Biodiversität im Gemüsebau

Aus Hortipendium
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Großflächiger und intensiver Gemüseanbau verringert die Biodiversität.
Das erfordert extra Flächen zur Unterstützung der Biodiversität.

Im Weltagrarbericht vom 08.05.2019 steht: Die Artenvielfalt weltweit nimmt durch den Einfluss des Menschen rapide ab: Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, viele drohen innerhalb der nächsten Jahrzehnte zu verschwinden, lautet die eindringliche Warnung des Weltbiodiversitätsrat IPBES. Der globale Zustandsbericht des Rates zur biologischen Vielfalt an Land, zu Wasser und in der Luft, dessen Zusammenfassung am 6. Mai von Vertretern aus 132 Mitgliedsstaaten verabschiedet wurde, stellt fest, dass die Landwirtschaft zu den Haupttreibern des Artensterbens zählt. Dieser Verlust an Vielfalt, einschließlich genetischer Vielfalt, stellt ein ernstes Risiko für die globale Ernährungssicherheit dar, da die Widerstandsfähigkeit vieler landwirtschaftlicher Systeme gegenüber Bedrohungen wie Schädlingen, Krankheitserregern und dem Klimawandel untergraben wird.

Artenrückgang, große Herausforderung für Landwirtschaftt

Im Rahmen eines modernen Gemüseanbaus sind Umweltbelange und damit Fragen der Biodiversität, des Einsatzes von Herbiziden und Pflanzenschutzmitteln von großer Bedeutung. Alle unsere Aktivitäten sollen oder müssen den gesellschaftlichen Vorgaben entsprechen. Im Vordergrund stehen dabei die Pläne der Europäischen Kommission.

Aussagen und Pläne der EU-Komission

Europäische Kommission in Brüssel

Im Bereich Landwirtschaft und Umwelt beschäftigt sich die Europäische Union seit Jahren die notwenginge Maßnahmen zur enwicklung einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Landbewirtschaftung. INzwischen gibt es ganz konkrete Vorschläge wie das zu beobachtende, weltweite Artensterben zu stoppen ist.

Vorschläge der EU Kommission

  • "Die EU-Kommission schlägt vor, dass 10 % der landwirtschaftlichen Flächen aus „Landschaftselementen mit großer biologischer Vielfalt bestehen sollten, beispielsweise in Form von Hecken oder Blühstreifen, und dass die Umweltauswirkungen des Agrarsektors bis 2030 erheblich verringert werden sollten."
  • "Ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen sollte bis 2030 ökologisch/biologisch bewirtschaftet werden."
  • "Die Verwendung und das Risiko chemischer Pestizide sowie der Einsatz hochriskanter/gefährlicher Pestizide sollten um 50 %verringert werden."
  • Quelle: Fragen und Antworten: EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 – Mehr Raum für die Natur in unserem Leben. Stand 20.05.2020



Beikrautregulierung und Biodiversität

Wenn wir beim Anbau vom Freilandgemüse den oben genannten Vorgaben gerecht werden wollen, zeichnen sich im Bereich der Beikrautregulieung u.a. die beiden folgenden Alternativen ab.

Pflanzenvielfalt im Gemüseacker?

Viele Fachleute fordern eine größere Biodiversität beim Gemüseanbau generell und im einzelnen Gemüseacker. Weniger oder keine Herbizide und weniger Pflanzenschutzmittel sind dabei wichtige Schlagworte.

Das ist zu bedenken?
Ein größerer Besatz an Beikräuter in den Gemüsebeständen führt generell zu Ertrags- und Qualitätsverlusten. Auch werden allerlei Krankheiten und Schädlinge von den Beikräutern übertragen bzw. verbreitet. Ohne intensive Beikrautregulierung benötigt man eine erheblich größere Anbaufläche, um die gleiche Menge an Gemüse zu erzeugen. So gesehen gibt es gute Gründe für eine intensive Beikrautregulierung beim Gemüseanbau. In Bezug auf eine Nulltoleranz im Bereich giftiger Beikräuter im Gemüse-Erntegut, ist sogar ein hundertprozentige Beikrautregulierung wünschenswert.
Je effektiver wir alle aktuellen Beikräuter im Gemüsebau regulieren,(in Zukunft auch noch mit Roboter usw.), desto geringer wird die Artenvielfalt in unseren Feldern. Folgen wir den Vorschlägen der Wissenschaft, den Bemühungen der EU-Kommission und den Plänen der Vereinten Nationen, so sollten sollten wir da für einen Ausgleich sorgen.

Artenvielfalt lieber rund um den Gemüseacker (10% der LF?)

Wenn wir im einzelnen Gemüseacker keine giftigen Beikräuter erlauben und generell maximale Erträge anstreben, erzeugen wir eine Parzelle mit geringe Biodiversität. Um trotzdem eine große Biodiversität in der Region zu erhalten bzw. zu fördern sind im Nabereich Ausgleichsflächen mit mit besonders großer Artenvielfalt wichtig. Sie sollten zudem gut vernetzt sein. Der Bedarf an solchen Ausgleichsflächen ist regional sehr unter schiedlich. In Regione mit sehr großen Acker-Parzellen und intensiver Ackernutzung werden mehr Ausgleichsflächen benötigt als in Regionen mit traditioneller Realteilung wie sie z.B. von Baden-Württemberg bekannt ist. Im Rahmen des zu beobachtenden Höfeterbens werden oftmals mehrer Parzellen zusammengelegt und einheitliche bearbeitet bzw. genutzt. Auch das vermindert die Biodiversität in den Regionen.

Gründüngung fördert Biodiversität

Blühende Phacelia: Beliebte Gründüngungsart und Bienenweide

Der Anbau von Gründungs-Kulturen ist im Freiland-Gemüseabau weit verbreitet. Dadurch schützt man die Böden vor einer Erosion, verbessert die Humusversorgung, fördert die Vielfalt des Bodenlebens und bindet leicht lösliche Nährstoffe wie z.B. Nitrat und kann auch, wenn blühende Pflanzenarten verwendet werden, einen positiven Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität u.a. im Insektenbereich leisten.

Zu bedenkende Aspekte

  • ein eGründungskultr genau so fach- und sachgerecht planen und durchführen wie eine wichtige Gemüsekultur.
  • Eine Gründüngungskultur sollte genug Zeit für eine wirksame Entwicklung bekommen.
  • In der Zeit von April bis September sollten emindestes 8 Wochen sein, besser 12 oder mehr.
  • Erstebenswert ist ein oberidischer Aufwuchs von 5 kg pro qm oder mehr.
  • Zur Förderung der Biodiversität sollte die angebaute Pflanzenart möglichst nicht eng verwandt sein mit den angebauten Gemüsearten.
  • Die angebaute Gründungsart sollte keine der bekannten Problemkrankheiten bzw. Problemschädlinge des Acker fördern.
  • Unbedingt verhindern, dass in den Gründüngsbeständen Beikräuter massenhaft Samen bilden.
  • Bei Gründüngsbestände mit einem großem Aufwuchs den Bestand rechtzeitig vor der neuen Feldbestellung schlägeln und eintrocknen lassen.

Weiter Infos



Pflanzenschutz und Biodiversität

Pflanzenschutmaßnahmen können generell, auch im Gemüsebau, die Biodiversität beim Anbau von Gemüse verringern. Der mögliche, negative Effekt hängt aber stark davon ab welche Pflanzenschutzmaßnahmen man durchführt. Unter anderem geht es hier vor allem um Insektizide, die einen negativen Einfluß auf nützliche Insekten wie z.B. Bienen haben oder Gewässer belasten. Bekannte Forderung.
So wird den auch gefordert, den Einsatz gefährlicher Pestizide um 50% zu verringert.

Maßnahmen zur Verringerung des Pflanzenschutzmittel Einsatzes im Gemüsebau

Es sind eine ganze Reihe von Möglichkeiten den Anbau von Gemüse so zu organisiern, so dass sich die Biodiversität verbessert. Im Folgenden einige Möglichkeiten.

Fruchtfolge Optimierung

Fruchtwechsel, z.B. mit Getreide erspart Pflanzenschutzmittel Einsatz
Robuste Sorten ersparen Pflanzenschutzmittel
Krankheitübertrgende Strünke schneller zur Verrottung bringen
  • In vielen Gemüsebaubetrieben ist die Fruchtfolge suboptimal und teilweise sogar sehr schlecht.
  • Bei einer optimalen Fruchtfolge sind hohe Erträge mit nur einem geringen Einsatz an Pflanzenschutzmitteln möglich.
  • Ein Hauptproblem der gemüsebaulichen Fruchtfolgen ist der fehlende Wechsel mit einer nicht artverwandten und tief wurzelnden Kultur wie z.B. dem Getreide.
  • Eine wesentliche Verbesserung der Fruchtfolge im einzelen Betrieb wäre die Nutzung eine Optimierungsprogrammes.
  • Pläne für ein solchen EDV-Progamm liegen vor. Bisher fehlen jedoch die finanziellen Mittel für die Programmeriung.
  • Ein Fruchtfolge-Optimierungsprogramm berücksichtigt u.a. die Empfindlichkeiten der einzelnen Gemüsearten bezüglich relevanter Krankheiten und Schädlinge und vergleicht sie mit den Vorbelastungen der zur Verfügung stehen Parzellen. Fruchtfolgeoptimierung bedeutet dabei am Beispiel Blumenkohl: Bevorzugt die Felder ohne eine Vorbelastung mit Adernschwärze, Kohlhernie oder Verticillium und bevorzugt eine Parzelle mit hohem Humusgehalt sowie hohen Nmin-Resten.
  • Eine Möglichkeit der Fruchtfolgeoptimierung ist der Landtausch, die Landpacht und der Landkauf. Um diese Möglichkeiten zu erleichtern bzw. zu fördern sollte geprüft werden, ob man die nicht politisch erleichtern kann.
  • Mehr Informationen dazu gibt es hier: Gemüsebau Fruchtwechsel

Umweltfreundlicher Gemüseanbau mit robusten Sorten

  • Die Sortenwahl hat insbesondere im Gemüsebau einen enormen Einfluß auf den Anbauerfolg.
  • Die Empfindlichkeit der einzelne Sorten bezüglich Krankheit- und Schädlingsbefall ist z.B. erstaunlich groß
  • Es gibt robuste Sorte oder auch sorten mit Resistenzen, helfen können, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren.
  • Eine Gemüsebau Sortendatenbank könnte helfen umweltfreundliche und nachhaltiger Gemüse anzubauen.
  • In der Sortendantenbank würden die Züchterangaben durch alle bekannten Versuchergebnisse ergänzt.
  • Optimierungprogramme zur Sortenwahl können die örtlichen Bedürfnisse (Boden, Klima, Vorbelastungen) mit den Stärken in Frage kommender Sorten abgleichen und so die effektivste und Erolgsversprechnde Sorten aufzigen.
  • Eine Vorstufe einer solchen Sortendanbank gibt es schon bei der EU und könnte integriert werden. Eine deutsche Sortendatenbank könnte z.B. beim Bundesortenamt angesiedelt werden.
  • Mehr Informationen gibt es hier: Sortenwahl bei den einzelnen Gemüsearten
  • Weiter Informationen gibt es bei den einzelnen Zuchtfirmen.

Weniger Pflanzenschutzmittel durch optimierte Feldhygiene

  • Vorbeugen ist beser als Heilen. Diese Weisheit gilt auch beim Anbau von Gemüse.
  • Bodenbürtige Krankheiten und Schädlinge haben sich in so manchem Gemüseacker übermäßig angesiedelt.
  • Das führt in vielen Fällen zu einem erhöhten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
  • Hier kann eine verbesserte Feldhygiene helfen. Im Folgenden einige Beispiele
  • Krankheiten daran hindern ungehemmt Dauersporen zu bilden.
  • Kranheitüberträgene Bestandsreste möglischt schnell ausschalten.
  • Die folgenden Hinweis ernst nehmen: "Der letzte Erntetag ist Feldhygienetag".
  • Detaillierte Hinweise zur besseren Feldhygiene gibt es hier.


Möglichkeiten der Biodiveritäts-Förderung

Gemüsebau auf der Insel Reichnau.

Es gibt viele Möglichkeiten, die notwendige Biodiversität in den Gemüse Anbauregionen zu fördern bzw. sicherzustellen. Zu Berücksichtigen ist dabei, dass der Bedarf von Region zu Region, von Gewanne zu Gewanne sehr unterschiedlich ist.

Einzelne Maßnahmen

  • Etwa nach 300 bis 500 m einer intensiv genutzten, artenarmen Ackerfläche sollte Ausgleichsflächen bestehen.
  • In den Ausgleichflächen dürfen keine Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
  • In den Ausgleichsflächen sollte ein vieljähriger Bewuchs möglich sein.
  • In bestimmten Regionen und Gewannen können auch Blühstreifen vorteilaft sein.
  • Die Ausgleichsflächen sollten möglichst gut mit den vorhandenen Biotopen vernetzt werden.
  • Nach 300-500 m artenarmer landwirtschaftlicher Nutzfläche (bzw. Gemüsebau) sind Hecken wünschenswert.
  • Ausgleichsflächen sind insbesondere auch im Nahbereich der Bäche und Seen wünschenswert.
  • Wird Ackerland von Landwirten für die notwendigen Ausgleichsflächen benötigt, so sollte der Landwirt z.B. mit 500 -800 € je ha und Jahr (Stand 2021) entschädigt werden.


Hecken

Hecken fördern die Biodiversität..

Es gibt Ackerbau- und Gemüsebauregionen mit sehr großen Einzelparzellen und sehr geringem Anteil an Flächen mit guter Biodiversität. Hier könnte die Pflanzung von Hecken eine große Verbesserung mit sich bringen. Schon in früheren Zeiten gab es große gesellschaftliche Bemühungen Hecken anzulegen. Von den Erfahrungen kann man heute noch profitieren.

Weitere Infos

Videos zur Förderung der Biodiversität

Infos zur Verbesserung der Biodiversität

Weltweites Wissen und Erfahrung nutzen


Bessere Informationsbereitstellung für den Gemüseanbauer

  • Ein umweltfreundlicher Gemüseanbau ist leichter, wenn Jedermann die bestmöglichsten Informationen dazu zur Verfügung hat.
  • Es gibt heutzutage ein viel größeres Wissen zur Förderung des umweltfreundlichen Gemüseanbaus als am in den bekannten Fachbücher und Fachzeitschriften vorfindet.
  • Lehrlinge, Meister, Berater und insbesondere die Betriebsleiter könnte man mit entsprechenden Lern- und Informationsplattformen unterstützen.
  • Globales Wissen und Erfahrungen sammeln und regional nutzen.