Blumenkohl Züchtung und Saatgutproduktion

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Hauptartikel: Blumenkohl
Farbenvielfalt ermutigt Züchter!

Blumenkohl Köpfe, so wie wir sie heute (2013) verzehren sind botanisch gesehen, extrem gestauchte Blütenstände. Von den Blüten ist bei der Ernte noch nichts nichts zu sehen. Obwohl die Natur verschiedene Kopffarben anbietet, haben die Züchter sich weltweit, vor allem mit der Weiterentwicklung von weißköpfigen Sorten beschäftigt. In den letzten Jahren gewinnen jedoch farbige Sorten mit gelbgrünen, orangen bzw. violetten Köpfen immer mehr Freunde. In Mitteleuropa sind aber bisher (2013) die Sorten mit nicht weißem Kopf immer noch eine Seltenheit. Sollte das Interesse der Verbraucher und der Ernährungsberater noch weiter zunehmen, werden sich die Züchter noch mehr bemühen, auch in diesem Bereich, so erfolgreiche Sorten wie bei den Weißen" zu schaffen.


Zunächst nur Selektionen, noch keine Sorten

Wildform des Gemüsekohls.
Urform des Blumenkohls.

Die Blumenkohlzüchtung hat eine lange Geschichte. Betrachtet man sich die Urkohlpflanze und auch die Urselektionen im Bild, so erkennt man schnell, dass gerade im Bereich des Blumenkohls, die Züchter eine großartige Leistung vollbracht haben.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es beim Blumenkohl nur regionale bzw. individuelle Selektionen mit zum Teil klaren Bezeichnungen. Dazu gehören z.B....

  • ´Erfurter Zwerg´
  • ´Erfurter Langlaubiger´ und
  • ´Delfter Markt´

Diese Selektionen wurden später als die erste Sorten geführt.

Die alten Zentren der Blumenkohl Züchtung

Kohlzüchtung durch Kreuzung unterschiedlicher Eltern.

Ostdeutschland: Hier wurde die Tradition der Erfurter, Quedlinburger und Ascherslebener Saatzuchtbetriebe im Bereich der Blumenkohlzüchtung mit Sorten wie: ´Edelstein´, ´Frühernte´, ´Sechswochen´, ´Elektra´, ´Heinemann´, ´Erfurt´, ´Roba´, ´Clivia´, ´Sollux´, und ´Consista´ fortgesetzt.
Westdeutschland:
Hier waren zunächst deutsche Firmen wie Hild, Wagner und ähnliche von größerer Bedeutung. Nach und nach übernahmen aber niederländische Kohl-Zuchtfirmen wie Zwaan Kleve, Rijk Zwaan, Nickerson-Zwaan und Royal Sluis, auch mit Hilfe ihrer deutschen Niederlassungen, die Marktführerschaft. Bis Ende der achtziger Jahre wurden so vorwiegend niederländische Blumenkohl Sorten wie ´Alpha´, ´Mechelner´, ´Opaal´, ´Fortuna´ und ´Celesta´ in Deutschland angebaut.
Nordholland:
Holland hat eine sehr lange und erfolgreiche Tradition im Bereich der Kohl- und auch Blumenkohlzüchtung. Das Zentrum liegt seit altersher in Raum Enkhuizen, Nordholland.


Große genetische Vielfalt im Farbenspektrum

Wie das heutige Sortenpsektrum zeigt, gibt es ansprechende, und auch vom Gesundheitswert her betrachtet, eine erstaunliche Vielfalt. Weltweit greifen die Blumenkohlzüchter auf dieses Material zurück und versuchen weitere, vorteilhafte Sorten zu züchten. Die folgende Bildersammlung zeigt die Details.

Farbenspektrum der Blumenkohlsorten
Farbbruppe Üblicher Kopf Innenkopf Röschenteller Einzelröschen
Weißer
Blumenkohl
Blumenkohl-weiß.JPG Blumenkohl-Innenkopf-weiße Sorte-5.JPG Blumenkohl-weiß-wogfertig-4.JPG Blumenkohl-Einzelröschen-weiß.JPG
Gelbgrüner
Blumenkohl
Blumenkohl-grüngelb.JPG Blumenkohl-Innenkopf-gelbgrüne Sorte-1.JPG Blumenkohl-grüngelb-wogfertig-2.JPG Blumenkohl-Einzelröschen-gelbrün.JPG
Violetter
Blumenkohl
Blumenkohl-violett.JPG Blumenkohl-Innenkopf-violette Sorte-3.JPG Blumenkohl-violett-wogfertig-3.JPG Blumenkohl-Einzelröschen-violett.JPG
Gelborangner
Blumenkohl
Blumenkohl-gelborange.JPG Blumenkohl-Innenkopf-gelborange Sorte-2.JPG Blumenkohl-gelborange-wogfertig-1.JPG Blumenkohl-Einzelröschen-gelborange.JPG
Türmchen
Blumenkohl
(Romanesco)
Romanesco-Türmchenblumenkohl.jpg Romanesco-Innenkopf-4.JPG Romanesco-wogfertig-5.JPG Romanesco-Einzelröschen.JPG



Wichtige, allgemeine Zuchtziele bei der Blumenkohlzüchtung

Mit Hilfe einer Krankheitsprovokation Resistenz prüfen
  • Feinkörnige, feste und schwere Blume mit der Standardsortierung 6er
  • Gute Selbstdeckung bei weißen Sorten
  • Sicherere Vernalisation, mindestens so wie bei der Pfälzer Standardsorte Fremont im Jahre 2000
  • Kein Durchwuchs und keine Haarigkeit
  • Resistenz besonders im Bereich Falscher Mehltau (Peronospora parasitica), Alternaria brassicae, Mycosphaerella, Verticillium, Xanthomonas und Fusarium
  • Unempfindlich für Herzlosigkeit (blindness)
  • Kulturdauer im Sommer im Bereich von 60 Tagen
  • Etwa 3 bis 5 Erntegänge (mehr ist meist zu aufwendig, weniger als 3 ist problematisch, wenn es zu Vernalisationsverschiebungen kommt)



Besondere Zuchtziele für spezielle Bedürfnisse

- Frühzeitigkeit bei den ersten Frühjahrspflanzungen (meist im März)
- Kältetoleranz bei Früh- und Spätanbau
- Winterhärte bei Winterblumenkohl
- Sehr feinkörnige und runde Blume für den Kleinkopfanbau (ca. 10 cm Durchmesser)
- Gute Blumenqualität und Blumenausfärbung sowie ausreichende Vernalisationssicherheit bei gelben und violetten Sorten
- Bessere Vernalisations- und Ertragssicherheit bei Romanescosorten


So entsteht eine neue Blumenkohl Sorte

Auswahl der Elternlinien zur Herstellung der Inzuchtlinien durch kontrollierte Selbstbestäubung Selektion der Eltern und Durchführung von Testkreuzungen Selektion in einer Vielzahl von Testkreuzungen und Auswahl der Kombinationen die als aussichtsreich erscheinen (10.000 Testkreuzungen pro Jahr sind nicht ungewöhnlich). Produktion von Testsaatgut und Probeanbau der neuen Sorte unter vielen Klimabedingungen

CMS Züchtung (Stand 2002)
Hierbei handelt es sich um die Züchtung von männlich sterilen Pflanzen, die frei sind von Inzuchtpflanzen aber einen geringen Prozentanteil an Fehlpflanzen aufweisen können. Die Abkürzung “CMS” bedeutet:

Cytoplasmatic Male Steril”. Von den Elternsorten der Hybriden ist nur die Muttersorte männlich steril. Die Hybridsorte selbst ist zu 100 % männlich steril. CMS-Sorten gibt es seit langem als Standard bei Möhren, Radies und Zwiebeln. Seit einigen Jahren gibt es einige CMS-Sorten bei Blumenkohl, Brokkoli, Weißkohl, Rotkohl und Wirsing.

Fehlpflanzen
Beim Anbau von Blumenkohl sieht man immer wieder Einzelpflanzen, die nicht die gewünschte Blumenqualität bringen. Diese Pflanzen erkennt man an der zum Teil abweichenden Blattfarbe, Blattform, Blattstellung und zum Teil in einer abweichenden Reifezeit. Die Pflanzen sind meist schwachwüchsig und die Blumenausbildung durchweg unbefriedigend

Welcher Anteil ist vertretbar? Die gesetzlichen Vorgaben sind hier nicht eindeutig. Die meisten Zucht- bzw. Saatgutbetriebe haben sich jedoch eine interne Grenze gesetzt:
> Präzisionssaatgut: max. 5 % Fehlpflanzen
> CMS-Präzisionssaatgut: max. 2 % Fehlpflanzen
Empfehlung: Jeden Bestand auf den Anteil an abweichenden Pflanzen (Fehlpflanzen) prüfen. Liegen die Werte über 2 bzw. 5 % Kontakt zum Züchter bzw. Saatgutlieferanten aufnehmen!


Siegeszug der Hybridsorten

Kohl Züchtung

Mit Einführung der Hybridzüchtung beim Blumenkohl, in den achtziger Jahren, hat sich die Zuchtarbeit rasant entwickelt. 1986 erhielt die Sorte ´Plana F1´ als eine der Ersten ihre Zulassung. Bei der Züchtung heutiger Hybridsorten müssen die Merkmale der unterschiedlichsten Sortentypen kombiniert werden. Der sichere Blumenansatz wird aus den europäischen und tropischen Sorten gewonnen, die aber eine schlechte (lockere) Qualität aufweisen. Die hohen Qualitäten findet der Züchter in den langsam wachsenden Wintersorten die erst bei Temperaturen von unter 16°C vernalisieren.
Rasches Wachstum und ein sicherer Blumenansatz kombiniert mit hoher Qualität, guter Selbstdeckung und einer guten Krankheitsresistenz ist nicht sehr einfach. Da Blumenkohl in der Natur nicht als Wildform zu finden ist, ist auch die genetische Vielfalt nicht so groß wie bei vielen anderen Gemüsearten.


Die wichtigsten europäischen Blumenkohlzüchter


Weitere Hinweise zur Blumenkohlzüchtung

findet man im Internet beim Max-Planck-Institut für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln
Homepage: [1]
Blumenkohlzüchtung: [2]


Saatgutproduktion

Die Produktion von hochwertigem Blumenkohlsaatgut ist eine hohe Kunst. Bei den heute üblichen Hybridsorten werden zwei ausgewählte Inzuchtlinien gekreuzt. In den ersten Stadien der Züchtung einer neuen Sorte sind es noch Einzelpflanzen von denen man Saatgut gewinnt. Angebaut wird dabei meist in einem durch Schutznetze, Folien oder Glas geschütztem Gewächshaus.
Die eigentliche Masservermehrung findet vorwiegend im Freiland statt. Zur Risikominimierung wählen die Zuchtfirmen dazu weltweit unterschiedliche Anbauregionen. Um z.B. die Verbreitung von Xanthomonas campestris bei der Züchtung und Saatgutproduktion möglichst gering zu halten, hat sich zum Teil die Saatgutproduktion im Gewächshaus durchgesetzt.


Weiter Informationen und Quellen

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Literaturquellen

  • Christopher Stocks (2008): Forgotten Fruits: The stories behind Britain´s traditional fruit and vegetables. Windmill Books. London. ISBN 9780099514749
  • Ingeborg Münzing-Ruef (1999): Geschichte - Kursbuch der gesunden Ernährung. Weltbild GmbH. München. ISBN 3-8289-1101-3
  • Hans Jessen und Helmut Schulze (1997): Botanik in Frage und Antwort. M. & H. Schaper GmbH & Co. KG. Alfeld -Hannover. ISBN 3-7944-0186-7
  • I.Elmadfa, W.Aign, E.Muskat, D.Fritzsche (1998/99): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Gräfe und Unzer Verlag GmbH. München. ISBN 3-7742-2948-1
  • Georg Vogel (1996): Handbuch des speziellen Gemüsebaus. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5285-1
  • Dietrich Fritz und Werner Stolz (1989): Gemüsebau. Ulmer Verlag. Stuttgart. ISBN 3-8001-5132-4
  • J. Schlaghecken und J. Kreiselmaier (2002): Blumenkohl CD-ROM, Bild- und Textdokumentation. DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 
  • "145 Gemüsearten und Küchenkräuter mit Bilder und Namen in 9 Sprachen" (Hortigate: Gartenbau Informationssystem), Autoren: Josef Schlaghecken (Neustadt/Wstr.), Guido Drexler (Speyer), Irina Dünnebacke (Welver), Allessandro Gulino (Haßloch), Jochen Kreiselmaier (Ludwigshafen), Josefa Kreiselmaier (Ludwigshafen), Philippe Le Rest (Frankreich), Jose Luis (Spanien), Frans Maes (Belgien), Johanna Malik (Neustadt/Wstr.), Philip May (England), Saiz Moya (Spanien), Ewald Pauz (Schifferstadt), Johannes Pfeifer (Edemissen), Teresa Martin del Pozo (Spanien), Gerhard Renner (Neustadt/Wstr.), Bettina Riedel (Haßloch), Jürgen Schäfer (Neustadt/Wstr.), Anna Schweinsberg (Italien), Pawel Strauchmann (Polen), Artem Sychev (Russland), Catherine Veillerobe (Frankfurt) und Slupia Wielka (Polen).

Weblinks