Anbau von Gründüngungskulturen

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Hauptartikel: Gründüngung im Gemüsebau

In der über zweitausend Jahre alten Geschichte des Gründüngungsanbaus sind zahlreiche Pflanzenarten angebaut worden. Der Anbau einer Gründüngung kann nur erfolgreich sein, wenn die Kulturtechnik bis ins Detail beherrscht wird. Anders als im Ackerbau ergibt sich im Gemüsebau aufgrund des satzweisen Anbaus usw. ein viel weiteres Spektrum der eventuell in Frage kommenden Saattermine. Theoretisch möglich sind die Monate März bis November. Bei Herbstsaaten ist der schnell abnehmende Zuwachs zu beachten.

In den meisten Fällen wird bisher bei einer Gründüngungseinsaat nur eine Pflanzenart genommen. Dieser Blankkulturanbau ist von der Kulturtechnik einfacher als Gemengeanbau. Der Einsatz von Sägeräten und Herbiziden ist viel leichter. Wie die Untersuchungen in Großbeeren mit dem 17jährigen Phacelia- bzw. Lupinenanbau zeigten, hat dieser Gründüngungsanbau als Monokultur Ertragssteigerungen von 16 % bzw. 11 % zur Folge. Andererseits erhofft man sich durch ein Gemengeanbau noch zusätzliche Effekte. Am Beispiel der 30jährigen Versuche in Weihenstephan mit der Saatgutmischung 100 kg Hafer, 50 kg Felderbsen, 50 kg Wicken und 20 kg Ackerbohnen, waren nach 21 Jahren 6 % Mehrertrag zu verwirklichen. Mit beiden Verfahren sind also Erfolge möglich, ohne bisher genau sagen zu können, wann welche Methode besser ist. Vom Ackerbau her bekannt ist auch die Untersaat von Gründüngungspflanzen in Getreide. In der regenarmen Pfalz gibt es damit wohl leicht Probleme. Wegen der hohen Nitratrestmengen im Herbst bei bestimmten Gemüsearbeiten erscheinen hier Untersaaten immer mehr aktuell. Erste Untersuchungen dazu sind inzwischen angelaufen. Besonderes Interesse gibt es in den letzten Jahren für die Überwinterungsgründüngung.

Einzelkosten und Leistung der Gründüngung

Gezielter Gründüngungsanbau ist teurer als man gemeinhin annimmt. Im Vordergrund der Überlegung stehen die Saatgutkosten. Bei den üblichen Saatgutmengen fallen hohe Kosten an. Am günstigsten sind Kreuzblütlerarten.
Nicht zu vergessen sind auch die Aufwendungen für Bewässerung und Löhne. Diese beachtlichen Aufwendungen wird man nur auf sich nehmen, wenn entsprechende Mehreinnahmen in irgendeiner Form zu erwarten sind.
Mit den bekannt gewordenen Mehrertragsleistungen sind die Aufwendungen für eine Gründüngung alle 2 Jahre bei einer intensiven Feldnutzung (mit Salat, usw.) gut verkraftbar. Je intensiver der Gemüseanbau und je größer die Bodenprobleme, desto rentabler erscheint der Anbau von Gründüngungskulturen in der vegetationslosen Zeit. Haben wir es auf bestimmten Feldern mit größeren Problemen zu tun, die durch einen gezielten Gründüngungsanbau beseitigt, bzw. verringert werden können, so ist unter gewissen Voraussetzungen auch einmal der Ausfall einer Gemüsekultur zu verkraften. In diesen Fällen ist verständlicherweise der gezielte Einsatz des Betriebsmittels "Gründüngung" besonders wichtig.


Überwinterungsanbau

Je intensiver ein Gemüsebaubetrieb seine Felder nutzt, desto weniger Zeit bleibt für den Anbau einer Gründüngung. Aus diesem Grunde, aber auch zur Verringerung der Nitrateinwaschung in den Unterboden bietet sich Bodenbegrünung über Winter an. Hierfür kommen einige Arten in Frage. Im einzelnen sind das:


Fruchtwechselgrundsätze

Besonders für den Gründüngungsanbau sind die Grundsätze des Fruchtwechsels zu beachten. Will man doch gerade hier eine Verbesserung und nicht eine Verschlechterung der Gesamtsituation erzielen. Zur Veranschaulichung des Fruchtwechsels ein Vorfruchtschema [1]

Vorfrucht
Winterweizen Wintergerste Sommergerste Winterroggen Hafer Mais Erbsen Ackerbohnen Luzerne, Klee Gräser, Grünland Spätkartoffeln Frühkartoffeln Winterraps Zuckerrüben Futterrüben
Nach-
frucht
Winterweizen - - - + + + + x + +
Sommerweizen - - - + x x + + x x x + x
Wintergerste - - - b b b - + + - -
Sommergerste - + b b - x x x + x
Winterroggen b x x x x x b x
Hafer x x + + x x x + x
Mais + + + + + + + + + + x x + +
Ackerbohnen
Erbsen
+ x + + + + - - - - + x x + +
Luzerne
Rotklee 1
b + + x - - - - x + x x
Gräser 1 + + + x x x x x x + x x
Spätkartoffeln
Frühkartoffeln
+ x + + + + + + + + b b x + +
Winterraps - + + x - + - - + - - -
Zuckerrüben + + + + + + + + b b + x - - -
Runkelrüben + + + + + + + + + + + x - - -

1 Nach Getreide und Raps als Untersaat, sonst als Blanksaat gewertet
+ günstige Vorfrucht
x günstige Vorfrucht, aber Luxusfolge, weil andere Nachfrüchte die Vorfruchtwirkung besser ausnützen können, längere vegetationsfreie Zeiträume ggf. durch Zweit- und Zwischenfruchtanbau nutzbar
b möglich unter bestimmten Bedingungen, z. B. frühe Ernte der Vorfrucht oder günstigere Standortbedingungen , Besatz an spezifischen Nematoden, Beachtung der erhöhten Lagergefahr in der Nachfrucht
- ungünstige Vorfrucht, bzw. Einhaltung der Bestellungstermine der Nachfrucht nicht möglich


Im Gemüsebau werden wir vorbeugend einen Wechsel der [[Gemüsefamilien<Pflanzenfamilien]] anstreben. Treten bestimmte bodenbürtige Krankheiten oder Schädlinge auf, so sind auch die Wirtspflanzen aus anderen Pflanzenfamilien zu meiden. Beispiel Rübenälchen an Rüben (Gänsefußgewächs), leben z. B. auch an Raps, Senf usw. (Kreuzblütler). Zu beachten sind demnach die Familienzugehörigkeit der Gemüsearten, der Ackerfrüchte und der Gründüngungsarten.

Pflanzenfamilie Gemüsearten Ackerfrüchte Gründüngungsarten
Baldriangewächse (Valerianaceae) Feldsalat
Doldenblütler (Apiaceae) Fenchel
Möhre
Petersilie
Sellerie
Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae) Rote Rüben
Spinat
Futerrüben
Zuckerrüben
Gräser (Gramineae) Zuckermais Getreidearten
Hirsearten
Mais
Getreidearten
Grasarten
Knöterichgewächse (Polygonaceae) Rharbarber
Korbblütler (Asteraceae) Chicoree
Eissalat
Endivie
Kopfsalat
Radicchio
Schwarzwurzeln
Zuckerhut
Sonnenblumen Sonnenblumen
Kreuzblütler (Brassicaceae) Blumenkohl
Brokkoli
Chinakohl
Grünkohl
Kohlrabi
Merrettich
Radies/ Rettich
Rosenkohl
Rotkohl
Speiserüben
Weißkohl
Wirsing
Herbstrüben
Kohlrüben
Marktstammkohl
Raps
Chinakohlrübsen
Ölrettich
Raps
Rübsen
Senf
Kürbisgewächse (Cucurbita) Gurke
Kürbis
Melone
Zucchini
Liliengewächse (Liliaceae) Knoblauch
Porree
Schnittlauch
Spargel
Zwiebeln
Nachtschattengewächse (Solanaceae) Paprika
Tomate
Kartoffel
Tabak
Schmetterlingsblütler (Fabaceae) Stickstoffsammler Buschbohnen
Dicke Bohnen
Stangenbohnen
Ackerbohnen
Futtererbsen
Ackerbohnen
Esparsette
Felderbse
Alexandrinerklee
Perserklee
Inkarnatklee
Lupinen
Luzerne
Platterbse
Wicke
Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) Phacelia


Wer viel mit Gründüngungseinsaaten arbeitet, sollte auch etwas über die Selbstverträglichkeit der verschiedenen Arten wissen[2]

Mit sich selbst verträglich Selbstverträglichkeit unterschiedlich Mit sich selbst unverträglich Notwendige Anpausen in Jahren
Roggen
Mais
Kartoffeln
Sojabohnen
Phaseolusbohnen
Hirse
Hanf
Tabak
Lupinen
Ackerbohnen
Raps
Brassica-Rüben
Serradella



Hafer
Gerste
Betarüben
Klee
Luzerne
Erbsen
Peluschken
Lein
Sonnenblumen
Klee
Zuckerrüben
Erbsen
Luzerne
Lein
Hafer, Gerste
Peluschken
7 - 8
6
6
6
6
6
4
4

Bodenansprüche und Bodenvorbereitung

Gemüsebauliche Böden sind meist für den Anbau aller üblichen [[Gründüngungskulturen geeignet. Liegen jedoch einmal extreme Sandböden, bzw. pH-Werte vor, so sollte man dies berücksichtigen. Auf extrem sauren und feuchten Böden sind z. B. Lupinen, Seradella und Sonnenblumen bevorzugt anbauwürdig. Die Vorbereitung des Saatbeetes muss beim Anbau einer Gründüngung genauso sorgfältig erfolgen, wie bei der üblichen Produktion. Je feiner die Samen sind, desto feiner ist selbstverständlich auch das Saatbeet herzurichten. Bevor wir mit der Arbeit beginnen, sollten wir die Gelegenheit nutzen und das entsprechende Feld auf etwaige Bodenverdichtungen untersuchen.


Tiefenlockerung und Gründüngung

Der Anbau einer Gründüngung bekommt eine besondere Bedeutung, wenn er mit einer tiefen Bodenbearbeitung kombiniert wird. Gibt es eine Pflugsohle oder eine generelle Verdichtung des Unterbodens, so ist dem Bedarf entsprechend eine mechanische Lockerung auf etwa 40 bis 80 cm angebracht. Mit geeigneten Geräten, wie z. B. Wippscharlockereren ist bei gut abgetrocknetem Boden die Verdichtung aufzubrechen. Da in sehr vielen Fällen der Boden (vor allem unten) zu nass ist, sollten wir uns nach einer probeweisen Lockerung (ca. 30 m) von der Qualität der Arbeit überzeugen. Der Boden muss aufgebrochen werden. Jedes Verschmieren des Bodens durch die Zinken usw. verschlechtert nur den Zustand des bisher schon strapazierten Bodens. Ein ordnungsgemäß aufgelockertes Feld ist zunächst einmal sehr druckempfindlich. Ebenso ist es nach stärkeren Niederschlägen lange nicht mehr befahrbar. Aus diesem Grunde sollte möglichst sofort eine mechanische Rückverdichtung erfolgen und die Einsaat einer den Boden schonenden sowie die Krüme1struktur stabilisierenden Kultur erfolgen. Es geht darum, das Feld 3 - 6 Monate oder noch länger nicht mit schweren Maschinen bei Nässe zu befahren und den aufgelockerten Bodenbereich stark zu durchwurzeln. Der Anbau einer gezie1ten Gründüngung erscheint deshalb besonders vorteilhaft. Erst wenn der Boden sich abgesetzt hat, wenn viele Wurzeln den gesamten Bereich durchdrungen haben und wenn das Bodenleben Zeit hatte, den Lebendverbau aufzubauen, ist die "Bodenkur" erfolgreich beendet. Da hierzu relativ viel Zeit notwendig ist, erscheint es interessant, nach der Tiefenlockerung plus Gründüngung zunächst eine bodenschonende Kultur einzuplanen. Getreide und Körnermais sind dafür sehr gut geeignet.


Saatgut, Saatdichte, Sätechnik und Sätermine

Der Erfolg einer Gründüngung steht und fällt mit der Kulturtechnik. Neben den allgemeinen Grundsätzen müssen auch die speziellen Eigenarten und Bedürfnisse der einzelnen Arten berücksichtigt werden. Der Erfolg einer Gründüngungseinsaat hängt in erster Linie von der Saatgutqualität ab. Nur wenn eine ausreichende Keimfähigkeit vorliegt kann der gewünschte Bestand entstehen. Sehr unterschiedlich ist das Tausendkorngewicht der einzelnen Gründüngungsarten. Sogar innerhalb derselben Art schwanken die Werte beachtlich. Will man z. B. eine bestimmte Bestandsdichte erreichen, so ist entsprechend dem TKG und der Keimfähigkeit die notwendige Saatgutmenge je Hektar auszurechnen. Nach folgender Formel ist dies möglich:

Saatgutmenge [kg/ha] = \frac{Pflanzenzahl/qm * TKG (in Gramm)} {Keimfaehigkeit(in %) - 15 %}


Pflanzenart Botanischer Name Familie Tausendkorngewicht (TKG) Keimfähigkeit guter Mittelwerte Saatgutbedarf (kg/ha)[3][4] Bestandsdichte Pfl./qm[3][4]
Futterhirse Sorghum sudanense x saccharatum usw. Gräser (Gramineae) 30 g 85 % 20 kg (15 - 25) 50 Pfl. (40 - 70)
Roggen Secale cereale Gräser (Gramineae) d 32 g, t 50 g 85 % 150 kg (130 - 200) 350 Pfl. (300 - 400)
Deutsches Weidelgras (Engl. Raygras) Lolium perenne Gräser (Gramineae) d 1,8 g; t 3,5 g 90 % 35 kg (30 - 60) -
Einjähriges Weidelgras Lolium westerwoldicum Gräser (Gramineae) d 2,5 g; t 4,0 g 90 % 45 kg (40 - 50) -
Welsches Weidelgras (Ital. Raygras) Lolium multiflorum/italicum Gräser (Gramineae) d 2,0 g; t 4,0 g 90 % 35 kg (30 - 60) -
Weizen Triticum aestivum Gräser (Gramineae) 45 g 85 % 260 kg (240 - 280) 500 Pfl. (450 - 550)
Chinakohlrübsen (Perko) Brassica chinensis x Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 3,4 g 85 % 10 kg (8 - 12) 200 Pfl. (150 - 250)
Ölrettich Rhaphanus sativus var. oleiformis Kreuzblütler (Brassicaceae) 5,0 g 80 % 20 kg (18 - 30) 200 Pfl. (150 - 200)
Sommer-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 3,4 g 85 % 15 kg (13 - 17) 200 Pfl. (150 - 250)
Winter-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 5,0 g 85 % 10 kg (8 - 12) 200 Pfl. (150 - 250)
Sommer-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 3,0 g 85 % 12 kg (10 - 15) 200 Pfl. (150 - 250)
Winter-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 3,0 g 85 % 12 kg (10 - 15) 200 Pfl. (150 - 250)
Gelber Senf Sinaps alba Kreuzblütler (Brassicaceae) 5,0 g 85 % 17 kg (15 - 20) 200 Pfl. (150 - 250)
Ackerbohnen Vicia faba var. minor Leguminosen (Fabaceae) 470 g 85 % 180 kg (160 - 200) 25 Pfl. (20 - 30)
Esparsette (Türkenklee) Onobrychis viciifolia/sativa Leguminosen (Fabaceae) 20 g 80 % 160 kg (140 - 180) 800 Pfl. (700 - 900)
Felderbsen (Peluschke) Pisum arvense/sativum Leguminosen (Fabaceae) 145 g 80 % 220 kg (150 - 260) 100 Pfl. (100 - 120)
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum Leguminosen (Fabaceae) 3,0 g 80 % 32 kg (30 - 35) 800 Pfl. (700 - 900)
Bodenfrüchtiger Klee Trifolium subterraneum Leguminosen (Fabaceae) 8,0 g 80 % 30 kg (28 - 32) 280 Pfl. (250 - 310)
Inkarnat-Klee Trifolium incarnatum Leguminosen (Fabaceae) 3,5 g 80 % 30 kg (25 - 35) 800 Pfl. (700 - 900)
Perser-Klee Trifolium resupinatum Leguminosen (Fabacea) 1,2 g 80 % 20 kg (18 - 20) 800 Pfl. (700 - 900)
Blaue Lupine Lupinus angustifolius Leguminosen (Fabaceae) 170 g 80 % 180 kg (160 - 200) 90 Pfl. (80 - 100)
Gelbe Lupine Lupinus luteus Leguminosen (Fabaceae) 130 g 80 % 170 kg (160 - 180) 90 Pfl. (80 - 100)
Weiße Lupine Lupinus albus Leguminosen (Fabaceae) 430 g 80 % 200 kg (180 - 220) 45 Pfl. (40 - 50)
Luzerne (Ewiger Klee) Medicago sativa Leguminosen (Fabaceae) 2,1 g 80 % 25 kg (23 - 27) 280 Pfl. (250 - 310)
Platterbse Lathyrus sativus Leguminosen (Fabaceae) 120 g 80 % 140 kg (120 - 160) 120 Pfl. (100 - 140)
Serradella (Krallenklee) Ornithopus sativus Leguminosen (Fabaceae) 4,0 g 80 % 42 kg (35 - 50) 800 Pfl. (700 - 900)
Steinklee (Bucharaklee) Melilotus albus Leguminosen (Fabaceae) 2,0 g 80 % 30 kg (25 - 35) 900 Pfl. (800 - 1000)
Sommer-Wicke Vicia sativa Leguminosen (Fabaceae) 80 g 85 % 150 kg (130 - 160) 150 Pfl. (130 - 170)
Winter-Wicke Vicia villosa Leguminosen (Fabaceae) 50 g 85 % 90 kg (80 - 100) 150 Pfl. (130 - 170)
Sonnenblumen Helianthus annuus Korbblütler (Asteraceae) 70 g 85 % 50 kg (40 - 80) 50 Pfl. (40 - 80)
Phacelia Phacelia tanacetifolia Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) 2,2 g 80 % 14 kg (10 - 14) 250 Pfl. (200 - 300)
Landsberger Gemenge Lolium + Trifolium + Vicia Mischkulturen - 80 % 80 kg -
Roggen + Wicken Secale cereale + Vicia villosa Mischkulturen - 85 % 80 kg x 80 kg -
Weizen + Wicken Triticum aestivum + Vicia villosa Mischkulturen - 85 % 80 kg x 80 kg -


Aufgrund der so wichtigen Unkrautunterdrückung ist den Reihenabständen große Bedeutung beizumessen. Zu breite Reihenabstände, z.B. bei Sonnenblumen ergibt einen relativ späten Bestandsschluss. Grundsätzlich sollten möglichst enge Reihenabstände genommen werden. Bei den meisten Gründüngungsarten sind 10 - 20 cm angemessen. In bestimmten Fällen, wie z. B. bei Gräsern, Grobleguminosen und Kreuzblütlern ist auch noch eine exakt durchgeführte Breitsaat akzeptierbar. Die Saatmenge ist jedoch um 10 - 15 % zu erhöhen.


Pflanzenart Botanischer Name Familie Saattiefe (in cm)[3] Reihenabstand (in cm) Haltbarkeit des Saatgutes Keimtemperatur unterer Bereich (° C) Auflauffreudigkeit Trockenresistenz der Kultur
Futterhirse Sorghum sudanense x saccharatum usw. Gräser (Gramineae) 2 - 3 15 - 25 3 - 4 14 - 15 mittel gut
Roggen Secale cereale Gräser (Gramineae) 1 - 2 10 - 15 1 - 2 2 - 5 mittel mittel
Deutsches Weidelgras (Engl. Raygras) Lolium perenne Gräser (Gramineae) 1 10 - 15 2 - 5 2 - 5 mittel mittel
Einjähriges Weidelgras Lolium westerwoldicum Gräser (Gramineae) 1 10 - 15 2 - 5 2 - 5 mittel mittel
Welsches Weidelgras (Ital. Raygras) Lolium multiflorum/italicum Gräser (Gramineae) 1 10 - 15 2 - 5 2 - 5 mittel mittel
Weizen Triticum aestivum Gräser (Gramineae) 3 - 4 10 - 15 2 - 4 2 - 5 mittel mittel
Chinakohlrübsen (Perko) Brassica chinensis x Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 25 3 - 5 2 - 3 gut mittel - gut
Ölrettich Rhaphanus sativus var. oleiformis Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3 - 5 2 - 3 sehr gut mittel - sehr gut
Sommer-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3 - 5 2 - 3 gut mittel - gut
Winter-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3- 5 2 - 3 gut mittel - gut
Sommer-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3 - 5 2 - 3 gut mittel - gut
Winter-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3 - 5 2 - 3 gut mittel - gut
Gelber Senf Sinaps alba Kreuzblütler (Brassicaceae) 1 - 3 10 - 20 3 - 5 2 - 3 gut mittel - gut
Ackerbohnen Vicia faba var. minor Leguminosen (Fabaceae) 4 - 10 20 - 30 3 - 5 2 - 5 gut gering
Esparsette (Türkenklee) Onobrychis viciifolia/sativa Leguminosen (Fabaceae) 2 - 4 10 - 20 2 - 3 8 - 12 mittel sehr gut
Felderbsen (Peluschke) Pisum arvense/sativum Leguminosen (Fabaceae) 4 - 7 15 - 30 3 - 5 2 - 5 mittel mittel
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum Leguminosen (Fabaceae) 1 - 3 10 - 15 2 - 4 5 - 10 mittel gut
Bodenfrüchtiger Klee Trifolium subterraneum Leguminosen (Fabaceae) 1 - 2 10 - 15 2 - 4 5 - 10 gut mittel
Inkarnat-Klee Trifolium incarnatum Leguminosen (Fabaceae) 1 - 2 10 - 15 2 - 4 5- 10 mittel gut
Perser-Klee Trifolium resupinatum Leguminosen (Fabacea) 1 - 2 10 - 15 2 - 4 5 - 10 mittel gut
Blaue Lupine Lupinus angustifolius Leguminosen (Fabaceae) 2 - 4 20 - 30 2 - 4 2 - 5 mittel gut
Gelbe Lupine Lupinus luteus Leguminosen (Fabaceae) 2 - 4 20 - 30 2 - 4 2 - 5 mittel gut
Weiße Lupine Lupinus albus Leguminosen (Fabaceae) 2 - 4 20 - 30 2 - 4 2 - 5 mittel gut
Luzerne (Ewiger Klee) Medicago sativa Leguminosen (Fabaceae) 1 - 2 10 - 14 3 - 5 8 - 12 mittel gut
Platterbse Lathyrus sativus Leguminosen (Fabaceae) 2 - 6 10 - 20 2 - 3 5 - 10 mittel gut
Serradella (Krallenklee) Ornithopus sativus Leguminosen (Fabaceae) 1 - 4 10 - 20 2 - 3 2 - 5 mittel gut
Steinklee (Bucharaklee) Melilotus albus Leguminosen (Fabaceae) 1 - 3 10 - 20 2 - 4 2 - 5 mittel sehr gut
Sommer-Wicke Vicia sativa Leguminosen (Fabaceae) 2 - 6 10 - 20 2 - 4 2 - 5 mittel gering
Winter-Wicke Vicia villosa Leguminosen (Fabaceae) 2 - 5 10 - 20 2 - 4 2 - 5 mittel mittel
Sonnenblumen Helianthus annuus Korbblütler (Asteraceae) 2 - 4 10 - 20 2 - 5 5 - 10 sehr gut sehr gut
Phacelia Phacelia tanacetifolia Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) 1 - 2 10 - 15 3 - 5 5 - 10 mittel mittel
Landsberger Gemenge Lolium + Trifolium + Vicia Mischkulturen 1 - 2 10 - 20 2 - 3 2 - 5 mittel mittel
Roggen + Wicken Secale cereale + Vicia villosa Mischkulturen 2 - 3 10 - 20 1 - 2 2 - 5 mittel mittel
Weizen + Wicken Triticum aestivum + Vicia villosa Mischkulturen 2 - 3 10 - 20 2 - 4 2 - 5 mittel mittel


Bei frühen Saaten ist eine ausreichende Erwärmung des Bodens Voraussetzung für die Keimung. Vor allem Futterhirse, Esparsette und Luzerne haben einen relativ hohen Wärmeanspruch. Für die Aussaat ist es vorteilhaft Sägeräte einzusetzen. Bestandsdichte und Saattiefe werden so meist gleichmäßiger als bei der Breitsaat. Normale Drillmaschinen sind für die üblichen Gründüngungseinsaaten gut geeignet. Ebenfalls verwendbar ist auch die Sembdner Bürstenradsämaschine. Das Einhalten der richtigen Saattermine der verschiedenen Gründüngungskulturen ist von hoher Bedeutung.
Innerhalb der einzelnen Arten gibt es zusätzlich auch noch einen Sorteneffekt, der in Zukunft auch beachtet werden sollte. Zu einem gewissen Grade können wir durch Erhöhung der Pflanzenzahl je qm einen Ausgleich herbeiführen. Die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanzenart sind jedoch zu berücksichtigen.


Pflanzenart Botanischer Name Familie Erste Saat März April Mai Juni Juli Aug. Sept. letzte Saat
Futterhirse Sorghum sudanense x saccharatum usw. Gräser (Gramineae) 01.05. xXXX XXXX XX 15.07.
Roggen Secale cereale Gräser (Gramineae) 01.03.-15.04. XXXX XXXX XXXX OOOO 01.09.-15.10.
Deutsches Weidelgras (Engl. Raygras) Lolium perenne Gräser (Gramineae) 01.03. xXXX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX OOoo 01.10.
Einjähriges Weidelgras Lolium westerwoldicum Gräser (Gramineae) 15.03. xX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX o 05.09.
Welsches Weidelgras (Ital. Raygras) Lolium multiflorum/italicum Gräser (Gramineae) 01.03. xXXX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX OOoo 01.10.
Weizen Triticum aestivum Gräser (Gramineae) 01.03. xXXX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX OOOO 15.11.
Chinakohlrübsen (Perko) Brassica chinensis x Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 15.03. xx xxxx xxXX XXXX XXXX XXXX OOOo 01.10.
Ölrettich Rhaphanus sativus var. oleiformis Kreuzblütler (Brassicaceae) 15.03. xX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX o 05.09.
Sommer-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 15.03. xx xxxx xxxx xxxx XXXX XXXX o 05.09.
Winter-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) 01.07. xXXX XXXX OOOo 01.10.
Sommer-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 15.03. xx xxxx xxxx xxxx xxxx XXXX o 05.09.
Winter-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) 01.07. xXXX XXXX OOOo 01.10.
Gelber Senf Sinaps alba Kreuzblütler (Brassicaceae) 15.03. xx xxxx xxxx xxxx xXXX XXXX Xo 15.09.
Ackerbohnen Vicia faba var. minor Leguminosen (Fabaceae) 25.02. XXXX XXXX XXXX XXXX XXx 20.07.
Esparsette (Türkenklee) Onobrychis viciifolia/sativa Leguminosen (Fabaceae) 15.04. xX XXXX XXXX XXXx 01.08.
Felderbsen (Peluschke) Pisum arvense/sativum Leguminosen (Fabaceae) 25.02. XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX XO 15.08.
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXX Xo 15.08.
Bodenfrüchtiger Klee Trifolium subterraneum Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Inkarnat-Klee Trifolium incarnatum Leguminosen (Fabaceae) 01.04. XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX XOOO o 05.09.
Perser-Klee Trifolium resupinatum Leguminosen (Fabacea) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXX Xo 15.08.
Blaue Lupine Lupinus angustifolius Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXO o 10.08.
Gelbe Lupine Lupinus luteus Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Weiße Lupine Lupinus albus Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Luzerne (Ewiger Klee) Medicago sativa Leguminosen (Fabaceae) 15.04. xX XXXX XXXX XXXO oo 15.08.
Platterbse Lathyrus sativus Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Serradella (Krallenklee) Ornithopus sativus Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Steinklee (Bucharaklee) Melilotus albus Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXo 01.08.
Sommer-Wicke Vicia sativa Leguminosen (Fabaceae) 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXx 01.08.
Winter-Wicke Vicia villosa Leguminosen (Fabaceae) 15.07. xX OOOO OOOo 01.10
Sonnenblumen Helianthus annuus Korbblütler (Asteraceae) 13.04. xX XXXX XXXX XXXX XXo 20.08.
Phacelia Phacelia tanacetifolia Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) 15.04. xX XXXX XXXX XXXX XXXo 01.09.
Landsberger Gemenge Lolium + Trifolium + Vicia Mischkulturen 01.04. xXXX XXXX XXXX XXXX XXXX Oo 15.09.
Roggen + Wicken Secale cereale + Vicia villosa Mischkulturen 15.03. xX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX OOOo 01.10.
Weizen + Wicken Triticum aestivum + Vicia villosa Mischkulturen 15.03. xX XXXX XXXX XXXX XXXX XXXX OOOo 01.10.


X: Hauptsaattermin
x: evtl. noch geeigneter Saattermin
O: guter Ertrag erst im Folgejahr o: evtl. noch geeigneter Saattermin für guten Ertrag im Folgejahr


Düngung

Gründüngungsbestände sollen zügig wachsen. Zu diesem Zweck ist eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen. Da kein Phosphor und Kali vom Feld abgefahren wird, muss bei gut versorgten Böden (CAL Stufe C) kein P205 bzw. K20 gegeben werden. Im Rahmen der Fruchtfolgedüngung kann es jedoch evtl. vorteilhaft sein, die später benötigten Nährstoffe schon zur Gründüngungskultur zu verabreichen. Bei unterversorgten Böden ist etwa 50 kg P205, 200 kg K20 und 30 kg MgO je Hektar zu geben. An Stickstoff benötigen die Leguminosen etwa 30 - 50 kg /ha und die anderen Pflanzenarten etwa 100 - 160 kg N/ha in den ersten 10 - 12 Wochen, falls der Boden keine N-min Vorräte hat. Mit Hilfe einer Nmin-Untersuchung können natürlich auch hier die Nitratreserven berücksichtigt werden. Die angegebenen N-Bedarfswerte lassen sich dadurch oft erheblich reduzieren. Nach Vorkulturen wie Blumenkohl oder frühem Kohlrabi z.B., die häufig hohe Rest N-Mengen hinterlassen, kann auch bei Nicht-Leguminosen je nach Bodenwerten auf eine N-Gabe verzichtet oder diese erheblich reduziert werden. Da keine Pflanzenteile vom Feld entnommen werden, stehen die gegebenen Nährstoffe zum großen Teil nach der Mineralisierung wieder zur Verfügung. Beim Stickstoff können allerdings größere Mengen verloren gehen. Der genaue Anteil ist nur sehr schwer vorherzusagen. Da wir mit dem Gründüngungsanbau große Massen an Pflanzensubstanz in den Boden einarbeiten, ist der Kalkversorgung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Mit Hilfe der routinemäßigen Bodenanalysen lässt sich diese jedoch leicht kontrollieren.

Unkrautbekämpfung

Für den Regelfall ist bei der Gründüngung keine Unkrautbekämpfung vorzusehen. Die Wüchsigkeit sollte so groß sein, daß Unkräuter zwar noch auflaufen können, anschließend jedoch überwachsen werden. Enger Saatreihenabstand von 12-15 cm (wie bei Getreide) ist hierbei notwendig und auch in fast allen Fällen möglich. Bei Wassermangel können jedoch Unkräuter die Kultur unter Umständen überwachsen. Es empfiehlt sich eine rechtzeitige Beregnung, denn verträgliche Herbizide für den Nachauflauf stehen bei Kreuzblütlern und Phacelia nicht zur Verfügung. Ist keine Beregnung möglich, ist der Anbau von Sonnenblumen überlegenswert. Notfalls können bei Grasaussaaten einfache Wuchsstoffmittel (MCPA, 1-1,5 I/ha) eingesetzt werden. Zu beachten ist jedoch die starke Gefährdung benachbarter Gemüse-, Raps-, Wein- und Tabakkulturen durch Abdrift der Wuchsstoffe. Diese Mittel können auch ohne direkte Abdrift Schäden ausrichten, da sie sehr leicht verdampfen und in die Nachbarkultur verweht werden. In solchen Fällen wäre wuchsstofffreien Kontaktmitteln der Vorzug einzuräumen. Um Schäden beim weiteren Gebrauch der Spritzgeräte auszuschließen, sind diese gründlich zu reinigen.

Nachbauprobleme durch die im Gemüsebau üblichen Herbizide sind in der Regel für die Nachkulturen nicht zu erwarten. Eine Ausnahme bildet nur Kerb, das zu Salat eingesetzt werden kann. In diesem Fall ist eine Einsaat von Gräsern (einschließlich Getreide) nicht möglich. Grasarten werden von diesen Mitteln in noch sehr geringen Mengen stark geschädigt. Sonnenblumen, Brassicaceae und Leguminosen sind dagegen wenig empfindlich.

Krankheiten und Schädlinge

Bei den nur kurze Zeit stehenden Gründüngungspflanzen gibt es kaum Pflanzenschutzprobleme. Eine Ausnahme bilden die kreuzblütigen Pflanzenarten, an denen in vielen Jahren die Rübsenblattwespe zu finden ist. Bei massivem Auftreten können ihre Larven in kurzer Zeit ganze Felder abfressen. Um den Erfolg einer Gründüngung nicht zu gefährden, kann es in Ausnahmefällen zweckmäßig sein, eine Insektizid-Behandlung durchzuführen.

Von größerer Bedeutung als die direkte Schädigung des Gründüngungsbestandes ist die indirekte Gefahr der Vermehrung von Krankheiten und Schädlingen für die nachfolgende Kultur. Dies gilt grundsätzlich immer dann, wenn die Gründüngungspflanze und die nachfolgenden Kulturpflanzen nahe verwandt sind.

In Kohlanbauenden Betrieben sollten wegen der Gefahr der Kohlhernie keine Kreuzblütler angebaut werden. Bei starkem Rettichanbau sollte an eine mögliche Übertragung der Rettichschwärze gedacht werden. Die mögliche Vermehrung des Rübennematoden durch kreuzblütige Gründüngungspflanzen kann vor allem in Betrieben, die neben Kohl auch Zuckerrüben anbauen, eine bedeutende Rolle spielen. Trotz ihrer vielen positiven Eigenschaften als Gründüngungspflanze ist die Sonnenblume aus der Sicht des Pflanzenschutzes in vielen Betrieben als sehr problematisch einzustufen. Neben Kartoffeln, Salat, Möhren u.a. stellt sie eine hervorragende Wirtspflanze für Sclerotinia dar (Weisshosigkeit bei Kartoffel, Fäule bei Salat, Weißfäule bei Möhren u.a.). An Sonnenblumen ruft dieser Pilz eine Weißfäule hervor. Besonders im Jahr 1985 waren viele befallene Gründüngungsbestände zu finden. Die Gefahr durch diese Krankheit ist besonders aufgrund der Dauerkörper des Pilzes, die über viele Jahre im Boden lebensfähig bleiben, sehr groß.
Dies gilt auch für Ölrettich: Untersuchungen aus den Jahren 1985 und 1986 zeigen, daß Pfälzer Kohlhernieherkünfte (Schifferstadt, Lambsheim, Ruchheim) bei 9 geprüften Ölrettichsorten Befallsgrade von 0-35 % hervorrufen können. Dieses Ergebnis widerspricht zwar Untersuchungen aus anderen Regionen der Bundesrepublik (dort konnte kein Befall an Ölrettich festgestellt werden), dennoch sollte vorsichtshalber bis zur endgültigen Klärung dieses Problems, auch auf den Abbau von Ölrettich in Kohl anbauenden Betrieben verzichtet werden.


Wasserbedarf und Beregnung

Je nach Saattermin und Pflanzenart besteht ein unterschiedlicher Wasserbedarf. In der relativ regenarmen Vorder- und Südpfalz (500 - 600 mm je Jahr) haben Gründüngungsaussaaten im Sommer oft große Probleme. Ohne zusätzliche Beregnung ist manchmal ein Auflaufen bzw. Wachstum nicht möglich. In solchen Fällen sind auflauffreudige Pflanzenarten, wie z. B. Sonnenblumen erheblich sicherer im Anbau. Auch später in der Vegetationszeit kommt die Sonnenblume mit erheblich geringeren Niederschlägen als andere Arten zurecht. Da in den meisten Gemüsebaubetrieben beregnet werden kann, sollte soweit möglich, vor allem zur Sicherung der Auflaufens und der Jugendentwicklung beregnet werden.


Zwischenschnitt und Kulturbeendigung

Steht z. B. ein Weidelgrasbestand länger als 8 Wochen, so ist an einen Zwischenschnitt zu denken. Bevor der Aufwuchs zu dicht wird, sollte er lieber gemäht bzw. gemulcht werden. Das Zerkleinern der oberirdischen Grünmasse kann durch Schlegelgeräte, aber auch durch hochgestellte (schwere) Fräsen, Scheibeneggen (evtl. mehrmaliges Überfahren notwendig) und Mulchgeräte erfolgen. Große Mengen an Frischsubstanz sollten nicht direkt in den Boden eingearbeitet werden, sondern zunächst mehrere Tage auf dem Feld verrotten. Es kann sonst unter bestimmten Umständen zu Wuchshemmungen bei den Folgekulturen kommen[5] Mit den heute am Markt befindlichen Schlegelmulchgeräten ist eine zufriedenstellende Zerkleinerung der Gründüngungsbestände (auch Sonnenblumen) möglich.

Pflanzenart Botanischer Name Familie Zwischenschnitteignung Kulturende durch ...
Futterhirse Sorghum sudanense x saccharatum usw. Gräser (Gramineae) ja, 15 - 20 cm WFrost, evtl. Blüte
Roggen Secale cereale Gräser (Gramineae) nein Blüte
Deutsches Weidelgras (Engl. Raygras) Lolium perenne Gräser (Gramineae) ja, 6 - 10 cm beliebig
Einjähriges Weidelgras Lolium westerwoldicum Gräser (Gramineae) ja, 6 - 10 cm Frost
Welsches Weidelgras (Ital. Raygras) Lolium multiflorum/italicum Gräser (Gramineae) ja, 6 - 10 cm beliebig
Weizen Triticum aestivum Gräser (Gramineae) nein Blüte
Chinakohlrübsen (Perko) Brassica chinensis x Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) ja, 8 - 12 cm Blüte
Ölrettich Rhaphanus sativus var. oleiformis Kreuzblütler (Brassicaceae) nein Blüte oder Frost
Sommer-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) nein Blüte, evtl. Frost
Winter-Raps Brassica napus Kreuzblütler (Brassicaceae) ja, 10 - 15 cm Blüte
Sommer-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) nein Frost oder Blüte
Winter-Rübsen Brassica rapa Kreuzblütler (Brassicaceae) ja, 10 - 15 cm Blüte
Gelber Senf Sinaps alba Kreuzblütler (Brassicaceae) nein Frost oder Blüte
Ackerbohnen Vicia faba var. minor Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Esparsette (Türkenklee) Onobrychis viciifolia/sativa Leguminosen (Fabaceae) ja, 10 - 15 cm beliebig
Felderbsen (Peluschke) Pisum arvense/sativum Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Alexandriner-Klee Trifolium alexandrinum Leguminosen (Fabaceae) ja, 10 - 15 cm Frost
Bodenfrüchtiger Klee Trifolium subterraneum Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Inkarnat-Klee Trifolium incarnatum Leguminosen (Fabaceae) ja, 10 - 15 cm beliebig
Perser-Klee Trifolium resupinatum Leguminosen (Fabacea) ja, 10 - 15 cm Frost
Blaue Lupine Lupinus angustifolius Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Gelbe Lupine Lupinus luteus Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Weiße Lupine Lupinus albus Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Luzerne (Ewiger Klee) Medicago sativa Leguminosen (Fabaceae) ja, 10 - 15 cm beliebig
Platterbse Lathyrus sativus Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Serradella (Krallenklee) Ornithopus sativus Leguminosen (Fabaceae) ja, 10 - 15 cm Frost
Steinklee (Bucharaklee) Melilotus albus Leguminosen (Fabaceae) ja, 15 - 20 cm Blüte oder beliebig
Sommer-Wicke Vicia sativa Leguminosen (Fabaceae) nein Frost oder Blüte
Winter-Wicke Vicia villosa Leguminosen (Fabaceae) nein Blüte
Sonnenblumen Helianthus annuus Korbblütler (Asteraceae) nein Frost oder Blüte
Phacelia Phacelia tanacetifolia Wasserblattgewächse (Hydrophyllaceae) nein Frost oder Blüte
Landsberger Gemenge Lolium + Trifolium + Vicia Mischkulturen nein Blüte
Roggen + Wicken Secale cereale + Vicia villosa Mischkulturen nein Blüte
Weizen + Wicken Triticum aestivum + Vicia villosa Mischkulturen nein Blüte


Versuchsergebnisse

Versuche mit Gründüngungseinsaaten in gemüsebaulichen Fruchtfolgen sind selten. Es ist deshalb für jeden Gemüseanbauer besonders wichtig, diese zu kennen. Da die Wirkung der Gründüngung vor allem über die Jahre hinweg zu sehen ist, werden im Folgenden nur die Ergebnisse mehrjähriger Untersuchungen vorgestellt. Zur Verstärkung der Aussagekraft und weil in vielen Betrieben der Ackerbau mit Gemüsebau kombiniert ist, sind auch einige Versuchsergebnisse aus dem Ackerbau aufgeführt.


Quellen

Josef Schlaghecken (1988 / 2010): Neustadter Hefte: Gründüngung im Gemüsebau. Herausgeber DLR Rheinpfalz. Neustadt an der Weinstraße. 


Einzelnachweise

  1. "Faustzahlen für Landwirtschaft und Gartenbau",Ruhr Stickstoff-AG, Bochum, 1983
  2. Kahnt, G.:"Gründüngung". DLG Verlag, Frankfurt 1981
  3. a b c Probst, G. und M.:"Praktische Gründüngung". München 1982, Siebeneicher Verlag
  4. a b J. und E. Esser, Lütke Entrup:"Ackerfruchtbau und Gründüngung haben Zukunft", Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup, Münster, 1982
  5. Beckmann, E.-O. und Neffke, K.:"Wirkung von Rettichzusätzen in verschiedenen Substraten auf Kopfsalat". Gartenbauwissenschaften 43, 2, s. 70-78