Bakterienkrankheiten

Aus Hortipendium
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schematischer Aufbau einer Baktierenzelle
Bakterien sind einzellige, mikroskopisch kleine Lebewesen, die sich durch Teilung/Spaltung, in seltenen Fällen auch durch Knospung, vermehren. Es handelt sich um einfach aufgebaute Organismen, sog. Prokaryonten. Prokaryonten besitzen keinen echten Zellkern, d.h. die DNA liegt als strangförmiges, in sich geschlossenes Molekül frei im Cytoplasma vor. Dieser Bereich wird als Kernäquivalent oder Nukleoid bezeichnet. Bakterien besiedeln alle denkbaren Lebensräume. Nur ein verschwindend kleiner Anteil der bisher bekannten Bakterienarten tritt als Erreger von Pflanzenkrankheiten in Erscheinung. Pflanzenparasitäre Bakterien sind (bis auf wenige Ausnahmen) stäbchenförmig (bis ca. 4 µm lang) und von einer unterschiedlich großen Anzahl kleiner Geißeln umgeben. Sie bevorzugen meist feuchte Bedingungen und höhere Temperaturen.

Unterteilung

Eine abstammungsbasierte Klassifikation der Bakterien aufgrund von morphologischen und physiologischen Kriterien und eine klassische Unterteilung nach Ordnungen, Familien und Gattungen sind meist nicht möglich. Neue Erkenntnisse aufgrund molekularbiologischer Untersuchungen führen derzeit zu einer Neuausrichtung der Bakteriensystematik. Unabhängig davon unterscheidet man bei pflanzenparasitären Bakterien im Wesentlichen sechs Gruppen, die manchmal auch noch als "Gattungen" bezeichnet werden:


Gram-positive Bakterien
"Gattung" Zellform wichtige Vertreter
Clavibacter Stäbchen, gerade bis gebogen C. michiganensis, 2 subspezies
Streptomyces verzweigtes Mycel S. scabies (Kartoffelschorf)
Gram-negative Bakterien
"Gattung" Zellform wichtige Vertreter
Agrobacterium Stäbchen A. tumefaciens (Wurzelkropf)
"Pseudomonas" Stäbchen
Pseudomonas syringae - Gruppe
Gattung Ralstonia
Gattung Acidovorax
Gattung Burkholderia
Xanthomonas Stäbchen
X. campestris - Gruppe
X. hortorum - Gruppe
X. axonopodis - Gruppe
Erwinia Stäbchen
Erwinia amylovora (Feuerbrand)
E. carotovora (Weichfäule-Gruppe)

Infektionsverlauf

Pflanzenparasitäre Bakterien sind nicht in der Lage, die gesunde, unverletzte Kutikula der Pflanzenoberfläche zu durchdringen. Für die Infektion sind sie daher angewiesen auf

  • Wunden z.B. Agrobacterium, Clavibacter, Ralstonia solanacearum, Erwinia amylovora,
  • Natürliche Öffnungen (Spaltöffnungen, Lentizellen, Hydatoden), z.B. Xanthomonas, Pseudomonas, Erwinia amylovora, Erwinia carotovora
  • Nicht kutinisierte Stellen (Wurzelhaare Blüten): Knöllchenbakterien, Erwinia amylovora

Die anschließende Besiedlung des Wirtsgewebes erfolgt durch passive Ausbreitung in der Pflanze, entweder im Interzellularraum von Zelle zu Zelle(oft unter Auflösung der Mittellamellen), meist aber im Xylem mit dem Transpirationsstrom "nach oben" (akropetal), z.B. bei Erwinia amylovora, Erwinia carotovora oder Clavibacter. Nur selten verbreiten sich Bakterien in den Siebröhren "nach unten" (basipetal). Die Latenzzeit kann unterschiedlich lange betragen und reicht von wenigen Tagen bis zu Wochen oder Monaten.

Bekämpfung

Erfolgversprechende Maßnahmen gegen pflanzenparasitäre Bakterien liegen vorwiegend im vorbeugend, hygienischen Bereich. Dazu zählen u.a. die Einhaltung einer ausreichend weiten Fruchtfolge, der Einsatz geeigneter Bodenbearbeitungs- und Bewässerungsverfahren, Feldhygiene und sorgfältige Hygiene bei Pflegemaßnahmen und die Verwendung gesunden Saat- und Pflanzgutes.

Die Möglichkeiten direkter Maßnahmen sind begrenzt. Hierzu zählen vor allem die Substrat- und Materialdesinfektion sowie die in wenigen Fällen entwickelten Verfahren der Saat- und Pflanzgutbehandlung. Ein direkter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nicht möglich.

Quellen

Hoffmann, G.M., Nienhaus, F., Schönbeck, F., Weltzien, H.C., Wilbert, H. (1976): Lehrbuch der Phytomedizin. Verlag Paul Parey. Berlin. ISBN 3489672267


Hoffmann, G.M., Nienhaus, F., Poehling, H.-M., Schönbeck, F., Weltzien, H.C., Wilbert, H. (1994): Lehrbuch der Phytomedizin. Blackwell Verlag. Berlin. ISBN 3826330080


Weblinks

Bakterien auf Wikipedia