rasentrimmer genannt) gearbeitet werden. Mit dem letztgenannten Apparat gelingt es auch, gezielt zu mähen und noch blühende Kräuter unberührt stehen zu lassen. Das sich nach dem Schnitt dem Rasengewohnten Gartenliebhaber zeigende Bild ist zunächst erschreckend: Die Rasennarbe liegt offen und ist voll an abgestorbenen Blättern und Stängeln. Nach 3-4 Wochen jedoch werden die dazwischen ruhenden Samen, angeregt durch das Sonnenlicht, keimen oder bisher unterdrückte Pflänzchen werden aufwachsen. Es ist sogar besonders darauf zu achten, dass nach jedem Mähvorgang der Boden zwischen den Kräuterstängeln, bzw. den Grashalmen sichtbar ist. Eine Verfilzung würde die immer wieder notwendige neue Keimung von Samen verhindern. Eine dichte Grasnarbe, wie beim Rasen gefordert, ist hier nicht erwünscht. Nur ein lockerer Gras- Kräuterbestand garantiert langfristig die gewünschte Blumenwiese.

Quellen

Werner Ollig, Gartenakademie Rheinland-Pfalz