Bemisia tabaci

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Baumwoll-Weiße Fliege
Bemisia tabaci from USDA 1.jpg
Bemisia tabaci
Systematik
Klasse Insekten
Insecta
Unterklasse Ectognatha
Überordnung Schnabelkerfe
Hemiptera
Ordnung Pflanzenläuse
Sternorrhyncha
Unterordnung Mottenschildläuse
Aleyrodina
Familie Aleyrodidae
Unterfamilie Aleyrodinae
Gattung Bemisia


Vermutlich stammt Bemisia tabaci ursprünglich aus einer tropischen oder subtropischen Gegend, wahrscheinlich aus Pakistan. Das Auftreten der Baumwoll-Weißen Fliege wurde erstmals 1889 an Tabak in Griechenland beschrieben. 1900 wurde sie in Florida, 1926 auf Sri Lanka und 1928 in Brasilien entdeckt. Mittlerweile tritt sie in den meisten subtropischen und tropischen Ländern der Welt auf. In den USA gab es Mitte der 80er Jahre große Probleme mit der Art, obwohl sie bereits seit 1897 vorhanden war. Es wurde angenommen, dass es sich um einen neuen Stamm (Poinsettien-Stamm) von Bemisia tabaci handelt, der größere Schäden verursacht, als der alte Stamm (Baumwoll-Stamm). Diese Stämme sind vom Erscheinungsbild gleich, aber genetisch verschieden und können sich nicht kreuzen. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei dem „neuen“ Stamm um eine eigene Art mit der Bezeichnung Bemisia argentifolii handelt. Bereits seit 1950 war bekannt, dass es verschiedene Stämme gibt, die unterschiedliche Wirtspflanzenspektren und Virusübertragungseigenschaften haben. 1987 trat Bemisa tabaci erstmals schädigend in Deutschland auf.

Biologie

Lebenszyklus und Erscheinungsbild

Ei – 4 Larvenstadien – adultes Insekt

Die Entwicklung ist die gleiche wie bei der Gewächshaus-Weißen Fliege Traleurodes vaporariorum. Das adulte Insekt ist etwas kleiner und gelber. Die Flügel von Bemisa tabaci werden vertikal und parallel entlang des Körpers gehalten, die von Trialeurodes horizontal in Form eines Dreiecks. Die Bemisia-Weibchen sind etwas größer als 1 mm, die Männchen etwas kleiner als 1 mm. Nach dem Schlupf sind die Flügel transparent und der Körper gelb, nach ein paar Stunden sind die Flügel mit weißem Wachs bedeckt, der Körper ist dann auch cremeweiß. Bemisia hat weniger Wachsausscheidungen als Trialeurodes, so dass der Körper gelber erscheint. Die Wachsschicht vermeidet die Austrocknung und Benetzung der Flügel. Im Vergleich zu Trialeurodes legt Bemisia die Eier auf der ganzen Pflanze verteilt ab, so dass alle Entwicklungsstadien auf demselben Blatt gefunden werden können. Die Eier, die meistens an der Blattunterseite abgelegt werden, sind anfangs gelblich-grün, später hellbraun. Mit einer Größe von etwa 0,18 mm sind sie etwas kleiner als die von Trialeurodes. Das erste Larvenstadium ist 0,25 mm lang, transparent und hat Fühler und Beine, mit denen sich die Larve einen geeigneten Platz sucht. Die Fühler und Beine bilden sich zurück, die Larve beginnt Pflanzensaft zu saugen. Das zweite Larvenstadium ist flach und etwa 0,3 mm lang. Das dritte Larvenstadium hat die gleiche Form und ist 0,5 mm lang. Im vierten Stadium ist die Larve zunächst breit und flach, wird später fast kreisförmig mit einer Länge von 0,8 mm und einer Breite von 0,6 mm. Die sich daraus entwickelnde Puppe hat manchmal einen gezahnten Rand, abhängig von den Haaren der Wirtspflanze und der Struktur des Blattes. Die roten Augen sind gut sichtbar. In der transparenten Puppe sind der gelbe Körper und später die sich entwickelnden Flügel zu sehen. Die Form der Puppe ist ziemlich breit, flach, transparent oder gelblich mit wenigen kürzeren Haaren, die von Trialeurodes weiß, oval und dosenförmig mit längeren wachsigen Haaren.

Populationswachstum

Da Bemisa tabaci aus tropischen und subtropischen Regionen stammt, sind Temperaturen um 30°C optimal für die Entwicklung, die damit höher ist, als die optimale Temperatur für Trialeurodes, während die Mortalität von Bemisia bei niedrigen Temperaturen höher ist. Über 30°C nimmt das Wachstum rasch ab, unter 16°C entwickelt sich die Population nicht weiter. Bei niedriger Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 9°C sterben die Larven ab. Neben der Temperatur spielt die Wirtspflanzenart und deren Ernährungszustand auch eine gewisse Rolle bei der Populationsentwicklung. Extreme Luftfeuchtigkeiten, hohe Temperaturen und niedrige Lichtintensitäten beeinflussen auch die Entwicklungszeiten. Ein bis zwei Tage nach dem Schlupf zum adulten Tier findet die Paarung statt, ein bis fünf Tage danach beginnt die Eiablage. Die Anzahl der Weibchen liegt immer über die der Männchen. Nicht befruchtete Weibchen legen Eier, aus denen sich nur Männchen entwickeln. Die Lebensdauer hängt stark von der Wirtspflanze und den Temperaturen ab. Bei 28-30°C lebt das adulte Weibchen 10 bis 15 Tage, unter kühlen Winterbedingungen ein bis zwei Monate. Im Winter ist sogar ein Überleben von mehreren Wochen ohne eine Wirtspflanze möglich. Temperaturen unter 0°C können adulte Bemisia nicht überleben.


Das Populationwachstum von Bemisia tabaci an Tomaten [1] [2]

Temperatur °C 20 25 30
Entwicklungszeit in Tagen
Ei 12,4 7,3 6,1
1. Larvenstadium 7,1 4 3,4
2. Larvenstadium 3,5 2,7 2
3. Larvenstadium 6,1 2,5 2,2
4. Larvenstadium - Puppe 3,3 5,8 2
Puppe 6,7 2,2
Gesamt 39,1 22,3 17,9
Voreiablagezeit in Tagen* 1,4
Ei ablegende Periode in Tagen 16,7
Sterblichkeit Ei bis Adulte in % 34 21
Geschlechterverhältnis (% Weibchen) 73
Reproduktionskapazität
Durchschnittliche Anzahl Eier/♀ 195
Anzahl Eier pro Tag pro ♀ 11,7

*Voreiablagezeit: Zeit vom Schlupf aus der Puppe bis zur 1. Eiablage


Das Populationswachstum von Bemisia tabaci auf Poinsettien [3]

Temperatur °C 16 19 22 25 28
Entwicklungszeit in Tagen
Ei 34,3 17,6 12,7 10,5 7,8
Ei-Adulte 137,2 66,8 38,7 31,9 23,2
Voreiablagezeit in Tagen* 4,3 3 2,2
Lebensdauer ♀ 50,8 21,8 16
Sterblichkeit (%)
Ei 19,3 9,2 2,1 1 2,8
Ei-Adulte 95 60,4 60,6 39,3 6,1
Geschlechterverhältnis (% ♀) 60 63 69 76
Anzahl Eier pro ♀ 60,2 90,9 96,3

*Voreiablagezeit: Zeit vom Schlupf aus der Puppe bis zur 1. Eiablage


Das Populationswachstum von Bemisia tabaci auf drei Gemüsekulturen bei 25°C [4]

' Aubergine Tomate Gurke
Entwicklungszeit in Tagen Ei - Adulte 17,3 18 19,3
Lebensdauer ♀ 24 20,6 9,9
Sterblichkeit Ei –Adulte (%) 11,3 39,8 53,6
Anzahl Eier pro ♀ 224 168 66

Schaden

Wie bei Trialeurodes verursacht Bemisia tabaci Schäden durch Honigtauausscheidungen mit nachfolgender Besiedlung durch Rußtaupilze. Das Hauptproblem sind physiologische Schäden, die durch injizierte Enzyme der Larven verursacht werden. Dadurch können Pflanzenschäden wie unregelmäßiges Abreifen von Tomaten und Paprika, Gelbwerden von Gerberastielen und massives Gelbwerden von Blättern der Buschbohne entstehen. Weitere Symptome sind gelbe Flecken, Chlorosen, Frucht- und Blattfall und missgebildete Früchte. Bei verschiedenen Zierpflanzen werden die Blattadern junger Blätter gelb, die Symptome verschwinden größtenteils bei Älterwerden der Blätter. In Frankreich und den USA können durch Bemisia physiologische Schäden, die wie Virussymptome aussehen, an Kürbissen auftreten.

Bemisia tabaci überträgt zudem mehr als 25 Virusarten. Der wichtigste Virus dieser Arten ist der Tomato Yellow Leaf Curl Virus (TYLCV). Larven und Adulte können die Viren aufnehmen, die Adulten geben den Virus weiter.

Bekämpfung

Es gibt eine Reihe von Insektiziden, die zur Bekämpfung von Weißen Fliegen eingesetzt werden. Bereits seit den 80er Jahren bestehen Resistenzen gegen Pyrethroide. Auch gegen eine Reihe von Insektiziden aus anderen Wirkstoffgruppen gibt es Resistenzen. Zur biologischen Bekämpfung wird hauptsächlich die Schlupfwespe Encarsia formosa erfolgreich eingesetzt. Möglich ist auch der Einsatz der Schlupfwepsen Eretmocerus eremicus und Eretmocerus mundus und der Raubwanzen Macrolophus caliginosus und Macrolophus pygmaeus. In einigen Ländern kann der Pilz Verticillium lecani gegen Weiße Fliegen eingesetzt werden, in Deutschland besteht keine Zulassung.


Quellen

  1. Tsueda, H. & Tsuchida, K., 1998: Differences in spatial distribution and life history parameters of two sympatric white flies, the greenhouse whitefly (Trialeurodes vaporariorum Westwood) and the silverleaf white fly (Bemisia argentifolii Bellows & Perring) unter greenhouse and laboratory conditions. Applied Entomology & Zoology 33(3): 379-383
  2. Salas, J. & O. Mendoza, 1995: Biology of the sweet potato whitefly (Homoptera: Aleyrodidae) on tomato. Florida Entomologist 78 (1): 154-160
  3. Enkegaard, A., 1993: The bionomics of the cotton whitefly Bemisa tabaci and its parasitoid, Encarsia formosa on poinsettia. Bulletin IOBC/WPRS 16(8): 66-72
  4. Tsai, J.H. & K. Wang, 1996: Development and reproduction of Bemisia argentifolii (Homoptera: Aleyrodidae) on five host plants. Environmental Entomology 25 (4): 810-816


R. Albert, C. Allgaier, H. Schneller, K. Schrameyer (2007): Biologischer Pflanzenschutz im Gewächshaus. Eugen Ulmer KG. Stuttgart. 

M.-H. Malais, W. J. Ravensberg (2003): Knowing and recognizing. Red Business Information. Doetinchem, NL. 


Weblinks

Pest Information Wiki: Bemisia tabaci